Florentina Pakosta – Porträt

Jul 8 • artmark galerie, Deutsch, Galerien, Podcast, Portraits, Video, Wien, Österreich • 556 Views • Keine Kommentare

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Schreiende, grinsende Gesichter, groteske Köpfe mit Vogelschnäbeln, eine Faust, die aus einem Mund herausragt – Florentina Pakosta reflektiert mit ihren teils hyperralistischen Zeichnungen gesellschaftliche Verhältnisse, Rollenbilder und Machtstrukturen. Dabei richtet sie den Blick auf den Mann im Besonderen und das Patriarchat im Allgemeinen, auf die Körpersprache der Macht und ihre Mimik.

Ihre Kreuzstriche-Zeichentechnik erinnert manchmal an Druckwerke, das Spiel des Schwarz auf dem weissen Papier zeigt all die Ausdrucksmöglichkeiten ihres genau eingesetzten Lakonismus, sie springen als Unterstreichung von poetischer Ironie oder Dramatik ins Auge. Es sind visuelle Metaphern, die an Magritte, oder Figuren, die an Goya erinnern, Beispiele der Virtuosität und des Humors, wo sie Physignomien verformt und verfremdet, mit Sägen, Scheren oder Klobrillen die aus (Männer-) Köpfen wachsen, mit Hybriden wie Revolverkopf (1979) oder Scherenmund (1980).

Inspiriert von Franz Xaver Messerschmidt zeichnet sie grimassierende Männer sowie eine großformatige Serie von Porträts bekannter Persönlichkeiten. Ihre Mimiken sind humorvoll, dennoch sind ihre Zeichnungen trotz allem Humors nicht komisch, das Lachen, das unmittelbar Spannung abbaut, interessiert sie nicht – und obwohl Weisheit in den Motiven liegt, sucht sie auch nicht zu belehren, sie hat eine moralische Intention.

Sie verlangt einen Moment der Reflexion, sie gibt einen Hinweis auf die Realität, die der Betrachter wahrnehmen soll. Das Bild erschöpft sich nicht in sich selbst, es weist darüber hinaus. Feministische und pazifistische Motive ziehen sich durch das Schaffen der Künstlerin, die auch Autorin kunsttheoretischer Schriften und Prosastücke ist, und neben Maria Lassnig und VALIE EXPORT als eine der wichtigsten Vertreterinnen feministisch engagierter Kunst in Österreich gilt.

Im Verlauf und vor allem gegen Ende der 1980er Jahre tritt das Figurative in ihren Bildern zugunsten von abstrakten Formen und dem Experimentieren mit Farben zunehmend in den Hintergrund. Dennoch bleibt die Reflexion über gesellschaftliche Probleme, wie auf das Verschwinden des Subjekts, bestehen: Massenphänomene, Menschenmengen von glatzköpfigen Männern, in verschiedenen Techniken ausgeführt, Acryl auf Leinwand oder Spritztechnik auf Papier. Es entstanden auch Bilder von massenweisen Gegenständen wie Wäscheklammern, Schuhen oder Farbtuben, wo sie Farbe einzusetzen begann (Ein Stück blauer Himmel, 1988).

Um 1989, zeitgleich mit den Umwälzungen in Osteuropa, ergab sich auch ein radikaler Wandel in Pakostas künstlerischem Schaffen. Sie wandte sich der Malerei und einer abstrakten Formensprache zu, bis heute entstehen Zyklen der charakteristischen, “trikoloren” geometrischen Balkenbilder. Die Farbe, die zunehmend in ihre Werke tritt, soll allerdings nicht angenehm fürs Auge sein, sondern „ jede Farbe ein gefährliches Gift“, wie sie selbst schrieb.

Die 1933 in Wien geborene Künstlerin war das erste weibliche Vorstandsmitglied der Secession und zeichnete dort für die Ausstellung “Secessionistinnen 1978” verantwortlich. Diese gilt als ein Meilenstein für die Anerkennung des Schaffens von Künstlerinnen in Österreich. (Text: Cem Angeli)

artmark galerie | www.artmark-galerie.at
Albertina Museum | www.albertina.at

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