NIKO PIROSMANI. Wanderer zwischen den Welten

Nov 23 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 168 Views • Keine Kommentare

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Für Albertina Direktor Klaus Albrecht Schröder ist er „der wichtigste und einflussreichste Maler Georgiens, gilt als ‘Rousseau des Ostens’ und im Westen noch immer wenig bekannt.”
Heute zieren Niko Pirosmanis (geb. 1862 als Nikolos Pirosmanashvili in einem georgischen Dorf) Motive Teller, Schürzen, Socken und T-Shirts in den Läden der Hauptstadt Tiflis. Seine sehr beliebten Bilder hängen im Nationalmuseum von Tiflis, sein Porträt ziert eine Banknote.
Er wird in Georgien als Nationalkünstler gefeiert, sein Leben verbrachte er aber zumeist als Obdachloser, der seine Bilder gegen Kost und Logis malte. Er starb obdachlos unter einer Kellertreppe und seine Grabstätte ist unbekannt.
Die von Bice Curiger und Elisabeth Dutz kuratierte Personale in der Pfeilerhalle der Albertina beinhaltet 30 Leihgaben der Georgischen Nationalgalerie.
Es sind ikonenhaft flache und farbenprächtige Bilder, die in märchenhaften, stilistisch naiven Szenerien fröhliche Feste, Esel, Füchse, Bären aber auch exotische Tiere zeigen (die der Künstler, der sein Land nie verlassen hat, wahrscheinlich nach Abbildungen gemalt hat). Immer wiederkehrende Motive sind traditionelle georgische Weinkrüge.
Nur noch ein Zehntel dieses Werks ist heute erhalten, schätzt man. Großteils malte er es auf schwarze Wachstücher, die zum Abdecken, als Schutz vor Regen verwendet wurden.
Bice Curiger, ehemalige Direktorin der Biennale Venedig, wurde anlässlich einer Ausstellung in Zürich auf den im Westen unbekannten Pirosmani aufmerksam, in der Albertina erkannte man 2016 bei den Vorbereitungen für eine Ausstellung über die russische Moderne seinen enormen Einfluss auf seine Zeitgenossen der russischen Avantgarde.
Auf Pirosmani als Volksmaler, als Idealfigur des Antiakademismus wurden georgische Intellektuelle ab 1912 in den Gasthäusern Georgiens aufmerksam. Einige seiner Bilder gelangten nach Moskau und beeinflussten dort das Werk von Chagall, Malewitsch, Larionow oder Gontscharowa, ähnlich dem Einfluss, den der Zöllner Rousseau auf die Pariser Kunstszene etwa zur gleichen Zeit ausübte.
Der georgischen Kunstszene kehrte er jedoch den Rücken, auch der 1916 gegründeten Gesellschaft georgischer Künstler trat er nicht bei.
In der Ausstellung gibt es auch Gegenwartskunst. In der Pfeilerhalle steht ein aus mehr als 600 Plexiglaswürfeln zusammengesetzter Tisch, in dem blaue Rosen eingearbeitet sind, ein Verweis auf Pirosmanis Bild von der französischen Tänzerin Margarita, in die der Künstler so unsterblich verliebt war, dass er all seine Ersparnisse in ein Blumenmeer investierte.
Ein zweiter Bezug, den der japanische Architekt Tadao Ando in diesem extra entworfenen und sieben Meter langen Tisch herstellt, ist ein Zitat Pirosmanis: Alles, was man brauche, sei ein Haus im Zentrum von Tiflis und einen langen Tisch, an dem man mit befreundeten Künstlern bei Tee über Kunst reden könne.
Andos Tisch ist auch eine Art symbolisches Grabmal, da Pirosmani Grab unbekannt ist, der Tisch wird die Ausstellung auf weiteren Stationen, etwa in Japan und der Schweiz begleiten.
Als Gegenwartskunst gibt es in der Albertina auch eine neue Tuschezeichnung von Georg Baselitz zu sehen, “Pirosmani und Hokusai“, sowie ein Buch mit einer Radierung Pablo Picassos, die Pirosmani beim Malen zeigt.
Außerdem ein Kleinformat der Amerikanerin Karen Kilimnik, ein Kiki Smith-Selbstbildnis. “Blaue Sterne über blauem Baum”, zwei Bilder von Yoshitomo Nara, in denen er Gemälde Pirosmanis aufgenommen hat, ein Pirosmani-Porträt des rumänischen Künstlers Adrian Ghenie und eine Skulptur des georgischen Künstlers Andro Wekua – wie auch andere Werke stammt diese aus dem Besitz der Infinitart-Stiftung, die auch den Katalog zur Ausstellung finanziert hat.
Für die Kultur seines Heimatlandes hat Pirosmani ein große Bedeutung, die Ausstellung soll nicht nur die Sicht auf sein Werk verändern, sondern als Teil einer gegenwärtigen georgischen Kulturoffensive auch Lust auf eine Reise und nähere Befassung mit der reichen Kultur des Landes wecken. (Text: Cem Angeli)

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