PIERRE BONNARD. Die Farbe der Erinnerung

Dez 12 • Ausstellungen, Bank Austria Kunstforum, Deutsch, Interviews, Kunsträume, Podcast, Video, Wien, Österreich • 543 Views • Keine Kommentare

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Erstmals in Österreich wird nun im Bank Austria Kunstforum der Postimpressionist Pierre Bonnard (1867-1947) in einer beeindruckenden Retrospektive präsentiert.
Das Kunstforum zeigt 116 Leihgaben auf elf verschiedenen Ländern – unter den Leihgebern sind internationale Museen wie das Metropolitan Museum of Art in New York, die National Gallery in Washington oder das Musée d’Orsay in Paris, aber auch renommierte private Sammlungen.
Die Ausstellung enstand in Kooperation mit der Tate Gallery London und der Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen. Kuratiert haben Evelyn Benesch und Matthew Gale.
1867 südwestlich von Paris geboren, stammte Bonnard aus einer Beamtenfamilie. Erste künstlerische Erfolge feierte er als Teil der post-impressionistischen Künstlergruppe “Les Nabis”, der er schon während des Studiums beitrat – eine Gruppe, der auch Paul Gauguin und Eduard Vuillard angehörten. Die Mitglieder waren vom japanischem Farbholzschnitt inspiriert und verwendeten eine Vielfalt von Medien.
Nach der Jahrhundertwende besuchte Bonnard Südfrankreich und war von dem Licht dort fasziniert, die leuchtenden Farben des Mittelmeeres sollten in den folgenden Jahren sein Werk bestimmen, die spezifische Behandlung der Farbe wurde zentrales Element seines Schaffens. Ihm zufolge unterlag das Spiel der Farben denselben strengen Gesetzen der Logik wie das der Formen, und auch die Oberfläche selbst hatte für ihn ihre eigenen Gesetze.
1926 zieht er mit seiner Frau Marthe de Méligny an die Côte d’Azur. Unter der Sonne Südfrankreichs hatte er all seine Motive um sich: Den Ausblick, das Haus, den Garten, und seine Frau Marthe, sein Modell.
Den ruhigen, teils melancholischen Motiven von Landschaft, Meer und weiblichen Akten blieb Bonnard in seinem ganzen Schaffen treu.
Bonnard malte nie direkt vor dem Motiv, sondern immer aus der Erinnerung, er war kein Realist sondern hatte seine höchst eigenständige Betrachtungsweise – mit ungewöhnlichen Blickwinkeln, teils halb verborgenen Figuren und einem ständigen Changieren zwischen Innen und Aussen. Die subtilen Zusammenhänge in seinen Bildmotiven verlangen dem Betrachter genaues Hinsehen ab.
Seine Motive, wie Genreszenen aus dem Alltag, Stillleben, Interieurs, Selbstporträts, Landschaften interpretierte er immer wieder neu. Eines der wichtigsten Motive war seine Frau Marthe, von ihr hat er fast 400 Akte geschaffen, oft Szenen beim Bad oder Waschen.
Nach 50 Jahren des Zusammenlebens starb Marthe, nach ihrem Tod zog er sich zurück. Er starb hoch geschätzt am 23. Januar 1947 in seinem 80. Lebensjahr der Nähe von Cannes.
Bonnard war Zeitgenosse der großen Revolutionen der Kunst, des Surrealismus, des Futurismus, des Kubismus, sich selbst sah er jedoch als Einzelgänger. Dennoch war er schon während seines Lebens erfolgreich und beliebt, mit Henri Matisse war er eng befreundet.
Pierre Bonnards sinnlicher Umgang mit der Farbe inspirierte viele andere Künstler, etwa Mark Rothko und seine Farbfeldmalerei.
In der chronologisch angeordneten Schau im Kunstforum (die auch Fotografien des Malers zeigt) wird offensichtlich, wie aussergewöhnlich Bonnards vielfältiges und immer wieder neu zu entdeckendes Werk ist. (Text: Cem Angeli)

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