Carsten Nicolai – Spaces in between

Apr 1 • Berlin, Deutschland, Englisch, Podcast, Portraits • 2379 Views • Keine Kommentare

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Mit seinen Arbeiten überwindet Carsten Nicolai die Trennung sensorischer Wahrnehmungsformen. Sound wird sichtbar gemacht, Lichtfrequenzen werden gehört. Klang, Licht, Zeit und Raum sind Eckpunkte der Arbeiten des Künstlers, der weder politische Kunst macht noch einen selbstreflexiven Diskurs über Kunst führt, sondern erforschend zu Grenzbereichen der Wahrnehmung vordringen will, von denen wir uns keine Vorstellung machen und die nichts desto trotz auf uns wirken. Nicolai ist in seiner Kunst experimentell in wissenschaftlichem Sinne. Er formuliert präzise Bedingungen, räumt weg, was unnötig ist, definiert Umgebungen, denen seine Kunstwerke entwachsen: manchmal durch den Einfluss des Publikums, manchmal durch Momente der Störung, der Unschärfe oder des Zufalls im System. Selbstorganisierte Prozesse, wie beispielsweise die Bildung von Schneeflocken in der Luft aufgrund von Unreinheiten und Störungen, faszinieren ihn. Durch das Entstehungsmoment der Selbstorganisation und des Zufalls tritt er als Künstler in den Hintergrund, er vermeidet die Personifizierung seiner Kunstwerke. Diese stehen für sich.

Angefangen hat Carsten Nicolai mit der Malerei. Zunächst ganz klassisch Öl auf Leinwand, dann jedoch beginnt mit der Erforschung neuer künstlerischer Möglichkeiten auch die Suche nach anderer, seine Vorhaben unterstützender Materialität. Die herkömmliche Leinwand weicht transluzenten Polyesterrahmen, in denen sich das eintreffende Licht bricht, wodurch Farbe im Bild erzeugt wird. Auf Lautsprechern platzierte, mit Flüssigkeit gefüllte Becken werden mit digital bearbeiteten Soundmustern bespielt und bilden auf ihrer Oberfläche Frequenzmuster ab. In einer Glasröhre werden durch die Explosion eines Gasgemischs 334 Meter pro Sekunde – die Geschwindigkeit von Sound – sichtbar gemacht. Auf seinem Label raster-noton veröffentlicht der Künstler unter dem Pseudonym “alva noto” Soundarbeiten, entworfen mit einem Editing Programm, das nicht in Realtime arbeitet und in dem Sound folglich visuell entworfen werden muss. Seine Arbeit am Sound versteht Carsten Nicolai als visuelle Arbeit, er macht nicht Musik, sondern bezeichnet sich als visueller Komponist.

Der 1965 in Karl-Marx-Stadt geborene Künstler ist mit seinen Arbeiten äußerst erfolgreich. Preise, knapp zwanzig Solo Ausstellungen von Berlin bis Tokio, Biennalen, Gruppenausstellungen, dazu noch alva noto Performances im New Yorker Guggenheim, Centre Pompidou, Kunsthaus Graz oder auch der Tate Modern. Seine Arbeiten werden global wahrgenommen, in seinen Arbeiten aber fasziniert ihn das Detail, das Fragment, das Teilstück in dem sich, der These des Philosophen Marcello Viccini zu Folge, die gesammte Information des großen Ganzen aufbewahre. (wh)

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