Siegfried Anzinger – Matrosen in den Griff bekommen

Feb 17 • Ausstellungen, Bank Austria Kunstforum, Deutsch, Deutschland, Kunsträume, Köln, Podcast, Portraits, Video, Wien, Österreich • 2423 Views • Keine Kommentare

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Der Schwerpunkt der Schau im Bank Austria Kunstforum, kuratiert von Florian Steininger, liegt auf eigens für diese Ausstellung in den Jahren 2012 bis 2013 in Leimfarbe gemalten Werken des Künstlers. Neben den großformatigen Malereien gibt es Aquarelle und Pastellzeichnungen, wobei auch Werke aus der Zeit der Biennale-Teilnahme Anzingers von 1988 zu sehen und seine radikalen Stilwechsel der letzten Jahre nachzuvollziehen sind.

Seine Karriere begann Siegfried Anzinger zu Zeiten der Neuen Wilden Malerei der 1980er Jahre, er war auf der Biennale und der Documenta 7 vertreten, 2003 bekam er den Großen österreichischen Staatspreis verliehen.
In den Räumen werden wir in eine Installation überführt, die eine ironische und amüsante Interpretation der Tätigkeit und der Geschichte der Malerei darstellt.
Die Ausstellung fasst den Geist zusammen, der sich durch Anzingers Bilder zieht, die Rückgriffe auf Mythologie, Kunstgeschichte und Religion beinhalten. Anzinger verzichtet auf konzeptuelle oder minimalistische Darstellung und bevorzugt barockere Optionen, einen sehr unabhängigen, einsamen Kurs einhaltend.
Die Unmittelbarkeit zwischen Anzingers Gedanken und der umgesetzten Wirklichkeit bewirkt die Wesentlichkeit des Zeichnens und der Malerei. Er kennt keine Beschränkungen seiner Freiheit, sich Dinge vorzustellen. Bezüge zur religions- und Kunstgeschichte sind erkennbar, aber frei von realer Repräsentation. Affektiertheit, Gekünsteltes oder psychologische Forschung werden beiseite gelassen, bewusst vermieden, um dem Betrachter eine philosophische Betrachtungsweise mit -möglicherweise- autobiographischen Bezügen anzubieten.

Mit menschlicher Ikonographie im Zentrum seines Werkes experimentiert er auch mit Reduktion von Formen, bis hinunter zu Symbolen, was eine unbegrenzte Welt von kreativen Möglichkeiten mit sich bringt. Siegfried Anzinger ist ein reflektierter Künstler, bei dem nichts zufällig in seinen Bildern auftaucht, wo trotz fahrig-schnellem Gestus ein sorgfältiger Denkprozess dahintersteht, in dem jedes Element genau durchdacht ist.

Indianer, Schweine, Cowboys und andere Figuren zeigen sich als Figuren, die die Szenerie in einem Gleichgewicht ausbalancieren. Die Ausstellung durchlaufen ist wie auf eine ungehemmte Weise die Geschichte der Malerei zu durchlaufen, ähnlich jemandem der die Seiten eines Bandes zur Geschichte der Malerei schnell durchblättert. Das Klassische ist präsent, aber gebrochen durch den (kinemato-) graphischen Blick des Künstlers.
Hervorzuheben ist die interne Kohärenz des Universums Anzingers. Im ersten Moment durch den Sturzbach sehr persönlicher Bilder überwältigt, erkennt man doch letztlich den ständigen Dialog zwischen den Bildern. Es sind Figuren in der Zeit – Bilder, die in der Erinnerung gespeichert, eingraviert bleiben, flüchtige Erinnerungen, die sich verbildlichen, verkörperlichen, ohne mehr Zusammenhalt als die wechselseitigen Kombinationsmöglichkeiten.

In absurden Szenarien finden wir hier das Irrationale in enorm vergrößerter Form vor. Trotz pastelliger Farben und sanft-friedlichem Gesichtsausdruck sind die Protagonisten dieser Szenen doch Opfer von teils ganz und gar nicht angenehmen Situationen, die einem Alptraum zu entstammen scheinen.
Wie ein Performance-Künstler, mit einem klaren Sinn für theatralische Inszenierung, choreographiert und platziert Anzinger seine Figuren im Raum, im sorgsam austarierten Gleichgewicht zwischen Tragödie, Komödie und dem Absurden. Das Figuren-Ensemble kehrt in immer neuen Rollen wieder, in immer neuen Kompositionen und Schauplätzen, in Momentaufnahmen von den Akteuren in ambivalent komisch-tragischen Szenen, in denen Anzinger einen narrativen Diskurs einfordert, indem er Geschichten wie Metaphern illustrieren, Mythologisches darstellen, oder Ereignisse und Räume der Gegenwart nachbilden kann. Anzinger lebt und arbeitet in Köln. Die Ausstellung ist von 13. Februar bis 27. April 2014 im Bank Austria Kunstforum Wien zu sehen. (Text: Cem Angeli)

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