Das Wiener Aquarell

Feb 20 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 569 Views • Keine Kommentare

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Sich selbst, seinen Besitz und seine Reisen zur Schau zu stellen: Im 18. Und 19. Jahrhundert erlebte das Wiener Aquarell seine Blütezeit, bevor es letztlich von der Fotografie verdrängt wurde.
Vom französischen und englischen Aquarell mit ihrem Interesse für Lichtstimmungen unterschied sich das Wiener Pendant vor allem durch seinen Realismus. Für den heutigen Betrachter ergibt sich über die künstlerische Bedeutung hinaus noch eine dokumentarische und historische Perspektive – als mannigfaltiges Quellenmaterial.
Maltechnische und kompositorische Virtuosität des Wiener Aquarells faszinieren, in der über 200 Arbeiten umfassenden Schau im Albertina Museum (davon 180 aus hauseigenen Beständen) lässt sich die Entwicklung dieser Kunstform über das ganze 19. Jahrhundert nachvollziehen.
Eine Leihgabe steht am Anfang der Schau, ein Aquarell von Heinrich Friedrich Füger, das die Gründer der Albertina-Sammlung, Albert von Sachsen-Teschen und Erzherzogin Christine zusammen mit Kaiserin Maria Theresia zeigt.
Am Ende steht der Blick von Rudolf von Alt aus seiner Wohnung im Jahr 1903 auf die Eisengießerei Kitschelt in der Wiener Skodagasse.
Rudolf von Alt, der 93 Jahre alt wurde,  prägte in seiner langen Schaffenszeit das Wiener Aquarell wie kein anderer Künstler, er malte für Fürstenhäuser wie die Liechtensteins, Rasumofskys oder Harrachs ihre Innenräume, und hat die Stadt Wien mit seinen Bildern durch das ganze 19. Jahrhundert in ihren Veränderungen begleitet.
Rudolf von Alts Vater Jakob, aber auch Thomas Ender, Carl Schütz, Moritz Michael Daffinger, Matthäus Loder, Thomas Ender, Anton Romako, Eduard Gurk oder August von Pettenkofen zählten zu den bedeutenden Künstlern dieser Zeit, die in der Ausstellung vertreten sind.
Nicht nur das Bürgertum des Biedermeier war Auftraggeber, zunächst ließ der Adel seine Besitztümer und Lebensweise mit dieser schnellen Maltechnik dokumentieren. Die Materialien konnten rasch mitgeführt werden, als Kammermaler begleiteten die Aquarellisten Fürsten auf ihren Reisen und Wanderungen, porträtierten sie oder hielten ihre Interieurs bildlich fest.
Mit seinen Techniken Wasserfarben, Deckfarben, Tempera und Gouache diente diese Kunst dem Dokumentieren des Augenblicks, einer Reise, des Besitzes. In Zeiten vor der Fotografie wurde das Bild in Auftrag gegeben, um die Welt in der man lebte, darzustellen.
Das reichhaltige Repertoire an Motiven bietet Stadtansichten und Landschaften, Porträts, Interieurs und Blumen, aber auch Genrebilder mit Szenen „aus dem einfachen Volk“ etwa bei Peter Fendi oder „Zigeuner“ von Anton Romako.
Vom Biedermeier bis zur Kunst um 1900, die Schau “Das Wiener Aquarell” ist ein Beleg für Bedeutung dieser spezifischen Ausprägung der Kunstgattung und ist ebenso ein Einblick in die Geschichte eines ganzes Jahrhunderts. Die von Marie Luise Sternath kuratierte Ausstellung ist von 16. Februar bis 13. Mai 2018 in der Albertina zu sehen. (Text: Cem Angeli)

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