WILHELM LEIBL. Gut sehen ist alles!

Feb 13 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 757 Views • Keine Kommentare

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Wilhelm Leibl (1844–1900) gilt als einer der bedeutendsten Maler des 19. Jahrhunderts und als einer der wichtigsten Vertreter des Realismus.
Dennoch blieb er fu?r die Nachwelt ein „artist’s artist“ und ist heute nur mehr einem kleinen Kreis von Ku?nstlern, Kuratoren und Sammlern bekannt. Dem will die Albertina nun Abhilfe schaffen.

Seit 25 Jahren wurde Leibls Werk nicht ausgestellt, es ist das erste Mal außerhalb Deutschlands. Die in Kooperation mit dem Kunsthaus Zu?rich entstandene Retrospektive vereint malerische und zeichnerische Arbeiten, kuratiert von Marianne von Manstein und Bernhard von Waldkirch.

Zu sehen sind Werke, aus eigenen Besta?nden, vor allem aber Leihgaben aus Ungarn, Tschechien, Deutschland, O?sterreich, der Schweiz und den USA. Etwa 60 Zeichnungen sind den Gema?lden gleichwertig zur Seite gestellt.

Leibl hat vor allem Portra?ts und Interieurs mit la?ndlichen Figuren gemalt. An diese Malerei stellte er rigorose Wahrheitsanspru?che: Wahrheit und ku?nstlerische Form waren ihm wichtiger als die Idealisierung der Wirklichkeit. „Gut sehen ist alles“ war seine Maxime.

In Ko?ln geboren, studierte er an der Mu?nchner Akademie und hatte fru?h Erfolge und Anerkennung.
In der zweiten Ha?lfte des 19. Jahrhunderts war Wilhelm Leibl ein gescha?tzter Ku?nstler, bei den Weltausstellungen in Paris und Wien wurde er mit Medaillen ausgezeichnet. Gustave Courbet lud ihn zum Pariser Salon 1869 ein, wo er auch ausgezeichnet wurde, er musste aber dann im Zuge des Krieges von 1870 das Land verlassen. In Mu?nchen scharte er ab 1870 den „Leibl-Kreis“ von gleichgesinnten Ku?nstlern um sich. Auch van Gogh kannte und scha?tzte sein Werk, er erwa?hnte das Gema?lde „Drei Frauen in der Kirche“ in Briefen.
Ab 1873 zog sich Leibl auf das bayerische Land zuru?ck. Dort entwickelte er seine Malerei mit ba?uerlichen Motiven. Allerdings ohne Felder oder blu?hende Pflanzen, sondern mit eher statischen Figuren, ohne Sozialkritik. Seine Vorbilder waren die Niederla?nder des Goldenen Zeitalters. Die Interieurs und Menschen des 19. Jahrhunderts malte er im Licht und Stil der alten Meister, etwa eines van Dyck, Rubens oder Rembrandt.

Ku?nstler wie Max Liebermann, Lovis Corinth und Beckmann scha?tzten das Werk Leibls.
Seinem eigenen Werke gegenu?ber blieb der Ku?nstler stets selbstkritisch, er hat einige seiner Werke zerschnitten, wie „Das Ma?dchen mit der Nelke“, in O?l auf Holz gemalt, das er zersa?gte. U?brig blieben, einzeln gerahmt, das Portra?t sowie die Ha?nde. Das Gema?lde „Wildschu?tzen“, an dem er zwischen 1882 und 1886 arbeitete, zerteilte er ebenfalls. So genau und kritisch in seinem Urteil, so minutio?s und langsam arbeitete Wilhelm Leibl an seinen Bildern. Die drei Ba?uerinnen aus dem beru?hmten “Drei Frauen in der Kirche” etwa mussten vier Jahre lang in den Kirchenba?nken immer wieder Modell sitzen. Da dieses Werk nicht aus der Hamburger Kunsthalle nach Wien reisen durfte, wird in der Albertina eine erste Fassung des Gema?ldes gezeigt.

Leibl schuf Bilder aus einer anderen Zeit, in seinen Interieurs, und in der Art und Weise, wie er die Personen im spa?rlich beleuchteten Ra?umen platziert. Ihm schien die Malerei seiner Zeit und die Moderne fremd geblieben zu sein und doch gilt seine Verweigerung der Erza?hlerischen durchaus als modern.

Seinen Idealen vom Wahren und Realen blieb er treu, ebenso seiner Hingabe an die la?ndlichen Sujets. Leibls Ru?ckzug aufs Land war endgu?ltig. Er baute sich ein Atelier in Bad Aibling und blieb dort bis zu seinem Lebensende.

Im Jahr 1900 starb Leibl erst 56-ja?hrig an einem Herzleiden. Er hinterließ aufgrund seiner skrupulo?sen Arbeitsweise einen reichhaltigen Fundus an hervorragenden Zeichnungen und Vorstudien. Der malerische Werkkorpus ist zahlenma?ßig nicht so groß, dennoch zeigt die Retrospektive Wilhelm Leibl als wichtigen Maler – manchmal unnachgiebig und spro?de, aber immer ehrlich. (Text: Cem Angeli)

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