Peter Fritzenwallner – Der Wille der Dinge

Sep 15 • Deutsch, Podcast, Portraits, Video, Wien, Österreich • 3649 Views • Keine Kommentare

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Fein austariert und schwerelos scheint der Stift sein Zentrum im Bild zu finden, er beschreibt auch Zeit, diejenige nämlich die für die Bewegung vonnöten ist, die währenddessen vergeht. Peter Fritzenwallner im Künstlerportrait.

Gestus, Zufall, Intervention, zu diesen hat er die Struktur hinzugefügt…Leichtigkeit und Schwere, Gleichgewicht und Ungleichgewicht fesseln die Aufmerksamkeit, dabei wird nebenbei das Wichtigste überhaupt verbraucht – Zeit.

Normalerweise erscheint die Kunst in Gestalt eines fertiges Objekts, um vom Betrachter konsumiert zu werden, mit seiner Zeichenmaschine gelingt es Peter Fritzenwallner die Betrachter als aktiv Handelnde in das künstlerische Geschehen einzubeziehen, der Benutzer kann auf mechanischem Wege abstrakte Kunstwerke herstellen, von denen keines dem anderen gleicht. Gegenüberstellen was der Stift und was der Apparat/Benützer auf natürliche Weise hervorbringen können, erlaubt es, die Natur sowohl des einen als auch des anderen schärfer herauszuarbeiten.

Als Material für seine Plastiken dienen dem Künstler vorwiegend Holz- und Metallteile. Zwischen spielerischem Witz und bedrohlicher Aggressivität ironisieren sie den Kunstbetrieb durch ihren Produktionsmodus. Der Zugang zu Peter Fritzenwallners Kunst ist die visuell oder akustisch erfahrbar gemachte Bewegung. Mehr als Subjekte oder Objekte präsentiert er in seinem Werk das Reale oder die Manifestationen des Realen, etwa das Geräusch, die Bewegung, ob in der Wahrnehmung oder mechanisch, bis hin zum physischen Bewegen des Betrachters / Teilnehmers.

Er schlägt eine Erweiterung der ästhetischen Erfahrung um das Künstliche vor, wo der Platz der Bedeutung zweifach ist: Form und Funktion, bzw. Ästhetik und Pragmatik, wo die Bedeutung nicht im Objekt zugrunde liegt und im Verhältnis zwischen Objekt und Benützer immer neu ausverhandelt wird. Er hinterfragt unser Recht auf einen „Sinn“ als ob es ein Ausdruck wäre, der selbst keine Fragen nach den möglichen Voraussetzungen seiner Verwendung heraufbeschwört.

Peter Fritzenwallners Objekte haben keine Ursache im Realen, sie bestehen aus Motiven und Impulsen, die von der Manipulation artifizieller Produkte ermöglicht werden.

Er bietet uns den Triumph des Gestaltungswillens in seiner Welt, in der das Reale kein Bezugspunkt mehr ist. Sinn, Bedeutung wird dann ein strategisches Konzept das pragmatisch existiert, an der Schnittstelle zwischen Kunst und Benützung. Sein Wert ist mehr von operationellen als semantischen Fragen bestimmt, ohne ethische Imperative oder einen inneren Sinn, der sie anleitet.

Die Dialektik zwischen Assimilation des Materials an die Idee und die Anpassung der Idee an das Material ist die Basis seiner Kunst. Seine Idee und das Produkt das im Laufe der Intervention hervortritt, bilden sich jeweils heraus bis sie in den Augen des Betrachters verschmelzen, die ursprüngliche Idee sogar zum Verschwinden bringen.

Die Disposition der Formen in einem Werk Peter Fritzenwallners ist stets provisorisch, jedes Teil bewegt sich in einem stets neuen Verhältnis zu den anderen, dadurch sind die Möglichkeiten des Objekts immer bestimmt durch Faktoren wie das Gleichgewicht und seine Verteilung, die Länge der Verbindungen, das Gewicht der Stücke. Diese organisierte Sprunghaftigkeit parodiert eine Mechanik, deren Funktionen nie exakt das erwartete Resultat zeitigen. Die visuelle Subtilität kontrastiert mit der Simplizität der Mechanismen und der Vertrautheit der Gegenstände aus dem Alltag.

Prozesse, Abläufe, Veränderung überall … Objekte, die zu gebrauchen sind und Intervention fordern. Der Abstand zwischen Kunst und Publikum verringert sich. Der Sinn erschließt sich im Umgang mit den Objekten, das Werk wird erst durch seine Benützung komplettiert, wobei eine gewisse Intimität zwischen Werk und Betrachter entsteht. (Text: Cem Angeli)

Dieses Künstlerportrait wird unterstützt durch den Kunstverein CastYourArt.

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