Isabelle Mühlbacher – Unsichtbare Themen aus der Vergangenheit

Mai 29 • Deutsch, Galerie Edition Stalzer, Galerien, Podcast, Portraits, Video, Wien, Österreich • 7979 Views • Keine Kommentare

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Isabelle Mühlbacher erzählt uns, von was sie besessen ist und zeigt dabei, dass diesen Obsessionen treu zu bleiben bedeutet, Künstler zu sein. Mit verschiedensten Medien nimmt Isabelle Mühlbacher die Position des Humanen ein, wo es bereits Relikt, Spur, Überrest ist. Ein Künstlerportrait von CastYourArt.

Gegen die Entmaterialisierung der Kunst und die Abwesenheit der Körpers erhebt Isabelle Mühlbacher die Forderung, den Raum und den Körper als zu markierende Orte zu beanspruchen. Ihre Arbeiten sind innere Einstellungen, die zu Formen gerinnen, im Hintergrund die gesamte Problematik der Malerei und Objektkonfiguration der Kunstgeschichte. Sie überraschen und umreißen das Profil einer Kunst, die herausfordernd in ihren ästhetischen Positionen ist und um essenzielle Themen kreist.
Isabelle Mühlbachers Arbeit weist über die repräsentative Fläche des Bildes hinaus – auch wenn sie sich dessen mitunter bedient – um den kompletten Raum der Umgebung mitzubedenken und einzubeziehen; die Möglichkeiten eines Bildes oder Objekts das nicht abbildet, sondern suggeriert, sind vielfältig und fordern auf, sich auf das persönliche Universum der Künstlerin einzulassen.
Der Erkenntnisgewinn liegt in der Synästhesie und im Amalgam der Reize, die jene Gesamtheit der erzeugten Wirklichkeiten darstellen, von Ideen und Konzepten bis zum Versuch, die Essenz eines Dinges oder eines Sachverhalts einzufangen.
Das vorliegende Werk erscheint nicht mehr als abbildendes Objekt der realen Ordnung der Dinge durch formbares Material, und die Platzierung im Kontext des Raumes zerstreut die Vorstellung von einer objektivierbaren Realität. Die Idee von einer Repräsentanz, der Reproduktion einer realen oder vorgestellten Ordnung weicht der Idee an sich, und sie zu vermitteln ist die Intention von Isabelle Mühlbacher.
Sie vermittelt in ihren Arbeiten einen Eindruck von ununterbrochener Bewegung, einem Dynamismus, der das Unabgeschlossene betont. Es wird nie der letzte, finale Status gezeigt. Es gibt ihn nicht. Das Sein ist Bewegung oder es ‚ist nicht’. Daher die eigentümliche Betonung des Werdens. Diese Bewegung bringt uns in ein Universum der Sinnlichkeit, sublimiert durch den Erotismus, den ihre Werke ausstrahlen.
Ihre Arbeiten bilden ein großes Fragezeichen über die Zivilisation, wobei dies in ihrem Fall keine Abwendung von ihr und keine Hinwendung zum Mythologischen bedeutet.
Im Gegenteil, sie scheint die hermeneutische Funktion des Augenscheines und des menschlichen Bewusstseins zu absorbieren, also den Inhalt des Mythos mit dem heutigen Bewusstsein zusammenzubringen und zu aktualisieren.
Innerhalb ihres Werks und als Teil ihres Zugangs beobachtet man einen verschobenen Sinn von ambivalenter Natur. Sie führt uns dazu, die abgegrenzten ästhetischen Stereotype zu durchqueren, einen quasi sprachlichen Zugang zu finden und eine quasi sprachliche Anstrengung zu machen. Die ist es schließlich, die uns dazu bringt, ihrem Werk Sinn und Wert zu geben.
Weit entfernt von leichtfertiger Sinnlichkeit und von opportunistischer Aneignung aktueller Bilder konzentriert sie sich auf dunkle, unbekannte, unsichere mentale Räume. Letztlich sind diese Räume nichts als der Ort der Kreation, wo die Vision in bildliche Objekte transformiert wird.
Das Bild ist die einzige Vorrichtung, die in der Lage ist, eine Leere zu besetzen, zu füllen, denn im Grunde ist die Notwendigkeit zu existieren das, was sie dessen würdig macht. Das letztere, die Notwendigkeit, ist ein Korrelat von ersterem, dem Bild und führt zur Einsicht, dass jede Abbildung notwendigerweise eine Entfremdung und Entfernung von jenem konstituiert, was zum Leben zurückkehren und seine Anwesenheit fortsetzen will. Der Rest, der nach dem Ende des Blicks übrigbleibt: der Spiegel der reflektiert, auch ‚in absentia’, die Entfremdung von sich selbst.
Isabelle Mühlbacher erzählt uns, von was sie besessen ist und zeigt dabei, dass diesen Obsessionen treu zu bleiben bedeutet, Künstler zu sein. (Text: Cem Angeli)

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