Gertraud und Dieter Bogner – Kunst sammeln, Ideen nutzbar machen.

Jul 22 • Deutsch, Podcast, Portraits, Sammlungen, Schloss Buchberg, Video • 4312 Views • Keine Kommentare

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Leistungen der Vergangenheit ergreifen und nutzbar machen, damit man Zukunft entwickeln kann. Ein Portrait der Sammler Gertraud und Dieter Bogner.

Begonnen hat die Sammlertätigkeit von Gertrud und Dieter Bogner Ende der siebziger Jahre mit der Erbschaft von Schloß Buchberg im niederösterreichischen Kamptal. Das Schloss ist von einer Jahrhunderte dauernden Errichtungsgeschichte mit zahlreichen Erweiterungen geprägt. Wer Zimmer, Höfe, Türme, Gänge, Außenräume auf mehreren Ebenen durchwandert, erhält den Eindruck in einem Dorf umherzustreifen, der Gedanke in einem großen Haus zu sein verläuft sich. Die schiere Vielfalt und Größe des Raumangebots warf für die neuen Besitzer die Frage nach einer sinnvollen Nutzung auf. Vor über dreißig Jahren fiel die Entscheidung, das Gebäude für zeitgenössische Kunst zu nutzen, sie markiert auch den Beginn der Sammlertätigkeit von Gertraud und Dieter Bogner.

Inzwischen hat das Schloss den Namen Kunstraum Buchberg erhalten und im Gegensatz zu anderen Kunsträumen beherbergt es seit 1983 dauerhaft integrierte, raumbezogene Kunst. Die sammlerische Ausrichtung wies zunächst eher in den geometrisch-konstruktiven Bereich, mit Monika Brandmaier nimmt sie eine Wendung in eine konzeptuell-assoziative Richtung, wobei die Sammler anmerken, dass jeder Versuch einer übergreifenden Bezeichnung ihrer Sammlung bei den beteiligten Künstlern immer auch auf Gegenstimmen stoße.
 
Die Sammlung umfasst unter anderem Arbeiten von Roland Goeschl, Dan Graham, Francois Morellet, Peter Weibel, Stanislav Kolibal, Heimo Zobernig, Thomas Kaminsky oder Dorit Magreiter. Geht es um Merkmale, die deren Arbeiten jenseits von Stilrichtungen verbinden und zugleich um den Kunstort Schloß Buchberg mit seinen Workshops, Seminaren, Forschungsprojekten eine inhaltliche Klammer legen, so ist es die Auseinandersetzung mit neuen Phänomenen in der Kunst und ihren Anknüpfungspunkten in der Geschichte. “Die Verknüpfung von Generationen und die Sprünge vor und zurück”, darin, sagt Dieter Bogner, bestehe das Leben dieser ganzen Konzeption.
 
Ein persönlich wichtiges und mit ihrer Ausrichtung im Schloß Buchberg eng verbundenes Projekt der beiden Sammlerpersönlichkeiten besteht in der Auseinandersetzung mit dem architektonisch und künstlerischen Werk des De Stijl Vertreters Friedrich Kieslers und der Errichtung und Betreuung der Kiesler Stiftung. Im Jahr 1997 konnte mit Mitteln des Bundes der Nachlass von Lilian und Friedrich Kiesler erworben und nach Wien gebracht werden. Dass der Aufbau und die Entwicklung der Kiesler Stiftung in Wien gelungen ist, geht unter anderem auf das Engagement der beiden Sammler zurück. Es war ihnen wichtig, aufzuzeigen, dass die Wurzeln der geometrisch-konstruktiven Kunst auch in Österreich zu suchen sind und es hier mit Friedrich Kiesler, Mathias Hauer, Alois Riegl oder auch Sigmund Freud eine vielseitige Tradition eines abstrakten, analytischen und konstruktiven Denkens gibt.
 
Indem die Kiesler Stiftung das Archiv Kieslers für Forschung zugänglich macht und alle zwei Jahre einen Preis für Leistungen im Bereich Kunst und Architektur vergibt, die Kieslers innovativen Ansätzen entsprechen, findet sich das für die Sammlung Bogner typische Merkmal nach Auseinandersetzung über die Zeiten hinweg auch in diesem Bereich wieder. Museum und auch Sammlung sei “eine zukunftsorientierte Idee, die Produkte, Erinnerungen, Leistungen der Vergangenheit ergreift und nutzbar macht, damit man Zukunft entwickeln kann.” erläutern die Sammler, die beruflich als Museumsplaner tätig sind. In den letzten Jahren haben vom Kunsthaus Graz über das Louvre bis hin zum Museum of Contemporary Art New York zahlreiche Museen in der museologischen Umsetzung von ihrer Beratung profitiert. (wh)

Dieser Beitrag konnte mit freundlicher Unterstützung des UNIQA ArtCercles verwirklicht werden.

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