Erwin Wurm – Sammlung Wien Energie Fernwärme

Dez 10 • Deutsch, Podcast, Sammlungen, Video, Wien, Wien Energie Fernwaerme, Österreich • 2441 Views • 2 Kommentare

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (No Ratings Yet)
Loading ... Loading ...

Die Sammlung Wien Energie Fernwärme erwirbt ausgesuchte Werke von Erwin Wurm.

Die „one minute sculptures“ die er seit den späten Neunzigerjahren produziert, gehören zu seinen berühmtesten Werken. Diese „Skulpturen“ bestehen für eine Minute und werden vom Publikum oder dem Künstler selbst dargestellt, mit Elementen und Haltungen die oft komisch sind: Mit Stiften zwischen den Zehen oder einem Gegenstand auf dem Kopf balancierend, in diversen Positionen die die Akteure nicht lang halten können. Die klassischen Kriterien der Skulptur werden auf eine neue Weise dargestellt, parodistisch und grotesk. Video und Fotografie bezeugen diese ephemeren Episoden.

Mehr als ein Objekt auf einem Sockel sind die Skulpturen für Wurm nun ein Korpus von offenen Handlungsanleitungen. Hier sind Video und Foto ein Medium der Skulptur und die Skulptur selbst ein Gebrauchsgegenstand. Die Herstellung von Skulpturen, mittels der Teilnahme des Publikums um fotografiert zu werden, ist ein Weg um Grenzen zu überschreiten. Diese vergänglichen Werke fußen auf der Idee des Transitorischen und spielen mit den Merkmalen, die Skulptur ausmachen: Fortdauer, Überlieferung, historisches Gedächtnis…alle wesentlich für die hergebrachte Auffassung von Skulptur.

Seit Beginn ist er an der Begrifflichkeit der Skulptur interessiert, was sie bedeutet, was sie ist. Indem er sie an die alltäglichen Gegenstände annähert setzt er sie mit dem Alltagsleben in Beziehung, und reflektiert über das Volumen, das Gewicht, das Gleichgewicht und die Form jenseits eines Sockels.

Mit der Verzerrung in manchen Skulpturen, und den absurden Situationen in manchen Fotografien durchstößt er den Schutzwall der unser Weltbild darstellt, um zu einer neuen Dimension der Wirklichkeit vorzudringen. Auch der Humor ist in seinem Werk eine Art die Dinge auszudrücken und dem Kunstwerk ein Stück seiner Feierlichkeit zu nehmen, obwohl die Rezeption dieses Humors je nach Kulturkreis sehr verschieden sein kann.

Er macht Stücke die nicht an die physische Wirklichkeit der Dreidimensionalität gebunden sind, sondern an eine imaginäre Realität die den Gefühlen entspringt, den Gedanken und Auswirkungen der gesellschaftlichen Bedingungen.

Der Philosoph Emmanuel Levinas sagt, dass « jedes Kunstwerk eine Skulptur ist, eine Statue in der die Zeit angehalten wurde » Wegen ihrer Abbildung der Dreidimensionalität berühren die Beschränkungen des Bildes das Skulpturale. Einerseits hängen Wurms Fotobilder weiter an der Wand und ihr Objektcharakter ist offensichtlich, andererseits sind seine Fotografien Protokolle vergänglicher Skulpturen, d.h. in diesem Fall Handlungen.

Es ist allerdings der Gedanke und nicht die Handlung, die im Ursprung von Wurms Werken steht, nämlich jener, die Idee der Fortdauer des Kunstwerks zu analysieren, die Empfindung, wo sie anfängt und wo die künstlerische Form aufhört.

Die Gegenstände wechseln ihre Funktion und die Menschen verändern ihren Sinn, ihre Richtung. Die Sinne werden auf die Probe gestellt und der Zuschauer steht zwischen Ratlosigkeit und Gelächter. Es wird eine Parallelwelt kreiert, in der sich die Fragen des Künstlers denen der Philosophie annähern. Wo sind wir? Wer sind wir, und warum? Schließlich sind sowohl der Philosoph als auch der Künstler beide zum Scheitern verurteilt in ihrer Suche, obwohl beide ihre eigene Wahrheit haben.

Wurms Oeuvre zeigt sich als bestimmt von gewissen Begrifflichkeiten, die nicht voneinander isoliert betrachtet werden müssen sondern in ihrem Zusammenhang, gleichsam als Ursache und Wirkung. Die Dynamik zwischen Form und Materie, die Potentialitäten des Stoffes, der Körper als Medium und das Konzept der Umwandlung. Diese Begrifflichkeiten finden sich fast immer in seinem Werk, obwohl er sie an die Grenzen ihrer Bedeutung führt und die wichtigste Kategorie hinterfragt, diejenige die Skulptur als künstlerische Ausdrucksform charakterisiert: ihre Dauerhaftigkeit. (Text: Cem Angeli)

FacebookTwitterGoogle+tumblrEmail

Related Posts

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

« »