MUSA – Beauty Contest

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Schönheit und ihre Konstruktion und Dekonstruktion sind in den mitunter divergierenden Sichtweisen verschiedener KünstlerInnen im MUSA zu sehen. Ein CastYourArt Ausstellungsporträt anlässlich der Ausstellung Beauty Contest vom 17. Februar bis 26. Mai 2012 im Wiener MUSA – Museum Startgalerie Artothek.

Vor einiger Zeit sagte die Schauspielerin Zsa Zsa Gabor: “Es gibt keine hässliche Frauen, nur faule Frauen” – ihr Satz spiegelt nur einen Zustand der Dinge wieder: Kino, Fernsehen, die Zeitschriften und Werbung bilden den Raum, in dem ohne Ende praktische Anweisungen zur Selbstperfektionierung über Mode, Frisur, Stil gegeben werden. Ein Ort, an dem sich die Illusion unbegrenzter Schönheit weitergibt, von einem Zugang ohne Restriktionen, vom Vermögen, alle Schranken und Unterschiede zu überwinden: egal wie du bist, wichtig ist, wie du sein kannst.

Das Streben nach Schönheit und die bestimmenden gesellschaftlichen Kategorien werden in der von Berthold Ecker, Roland Fink, Claude Grunitzky und Andreas Stadler kuratierten Schau Beauty Contest in Arbeiten österreichischer und internationaler Künstlerinnen und Künstler verschiedener Generationen in kritischer Weise unter die Lupe genommen. Geleitet wurde das Projekt des MUSA -in Zusammenarbeit mit dem Austrian Cultural Forum New York- von Natascha Boojar aus New York und Roland Fink aus Wien. Die Ausstellung dauert vom 17. Februar bis 26. Mai 2012. Am 2. März gibt es um 17:00 Uhr eine Führung in Gebärdensprache, der Eintritt ist frei.
Ist die Schönheit eine stabile Kategorie, ein universelles Konzept oder variiert sie nach den Tendenzen der jeweiligen Zeit? Der Hausverstand nimmt einen absoluten Begriff der Schönheit an, im Zusammenhang mit Proportion und Harmonie, von der griechischen Zivilisation ausgehend, wo das Schöne ein Attribut des Eros war, Gott der begehrlichen Liebe. Freud würde den Zusammenhang zwischen Begehren, Schönheit und Tod als Attribut des Sexualobjekts hervorheben. Außerdem ist die aktuelle Idee der Schönheit im Aspekt der immer noch gültigen ästhetischen Theorie Kants verwurzelt: die Schönheit ist eine kontextuelle Proprietät, tief zusammenhängend mit den Glaubens- und moralischen Einstellungen des jeweiligen Subjekts. Wie Birgit Jürgenssen in ihrem doppeldeutigen gleichnamigen Werk zeigt: „Jeder hat seine eigene Ansicht“.
Die avantgardistische Geste des Marcel Duchamp, mit der er ein Pissoir als Kunstwerk ausgestellt hat, versetzte der Sehnsucht nach Schönheit einen Schlag, der Sehnsucht die man in jedem Kunstwerk anwesend glaubte. Diskreditiert, lächerlich gemacht als bürgerliches Ideal oder als dekadent, rächte sich die Schönheit, indem sie alles invadierte: Mode, Werbung, Design, jeden Winkel des täglichen Lebens. Ist es noch möglich, ein Kriterium für schön und hässlich in der Kunst zu finden?

Die Werke der Künstlerinnen und Künstler in Beauty Contest setzen sich in kritischer, ironischer oder spielerischer, immer jedenfalls sehr persönlicher Weise mit dem Thema der Schönheit, dem individuellen und gesellschaftlichen Schönheitsbegriff, den Möglichkeiten das Schönheitsdiktat subversiv zu unterlaufen beziehungsweise neu zu definieren, und der Rolle von Geschlecht, Alter, Macht, Status und Rasse in ihrer kulturellen Konstruktion auseinander.

Wie Kurator Berthold Ecker sagt: „Künstler wollen sich nicht sagen lassen, was sie schön finden sollen, sie spielen sich von Stereotypen frei.“

In diesem Kontext sind die Störungen und Umkehrungen der Schönheit mit der Krise der zeitgenössischen Kultur aufeinandergetroffen und stellen eines ihrer kuriosesten Kapitel dar. Kunst und Design, Mode und diverse politische und gesellschaftliche Bewegungen und Subkulturen haben allgemeingültige verbindliche Kategorien von Schönheit ausgehöhlt. Wenn die Definitionsmacht nicht mehr in einer Hand liegt, der ästhetische Kanon und Geschlechterrollen in stetiger Veränderung sind, Schönheit ausgebeutet und umdefiniert wird für Design oder kommerzielle Zwecke, welche Verbindung hat die Schönheit noch mit der Kunst?

Dass Beauty Contest Wege für die Gegenwart aufzeigt aber keine Entscheidung trifft, kann man der Tatsache zuschreiben, dass es nie genug Schönheit in der Welt zu geben scheint. Das ist wohl das Einzige, das sich über sie mit Sicherheit sagen lässt. (Text: Cem Angeli)

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