MUSA – Die Stadt als Kunstfreund

Mai 20 • Ausstellungen, Deutsch, Interviews, MUSA, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 1585 Views • Keine Kommentare

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Die Sammlung der Kulturabteilung der Stadt Wien zeigt eine enorme Bandbreite an Zugängen figuralen Schaffens zur menschlichen Figur. Mit anderen Worten: Die Skulptur steigt vom Sockel – oder auch nicht

Das Museum MUSA beherbergt viele der von der Kulturabteilung der Stadt Wien im Laufe der Jahre getätigten Ankäufe und zeigt sie nun in der Ausstellung “Raum_Körper Einsatz”. Die auch durch Initiativen wie „Kunst am Bau“ oder “Galerie im Grünen” entstandene Sammlung bietet einen Eindruck von Positionen der Skulptur und ihres Wandels im letzten halben Jahrhundert und liest sich wie ein who’s who der österreichischen Nachkriegskunst.

Das Interesse an der Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur ist die Konstante der Ausstellung, auch die Themen des Einbruchs und der Fragmentierung die die moderne und postmoderne Sensibilität definieren, können in den Arbeiten wiedergefunden werden.
Während die Techniken der Beschäftigung mit dem Körper in der Nachkriegszeit enorm erweitert wurden, über Fotografie und performance bis hin zum Verweis auf den Körper durch seine Abwesenheit nehmen auch die für die Ewigkeit geformten steinernen Sockelfiguren nach wie vor ihren Platz ein. Eine Vielfalt an Materialien kommt in den verschiedenen Werken zum Einsatz, dies kann übrigens auch haptisch erfahren werden, es gibt Sonderführungen für Sehbehinderte.

Der Körper erlaubt den Zugang zum Schönen wie zum Brutalen, Grotesken, aber ebenso tun sich parallel dazu Fragen zum Kontext in historischer, sozialer und politischer Hinsicht auf. Der Körper hat nach wie vor, auch in der moderne und postmoderne seine vitale Bedeutung erhalten, vielleicht erreicht er aber erst jetzt die nötige Ambivalenz um sein Ziel in der künstlerischen Praxis zu erreichen und die Grenzen der sozialen Identität sowie der politischen und sexuellen Orthodoxien zu hinterfragen.

In vielen der gezeigten Arbeiten werden auf mehr oder weniger subtile Weise die Konzeptionen dessen unterhöhlt, wie das Ich und die Identität im Körper verankert und durch den Körper begrenzt werden. Sie erinnern uns an die Prekarität, Fragilität der Existenz menschlicher Körper, die stets Gefahr laufen in einen anderen physischen Zustand überzugehen, wobei die Werke auf diese Weise zu einem Memento mori werden.
Wo befindet sich also dieses Selbst, wenn nicht innerhalb der Grenzen unseres Körpers ? Wenn schon der Körper auch als geteilter, Fragmentierter oder überhaupt Abwesender als gültiges Objekt gezeigt wird, wo zieht man die Grenze? Schließlich endet man über die Bewegung und den zeitlichen Ablauf bei der puren Existenz bzw. Nichtexistenz…
Die menschliche Figur wird behandelt, penetriert, vorgezeigt, verändert, es wird mit ihr agiert. Hier wird der Körper des Künstlers selbst oder des lebenden Menschen zum Ort, Ursprung und Thema der Reflexion. Ein großer Teil dieser Strömung der Nachkriegskunst hat über die Parameter der Skulptur hinaus einen breiten Fächer an Praktiken herausgearbeitet, mittels derer das Territorium des Körpers subkutan erforscht werden kann. Radikalere Formen der Reflexion bilden den Hintergrund für die Rede über „Ich“ als Sitz der Existenz. Die immer wieder praktizierte Rückkehr zum Körper als Ausgangspunkt der Reflexion und Behältnis der Identität zeigt die immerwährende Aktualität dieses Themas. Die Entwicklung der Fragestellungen zum menschlichen Körper, die einer ständigen Evolution unterworfen sind, von neuen Krankheiten, Gentechnik, Robotik bis zu der Ausdehnung der Grenzen menschlichen Lebens, von Komazuständen bis in vitro-Zeugung und pränataler Diagnostik, bringen stets neue Felder der Reflexion hervor.
Ob man nun ein besonderes Merkmal ausmachen kann an dem man das österreichische skulpturale Schaffen der Nachkriegszeit identifizieren kann, möge jeder Besucher angesichts der Vielfalt des Schaffens der einzelnen Künstler selbst entscheiden, die Ausstellung bietet zumindest einen guten Überblick. Es ist jedenfalls keine allzu gewagte Prognose, dass das Interesse an der Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur eine Konstante in der bildenden Kunst bleiben wird.
(ca)

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