Sturtevant – Die Kunst sich Kunst anzueignen

Mrz 11 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 1688 Views • Keine Kommentare

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (No Ratings Yet)
Loading ... Loading ...

Was macht ein Kunstwerk zu Kunst? Gibt es eine Aura des Authentischen? Kann die Kopie ein Original sein? Referenz oder Aneignung? Wer ist Urheber?

Appropriation, „Aneignung“ oder auch „die Kunst der Wiederholung“, als Angriff auf Schlüsselbegriffe der Kunstgeschichte wie Autorenschaft, Originalität, Kreativität und Authentizität: Die US-Amerikanerin Elaine Sturtevant (1924-2014) ist derzeit mit ihrem nahezu kompletten zeichnerischen Oeuvre von 100 Blättern in der Ausstellung “Sturtevant – Drawing Double Reversal” in der Albertina in Wien zu sehen. Sie studierte und „wiederholte“ die Arbeit von Künstlern der Pop Art wie Jasper Johns (Flags), Andy Warhol (Flowers), Roy Lichtenstein (Hot Dogs) oder auch des Ahnherrn der Konzeptkunst Marcel Duchamp, und spitzte so die Fragen um Werk, Urheberschaft und Original auf einer neuen konzeptuellen Ebene weiter zu. Gleichzeitig unterminierte sie in subversiver Weise die Gesetze des Kunstmarkts (des Kunstkäufers Traum: ein fast identer Warhol um einen ungleich günstigeren Preis). In ihrer Vereinigung aus Konzeptkunst und Pop Art kopierte Sturtevant Duchamps reproduzierte Reproduktionen, so entstehen kopierte Originale neben originalen Originalen bzw. originalen Kopien und kopierten Kopien, aus einem in Kunst verwandelten Alltagsobjekt, dem Readymade, wird das Kunstwerk nach dem Kunstwerk – nach dem Kunstwerk.

Die theoretische Rechtfertigung geht davon aus, dass die Dekontextualisierung und Wiederverwendung von existierendem Material einen neuen Zusammenhang generiert, mit eigener Bedeutung und mit einem neuen Diskurs, in dem neue Darstellungsmodi kreiert werden, in denen der Betrachter zum aktiven Agenten im Produktions- und Rezeptionsprozess des Werks wird.

Einerseits gibt es den Moment, indem ein Element aus seinem ursprünglichen Kontext entfernt wird und es eine Wesenheit und dadurch autonome Bedeutung erhält, und andererseits der Augenblick in dem wir entscheiden, es in einem neuen Zusammenhang, fern vom Original, zu inkludieren und es damit mit einer neuen Bedeutung zu belegen.

Der Künstler, der dieses angeeignete Material zusammenstellt, fügt demnach einen Mehrwert an Gültigkeit und Aktualität hinzu. (Text: Cem Angeli)

FacebookTwitterGoogle+tumblrEmail

Related Posts

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

« »