Gerhard Rühm – Poet, Komponist, Musiker, bildender Künstler und Performer

Nov 10 • Ausstellungen, Bank Austria Kunstforum, Deutsch, Interviews, Kunsträume, Podcast, Video, Wien, Österreich • 97 Views • Keine Kommentare

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Der österreichische Poet, Komponist, Musiker, bildende Künstler und Performer Gerhard Rühm (*1930 in Wien) steht derzeit mit seinem vielseitigen, mehr als sechs Jahrzehnte umspannenden Werk im Zentrum der Personale „Gerhard Rühm“ im Kunstforum der Bank Austria.
Neben zahlreichen Einzelausstellungen waren seine Arbeiten u.a. im Amsterdamer Stedelijk Museum, auf der Kasseler documenta 1977 und 1987, in der Frankfurter Schirn Kunsthalle und im Joanneum Graz zu sehen. 2012 erwarb die Österreichische Nationalbibliothek Rühms Vorlass.
Rühm war in den 1950ern zusammen mit HC Artmann, Friedrich Achleitner, Oswald Wiener und Konrad Bayer Mitbegründer der Wiener Gruppe, deren Sprachskepsis und experimentell-performativer Ansatz Rühms Werk entscheidend geprägt hat.

Dekonstruktion bzw. Zerstörung sind wesentlich für Rühms Œuvre, so ist gleich am Anfang der Ausstellung eine Fotodokumentation über die Performance « Klavierzertrümmerung » von 1959 zu sehen, bei der Rühm und F. Achleitner im Rahmen des « Literarischen Kabinetts » der Wiener Gruppe einen Konzertflügel auf offener Bühne mit Axthieben zertrümmerten. Die Wiener Gruppe selbst steht jedoch in der Auswahl von Kuratorin Heike Eipeldauer nicht unbedingt im Mittelpunkt.

Als permanenter Grenzüberschreiter sucht Rühm in seinem grafischen, aber auch musikalischen und literarischen Werk die ständige Erweiterung des Mediums «Sprache».

An den Grenzen zwischen Kunstdisziplinen verwandelt er Druckschrift in Bilder, Handschrift in Zeichnungen, Sprache in Musik. Seine „visuelle poesie“ und ihr musikalisches Gegenstück, die grafisch bearbeitete „visuelle musik“, und auch seine „auditive poesie“ mit Klavierstücken und Chansons sind ebenfalls Teil der Werkschau.

Foto- und Typografiecollagen, Zeichnungen, Videos sind zu sehen, Hörspiele oder Chansons zu hören. Rühm war als Sohn eines Philharmonikers ursprünglich von der Musik ausgegangen, und hatte sich während seines Klavier- und Kompositionsstudiums für Jazz und auch Zwölftonmusik interessiert, deren Prinzipien und Techniken er auf Sprache, auf Texte anwandte.
Neben der  „Wiener Gruppe“-Anthologie im zweiten Raum der Schau, mit der die Sprachexperimente von Rühm, H.C. Artmann, F. Achleitner, Konrad Bayer und Oswald Wiener bekannt wurden, gibt es im Hauptraum einen in einer Multimedia-Installation aufgestellten Flügel. Mit speziellen Handlungsanleitungen des Künstlers werden die Besucher zum Mitmachen animiert.
Bei seinen Sprach-Versuchsanordnungen suchte er den Zugang zu seinem eigenen- und dem Unbewussten der Sprache selbst, er zeichnete oder malte blind, oder während des Einschlafens. Sein tiefgehendes Interesse an der Materialität der Sprache als visuelles und phonetisches Material zeigen seine Wort- und Lautgestaltungen, Zeichnungen, Fotomontagen, Text-Objekte, Scherenschnitte, Partituren und Performances. Im letzten Raum der Ausstellung können auch die Besucher Lautgedichte rezitieren, sich an automatischen Zeichnungen versuchen oder Typografien auf einer alten Schreibmaschine erschaffen.
Der Kontext der internationalen Avantgardebewegungen des frühen 20. Jahrhunderts und der Einfluss, den Konstruktivismus, Futurismus, Surrealismus und Dadaismus auf Rühm, aber auch die Wiener Gruppe hatten, und wie sie die jeweiligen Ansätze weiterentwickelten, wird in der Ausstellung im Kunstforum ebenso sichtbar.  (Text: Cem Angeli)
Kunstforum Wien, bis 28.1.2018, tägl. 10h-19h, Fr. 10h-21h.

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