Attilio Zanetti Righi – more geometrico

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Attilio Zanetti Righi (* 16.3.1926 Schaffhausen, † 21.5.2011 Zürich), studierte von 1948 bis 1950 an der Accademia di Belle Arti di Firenze. 1952 Stipendiat am Istituto Svizzero in Rom. 1953, 1954 und 1959 Eidgenössisches Stipendium. Von 1948 bis 1960 lebte Zanetti Righi in Florenz, dann bis 1980 im südlichen Italien. Seit Mitte der 1990er lebte und arbeitete er in Zürich und Rom.
Zanettis Werk ist die Essenz eines langen, weitgehend autonomen künstlerischen Prozesses, der von der figurativen, expressiv-metaphorischen Malerei zu einer Art verdichtetem, sehr persönlichen Alphabet der geometrischen Formen führt.
Das Erzählerische, Figurative seiner Frühzeit in Rom und Florenz, mit erdigen Farben und dramatischen Figuren, in denen der Einfluß der Antike, der pompejanischen Malerei spürbar sind, macht später den Grundformen der Geometrie, Kreisen, geraden Balken, Kegelschnitten, Quadraten Platz. Zanettis Farben werden in der reduzierten Bilderzählung zunehmend von geometrischen Formen, Winkeln und Linien in ein Gefüge gebracht.
Zanetti strebt scheinbar nach dem Unendlichen, indem er die endlichen geschlossenen Formen in immer neue Anordnungen setzt. Eine gerade Linie ist unendlich fortsetzbar, auch der offene Raum zwischen 2 Geraden ist unendlich fortsetzbar. Wir sehen Formen, die keine Entsprechung in der Natur haben, aber wo in ihren Umrissen die Begrenzungen des Bildrahmens selbst Widerhall finden. Andererseits weisen sie über ihre Ränder hinaus und scheinen Fragment eines größeren Kosmos zu sein, sie erhalten in einer Art Rückkoppelung von dem Raum außerhalb der Formen eine zweite, imaginäre Größenordnung, die die Abstände zwischen den Punkten auf der Leinwand als kilometerweit erscheinen lassen können.
Die Grundelemente Kreis, Quadrat, Dreieck, „spalte ich in parallelen Wiederholungen. Die Farben, ich verwende die Grundfarben in ihrer Ganzheit, Tonunterschiede erreiche ich mit den verschiedenen Quantitäten der Farbfelder. Der Kreis ist ein tragendes Element, er bildet die Bewegung, oft die Bewegung einer Waage. Meine neuesten Bilder sind Großformate, Wandbildformate, Räume in die ich eintrete, Architekturen, die ich mit meinem Körper erlebe, die mir Freiheit geben. Meine Malerei bewegt sich im Raum, ich sehe sie in großen Raumgestaltungen.“
Gegenüber dem Expressiven und Beschreibenden seines Frühwerks gewann das Konstruktive mit der Zeit die Oberhand, mit elementaren und absoluten Formen näherte sich seine Malerei der Architektur von reiner, in sich beruhender Harmonie an. Die Komposition der Formen Zanettis strebt nach der größtmöglichen bildlichen Harmonie, der Selbstgenügsamkeit von Oberflächen, und erinnern in ihrer Intimität an Interieurs. Allerdings zeigt sich in seinem geometrischen Formenvokabular oftmals eine leise ironische Intention, mit der die visuelle Erwartung des Betrachters in Abweichungen von den Gesetzmäßigkeiten der Proportion und Bildstruktur aufs Glatteis geführt wird.
Zanetti Righi schöpft in seiner gegenstandfreien Arbeit nicht aus der realen Dingwelt. Sie fordert den Betrachter vielmehr in besonderer Weise heraus, sich mit den Kompositionen aus Farbe, geometrischer Formensprache und Material auseinanderzusetzen, der Fantasie freien Lauf zu lassen und den Werken selbst Sinn zu geben. In den Formen scheint er die Energien der lebenden Anschauungsobjekte befreien zu wollen, indem er sie auf eine andere Weise objektiviert, sie von ihrer Sterblichkeit befreit.
Er versucht in der Reduktion das Wesentliche herauszulösen und festzuhalten. Er findet „die Quantitäten der Farben spannend“, mischt die Grundfarben nicht, „will sie ganz haben.“ Er reduziert seine Farbpalette auf intensiv strahlende Grundfarben oder schwarz, weiß, silbern, er liebt elektrische, unnatürliche Farben, ist fasziniert von Computerfarben, Glasfarben, Neonfarben. „Meine Bilder sind für mich wie ein Gefäß. Zuerst male ich sie voll, dann male ich sie wieder leer.“ (Text: Cem Angeli)

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