Rudolf Polanszky – Modelle für transaggregate Strukturen

Mai 30 • Deutsch, Galerie Konzett, Galerien, Podcast, Portraits, Video, Wien, Österreich • 26977 Views • Keine Kommentare

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Rudolf Polanszky zeigt, dass Wahrnehmungen nicht einfach in uns stattfinden, sondern von uns selbst performt werden – eine wechselseitige Dynamik entsteht. Vertreten wird der Künstler durch die Galerie Konzett. Ein Künstlerporträt von CastYourArt.

„Der Mensch vergisst, dass er es war, der die Bilder erzeugte, um sich an ihnen in der Welt zu orientieren. Er kann sie nicht mehr entziffern und lebt von nun ab in Funktion seiner eigenen Bilder: Imagination ist in Halluzination umgeschlagen.“ (Vilem Flusser)
Die Arbeiten Polanszkys sind einer Sprache ähnlich und bedienen sich einer Abfolge oder eines Arrangements von Zeichen und Symbolen, jedoch ohne direkt auf Begrifflichkeiten zurückzugreifen, ohne dabei eine Richtung im Verhältnis von Ursache und Wirkung vorzugeben, es bleibt offen was jeweils Ursache und was Wirkung ist. Die Wirklichkeit als Prinzip wird durch die performance der Wirklichkeit ersetzt, einschließlich unserer Vermögen und Mechanismen der Repräsentation und Interpretation.
Für Polanszky ist seine Kunst eine Forschungstechnik zur Untersuchung der menschlichen Natur, indem er die Räume von Potentialitäten, möglichem Tun auslotet, ohne dass er Zwecke und Ziele festlegt – von daher her die Unordnung, die aleatorischen Verbindungen, oder was auf dasselbe hinausläuft, Zufall und Ausnahme, reine Turbulenz, die zu Poesie wird.

In uns wird der Übergang von der Fiktion ins Reale ausgelöst, vom Moment der Herstellung des Werkes in die Gegenwart, in einen Raum der physisch erfahrbar wird. Die Narration setzt sich fort, aber Polanszky fügt einen Moment des Aussetzens, eine Leerstelle hinzu. So wendet sich die Rezeption in eine subjektive Erfahrung, indem ein Sinn produziert und der Betrachter zum Ko-Autor dieser Narration wird. Die Fiktion wird im Realen fortgesetzt und eine Rekonstruktion der kognitiven Erfahrung ermöglicht.

Die Beziehung zwischen dem illusionären Raum der Malerei und der physischen Präsenz der Plastik im Werk Polanszkys, diese glückliche Unbestimmtheit die zwischen Versuch und Beherrschung oszilliert, zwischen Struktur und Chaos, kündet von einer Gegenwart, die weder im einen noch im anderen festzulegen ist.
Das Auseinandernehmen, Wiederzusammensetzen, diese Bricolage die „Werke in Potenz“ hervorbringt, die in einem ständigen Prozess des Werdens sind, die fragmentierte Zeit, Oberflächen, Bilder: In all dem heterogen scheinenden Schaffen Polanszkys scheint er letztlich die Malerei und ihre Sprache zu untersuchen, immer aufs Neue ihre Mittel zu erforschen.
Hier wird Interpretation bzw. die Übersetzung der Intention wichtig: die Rezeption und spontane Interpretation des Werks öffnet sich einer stillen Lektüre oder einer stummen inneren Vorstellung. Nicht die einzelnen Merkmale sondern die Gesamtheit der Komposition finden ihren Zugang zum Rezipienten – durch die Unmittelbarkeit der unwiederholbaren Erfahrung einer unbenennbaren Aura, die ihr Geheimnis, ihre Rätselhaftigkeit weiterhin bewahrt.
Soweit der Künstler das Subjekt bleibt, sind wir nur Besucher seines künstlerischen Universums und erfahren, dass unser Erkennen illusorisch ist: Wir stehen vor einer existentiellen Leere, frei von Transzendenz. Nach dieser Erfahrung der Verzweiflung und der Akzeptanz des unabwendbaren Verhängnisses finden wir uns in einem Zustand der erschöpften Geistesgegenwart wieder – vielleicht, mit etwas Glück wallt in unserem Geist dann eine ohrenbetäubende Stille auf.
Es gibt keinen Geist ohne Repräsentation, sogar der Blinde stellt sich seine Welt in Bildern vor. Unserem Intellekt stellt sich nichts dar, was nicht unserem inneren Auge vorschwebt „wir sehen nur, was wir anschauen“ (Merleau-Ponty)
Der Blick lernt nur schauend, indem er ständige Vergleiche macht, um sich in dem wiederzufinden was er sieht – jede Darstellung, jedes Bild, muss daher vorläufig bleiben.
Das Auge und der Geist sind Komplizen in der Darstellung des Geschauten, während wir unausweichlich in der Weltlichkeit und Körperlichkeit verhaftet bleiben, bleibt uns nichts übrig, als auf das Auge und den Geist zurückzugreifen, um zumindest einen Teil der Wahrheit zu erlangen – wenn dies jedoch geschieht und es Auge-Geist gelingt, die Wirklichkeit zu erblicken, wird der Schleier brutal weggerissen und das Idyll zerstört. (Text: Cem Angeli)

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