Allyson Mitchell – Pelzige Kritik

Mai 12 • Artists in Residency, Englisch, ISCP, New York, Podcast, Portraits, USA, Video • 1632 Views • Keine Kommentare

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Künstlerportrait Allyson Mitchell. Ihre aktivistische Kunst eckt an und provoziert und zieht dich hinein mit ihrer Wärme, Offenheit und ein klein bisschen Kunstpelz.

In der Welt Allyson Mitchells ist Kunst weder sonderlich pretiös noch sehr formell. Vielmehr schafft sie Kunst zum angreifen, Kunst, die befühlt werden kann und auf der man manchmal auch herumgehen kann. Zieh deine Schuhe aus in ihrem Atelier am ISCP im New Yorker Stadtteil Brooklyn, spazier über eine Patchwork Welt aus gehäkelten Topflappen, Toilettendeckel-Überzügen und Deckchen und schon bist du mitten drin in einer für diese Künstlerin charakteristischen noch im entstehen begriffenen Arbeit mit dem Titel „Hungrige Börse; Die Vagina Dentata im Spätkapitalismus“.

Was genau ist die Idee? Die in Toronto aufgewachsene Künstlerin wünscht sich, dass man es behaglich hat in ihren radikalen und provozierenden Arbeiten. Sie kombiniert großmütterliche Weichheit, Kunstpelze, warme sechziger und siebziger Jahre Farben und uns vertraute Gegenstände, um Zögerliche zu locken, sich mit eher kantigen Themen im Kontext von Lesbischsein, Nacktheit, Feminismus und Fettheit auseinanderzusetzen.

Die „hungrige Börse“ ist denn auch wirklich eine sehr gigantische Scham, gefertigt aus Secondhandladen Fundstücken und zusammengefügt in groben Nähten. „Die Arbeit“ sagt die Künstlerin, „ist nicht schön und soll es auch gar nicht sein“. Und trotzdem, die Arbeit, der kaleidoskopische Farbteppich, der in so deutlichem Gegensatz steht zu seiner groben wellenartigen Textur, gewinnt. Die Künstlerin, tätig in den Bereichen Skulptur, Film, Musik und Installation, verbringt arbeitend nervtötende, einsame Stunden auf Händen und Knien, und näht, während nebenher auf ihrem Laptop Sitcoms laufen, Kunst zusammen, die Themen aufwirft und würdigt, die sehr persönlich und wichtig sind.

Aufgewachsen in einer der typischen, kanadischen Mittelklasse W.A.S.P. (White Anglo-Saxon Protestant) Familien, nutzte die Künstlerin in der Zeit als sie Frauenforschung studierte ihre Arbeiten zunächst als Ventil. An der Universität war die „queer and fat“ Aktivistin von den feministischen Theorien stark beeindruckt, zugleich aber auch enttäuscht angesichts ihrer Unzugänglichkeit für die Allgemeinheit. Also beschloss sie, feministische Ideen auf eine Art und Weise umzusetzen, die Menschen nicht vermittelt, dumm zu sein, sondern zu verstehen. Das Resultat ihres Bemühens: überragende, durchdachte, direkte Kunst, die man fühlen kann – physisch und psychisch. (ul/wh)

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