VAN GOGH, CÉZANNE, MATISSE, HODLER. Die Sammlung Hahnloser

Mrz 5 • Albertina, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Sammlung Hahnloser, Video, Wien, Österreich • 869 Views • Keine Kommentare

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Zwischen 1906 und 1936 legte ein kunstbegeistertes Schweizer Ehepaar, der Augenarzt Arthur Hahnloser und seine Frau Hedy, in ihrem Haus in Winterthur eine umfangreiche Kunstsammlung von über 500 Kunstwerken an. Sie gilt heute als eine der bedeutendsten Schweizer Privatsammlungen zur Kunst des 20. Jahrhunderts und der französischen Moderne. Sie enthält wesentliche Werkgruppen moderner Malerei, unter anderem von Cézanne, Matisse, van Gogh, Bonnard oder Hodler. Nun ist diese international einzigartige Sammlung in der Albertina zu sehen. Rund 120 Werke, etwa ein Fünftel der Sammlung, ergänzt mit Leihgaben aus den Kunstmuseen Bern und Winterthur sowie Beständen der Albertina – somit präsentiert die Ausstellung einen stimmigen Überblick über diese bemerkenswerte Sammlung.
Nicht chronologisch nach Erwerbsjahr, sondern entstehungsgeschichtlich – kunsthistorisch gliedert sich die Schau in den violett gestrichenen Schauräumen auf. Die Anordnung zeigt, wie Hedy und Arthur Hahnloser ihre Sammlung aufbauten.
Sie waren mit vielen Künstlern befreundet, deren Ratschläge die Sammlung beeinflussten. Diese empfahlen ihnen wiederum andere Kollegen – so auch den Schweizer Maler und Autor Félix Vallotton, den die Hahnlosers nach Empfehlung Giovanni Giacomettis bei einer Cézanne-Ausstellung in Paris kennenlernten. Vallotton porträtierte das Ehepaar in ihrem Haus in Winterthur. Diese Bilder sind gleich am Anfang der Albertina-Schau im Eingangsbereich zu sehen. Vallotton wurde ihr engster Berater, seine Bilder zählen zu den wichtigsten ihrer Sammlung. Ihre Künstlerfreunde Giovanni Giacometti und Ferdinand Hodler machten die Hahnlosers auf Vincent van Gogh und die französischen Impressionisten aufmerksam. Über Vallotton und den Kreis der Nabis und Fauves lernten sie Pierre Bonnard, Henri Manguin und auch Henri Matisse kennen. Bald erweiterten sie die Sammlung um die Wegbereiter der französischen Moderne: Renoir, Gauguin, Cézanne, – zu einer Zeit wo jener noch nicht etablierten Gegenwartskunst noch mit Skepsis begegnet wurde und es keinen Markt für die Werke gab. Das Ehepaar motivierte auch andere Sammler, sich über die Schweiz hinaus für die Moderne, vor allem in Frankreich, zu interessieren.
Ausgehend von ihrer Intuition und ihrem Gespür für Tendenzen gelangten sie so von einem Künstler zum nächsten, wobei sie bei Atelierbesuchen oft ganze Werkgruppen erwarben. Der enge Kontakt zu Künstlern und das Verständnis für deren Motive was besonders wichtig für die Hahnlosers. Hedy Hahnloser hatte eine Ausbildung als Malerin.
1916 stifteten die Hahnlosers dem Kunstmuseum Winterthur Werke, und später auch grosse Teile ihrer Sammlung an das Kunstmuseum in Bern. (Dessen früherer Direktor, Matthias Frehner, ist der Kurator der Ausstellung in Wien.) Gezielte Schenkungen an Museen regten weitere Eigenankäufe an, brachte den eigenen Künstlern Öffentlichkeit und beeinflusste die Ausrichtung der Sammlungstätigkeit der öffentlichen Hand – das „Prinzip Hahnloser“.
Somit spielte das Paar eine prägende Rolle für den Aufbau von Kunstsammlungen in der Schweiz, die im Gegensatz zu Österreich oder Frankreich keine großen Sammlungen des Adels oder stattliche Kunstsammlungen aufweist. Im Kern befindet sich die Sammlung immer noch in Familienbesitz.
Derzeit wird der Familiensitz der Hahnlosers, die Villa Flora in Winterthur, zu einem Museum umgebaut. Dort werden die Werke untergebracht. Es empfiehlt sich ein Besuch der Ausstellung in der Albertina, höchstwahrscheinlich wird die Sammlung nicht so bald wieder auf Reisen gehen.
Die Ausstellung ist noch bis 24. Mai in der Albertina zu sehen.  (Text: Cem Angeli)

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