Zur künstlerischen Gegenwart Torontos – Interviews

Mai 31 • Audio, Englisch, Interviews, Kanada, Podcast, Toronto • 1317 Views • Keine Kommentare

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Toronto entwickelt sich zur Kunststadt Kanadas, ihren Platz im internationalen Kunstgeschäft hat die Stadt jedoch noch nicht gefunden. Ein Städteportrait.

Teil 1. Zur künstlerischen Gegenwart einer Stadt

Teil 2. Interview mit David Liss von MOCCA

Teil 3. Interview mit Olga Korper und Fela Grunwald

Teil 4. Interview mit Ben Portis

Teil 5. Interview mit Jessica Bradley

Ob es überhaupt so etwas gibt wie einen Stil, eine philosophische Anschauung, eine Kultur, die soweit zusammenhängt und verbindend ist, dass sie als „kanadisch“ bezeichnet werden könnte, ist umstritten. Mit seinen knapp zehn Millionen Quadratkilometern ist Kanada das zweitgrößte Land der Erde. Fast so groß wie Europa, beherbergt es ebenso viele unterschiedliche Regionen, und seine Bevölkerung ist vielfältig, historisch zusammengewürfelt von unterschiedlicher nationaler und ethnischer Herkunft. Was für die anderen kulturellen Aktivitäten des Landes gilt, gilt auch für die zeitgenössische Kunst: Sie ist beeinflusst und geformt von den enormen Distanzen und von den unterschiedlichen Identitäten, die Halifax von Vancouver und Montreal von Toronto trennen. Während in Europa Museen und Kunstgalerien relativ nah beieinander liegen und es damit für private Sammler, Kuratoren und Kunstkritiker ein Leichtes ist, unterschiedliche Ausstellungen, selbst in anderen Ländern zu besuchen, über dortige Künstler zu schreiben oder ihre Kunst zu erwerben, ist die kanadische Situation eher umgekehrt. Kanadische Künstler sollten nicht mit Kuratoren oder Sammlern aus anderen urbanen Zentren des Landes rechnen, ganz zu schweigen von internationalen Käufern. Da es nur wenige Sammler-Dynastien gibt und die Sammlertradition insgesamt noch sehr jung ist in Kanada, haben sich die renommierteren Künstler wie beispielsweise Jeff Wall, Michael Snow oder Stan Douglas darauf verlegt, ihre Arbeiten in New York oder Europa auszustellen, um verkaufen zu können. Den weniger bekannten Künstler bleiben die Käufer vor Ort, um zu überleben.

Kreative Isolation, Mangel an Ausstellungsmöglichkeit, Schwierigkeiten die Arbeit über die regionalen Grenzen hinaus bekannt zu machen – viele Künstler des großen weißen Nordens kämpfen, um über die Runden zu kommen. In dieser Hinsicht aber unterscheidet sich die künstlerische Lebenssituation wohl wenig von jener in anderen Ländern, insbesondere wenn es um das künstlerische Leben abseits der großen zeitgenössischen Kunstzentren geht. Zieht man die Unterschiedlichkeit der nationalen kulturellen Identitäten des Landes heran, so kann, was für den Aufbau einer stabilen und organisierten Kunstwelt als Barriere erscheint, auch eine Chance darstellen für die Einzigartigkeit der Künstler und die Vielfalt ihrer Arbeit. Allerdings gibt es natürlich auch in Kanada eine künstlerische Landflucht. Wer es sich leisten kann zieht in die urbanen Zentren des Landes um seine Karriere voranzutreiben. Kanadas Nummer eins Destination diesbezüglich ist sicherlich Toronto.

Schon seit Jahrzehnten gilt Toronto als das finanzielle Zentrum des Landes, in den letzten Jahren hat sich die Stadt aber auch kulturell stark entwickelt und Montreal den Titel als kulturelles Zentrum des Landes strittig gemacht. Manche sehen diese Entwicklung im Kontext des 1980 durchgeführten Referendums über die Abspaltung der Provinz Quebec vom restlichen Kanada. In dieser Zeit, meinen einige, hätten viele englischsprachige Künstler und Schriftsteller aus Gründen der Identität Montreal verlassen. Andere sind da anderer Ansicht – die Abwanderung habe vor allem finanzielle Gründe gehabt, lautet ihr Argument. Sicher ist, dass Toronto als reiche Stadt vergleichsweise mehr Sammler und potentielle Käufer zeitgenössischer Kunst aufzuweisen hat als der Rest des Landes. Und es haben sich dort neben den öffentlichen Förderungen der Regionalregierung auch eine Reihe öffentlicher Projekte entwickelt, die Künstlern bei der Entwicklung und beim Verkauf ihrer Arbeiten unterstützen. Eine gesetzliche Förderung stellt auch die ein Prozent Regelung dar, die Investoren größerer Bauprojekte in Toronto dazu verpflichtet ein Prozent der Bausumme in Kunst zu investieren. Allerdings, dass Toronto als größtem und wohl auch am rasantest wachsendem Kulturzentrum des Landes bereits seinen Platz im internationalen Kunstgeschäft gefunden hätte, davon ist die Stadt noch weit entfernt.

CastYourArt hat die Stadt besucht und bei den Kuratoren Ben Portis von der Kunstgalerie Ontario und David Liss vom Museum Zeitgenössischer Kunst sowie den Galeristen Jessica Bradley und Olga Korper und beim Kunstberater Fela Grunwald zu den Entwicklungen der Torontoer Kunstszene nachgefragt. Toronto, zur künstlerischen Gegenwart einer Stadt. (jfl/wh)

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