Manfred Hebenstreit – Prozesse und Transformationen

Dez 14 • Deutsch, Peuerbach, Podcast, Portraits, Video, Österreich • 3058 Views • Keine Kommentare

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Die Kunst von Manfred Hebenstreit ist ein immer offenes Experiment, in das der Künstler alles legt: Körper und Seele, Empfindungen und Gefühle, Ironie und Ruhelosigkeit. Hebenstreit entwickelt eine obsessive Arbeit, die daraus entsteht, das Bild aufzubrechen, zu überschreiten und dann doch auf ihm zu bestehen, um seine ganzen Möglichkeiten mit allen Variationen auszudrücken, immer auf der Suche nach dem Realen, das heißt, dem Unmöglichen.

In seiner Malerei gibt es narrative Elemente, die mitunter so prägnant sein können, dass man den Blick über die Oberfläche des Bildes gleiten lassen kann, um gleichsam die Entwicklung einer Geschichte zu verfolgen. In Veränderungen der Textur, in Farbtönen, Linien und Abschürfungen enthüllen die Bilder die Struktur des Materials und des Untergrundes – der Bühnenmaschinerie des Bildes.

Die Oberfläche dieser Bilder ist reich an Nuancen, in alle Richtungen durchfurcht von Linien und Bögen, die mit grobem Strich ausgeführt sind, sie ordnen und unterteilen den Bildraum und schaffen ein Ambiente, das nicht weit von figurativen Räumen ist; oft weisen sie auf einen landschaftlichen konkreten Ursprung hin, wie im Fall der Serien, die auf Reisen entstanden sind.

Die Formen und Linien erhalten den Charakter von Notenlinien, sie markieren einen Rhythmus, der einen sequenziellen Ton angibt und dem Blick ein Narrativ anbietet. In diesem Sinne können wir von melodischer Malerei reden, von lyrischer Visualität.
Hebenstreit führt Narrative ein, Metaphern und Symbole, in einem Zeichensystem, das in seiner visuellen Dimension keine Entsprechungen, Verweise oder Bezüge in der realen Welt sucht. Einmal mehr kreist die Frage um die Legitimität des Gebrauchs einer narrativen Struktur mit ihren Symbolen und Metaphern in einem Kunstwerk. Aus sich selbst gespeist, nimmt die Abstraktion hier die Erscheinung von Körpern an, die in ihrer fragmentierten Einheit einerseits erkennbar sind und sich andererseits allen realen Assoziationen entziehen.

Dennoch manifestiert sich die Abstraktion hier nicht mehr durch ein System von selbstreferenziellen Zeichen. In dieser Wendung hin zum Akt des Sehens und seiner Darstellung wird die Selbstreferenzialität nicht zelebriert, sondern aufgelöst. Auflösung und Wiedererschaffen kennzeichnet das Werk von Hebenstreit.

Dieses ständige Zerlegen und Wiederzusammensetzen scheint nie vollständig zu enden, es ist ein offener und fließender Prozess, in dem der Künstler Bilder festhält, die aus seinem Inneren hervorquellen und die er dem Blick der anderen anbietet.

Installiert in den intimsten und tiefsten Abgründen des Menschlichen und der Psyche, setzt sich die Malerei Hebenstreits als ein mentaler Prozess zusammen, in dem die plastischen Formen, Linien und Farben als Träger für die Äußerung des Bildes dienen.

Dies ist das Flussbett, der Verlauf, in den sich die fundamentalen Verfahrensweisen einschreiben, die Manfred Hebenstreits Bildfindung Einheit geben: skizzenhafte Strukturen, gekrümmte Linien, breite Striche, Flecken, Farbfelder, allerdings nicht nur auf einer rein gestischen Ebene. Dem Kontrast zum inneren Modell unterworfen, das alles in Frage stellt, muss das äußere Bild von einem Faktor der Entfremdung betroffen sein – um schließlich in das Verdauungssystem der Fantasie eingeführt zu werden.

Anstatt einer kompakten Bildauflösung finden wir die Spur, das Farbfeld. Malerei in ständiger Unabgeschlossenheit als die äußerste Auffassung des Begehrens – in vollem Bewusstsein, dass das Chaos eine expressive Kraft sein kann, durch dessen Unordnung eine andere Art Ordnung enthüllt werden kann, die, von Zufall und Konfrontation durchtränkt, die Existenz beherrscht.

Ohne all die Widersprüche, Wendungen, Strömungen und Gegenströmungen in seinem Werk zu fürchten, arbeitet Hebenstreit in seinem alchemistischen Laboratorium weiter, in der ständigen Unzufriedenheit, die einen Künstler ausmacht. (Text: Cem Angeli)

 

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