Gürkan Coskun KOMET – Regisseur der Alpträume

Sep 29 • Englisch, Frankreich, Französisch, Istanbul, Paris, Podcast, Portraits, Türkei, Video • 1867 Views • Keine Kommentare

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In Komets (Gürkan Coskun) Szenarien hat der Maler für sich die Rolle des Regisseurs und Traumwandlers vorbehalten. Ein Künstlerportrait.

Wer sind diese seltsamen Wesen die diese Welt bewohnen, diese Fabeltiere die so seltsam in der Gegend stehen? Sie scheinen Figuren aus einem Traum, scheinen mit ihrem Ausdruck den Schlüssel zu irgendeinem Geheimnis zu halten, irgendeine Wahrheit strebt danach erkannt zu werden.

Seine expressiven Figuren zupfen an den Augen, obwohl sie es nicht offensichtlich darauf anlegen, mit ihren stumpfen Farben, unscharfen Konturen, rufen sie sich mit einer gewissen Sturheit immer wieder in Erinnerung. Komets Werke scheinen geschwollen von Bedeutung und doch undurchdringlich und scheinbar viel zu persönlich, um eine Möglichkeit der Interpretation zu eröffnen, seine Figuren zu komplex, die Allegorien geheimnisvoll. Das macht sie so beunruhigend wie der Traum, aus man noch am Tage versucht einen Sinn zu gewinnen. Die rätselhafte Welt des Unbewussten spielt eine große Rolle, wiewohl die Tendenz realistisch bleibt, herrscht in den Bildern stets eine Stimmung der Bedeutsamkeit und psychologischen Atmosphäre.

Die Werke haben so einen Sinn für die Oberfläche, Komposition, Farben dass man die Integrität der Gedanken und Gefühle dahinter spüren und nicht anzweifeln kann. Alle seine Werke sind voll Symbole, die scheinbar in sehr genau austarierter Beziehung zu den anderen stehen als ob sie Teil eines Satzes wären. Wenn das Unbewusste tatsächlich wie eine Sprache beschaffen sein sollte, dann beherrscht Komet seine Grammatik.

Er legt eher nahe, als das er feststellt und schwelgt in diesem kodierten Gestus, zieht den Betrachter und seine Aufmerksamkeit in eine Welt von Anspielungen und fordert ihn heraus, das Unverständliche zu entziffern zu suchen.

Es gibt eine Unmittelbarkeit in seiner Bilderwelt die zu suggerieren scheint, dass die Allegorie irgendwie ohnehin offensichtlich ist, die vom Betrachter verlangt mit ihnen mitzumachen und das Narrativ zu verstehen – jedoch wie im Traum wird der Sinn ständig vorenthalten und entgleitet mit jedem neuen Versuch der Interpretation.

Auch die unverkennbar persönliche Verwendung von Farbe gehört dazu. Am liebsten verwendet Komet grau, schwarz, dunkle fantastische Stimmungen. Andere Farben dienen nur der Verstärkung des Verlorenen, Unheimlichen, Schmerzlichen. In den Vordergrund tritt zunächst die schwebende Akrobatik, die der Künstler bei der Besetzung seiner Bilder im Sinn hat. Die Vorstellung vom Beladenen, Schmerzlichen zeichnet grundsätzlich Komets Figuren aus, sie spielen in großer Lethargie, zu der die scheinbare Luftverpestung passt, in der sie agieren. Sie bleiben steif, die Szenen begnügen sich mit einem beengten Repertoire von Bewegungen wie von Marionetten. In den unheimlichen Bildern verbiegt sich nicht nur die Umgebung, auch die Gestalten sitzen, stehen oder siegen nicht normal, sie flottieren, wie in der Barockmalerei. Auch der Einfluss pompejianischer Kunst ist in seiner Motivwahl, Figurenausführung und Komposition immer wieder erkennbar. Er hat sie auch genau studiert.

Komet entwirft keine Skizzen, er tastet sich gleichsam auf der Leinwand voran und synthetisiert seine Einfälle erst beim Malen, vor Ort. Er verweist auf den Traum und auf ein anscheinend enormes visuelles Gedächtnis, die ihm immer neue Kombinationen anbieten.

Er nutzt die eigene Fremdheit strategisch als Energie und bringt so Bilder hervor, die sich jeder kausalen Verknüpfung entziehen, die Gedankenverknüpfungen werden erst auf der Leinwand geordnet und die Figuren in die Kompositionen eingepasst, wobei es zu Proportionssprüngen kommt, die ohne Rücksicht auf das Verhältnis von Vordergrund und Hintergrund nah und fern zusammenbringen.

Auf den Gegensatz Abstraktion oder gegenständliche Malerei lässt sich Komet gar nicht ein. Seine Arbeiten vereinen beide Qualitäten in einem Stil, letztlich sind die Werke abstrakt, auf Basis des Figurativen. Das Bild will, soll etwas sagen – und macht seine Aussage doch schweigend. Es ist eine Sprache, die zunächst einfach erscheint und doch von ihrer Rätselhaftigkeit lebt. (Text: Cem Angeli)

Dieses Künstlerportrait wird unterstützt durch den Kunstverein CastYourArt.

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