Seurat, Signac, Van Gogh – Wege des Pointillismus

Okt 7 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 1049 Views • Keine Kommentare

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Die Definition des Pointillismus ist von bestechender Einfachheit: mittels farbiger Punkte zu malen. Aber die Entstehung und die Nachwirkung dieser Technik ist alles andere als simpel und spiegelt den Geist einer Schlüsselepoche in der Kunstgeschichte wider: Der Zeit des Neoimpressionismus, von Georges Seurat ursprünglich Farblichtmalerei (Chromoluminarismus) bzw. Divisionismus genannt, wobei Paul Signac’s Bezeichnung Pointillismus letztlich gebräuchlicher wurde.

Das Zentrum pointillistischer Produktion war zunächst Frankreich, mit Seurat und Signac als Hauptvertreter der Strömung, die sich gegenseitig auch beeinflussten.
Seurat zeigte schon früh ein spezielles Interesse an Landschaften und ihr Farbenspiel, wobei Delacroix einer seiner größten Einflüsse war, von dem er das Faible für lebhafte und erdige Farben hatte. Jedoch war die Herausforderung für Seurat komplex: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Optik mit dem Gefühl zu vereinen, das ein Bild vermitteln soll. Ohne die Grundfarben auf der Leinwand zu mischen, erzielte Seurat mittels Kompositionen von sorgfältig platzierten Punkten spektakuläre Harmonie und Ruhe in seinen Bildern. Seurat war ein großer Bewunderer von Piero della Francesca, Ingres und Poussin.
Seurat und Signac lernten sich in der „Gesellschaft unabhängiger Künstler“ kennen, einer Gruppe, die jenen Malern regelmäßige Ausstellungen ermöglichte, die von der Kritik wegen gewagter oder angeblich mangelnder Technik abgelehnt wurden. Ebendies dachten Monet und Renoir anlässlich der Impressionistenausstellung 1886, als Pissarro die Pointillisten unbedingt dabeihaben wollte, sie zogen ihre Bilder schließlich zurück, weil sie die jungen Maler nicht akzeptierten.
Wie sich in der Albertina zeigt, war der Pointillismus eine Pionierzeit, die das Fundament der Moderne legte – Pissarro, Van Gogh, Picasso und Delaunay sind Künstler, die, zumindest in bestimmten Phasen ihrer Karriere, von dieser Kunstrichtung geprägt waren.
Der Einfluss der Pointillismus bleibt bis in unsere Zeit spürbar, unter anderen etwa im Werk von Chuck Close, und war auch sehr einflussreich in der Op Art und der italienischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts, z.B. bei Umberto Boccioni oder Giacomo Balla.
In Zusammenarbeit mit dem niederländischen Kröller-Müller Museum und kuratiert von Heinz Widauer, zeigt Seurat, Signac, Van Gogh die Geschichte des Pointillismus von ihren Anfängen 1886 bis zu ihren Nachwirkungen in die der 1930er-Jahre hinein. Ausgehend von den Werken der Pioniere Seurat, Signac und Théo van Rysselberghe zeigt die Ausstellung die Weiterentwicklung zur Moderne, bis hin zu Henri-Edmond Cross, Picasso, Mondrian und van Gogh, der seinen höchst eigenständigen Weg verfolgte. (Text: Cem Angeli)

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