Balthus

Mrz 8 • Ausstellungen, Bank Austria Kunstforum, Deutsch, Interviews, Kunsträume, Podcast, Video, Wien, Österreich • 1264 Views • Keine Kommentare

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Die erste große Retrospektive des umstrittenen Malers Balthus (Baltasar Klossowski de Rola) wird bis 19.06 im Bank Austria Kunstforum zu sehen sein.
Die von Evelyn Benesch, Cécile Debray und Matteo Lafranconi kuratierte Schau, die bereits in Rom zu sehen war, ist eine Kooperation mit den Scuderie del Quirinale und der Villa Medici, und wurde mit Leihgaben des Centre Pompidou und des Musée national d’art moderne (Paris), The Art Institute of Chicago, Tate London, und The Metropolitan Museum of Art (New York) sowie der Familie des Künstlers unterstützt.
Balthus (Baltasar Klossowski de Rola) wurde 1908 in Paris in eine polnische Familie mit künstlerischen Neigungen geboren. Sein älterer Bruder Pierre Klossowski (geb. 1905) wurde später ein bedeutender Schriftsteller, Übersetzer und Maler.
Als die Eltern sich scheiden ließen, lebten die Brüder in der Schweiz, wo der Liebhaber der Mutter, Rainer Maria Rilke die Rolle ihres Mentors übernahm – die Katzen-Bildergeschichte “Mitsou” mit Holzschnitten des elfjährigen Balthus und einem Vorwort Rilkes wurde von ihm als Buch herausgegeben und ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.
Die Schau umfasst Werke von der Frühzeit in Paris bis zu den letzten Tagen des Künstlers in der Schweiz. Eine der interessantesten Aspekte ist dabei, wie sich Einflüsse der (Kinder-)Literatur, wie z.B. Lewis Carrol (Alice im Wunderland), Max und Moritz oder der Struwwelpeter ihren Niederschlag im Werk von Balthus gefunden haben.
Zu sehen sind frühe Stilstudien, Akte und Porträts aus seinem Pariser Umfeld, zu dem André Gide, Paul Valéry, Artaud, Camus und André Derain zählten, sowie auch Landschaften aus späteren Lebensjahren in Frankreich und der Schweiz. Gegen Ende der Ausstellung sind selten gezeigte Bühnenbild- und Kostümentwürfe dabei, bis hin zu den umstrittenen Polaroid-Farbfotos, Porträtstudien eines halbnackten, sehr jungen Mädchens. Diese Fotos hatten 2014 eine Kontroverse ausgelöst, wegen der schließlich die geplante Balthus-Schau im Essener Folkwang-Museum abgesagt wurde.
Die Malerei des Balthus ist eine der ständigen Ausnahme: Sehr persönlich, von allen großen Strömungen und -ismen unberührt, und kaum einordenbar. Ein fortlaufendes Werk, das nie Moden oder irgendwelchen Tendenzen folgte, Serien von Variationen zu Zentralthemen, mit einigen immer wiederkehrenden Elementen: Mädchen, Katzen, viel Licht, Spiegel.
Seine sehr persönliche Bildsprache, mit handfesten Formen und klaren Umrissen, kombiniert die Vorgangsweise der alten Meister mit bestimmten Aspekten des Surrealismus.

Er war der einzige Künstler, dessen Bilder zu Lebzeiten im Louvre gehängt wurden, als Teil von Picassos Privatsammlung, die dieser dem Louvre gestiftet hat.

Sein Werk war außenseiterisch, so wie auch sein Leben der Politik, den gesellschaftlichen Konflikten und dem Kunstmarkt abgewandt verlief. Er wurde unter anderem als Surrealist bezeichnet, aber er lässt sich nicht leicht in irgendeine Bewegung einordnen, er hielt sich von politischen und sozialen Themen fern.

Weder Kubismus noch Abstraktion hatten nennenswerten Einfluss auf seine Malerei, die den freskenhaften Charakter pompejanischer Motive stets beibehielt, er blieb auch dank seiner Liebe zu Literatur und Theater stets bei seiner idiosynkratischen, magisch aufgeladenen Figuration.

Zwar gibt es Parallelen zu Magritte mit seiner paradoxen figurativen Darstellung, oder zu Delvaux’s Platzierung der Frauenfiguren in der Szenerie. Seine monomane Themenwahl kann man mit Modigliani vergleichen, seine Behandlung des Lichts mit Hopper, oder sein Streben nach Harmonie und Gleichgewicht mit den frühen Renaissancemalern, aber es bleibt immer ein unerklärbarer, original balthusianischer Rest übrig.

Er hat die Essenz, das Wesen des Déjà-vu eingefangen, das Gefühl des bereits gesehenen, das in den Alltagsgesten und Handlungen verborgen liegt. Es liegt eine ständige Jugend, ein ewiger Anfang in den Bildern von Balthus – eine skizzenhafte Ahnung von einem Werk, das sich immer am Anfang befindet und in diesem Moment innehält. (Text: Cem Angeli)
Bank Austria Kunstforum kunstforumwien.at
Ein Filmbeitrag von CastYourArt castyourart.com

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