Kontakt – Der Name ist Programm.

Jul 21 • Englisch, Interviews, Kontakt, Erste Group Sammlung, Podcast, Sammlungen, Video, Wien, Österreich • 1991 Views • Keine Kommentare

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Kontakt ist die Kunstsammlung der Erste Bank Gruppe mit Schwerpunkt zeitgenössische Kunstproduktion in Osteuropa. Aber nicht nur. Viele aktuelle Tendenzen werden klarer, es gibt vieles zu entdecken…
Dieser Beitrag konnte mit freundlicher Unterstützung des Programm für Kunst und Zivilgesellschaft der Erste Bank verwirklicht werden.

Die Kunstsammlung der Erste Bank hat als Schwerpunkt die neuere Kunst in Mittel-, Ost- und Südosteuropa, wobei von Anfang an Medien wie Film und Video einbezogen wurden. Aufgrund fehlender vernetzungs- und produktionsfördernder Strukturen fand in den meisten Ländern des ehemaligen Realsozialismus unter den Künstlern oftmals weniger Austausch statt als mit der internationalen Kunstwelt.

Es werden in der Sammlung die Entwicklungslinien spezifischer Praktiken mittel- und osteuropäischer Kunstproduktion verfolgt und ihre Bedeutung im internationalen Kontext erforscht, auch um so einen Teil der kulturgeschichtlichen Erinnerung zurückzubringen, und um Verbindungen zwischen Kunstszenen zu schaffen die nicht miteinander vernetzt waren.

Hier gelingt ein Perspektivwechsel in der Rezeption neuerer, in lokalen Kontexten hergestellter Kunst aus Osteuropa, in der auf vielfältige Weise der politische und historische Wandlungsprozess der jüngsten Geschichte reflektiert wird – aber ebenso auch in der gleichzeitigen Transformation des „Westens“, die vor einem Hintergrund von gleichzeitigen historischen Phänomenen neue Positionen in der Kunst generiert hat.

Das Ziel der Künstler ist eine für uns alle relevante Botschaft jenseits eines einfachen Konsumprodukts zu übermitteln, hier geht es nicht nur um Ausdrucksformen, sondern auch um Transportmittel – um auf mitunter witzige Art und Weise politische, soziale und ökonomische Themen anzugehen, die von Autoritäten am liebsten unterschlagen würden.

Das Paradigma der Subversion und die Notwendigkeit den Untertanen eine Stimme zurückzugeben wird verteidigt, auch durch Praktiken der Popularisierung und Demokratisierung von Produktionsmitteln, und der folgenden Ausstellung. Diese Dynamiken der Kreativität sind nicht zum Wettbewerb am Markt hin orientiert, sondern zur Subversion, und sind somit ein wichtiges Antiserum zur Institution des Kunstbetriebs.

Derzeit verläuft die Bruchlinie nicht technologisch, kritische Reflexion verlangt nicht die Demokratisierung der Medien, sondern der Inhalte. Die Produktion von Kunst, die kritische Reflexion bedient sich der Medien als ikonografischer Datenbank, um Texte und Subtexte herzustellen in denen das Zitat beiseite gelassen wird, zugunsten der impliziten Bedeutungen und deren Variationen. In jenem Moment, in dem zwei Objekte oder Inhalte gemeinsam betrachtet werden, etabliert sich gleichsam durch Ansteckung eine neue Einheit der präexistenten Elemente, in dem Fragmente von Inhalten sich in einen Zusammenhang setzen – wie Wörter eines Satzes.

Die Künstler bringen, jeder auf seine Art, Zusammenhänge hervor die eine Beziehung zwischen der Arbeit und dem Betrachter herstellen, ein permanentes Spiel des Experimentierens. Seit dem Ende der großen Erzählungen und Mythologien sind die Regeln nicht mehr verbindlich und ständig neu zu verhandeln, und der Künstler von der historischen Last befreit „Objekte hervorzubringen die uns versklaven“(Guy Debord).
Es ist nicht mehr notwendig, letztgültige Wahrheiten zu finden, weder Fragen noch Lösungen, es geht nicht mehr um das eine Individuum gegen den Rest der Welt, der Zweck heiligt die Mittel nicht mehr, der gesamte, permanente Strudel der Bilder zwingt die Individualität dazu, sich wiederherzustellen – und zwar innerhalb des Prozesses und nicht der Nachwirkungen.

In ihrer Auswahl und Analyse entnimmt man den Werken der Sammlung etwas, das vorgeblich nicht existent war: Ein verborgenes Raster von Machtverhältnissen und ihrer Repräsentationen. Der ideologiekritische Künstler ist heute wie eine Art Virus, der den Originaltext dekonstruiert, um ihn zu Gunsten kleiner individueller Ergebnisse umzudrehen. Die politischen Endziele haben sich in soziale Ereignisse auf kleinem Maßstab transformiert – persönliche Dokumente über das Menschenwesen und seine Zeit. (ca)

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