Der Blick des Kurators – Das Archiv der Träume aus dem Musée d’Orsay

Feb 25 • Albertina, Ausstellungen, Channel, Interviews, Musée d'Orsay, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 1474 Views • Keine Kommentare

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Der Titel “Archiv der Träume” stammt ebenso wie die Zusammenstellung der Schau im Museum Albertina in Wien von Werner Spies, dem ehemaligen Direktor des Centre Georges Pompidou in Paris. Er hatte bei der Auswahl aus dem über 90.000 Werke umfassenden Archiv vollkommen freie Hand und wurde dabei von der Kuratorin des Musée d’Orsay, Leïla Jarbouai, unterstützt.
Es ist den Ausstellungsmachern gelungen, die Widersprüchlichkeit des 19. Jahrhunderts im nach Themen angeordneten Rundgang zu zeigen, wobei zusätzlich zu den „Stars“ der französischen Kunstgeschichte wie Degas, Cézanne, Seurat, Moreau, Boudin, Manet, Doré oder Odilon Redon (mit der freundlichen Spinne) auch hierzulande weniger bekannte Künstler wie Felicien Rops, Fernand Khnopff, Léon Spillaert oder Honoré Daumier zu sehen sind, sogar ein Selbstporträt von Charles Baudelaire ist dabei.
Im sehenswerten Ausstellungskatalog gibt es ein besonderes Extra: 100 Künstler, Filmemacher, Autoren und Architekten haben persönlichen Beiträge zu einzelnen Arbeiten beigetragen, unter anderen Alex Katz, Luc Bondy, Mario Vargas Llosa, Anish Kapoor, Tony Cragg, Paul Auster, David Lynch, Peter Handke, Jeff Koons und viele mehr.
Archiv der Träume ist ein treffender Name für die Ausstellung, der Besucher bekommt das Gefühl, sich in den Traumszenarien der Künstler zu befinden, seien dies Wunsch- oder Alpträume. Architektonische Fantasien, monströse Wesen oder melancholische Selbstporträts: Es zeigt sich, dass das 19. Jahrhundert nicht nur von technischem Fortschritt, gesellschaftlicher Emanzipation und Zukunftsvisionen geprägt war, sondern auch seine dunkle Seite hatte, voller Ängste und Abgründe.
Auf vielen Blättern, wie den Selbstporträts von Lovis Corinth, Léon Spilliaert oder auch Baudelaire, zeigen sich Selbstzweifel, Düsterkeit und Schmerz. Ein häufig wiederkehrendes Thema sind Visionen von Tod, Skeletten, Vanitas-Motiven oder Friedhöfen. Die Figur der Frau, dargestellt in ihrer Doppelnatur als begehrenswertes Lustobjekt und bedrohliche Femme Fatale, lässt die Atmosphäre erahnen, in der gegen Ende dieses scheinbar so optimistischen Jahrhunderts die Traumdeutung Freuds Einblicke in die unbewussten Abgründe des bürgerlichen Subjekts gewähren konnte. (Text: Cem Angeli)

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