Michael Braunsteiner – Outsider Art. Die Sammlung Prinzhorn.

Sep 2 • Admont, Audio, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Stift Admont, Österreich • 1254 Views • Keine Kommentare

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Durch den Aufbau einer einzigartige Sammlung von Werken aus psychiatrischen Anstalten ermöglichte der Kunsthistoriker und Arzt Hans Prinzhorn eine Neubewertung der “Irrenkunst” und ihrer Schöpfer.

Interview mit Michael Braunsteiner zur Sammlung Prinzhorn, Teil 1

Interview mit Michael Braunsteiner zur Sammlung Prinzhorn, Teil 2

Interview mit Michael Braunsteiner zur Sammlung Prinzhorn, Teil 3

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckte die künstlerische Moderne im Zuge ihrer Suche nach den „Uranfängen“ der Kunst die damals so genannte „Irrenkunst“. Gleichzeitig begann unter Psychiatern, die hofften, Werke von Anstaltsinsassen diagnostisch verwerten zu können, erstmals eine umfassendere Sammlertätigkeit. So lautete auch der Auftrag an den Kunsthistoriker und Arzt Hans Prinzhorn (1886-1933), der im Jahr 1919 an die Heidelberger Klinik gerufen wurde, er solle die kleine Lehrsammlung der Anstalt erweitern und nach Methoden forschen, um aus den gestalterischen Arbeiten der Patienten Rückschlüsse auf die Art ihrer Krankheit zu ziehen. Prinzhorn lehnte jedoch einen rein fachspezifischen, psychiatrischen Zugang zu den Arbeiten ab. Stattdessen setzte er sie in einen kunsttheoretischen Kontext und rückte damit erstmals die ästhetische Schönheit der marginalisierten „Irrenkunst“ ins Blickfeld – eine Pionierleistung.

Im Jahr 1922 publizierte Prinzhorn das Buch „Bildnerei der Geisteskranken“, in dem er einen großen Teil der Sammlung dokumentierte und interpretierte, wobei er Parallelen zu anderen Formen künstlerischen Gestaltens und zur Gegenwartskunst zog. Während Kollegen mehrheitlich ablehnend reagierten, wurde das Buch von der modernen Kunstwelt begeistert aufgenommen. Es inspirierte Künstler wie Max Ernst, Alfred Kubin oder Pablo Picasso und gewann einen wesentlichen Einfluss auf die Kunsttheorie und -rezeption des 20. Jahrhunderts, was sich nicht zuletzt auch in der heutigen Beschäftigung mit „Zustandsgebundener Kunst“ und „Outsider Art“ niederschlägt.

Die Sammlung Prinzhorn umfasst heute 5000 Objekte von 435 meist als schizophren geltenden Patienten verschiedener sozialer Herkunft und Altersstufe. Sie vereint Zeichnungen, Gemälde, Collagen, Textilien, Skulpturen und Texte, die zwischen 1880 und 1933 in psychiatrischen Anstalten vorwiegend im deutschsprachigen Raum entstanden sind.

Der Beitrag ist anlässlich der Präsentation einer Auswahl der Sammlung Prinzhorn im Museum für Gegenwartskunst des Benediktinerstifts Admont entstanden. (sh)

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