MANFRED WILLMANN – Die Welt ist schön

Feb 25 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 1061 Views • Keine Kommentare

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Das Albertina Museum widmet dem Fotografen Manfred Willmann (*1952 in Graz) und seiner „einzigartigen Bildsprache“ eine umfassende Einzelausstellung. Kuratiert von Anna Hanreich, beleuchtet die Schau zentrale Aspekte in Willmanns Schaffen und spannt einen Bogen über sein Werk vom Ende der 1970er-Jahre bis heute.

Die sechs thematischen Werkgruppen mit ca. 270 Abzügen dokumentieren Willmanns sehr direkten, subjektiven Blick und sein höchst originelles Bildvokabular. Farbfotografie ebenso wie Blitzlicht galten in der Kunstfotografie der 1970er und 1980er Jahre als verpönt und wurden eher mit Werbung und Kommerz assoziiert. Willmann setzte beides als Stilmittel ein und war damit wegweisend in Österreich. Bei Tag und bei Nacht, innen ebenso wie außen verwendet Willmann Blitzlicht, das den Blick auf Details lenkt, die Motive gegenüber der Umgebung betont und Oberflächen, Texturen und Materialien besonders hervorhebt. Durch seine Lichtgebung verleiht Willmann den Farben eine höhere Intensität und stärkere Kontraste, die Gegenstände werden plastischer und treten schärfer hervor.

Das Landleben mit seinem Alltag zieht sich als Thema durch die Fotos, Willmann wechselt zwischen Landschaften, Personen und Stillleben. In der Werkgruppe “Die Welt ist schön” (1981-1983) finden sich Bilder von Überresten von Festessen, Pflanzen oder Porträts der Landbevölkerung. In seiner wohl berühmtesten Serie, dem mehrteiligen Zyklus “Das Land” (1981 -1993) zeigt Willmann seine Umgebung, die Südsteiermark, alles andere als idyllisch, mit unverputzten Häusern, rostigen Fahrzeugen, schäbigen Hühnerställen und toten Tieren.

In „Schwarz und Gold“ (1979?1981) setzt sich der Künstler mit seiner eigenen Biografie auseinander, ebenso wie im Zyklus “Für Christine“ (1984-1988) mit seiner Partnerin Christine Frisinghelli, die mit ihm zusammen von 1980 bis 2010 Gründerin und Herausgeberin der bekannten Fotozeitschrift Camera Austria International war.

Willmann war auch über 20 Jahre lang Leiter des Fotoreferats des Forum Stadtpark und ebenso wie beim Festival Steirischer Herbst für zahlreiche Fotografie-Ausstellungen verantwortlich.

Die Albertina zeigt auch neuere Arbeiten wie die Serien „Blitz & Enzianblau“ (2005) und erstmals auch neueste Arbeiten in „2018/2017“ (2017/18), wo auch besonders nahsichtige Prints von mit Digitalkamera aufgenommenen Fotos sehen sind.

Die sechs Serien von 1979 bis 2018 zeigen die Vielschichtigkeit des fotografischen Werks Willmanns ebenso wie den Facettenreichtum des (österreichischen) Landlebens.
Bestimmte Motive kehren immer wieder: Das Land wird als Lebensraum und Motiv dokumentiert, das Blitzlicht holt das Sujet aus dem Hintergrund hervor. Willmanns Kamera funktioniert wie ein Finger, der auf die direktmöglichste Weise auf etwas zeigt: Sieh das an! Zentriert, nahe und ohne Störung. Der Fotograf bewegt sich um das Motiv herum und verändert – wenn nötig – seine eigene Position, das Motiv bleibt unbeeinflusst. Das Foto als Medium tritt zurück und das Objekt wird zum Bedeutungsträger, nicht das, was an den Rändern des Ausschnitts oder im spezifischen Moment der Aufnahme passiert. Das Sujet diktiert die Komposition und erlangt dadurch Lebendigkeit.
Das  Dokumentarische der Aufnahmen ist letztlich ein Stilmittel, die Fotografien erzählen in erster Linie vom Medium der Fotografie selbst.

Sämtliche Werke dieser Ausstellung stammen aus dem Besitz der Albertina oder des Künstlers selbst.
Willmans wichtigste Werke finden sich im Ausstellungskatalog, herausgegeben von Klaus Albrecht Schröder und Anna Hanreich: Manfred Willmann. Hardcover, 200 S., um 29,90 € im Museum sowie online auf albertina.at.
Die Ausstellung ist von 8. Februar bis 26. Mai 2019 zu sehen.

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