Slow Fashion Award 2010 – Wien / Agadez

Apr 21 • Awards, Deutsch, Englisch, Interviews, Podcast, Portraits, Video • 11043 Views • Keine Kommentare

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Zum dritten Mal wird der Slow Fashion Award verliehen. Wir haben mit teilnehmenden Designern über ihre Auffassung der Nachhaltigkeit in der Mode gesprochen.

Mittlerweile greift man mit Selbstverständlichkeit in das Regal mit Bio Eiern, isst Äpfel von heimischen Bäumen, trinkt den Fair Trade Kaffe und verzichtet auf Erdbeeren im Dezember. Klimawandel? Vielleicht. Vielleicht will man aber nur einen Gang runter schalten – slower, nachhaltiger leben.  Das Wort Nachhaltigkeit wird seit Jahren immer wieder für das Wort des Jahres nominiert – Zeitgeist also!

Die Modebranche schien lange Zeit vom Ansinnen um Nachhaltigkeit befreit – jährlich jagen die Herbst/Winter- den Sommerkollektionen hinterher, billige T-Shirts aus Asien nicht einberechnet. Dass es aber auch anderes geht und man deswegen nicht zwangläufig zu Jutte greifen muss, beweist die Wiener Slow Fashion Agentur. Das Konzept setzt auf Nachhaltigkeit in der Modeindustrie und beim Design. Hohe Qualität, kleine Serien, regionale Produktionen und faire Arbeitsbedingungen statt nähende Kinder in Bangladesh machen Slow Fashion zum „Bio Ei“ der Modebranche. Die Bewegung setzt auf bewussten Umgang mit Mode: „Wir müssen wieder ein Gespür für Qualität entwickeln, sollten uns Gedanken darüber machen, welche Kleidung wir kaufen und von wem diese unter welchen Bedingungen hergestellt wurde“, so Lisa Niedermayr, die zusammen mit Barbara Denk die Slow Fashion Agentur leitet. Umdenken wird erfordert, auch beim Konsumenten.

Die Verkaufsausstellung für Mode, Schmuck und Accessoires – MODEPALAST 2010 – im Wiener Museum für angewandte Kunst setzt dieses Jahr auf „Green Design“, die Verknüpfung von ökologischen mit ökonomischen Kriterien beim Design und Mode. Im Rahmen des diesjährigen MODEPALAST wird auch der Slow Fashion Award verliehen.
Der Slow Fashion Award 2010 ist ein Designwettbewerb der besonderen Art. Zehn Designer setzen sich im Rahmen des Wettbewerbs mit den Produktions- und Nutzungskreislauf afrikanischer Textilien auseinander und machen die Weiterverarbeitung der Textilien zu Recycling Accessoires in der Öffentlichkeit salonfähig.

Nach dem Motto aus Alt macht Neu, bekamen die teilnehmenden Designer Kleidung aus dem Afrikanischen Agadez; Festtagsgewänder, Hauskleider, Alltagskleider – ein Querschnitt durch die nigrische Kleidung, eine nigrische Babytragetasche in Leder inklusive. Die Aufgabe bestand darin, aus diesen Stücken wirtschaftsfähige und innovative Accessoires zu entwickeln.

Für den Endverbraucher ist es ein Stück interkultureller Kommunikation, wenn er eine Tasche besitzt, deren Stoff vorher das Hochzeitkleid einer nigrischen Frau war. Die Teilnehmer des Slow Fashion Award Wettbewerbes sehen die Bedeutung vor allem im bewussteren Arbeiten. Die Materialen bringen bereits eine Geschichte mit. Es gilt diese Geschichte weitererzählen und nicht vergessen zu lassen – durchaus ein denkenswerter Ansatz, um die Nachhaltigkeit in die Mode zu integrieren.
Nachhaltiges Arbeiten bedeutet aber auch die Qualität zu liefern, dass Kleidung länger getragen werden kann. „Ich kann nicht akzeptieren, dass man die Kleider wegwirft nur weil Frühling ist“ soll Coco Chanel einmal gesagt haben. Die prominenten Vordenker gibt es also bereits.

Es bleibt abzuwarten, ob der Moderecycling-Gedanke bei der breiten Öffentlichkeit das Selbstverständnis bekommt, das im Nahrungsmittelbereich bereits besteht. Was aber auf jeden Fall als bewiesen verbucht werden kann, ist die Tatsache, dass man als Slow Fashion Anhänger nicht zwangsläufig auf Birkenstock’s und Selbstgestricktes angewiesen ist. Kleider machen Leute. (oh)

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