Manfred Wakolbinger – Das Vergängliche und das Ewige

Mai 16 • Ausstellungen, Deutsch, Krems, Landesgalerie für zeitgenössische Kunst Krems, Podcast, Portraits, Video, Wien, Österreich • 4511 Views • Keine Kommentare

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Veränderung, Transformation, Mutation, Metamorphose: Manfred Wakolbinger stellt den uns umgebenden Raum in Frage und unsere Wahrnehmung auf eine neue Ebene, um uns für die Empfängnis des Schönen zu öffnen. Vom 3. Juni 2012 bis zum 14. Oktober 2012 zeigt Zeit Kunst Niederösterreich erstmals in der Dominikanerkirche Krems, Körnermarkt 14 Arbeiten zeitgenössischer Kunst. Wir haben Manfred Wakolbinger im Atelier besucht. Ein Künstlerportrait von CastYourArt.

Einem Vorsokratiker zufolge liegt das Intelligible in der Bewegung, und wenn die Wahrheit ein materialisierbares oder zumindest erkennbares menschliches Bemühen ist, verschlüsselt es seine Möglichkeiten in dem Einfangen und der Wahrnehmung des ewigen Dahinfliessens, des ständigen Wandels und der Fortbewegung. Diese Grund-Ursache drückt der Arbeit von Manfred Wakolbinger seinen Stempel auf, der besessen davon ist, die Ursprünge und Wandlungen des Wirklichen zu identifizieren.
In allen seinen Arbeiten gibt es etwas das sich verbirgt, der umgebende Raum verkleidet sich dadurch – und manchmal erscheint das Objekt als etwas was es nicht ist, kann aber auch das sein, als was es erscheint. Wakolbinger lässt den Betrachter an seinem Werk mitarbeiten, er invadiert den Raum des Einzelnen und spielt damit. Seine Plastiken beginnen einen Kampf zwischen der menschlichen Wahrnehmung und den Gesetzen der Physik.
Sein Realismus ist zweiter Ordnung, er verlangt eine Entschlüsselung der Symbole und eine Dekonstruktion der Zeichen. Dieser Vorgang zwingt dem Betrachter als kreatives Resultat eine Entfaltung visueller Vermutungen auf.
Ob Film, Fotografie oder Plastik, Manfred Wakolbinger verwendet verschiedenste Techniken, um eine einzige Wirkung zu erzielen: äußere und innere Bilder, die Gefühle und Wahrnehmungen hervorrufen und zeigen, zu schaffen. Seine Arbeiten rearrangieren den Raum, in dem sie sich befinden, rufen Perplexität und Beunruhigung hervor. Manfred Wakolbinger ist ein Künstler, der phänomenale Rundgänge durch die Wirklichkeit unternimmt und über das Gesehene reflektiert. Er untersucht das Verhältnis vom Mikro- und Makrokosmos, sucht Kausalitäten, er schafft Ambivalenzen und ist sich über nichts ganz sicher.
Sein Konzept des Lebens lässt ihn die Materie und Form vorantreiben, um einen Raum zu schaffen, in den er Universen einfügt, die in anderen Zeiten mythisch gewesen wären.
Er schafft Mythen, die über das Leben reflektieren, der Endzweck ist den Mythos zum Betrachter zu bringen, den Mythos an seine Zeit anzuschliessen, den Raum zu durchbrechen, um vom Leben zu reden und vom Tod, jenseits historischer Tatsachen. Er konstruiert mythisches aus bildnerischem Material, Arbeiten, die eine Aura von Transzendenz schaffen. Die Formen und Techniken sind vielfältig, doch zugrunde liegt der Drang, Mythen zu schaffen.
Die Schaffung des Mythos hat definitiv keinen religiösen Charakter im traditionellen Sinn, stellt aber die geeignete Struktur dar, um einen spirituellen Dialog mit dem zeitgenössischen Sein zu initiieren.
Manfred Wakolbinger hilft der Natur, einen Schritt weiterzugehen und verwandelt sie in Kunst. Denn was die Natur uns seit Anbeginn liefert ist ein mitunter überwältigendes Schauspiel, aber keine Kunst. Ohne Eingriff des Menschen gibt es keine Kunst.
Wenn die Kunst in so etwas Zerbrechlichem wie einer Idee oder subtilen Reflexion besteht, kann jede Tatsache, jedes Detail, egal wie geringfügig, die intendierte Wahrnehmung durchbrechen. Manfred Wakolbinger reflektiert über die Umgebung, rekreiert sie im privaten Raum und rearrangiert, was die Natur nicht in der Lage ist zu schaffen – Oberflächen die auf das Innere verweisen, auf den Kosmos und das Nichts, den Betrachter auf sich selbst zurückwerfen bis zum Abgrund der Leere und der Rückkehr zur Existenz.
In dieser Untersuchung, die mehr philosophisch als religiös ist, ernennt sich der Künstler zu einem Geber eines speziellen Sinnes, während er diesen in der Komposition dieser dynamischen Objekte begründet – wir können sie auch Phänomene nennen; um sie zu verstehen und rekonstruieren zu können, repräsentiert er sie umso weniger unmittelbar oder in Übereinstimmung mit ihren mutmaßlichen Identitätsmerkmalen.
Manfred Wakolbinger sucht die Erfahrung des Sublimen in einer Welt, die von Wissenschaft und Objektivität besessen und wo die Transzendenz vom Horizont verschwunden ist.
Der Ausgangspunkt dafür ist die Metamorphose. Nach der Metamorphose und dem Negieren der Form liegt die Welt leer da und der Ursprung wird manifest – was zutage kommt, ist der erste Lichtschein der Welt: sein Anfang, seine Bedeutungen, seine Formen: das Leben. (Text: Cem Angeli)

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