ARNULF RAINER. Eine Hommage

Okt 18 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 598 Views • Keine Kommentare

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Arnulf Rainer, einer der bedeutendsten österreichischen Gegenwartskünstler, feiert am 8. Dezember seinen 90. Geburtstag.

Die Albertina widmet ihm die derzeit laufende Ausstellung als hommage, mit einer Auswahl aus den wichtigsten Werkgruppen seines Oeuvres.
In der von Antonia Hoerschelmann kuratierten Schau finden sich Werke aus allen Schaffensphasen Rainers, bis in die jüngste Vergangenheit: darunter auch Übermalungen, Kruzifikationen, Schleierbilder und Selbstdarstellungen.
Rainer, der auch eine starke Verbindung zum Wiener Aktionismus von Mühl, Nitsch, Schwarzkogler, Brus hatte, entwickelte sich in Richtung der Destruktion von Formen mittels Übermalungen, Zumalungen von Bildern und Fotografien, in den 1970ern betrieb er die gestische Fuß- und Fingermalerei.
Die Übermalungen, die Zumalungen aus den 1950er bis 1970er Jahren – die eigentlich dem Materialmangel geschuldet waren- sind wohl seine international bekanntesten Werke, sie bilden einen der Schwerpunkte der Ausstellung.

Ab Ende der 60er Jahre stellt er sein Gesicht und seine eigene Mimik in den Mittelpunkt von performativen Fotografien die er anschließend übermalt und bearbeitet.

Diese “Face Farces” und “Body Poses” verwenden den eigenen Körper und das eigene Gesicht in verzerrten und extremen Haltungen und Grimassen, in der Art der Messerschmidt’schen “Charakterköpfe” oder Charcots Fotos von Hysterie-Patienten an der Pariser Salpetrière.
Die Interventionen auf den Fotografien sind nicht isoliert vom fotografischen Bild, sie schließen es ein, heben es hervor und bringen es erst recht zur Entfaltung, sogar wenn in vielen Fällen das absolute Schwarz der Kohle auf den Fotografien dominiert.
In den 1970er Jahren bringt Rainer mit dynamisch – spontanem Gestus schwarze, gelbe, rote Schlieren, Rinnen, Spritzer, Farbstreifen und Flecken an seinem eigenes Gesicht und Körper an und trägt sie auch mit Händen und Füßen auf den Bildträger auf, die impulsive Unmittelbarkeit des Malaktes herausarbeitend.

Rainer interessiert sich für die universellen Themen, arbeitet mit ihnen, reflektiert über sie. Die Grimassen zeigen Melancholie, Begierde, Furcht.

Weitere Highlights der chronologisch gehängten, etwa 40 Werke umfassenden Schau aus eigenen Beständen der Albertina sind die Kreuz- und Schleierbilder der 1980er und 1990er Jahre.
Der Künstler experimentiert in einer der Werkserien mit der Form des Kruzifixes, die vertikal und die horizontale Dimension vereinigend – als Ausgangspunkt für existentielle Fragestellungen.

Sich an den Grenzen des Körpers zu verorten und ihn zu transzendieren impliziert, da jener begrenzt ist und sich erschöpft, die Suche am anderen Extrem: Dem Inneren, der Stille, der Sparsamkeit der Mittel, der Verinnerlichung des Seins, wie in Rainers späteren Werkserien klar wird – präzise und treffsicher, formal extrem pur, mit durchdachtem Strich, schlicht, nüchtern, ohne Unruhe. In den Schleierbildern entstehen in freiem Farbauftrag und in fließender Bildsprache subtile Licht- und Farbräume, wo die räumliche Tiefe synchron zu einer zeitlichen Dimension zu stehen scheint. Der den Bildern innewohnende Gedanke der Unendlichkeit scheint sich jenseits der Begrenzungen des Bildes über das Hier und jetzt hinaus auszubreiten.

Rainer bleibt nie statisch, in Rainers Werk geht es immer um den Gebrauch des Blicks, nicht nur als Akt des Sehens und der Aneignung des Gesehenen, sondern um einen Blick, der einen Standpunkt vertritt – gegenüber der Geschichte, dem Ursprung und der Kunst an sich. (Text: Cem Angeli)

Die Ausstellung läuft noch bis 19. Januar 2020, täglich von 10-18h, Mi & Fr bis 21 h.

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