Wege des Pointillismus – Komposition und Farbe

Nov 29 • Albertina, Ausstellungen, Channel, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 531 Views • Keine Kommentare

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Anlässlich der Ausstellung “Wege des Pointillismus” hat es für uns Heinz Widauer, Kurator im Museum Albertina, auf den Punkt gebracht: Wie entstand  ein pointillistisches Bild?

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts dominierten – nach der französischen Revolution – die neuen republikanischen Ideale in der akademischen Malerei, mit historisch narrativen Sujets, konservativen Farbpaletten und genau austarierten Kompositionen.

Der Impressionismus ließ dann die großen Allegorien beiseite und versuchte, im Freien die Atmosphäre der Natur und der Städte einzufangen, schnelle Pinselstriche und leuchtende Farbfelder bevorzugend, die mehr einen optischen Effekt als eine minutiöse Achtsamkeit aufs Detail privilegierten. In dieser ersten Generation von Künstlern waren Monet, Renoir und Manet die wichtigsten Namen.

Der Impressionismus stieß bald an seine erkenntnistheoretischen Grenzen, und als verschiedene Autoren begannen, die Natur der Farbe auf grundlegenderer Ebene zu erforschen, wurden manche Künstler zu einem analytischeren Zugang inspiriert. Die Forschungen von Chevreul, Ogden Rood und von Hermann von Helmholtz über Optik und Farbwahrnehmung hatten einen starken Einfluss auf die Kunstwelt. Der Chemiker Michel Eugène Chevreul beschrieb um 1840 den Effekt des simultanen Kontrasts, wobei ein heller Farbpunkt der neben einem dunklen platziert ist, heller erscheint als er in der Realität ist, und umgekehrt.

Seurat zeigte schon früh ein spezielles Interesse an Landschaften und ihr Farbenspiel, wobei Delacroix einer seiner größten Einflüsse war, von dem er das Faible für lebhafte und erdige Farben hatte. Jedoch war die Herausforderung für Seurat komplex: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Optik mit dem Gefühl zu vereinen, das ein Bild vermitteln soll. Ohne die Grundfarben auf der Leinwand zu mischen, erzielte Seurat mittels Kompositionen von sorgfältig platzierten Punkten spektakuläre Harmonie und Ruhe in seinen Bildern. Seurat war ein großer Bewunderer von Piero della Francesca, Ingres und Poussin.

Wie sich in der Albertina zeigt, war der Pointillismus eine Pionierzeit, die das Fundament der Moderne legte – Pissarro, Van Gogh, Picasso und Delaunay sind Künstler, die, zumindest in bestimmten Phasen ihrer Karriere, von dieser Kunstrichtung geprägt waren. (Text: Cem Angeli)

Albertina Museum | albertina.at

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