Kreuzweise – x projekte der arbeitsgruppe 4

Mrz 10 • Architekturzentrum Wien, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Kunsträume, Podcast, Video, Wien, Österreich • 2024 Views • Keine Kommentare

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (No Ratings Yet)
Loading ... Loading ...

Die Kuratorinnen des Architekturzentrums Wien, Sonja Pisarik und Ute Waditschatka entdecken die Welt der Nachkriegsarchitektur Österreichs. Eine Retrospektive der Projekte der „arbeitsgruppe 4“.

”Wir wollten nie etwas umstoßen, sondern auf der Tradition aufbauen”. Dass Wilhelm Holzbauer im Rückblick das Aufbauende als einen zentralen Aspekt der Arbeitsgruppe 4 hervorhebt, wird verständlich, betrachtete man Zeit und Situation ihres Entstehens. Die Nachkriegszeit, gekennzeichnet durch finanzielle Not und Wiederaufbau des Landes, kam den neuen Trends einer sich entwickelnden Moderne nicht wirklich entgegen. Wenn sich gerade auf diesem Boden neue Strömungen entfalten konnten, dann hat das wohl damit zu tun, dass die Sehnsucht nach den guten alten Zeiten und nach Sicherheit die Kulturszene herausgefordert hat. Während die Kunst-Avantgarde aufgrund ihrer nicht auf Nutzbarkeit ausgerichteten Arbeit eine relativ entspannte Ausgangssituation hatte, galt es in der Architekturszene Politiker, Beamte und eine konservativen Gesellschaft von den eigenen Visionen und ihrer Umsetzbarkeit zu überzeugen. Mit Johannes Spalt, Wilhelm Holzbauer, Friedrich Kurrent und Otto Leitner fanden sich in Österreich vier Visionäre, die bereit waren, sich dieser Herausforderung zu stellen und zugleich aufbauend zu wirken.

An der Wiener Akademie der bildenden Künste unter Clemens Holzmeister ausgebildet, gründeten sie bereits zu Beginn ihres Studiums, 1952, eine Arbeitsgemeinschaft. Ihr „Meister“ erschien selten zu Korrekturterminen, betrachtete die kreativen Versuche seiner Studenten jedoch wohlwollend. Die Salzburger “Schule des Sehens”, die Sommerakademie unter Leitung von Oskar Kokoschka, hat zur Entwicklung der Kunst und Architektur viel beigetragen. Hier machten die vier Bekanntschaft mit dem 1941 in die USA emigrierten Architekten Konrad Wachsmann, der mit seiner innovativen Arbeitsweise erheblichen Einfluss auf die Gruppe ausübte. Im Umfeld der Gruppe fanden sich Dichter, Komponisten und Filmemachern wie beispielweise die Wiener Gruppe, Peter Kubelka, das Musikensemble die reihe, die gemeinsam Feste feierten, sich darüber hinaus aber auch inhaltlich beeinflussten.

Bereits nach einem Jahr schied Otto Leitner aus der Gruppe aus. Anlass dazu gab der Wettbewerb für das Museum der Stadt Wien am Karlsplatz, an dem Leitner alleine teilnehmen wollte. Das Konzept seiner Kollegen Spalt, Kurrent und Holzmeister ging aus dem Rennen zwar nicht als Sieger hervor, ebnete ihnen jedoch den Weg für die folgenden Projekte. Der inoffizielle Name der Gruppe, „die 3/4ler“, verdankt sich der Designerin Anna-Lülja Praun. Er reflektiert die Trennung Leitners von der Gruppe mit Humor.?Die neue Konstellation hielt sich bis 1956. Holzbauers Reise in die USA sowie unterschiedliche Blickwinkel der einzelnen Mitglieder auf die Rolle des Architekten im öffentlichen Leben führten zu einer weiteren Verkleinerung des Teams.

Besonderen Ruf genoss die arbeitsgruppe 4 im Kirchenbau. Nicht weil sie sich der Tradition verschrieben, sondern weil zu dieser Zeit die Kirche als Auftraggeber die Mittel und auch den Mut hatte, sich ihre extravaganten Projekte zu leisten. Viele ihrer Projekte wurden bei Wettbewerben ausgezeichnet, im Wohnbau konnte keine ihrer Arbeiten verwirklicht werden. Ihre Ideen, allen voran die Wohnraumschule, galten als zukunftsweisend, oder anders betrachtet als zu innovativ für ihre Zeit. Dies galt auch für ihr städtebauliches Konzept. Erst Jahre später wurden – mit der Nachnutzung der Flaktürme oder der Umlenkung der Argentinierstrasse um die Karlskirche herum, Ideen der Gruppe aufgegriffen.

FacebookTwitterGoogle+tumblrEmail

Related Posts

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

« »