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Frida Kahlo - PAINting
31. August 2010, 15:39:10 unter Ausstellungen, Bank Austria Kunstforum, Deutsch, Englisch, Interviews, Kunsträume, Podcast, Video, Wien, ÖsterreichFrida Kahlo in Österreich. Eine umfassende Retrospektive der mexikanischen Künstlerin zeigt das Bank Austria Kunstforum vom 9.09.2010 bis 5.12.2010
Frida Kahlos Werk bewegt sich zwischen Selbststilisierung und radikaler Authentizität, bei der sie sich malend, schreibend, verkleidend, schonungslos den Fragen ihrer weiblichen Identität stellt und gleichzeitig die Identitätssuche eines ganzen Volkes berührt.

Als André Breton bei einem Besuch 1938 in Mexiko in Fridas Kahlos Werken das surrealistische Pendant zur damaligen europäischen Avantgarde zu erkennen glaubte, befand sie rasch ihre eigene Malerei alles andere als eine Flucht. „Ich habe niemals Träume gemalt. Was ich gemalt habe, war meine Wirklichkeit.“
Dazu der mexikanische Schriftsteller Carlos Fuentes in einem seiner Essays:
„Frida Kahlo erinnert nachhaltig daran, dass das, woraus die französischen Surrealisten ein System machten, in Lateinamerika stets alltägliche Wirklichkeit war, Teil des kulturellen Stroms, eine spontane Verschmelzung von Mythos und Tatsache, von Traum und Wachsein, Vernunft und Phantasie“. Weiterlesen »
Kreuzweise - x projekte der arbeitsgruppe 4
10. März 2010, 11:11:49 unter Architekturzentrum Wien, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Kunsträume, Podcast, Video, Wien, ÖsterreichDie Kuratorinnen des Architekturzentrums Wien, Sonja Pisarik und Ute Waditschatka entdecken die Welt der Nachkriegsarchitektur Österreichs. Eine Retrospektive der Projekte der „arbeitsgruppe 4“.

”Wir wollten nie etwas umstoßen, sondern auf der Tradition aufbauen”. Dass Wilhelm Holzbauer im Rückblick das Aufbauende als einen zentralen Aspekt der Arbeitsgruppe 4 hervorhebt, wird verständlich, betrachtete man Zeit und Situation ihres Entstehens. Die Nachkriegszeit, gekennzeichnet durch finanzielle Not Weiterlesen »
Augenschmaus - Vom Essen im Stillleben
10. Februar 2010, 13:56:26 unter Ausstellungen, Bank Austria Kunstforum, Deutsch, Interviews, Kunsträume, Podcast, Portraits, Video, Wien, ÖsterreichWenn das Auge mit isst, muss man damit rechnen, mehr vor Augen geführt zu bekommen als nur Essen? Ein Beitrag zur Augenschmaus Ausstellung im Bank Austria Kunstforum in Wien.

Die Tatsache, dass wir bei der Nahrungsaufnahme die Dinge in Augenschein nehmen, birgt kulturelles Potential. Der Mensch frisst nicht, sondern er isst, nicht zuletzt weil und sofern er Wert legt auf das Aussehen dessen, was er sich einverleibt. Weiterlesen »
Esra Ersen - Kurzinterview anlässlich der tanzimat Ausstellung
5. Februar 2010, 21:01:10 unter Augarten Contemporary, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Kunsträume, Kunstwerke, Podcast, Video, Wien, Österreich
In ihrer Kunst interessiert sich Esra Ersen für Formen der Identität und ihrer Veränderung unter dem Einfluss unterschiedlicher politischer Machtstrukturen. Ihre Arbeit “Karussell”, die sie in der Ausstellung tanzimat im Augarten Contemporary (21.1.-16.5.2010) zeigt hat sie mit Studierenden der Hochschule Köln produziert. Diese wurden von der Künstlerin aufgefordert Modelle türkischer Köpfe aus Ton zu formen.
Gulsun Karamustafa - Kurzinterview anlässlich der tanzimat Ausstellung
4. Februar 2010, 19:30:40 unter Augarten Contemporary, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Kunsträume, Podcast, Video, Wien, Österreich
Gülsün Karamustafa ist eine zeitgenössische Künstlerin und Filmemacherin aus der Türkei. Im Jahr 2009 war sie als artist in residence am Augarten Contemporary in Wien. Für die Ausstellung tanzimat im Augarten Contemporary (21.1.-16.5.2010) hat die Künstlerin eine Arbeit mit dem Titel “modernity unveiled/interweaving histories” produziert. Im Interview mit CastYourArt spricht Karamustafa über ihre neue Arbeit.
Franz Kapfer - Kurzinterview anlässlich der tanzimat Ausstellung
3. Februar 2010, 16:54:41 unter Augarten Contemporary, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Kunsträume, Kunstwerke, Podcast, Video, Wien, Österreich
Der österreichische Künstler Franz Kapfer interessiert sich in seinen Arbeiten für die unterschiedlichen Ebenen der Repräsentation.
Mit seiner Arbeit “Trophäen”, in der Ausstellung tanzimat im Augarten Contemporary (21.1.-16.5.2010) erforscht Kapfer Klischees in der Darstellung und Verwendung türkischer Motive in der Architektur.
tanzimat - Gegenwart ist der Ort von Geschichte
27. Januar 2010, 09:06:57 unter Augarten Contemporary, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Kunsträume, Podcast, Video, Wien, ÖsterreichWo und wie wird eigentlich Geschichte gemacht und warum bleiben manche Bilder von dem was war so nachhaltig in unseren Köpfen haften? Ein Beitrag zur Ausstellung „tanzimat“ im Augarten Contemporary in Wien.

Der Fez, ein karminroter, kegelförmiger, oben abgeflachter Hut mit goldener Quaste – man kennt ihn beispielsweise vom Meinl Logo – verbinden wir in unserer Vorstellung meist mit einer längst vergangenen, orientalischen Welt. In Wirklichkeit wurde dieser Hut erst spät, im 19. Jahrhundert unter Sultan Mahmud II im Zuge der Modernisierung des türkischen Staatswesens zur charakteristischen Kopfbedeckung der Osmanen. Weiterlesen »
Grenzsignale - aus dem offenen Kunstraum.
13. Januar 2010, 16:40:40 unter Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Kunsträume, Open Space, Podcast, Wien, ÖsterreichDas Grenzsignal als konzeptueller Ausgangspunkt einer Genre übergreifenden Ausstellung im Open Space Wien. Ein Interview mit dem Kurator der Ausstellung Fatih Aydogdu.

Seit Anfang des Jahres 2008 ist der Open Space, das Zentrum für Kunstprojekte, mit seinem ambitionierten Programm in der Kunstwelt Wiens zu Gange. Inhaltlicher Erforschung künstlerischer Vielfalt und Vielschichtigkeit entspricht das Selbstverständnis als offenem Raum internationaler Vernetzung. Weiterlesen »
DHC/ART - Zeitgenössisches Mäzenatentum in Kanada.
20. Mai 2009, 09:04:35 unter Audio, DHC/ART, Deutsch, Englisch, Interviews, Kanada, Montreal, PodcastIn Kanada ist Kunstförderung durch Private wichtiger geworden. Nicht, weil es so viele reiche Menschen mit philanthropischen Ambitionen im Kunstsektor gibt, sondern, weil in Kanada, wie in anderen Ländern auch, die öffentliche Hand ihre Sorgen mit der Sorge um die Kunst hat. Einer zum Teil veralteten und sehr teuren Infrastruktur und staatlichen Einsparungen auf der einen Seite steht ein sich wandelnder Kunstbegriff und eine wachsende Population künstlerisch tätiger Menschen auf der anderen Seite gegenüber. Das sind Umstände, die nur schwer unter einen Hut zu bringen sind und Versorgungslücken hinterlassen. In diesem Kontext spielt die Förderung von Kunst durch Private auch in Kanada eine wichtige, zugleich nur von wenigen wahrgenommene Rolle. Die Zunft der Kunstphilanthropen beschränkt sich auf ca. fünf bis zehn potente Geldgeber.
Die DHC Stiftung für zeitgenössische Kunst residiert im nahe am Hafen gelegenen Stadtviertel Old Montreal und betreibt dort einen eigenen Kunstraum. Gegründet wurde DHC 2007 von Phoebe Greenberg, Penny Mancuso und Tammy Lee. Greenberg gilt als die treibende Kraft und finanzielle Quelle der Stiftung. Als Künstlerin und Unternehmerin hat sie Erfahrung in beiden Bereichen des Stiftungswesens und als Filmproduzentin wohl auch die nötige Durchhaltekraft, die Foundation zu realisieren. Bis sie die erste Ausstellung eröffnen konnte sind fünfzehn Jahre an Überzeugungs-, Planungs- und Umsetzungsarbeiten vergangen.
Audiointerview mit John Zeppetelli
Inzwischen nimmt die Stiftung ihre Rolle der Förderung zeitgenössischer Kunst durch Ausstellungen, Bildungsprogramme, Künstlergespräche, Kunstfilm Präsentationen und spezielle Projekte wahr. Die Tätigkeit der Stiftung beschränkt sich inzwischen nicht mehr nur auf die eigenen Räumlichkeiten, gefördert wird auch die Präsentation von Kunstwerken bei großen internationalen Kunstschauen.
International bekannte Namen nach Montreal zu holen ist eine der Stiftungsaufgaben. Christian Marclay, Sophie Calle oder auch Marc Quinn waren Einzelausstellungen mit umfassender Werkschau gewidmet. Der inhaltliche Ansatz deckt sich mit der Notwendigkeit des privaten Stiftungswesens: Die Möglichkeiten des Kunstbetriebes sollen durch private Gelder ergänzt werden. Gezeigt wird demnach, woran es mangelt, und das sind, so der Kurator John Zeppetelli, eben vor allem die Großen der zeitgenössischen Kunst. Für diese ist das Montrealer Kunstpublikum früher nach New York geflogen, sofern es sich diesen Luxus leisten konnte, jetzt macht es statt dessen bei freiem Eintritt einen Ausflug ins DHC ins alte Viertel der eigenen Stadt. (wh)
Empfindung - Oder in der Nähe der Fehler liegen die Wirkungen
11. Februar 2009, 11:08:24 unter Akademie der bildenden Künste Wien, Augarten Contemporary, Ausstellungen, Belvedere, Deutsch, Kunsträume, Museen, Podcast, Universitäten, Video, Wien, Österreich“a) Tiere, die dem Kaiser gehören, b) einbalsamierte, c) gezähmte, d) Milchschweine, e) Sirenen, f) Fabeltiere, g) herrenlose Hunde, h) in diese Einteilung aufgenommene, i) die sich wie tolle gebärden, j) unzählbare, k) mit feinstem Kamelhaarpinsel gezeichnete, l) und so weiter, m) die den Wasserkrug zerbrochen haben, n) die von weitem wie Fliegen aussehen.”
Diese ungewöhnliche Taxonomie der Lebewesen aus dem Tierreich, vom argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borges einer chinesischen Enzyklopädie zugeschrieben, war dem französischen Philosophen Michel Foucault Anstoß, ein Buch über den Zusammenhang zwischen unserer Welt der Worte und jener der Dinge zu verfassen.
Woran hatte Foucault Anstoß genommen? Was hat ihn bewegt? Im Vorwort seines Buches erwähnt er, beim Lesen der Aufzählung gelacht zu haben. Sein Buch verdanke sich dem Lachen, das bei der Lektüre des Borges Textes “alle Vertrautheiten unseres Denkens aufrüttelt, des Denkens unserer Zeit und unseres Raumes, das alle geordneten Oberflächen und alle Pläne erschüttert … und unsere tausendjährige Handhabung … schwanken lässt und in Unruhe versetzt.” Es dürfte dem Philosophen das Lachen zur inneren Aufruhr geworden sein. Eine sich ausbreitende, tiefe, unbehagliche Empfindung, dass die Begriffe, mit denen wir die Welt erfassen und im Zaum halten, unsere Welt ordnende Taxonomie, nur eine von vielen möglichen ist, vielleicht aber eine ebenso unmögliche, ja befremdliche, wie diejenige in Borges Text.

Wirkungen liegen in der Nähe des als fehlerhaft Empfundenen, des Slapstick, des Lächerlichen, des Nicht-Zusammenpassenden, Provozierenden, des scheinbar Abbildenden, Wahrnehmung-Umstoßenden, Anstoßenden und eben damit in der Nähe von Kunst. Es ist eine Sache von Kunst, dass sie uns am Unerwarteten anstoßen lässt, dass sie uns die sichere Verbindung mit dem, was wir uns erwartet haben, was uns normal vorkommt und worauf wir eingestellt sind, aufbricht.
Die Ausstellung “Empfindung oder in der Nähe der Fehler liegen die Wirkungen” erforscht das Vermögen von Kunst, solche Empfindungen auszulösen, die den Betrachter ins Offene, bislang Unerdenkliche stoßen. Was ist Empfindung? Wie kann ich sie herstellen? Wo findet sie statt? Für die Kuratorinnen Sabeth Buchmann, Eva Maria Stadler und Kathi Hofer sind dies Fragen, die sich im Kontext der Empfindung auf Seiten der Künstler stellen. Aber auch aus kuratorischer Sicht bringt die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Empfindung Überlegungen ans Licht: Wie nehme ich etwas wahr? Wie trete ich einem Bild gegenüber? Was passiert da mit mir? Was wirkt auf mich ein?
Ausstellungsort der Empfindung in der Kunst ist der Augarten Contemporary, eine Dependance des Belvedere inmitten des englischen Gartens im Augarten Park des zweiten Bezirks in Wien. Mit dieser Spielstätte, so Eva Maria Stadler, Kuratorin des Belvedere für zeitgenössische Kunst, baut das Belvedere gezielt ein Angebot junger und jüngster Positionen im Kunstbetrieb auf. Was dies bedeutet, zeigt die Ausstellung beispielhaft: “Empfindung” ist eine Kooperation des Belvedere mit der Akademie der bildenden Künste Wien. Im Laufe eines Semesters wurden Positionen der Empfindung nicht nur erforscht und künstlerisch erarbeitet, sondern auch für die Ausstellung ausgewählt. Zu sehen sind Arbeiten von Studierenden, ihnen wurden Werke namhafter zeitgenössischer Künstler wie beispielsweise Constanze Ruhm, Julian Göthe, Heimo Zobernig oder Tony Conrad als Bezugspunkte zur Seite gestellt. (wh)
Georges Braque – Kubismus an Picassos Seite
11. Dezember 2008, 11:34:43 unter Ausstellungen, Bank Austria Kunstforum, Deutsch, Kunsträume, Podcast, Video, Wien, ÖsterreichEs begann, wie Malerei, die den Blick des Neuen fängt und wie dieses die gewohnte Sicht auf die Dinge verstellt, fast immer beginnt. Mit dem Wandel der Zeit. Mit dem Zusammentreffen künstlerischer Begabungen. Mit Bewunderung, Unverständnis und auch mit Ablehnung.

Vier Jahre nachdem Georges Braque aus der Normandie kommend in die Hauptstadt zieht, malt er Landschaften noch im impressionistischen Stil. Sein Einflussgebiet aber verändert sich. Er bewundert Matisse, Derain, Dufy und Friesz. Es vergehen keine zwei Jahre und er ist einer der ihren, der Fauves, der jungen Wilden, wie Louis Vauxcelles, der Kunstkritiker, sie anlässlich einer Ausstellung herablassend nennt. Braque pendelt zwischen Stadt und Land, dem Pariser Bezirk Montmartre, wo auch Picasso sein Atelier eingerichtet hat, und den südlichen Regionen am Mittelmeer. Ab 1908, erneut reist er in den Süden nach L’Estaque, greift in seinen Bildern zusehends die Fläche Raum. Braques Entwicklung einer kubistischen Malerei beginnt.
Braque “C’est ma femme” gibt Picasso der intensiven künstlerischen Zusammenarbeit Ausdruck, die in den darauf folgenden Jahren beginnt. In wechselseitiger Inspiration und gegenseitigem Ansporn experimentieren die beiden Künstler malerisch. Der Zusammenarbeit entspringen die bahnbrechendsten Innovationen des noch jungen Jahrhunderts. Sie werden zu kunstgeschichtlichen Ausgangspunkten der weiteren Entwicklungen moderner Kunst. Mit dem Beginn des zweiten Weltkriegs endet die “Seilschaft in den Bergen” wie Braque die gemeinsame Zeit rückblickend nennt.
Nach dem Krieg schließt Braque an den Kubismus an. Er widmet sich dem Stillleben. Malerei müsse greifbar machen. Den Weg in die gänzliche Abstraktion hat er stets vermieden. Es folgen Atelierbilder, ein introvertiertes Sujet für eine ebensolche Persönlichkeit, in den letzten Jahren seines Lebens kehrt Braque zur Landschaft zurück.
Wer Braque nicht gesehen hat, kann so vieles was an Kunst sonst noch gezeigt wird, nicht verstehen. Mit über achtzig Werken von über fünfzig internationalen Leihgebern bietet das Bank Austria Kunstforum in Wien bis zum 1. März 2009 einen umfassenden Einblick in das beeindruckende Oeuvre des französischen Malers. Eine Chance, die sich in Mitteleuropa das letzte mal vor über zwanzig Jahren geboten hat und in Österreich noch gar nie. (wh)
The Nature Theater of Oklahoma
22. Oktober 2008, 10:27:05 unter Englisch, Festivals, Podcast, Portraits, Tanzquartier Wien, VideoIn “Amerika”, Kafkas unvollendet gebliebenem Roman, wird der sechzehnjährige Karl, nachdem ihn ein Dienstmädchen verführt und von ihm ein Kind erwartet, auf Wunsch seiner Eltern nach Amerika geschickt. In New York beginnt der soziale Abstieg des von seinen Eltern verstoßenen Jungen. Auf der Suche nach Zugehörigkeit macht er die Erfahrung, in eine Welt geraten zu sein, in der nur der eigene Vorteil zählt und mit emotionalen Bedürfnissen kalkuliert wird. Soziale Anerkennung und emotionale Nähe wird ihm nur um den Preis der Unterwerfung und Selbstausbeutung zugestanden. Im letzten Kapitel des nie vollendeten Romans stößt Karl in den Straßen New Yorks auf ein Plakat des Nature Theater of Oklahoma, das jedem eine Arbeit und Heimat verspricht. Karl schreibt sich ein und zieht mit dem Theater Richtung Westen. Folgt man Max Brod, der den Roman nach Kafkas Tod veröffentlichte, war das Theater als der Ort geplant, an dem Karl Teilhabe und damit heim und zu sich selbst findet.

“All Welcome! Anyone who wants to be an artist, step forward! We are the theater that has a place for everyone, everyone in his place!” Es ist die auf dem Theaterplakat spürbare Großzügigkeit, vor dem Hintergrund der kalkulierenden und Menschen deformierenden Welt Karls, die den Geist der Theatergruppe Nature Theater of Oklahoma rund um Kelly Copper und Pavol Liska anspornt und zur Namensgebung beitrug. Ihr Theater ist ein Ort, der Teilhaben lässt, an dem sich die Szenerien vor dem Publikum entwickeln und eher gespielt wird, als ein Stück aufzuführen. In Kafkas Amerika ist es das einladende Moment des Theaters, das die Sinne für die soziale Kälte im Umgang der Menschen schärft. Auch im Spiel der aus New York kommenden Theatergruppe werden Alltäglichkeiten, die zu gewöhnlich sind, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden, zum Thema gemacht. Die Schauspieler spielen sie. Sie kreieren aus alltäglichen Bewegungen, die nach dem Zufallsprinzip des Würfelns oder Kartenlegens neu zusammengesetzt werden, Tanz und neuen Sinn und überführen wie in No Dice Telefongespräche in Theaterdialoge.
Die Vorgehensweisen der Theatergruppe resultieren in einem völlig ungewöhnlichen und humorvollen Theatererlebnis und sie öffnen darüber hinaus die Sinne und Neugier für Gesten, die wir täglich zu leben gewohnt sind, aber nur selten sehen. Bei den Salzburger Festspielen 2008 wurde das Nature Theater of Oklahoma dafür mit dem Young Directors Award ausgezeichnet. (wh)
Die Sammlung Fotografis - Eine Geschichte der Fotografie.
17. September 2008, 17:45:24 unter Ausstellungen, Bank Austria Kunstforum, Deutsch, Podcast, Video, Wien, ÖsterreichWie findet Kunst Eingang in ein Medium, das noch Mitte des vorigen Jahrhunderts vielen als Ablichtung der Wirklichkeit ohne künstlerischen Wert galt?
Der Schriftsteller und Maler Friedrich Dürrenmatt weist einen Weg: Auch die Wirklichkeit müsse geformt werden, will man sie zum Sprechen bringen. Indem sich die Kunst des Beobachtens des Werkzeugs Fotografie bediene, werde, was sonst bloß Ablichtung sei, zu einem dichterischen Vorgang, zu einem Fischzug ins Menschliche, dessen Beute zeitig und zeitlos zugleich sei.
Die Ausstellung “FOTOGRAFIS – collection reloaded” im Bank Austria Kunstforum bietet solchen fotografischen Formungen der Wirklichkeit und ihren Spuren der Zeitlichkeit Raum. Arbeiten aus der hauseigenen Sammlung FOTOGRAFIS zeigen Entwicklungslinien des fotografischen Blicks. Die Erweiterung um Leihgaben ermöglicht Gegenüberstellungen mit fotografischen Positionen unserer Zeit – vom Piktorialismus des Fotografen Alfred Stieglitz zu Andreas Gursky, Axel Hütte oder Elgar Esser, von der Neuen Sachlichkeit eines Albert Renger-Patzsch, Edward Weston oder Paul Strand zu den jüngsten Arbeiten von James Welling, Günther Förg oder Candida Höfer.

Mit der 1975 gegründeten Sammlung FOTOGRAFIS setzte die Bank Austria, vormals Österreichische Länderbank, einen für damalige Zeiten bemerkenswert weitsichtigen Schritt. Bemerkenswert einerseits, da in Österreich zu dieser Zeit Fotokunst als Sammelobjekt nur einen geringen Stellenwert hatte. Bemerkenswert auch, weil der damalige Weitblick uns heute eine Sammlung mit herausragenden Arbeiten aus der Geschichte der Fotografie beschert, die aktuell selbst mit hohem finanziellen Aufwand nicht mehr zusammenzutragen wären.
Die Auswahl der angekauften Arbeiten folgte dem Ziel, die Geschichte der künstlerischen Fotografie anschaulich zu machen, ihrer Erforschung Mittel zur Hand zu geben und den künstlerischen Nachwuchs zu fördern. Der Aufbau der Sammlung FOTOGRAFIS wurde von Anna Auer und Werner Mraz konzipiert und begleitet. Beide hatten einige Jahre zuvor mit “Die Brücke” die erste ausschließlich auf Fotografie spezialisierte Galerie Europas gegründet. Während der Zeit ihrer Tätigkeit für die Sammlung wurden knapp dreihundert Werke angekauft. Die frühesten Arbeiten der Sammlung datieren aus den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts, neben internationalen Positionen umfasst die Sammlung auch Arbeiten österreichischer Künstler.
CastYourArt hat Lisa Kreil und Florian Steininger – beide sind für Konzeption und Organisation der Ausstellung maßgeblich verantwortlich – um Einblick in Sammlung und Ausstellungskonzept gebeten. Wie es um die Fotografie als einem Fischzug ins Menschliche und dessen Ausbeute an Zeitig- und Zeitlosigkeit bestellt ist, kann noch bis zum 29. Oktober 2008 im Bank Austria Kunstforum an der Freyung erkundet werden. Im Anschluss wandert die Sammlung nach Prag bevor sie als Dauerleihgabe dem Museum der Moderne in Salzburg übergeben wird. (wh)
Thomas Hirschhorn - Das Auge
23. Juli 2008, 10:56:48 unter Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Podcast, Secession, Video, Wien, ÖsterreichHeiß laufen, ausrasten, durchdrehen – rot sehen. Gefährlich rot, Stopprot, rot sind der Schmerz und das Leid, Flaggenrot, rot wie die Liebe und die Lust, glutrot, blutrot. “Das Auge” sieht rot. Ausschließlich. So lautet die Setzung des Schweizer Künstlers Thomas Hirschhorn. Er hat “Das Auge” in der Wiener Secession raumfüllend installiert.

Thomas Hirschhorn ist Philosophiefan. Er bewundert Foucault. In einer seiner frühen Arbeiten fragt Foucault nach der “Ordnung der Dinge”, die uns die Welt übersichtlich macht, manche Dinge in ein Verhältnis zueinander rückt und andere wiederum als unvergleichbar kennzeichnet. Die Ordnung der Dinge, meint der Philosoph, versteht sich nicht von selbst. Auch anderes wäre möglich. Zur Anschauung zitiert Foucault aus J. L. Borges Buch “Das Eine und die Vielen” eine Enzyklopädie, die die Welt deutlich anders ordnet. Ein Beispiel: Die Klasse der Tiere wird dort kategorisiert in: einbalsamierte Tiere, Milchschweine, Sirenen, Fabeltieren, herrenlose Hunde, Tiere die dem Kaiser gehören, solche die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet werden können, Tiere die von weitem wie Fliegen aussehen usw.
Was diese Ordnung für uns unmöglich macht, sagt der Philosoph, ist nicht die Tatsache, dass zur Klasse der Tiere auch die Fabeltiere gezählt werden. Die Unmöglichkeit ergibt sich daraus, dass sie Fabeltiere neben Milchschweinen und diese wiederum neben einbalsamierte Tiere und herrenlose Hunden etc. stellt, dass sie also Dinge auf eine Ebene bringt, von der wir uns beim besten Willen nicht vorstellen können, was diese Ebene sein könnte, auf der diese Dinge nebeneinander und zueinander in ein Verhältnis geraten.
Was ist die Ebene, auf der in unserer realen Welt die Dinge nebeneinander geraten, fragt der Philosoph Foucault. In seiner Wiener Ausstellung antwortet Thomas Hirschhorn, der Fan des Philosophen und Künstler: Rot. ‘Das Auge’ sieht rot – ausschließlich rot. ‘Das Auge’ sieht rot ist eine Setzung des Künstlers, die alles Rote auf eine Ebene und zueinander in ein Verhältnis bringt.
Hirschhorns rote, gegen die Unübersichtlichkeit einer immer komplizierter werdenden Welt gesetzte Ordnung gibt zu denken. Das hängt damit zusammen, dass der Künstler die Dinge zwar auf eine Ebene stellt, zugleich aber verweigert, ihren Zusammenhang dem Betrachter ordnend darzulegen: “‘Das Auge’ sieht aber ‘Das Auge’ versteht nicht.” So gesehen ist seine Installation ähnlich radikal wie die erwähnte Enzyklopädie Borges. Sie ist eine Setzung, die die Dinge auf einen gemeinsamen Boden stellt und ihnen ein Verhältnis nahe legt, das wir zu verstehen suchen – “Das Auge” versteht nicht, es prätendiert Verhältnisse nur. Hirschhorn selbst meint deshalb zu recht, seine Kunst sei prätentiös und ambitiös und in gewissem Sinne sei es auch irrsinnig, dieses ganze Ding des Zusammenhangs aufzeigen zu wollen.
Sein Werkzeug ist das Umfassende, das Zuviel, das Irrsinnige, sein Darüber-hinaus-gehen über das, was in gewisser Weise erlaubt, ordentlich oder akzeptiert ist. Statt ordnender Reduktion setzt er er ein Übermaß an Ordnung, er verknüpft wie wild. Das ist rhizomorph. Hirschhorn ist Philosophiefan. Er hat auch dem französischen Philosophen Gilles Deleuze ein Monument gesetzt. Zusammen mit Félix Guattari postuliert Deleuze 1976: “1. und 2. – Prinzip der Konnexion und der Heterogenität. Jeder beliebige Punkt eines Rhizoms kann und muß mit jedem anderen verbunden werden. Ganz anders dagegen der Baum oder die Wurzel, wo ein Punkt und eine Ordnung festgesetzt wird.”
(wh)
Marten Spangberg - Slow Fall
30. April 2008, 10:51:38 unter Englisch, Kunstwerke, Podcast, Tanzquartier Wien, Video, Wien, ÖsterreichSucht man nach einer Bezeichnungen für die Profession Marten Spangbergs, stößt man auf viele Begriffe. Er ist Performer, hat als Tanzkritiker begonnen, schreibt theoretische Arbeiten, ist als Tanzdramaturg, Kurator und Choreograf tätig und gilt als Inszenierer in durchaus positivem Sinne. Mit dem schwedischen Architekten Tor Lindstrand kooperiert Spangberg seit 2004 unter dem Namen International Festival. Ihre gemeinsame Arbeit gilt der Wahrnehmung von Körper- und Raumbegriffen und stößt international auf Interesse. Heuer und im letzten Jahr waren sie unter anderem in der European Kunsthalle in Köln, auf der PERFORMA 07 in New York, bei der VOLTA New York und beim Steirischen Herbst 07 eingeladen. Für das Festival in Graz entwerfen sie “The Theater”, ein Ort für Geschichten, Charaktere und Illusionen, eine Performance und eine in Container verfrachtbare, räumlich flexible Theaterarchitektur.
Neben seiner Kooperation mit Tor Lindstrand arbeitet Marten Spangberg auch als Solokünstler. Er experimentiert in Performances mit sich selbst und anderen. Die Werkzeuge seiner Arbeit sind der Körper in Bezug zur Welt und die Art und Weise wie sich der Körper zum Raum verhält. Es geht ihm um die Verhältnismäßigkeiten, die wir verkörpern: unser Selbst, unsere Wirklichkeiten, unser Soziales, unser Wollen …

Das Interview mit dem Künstler haben wir im Rahmen der Veranstaltungsreihe “NICHTS ist aufregend. NICHTS ist sexy. NICHTS ist nicht peinlich.” im Museum Moderner Kunst und dem Tanzquartier Wien geführt. Seine hier gezeigte Performance “Slow Fall” ist eine Skizze, ein künstlerischer Entwurf einer Arbeit, die im November 2008 Premiere haben wird. Im Kontext dieser Performance geht es Spangberg darum, die Verhältnismäßigkeiten, die wir verkörpern, aufzuweichen, und eine Möglichkeit für ein neues Verständnis unserer Selbst zu schaffen.
Spangberg nimmt sich vor allem der Behauptung “NICHTS ist nicht peinlich” an und sucht nach einem Begriff des Peinlichen, der seinem künstlerischen Schwerpunkt der Arbeit an der Verhältnismäßigkeit von Körper zu Raum und Körper zu Welt entspricht. Die Peinlichkeit als eine Deplatziertheit, als ein Verlegen-Machen, als eine Levitation, die unsere Verkörperungen von Verhältnismäßigkeit frei schwebend macht um Möglichkeit zu bieten, selbstbestimmt zu erfassen, wie es sich mit uns verhält. Zur choreografischen Umsetzung dieses Programms greift Spangberg auf Elemente östlich-spiritueller Entkörperungstechniken zurück und verweigert seinen Zusehern die Schau einer Performance, für die sie bereits Worte bereit hätten. Sein Durchbrechen von Verhältnismäßigkeiten, die wir gewohnter Weise verkörpern, erwirkt eine Deplatzierung, die das Publikum während der Performance ob der Nacktheit des noch nicht in Worte – in neue Verhältnisse - Gekleideten im besten Sinne als ein ‘Uns verlegen machen’ erfährt. Es fehlen dem Publikum die Worte, es ist unverhältnismäßig, damit ist aber auch ein bisschen Raum geschaffen, selbst Maß seiner Verhältnisse zu werden und die erfahrene Verlegenheit zu nutzen, eigene Worte zu finden und Position zu beziehen. (wh)
Journey to the West
5. Februar 2008, 21:06:00 unter Ausstellungen, Deutsch, Kunstraum Niederösterreich, Podcast, Video, Wien, ÖsterreichWill man umschreiben, was die chinesische Gesellschaft aktuell an ihrer Zeit durchlebt, erscheint ein entsprechendes Repertoir an Beschleunigungsmetaphern hilfreich. Die Kraft, mit der der ökonomische Motor das Land von einem ehemaligen Bauernstaat zur Wirtschaftsmacht umpflügt, versetzt in Staunen, Sorge, Ehrfurcht und Furcht, nicht nur im Westen. Vielen Chinesen fordern die Begleiterscheinungen des Modernisierungsschubs im täglichen Leben immense Anstrengungen ab. Eine davon lautet, die Integrität des Alltags – seine Normalität – zu wahren.
Journey to the West, die Ausstellungsreise dreizehn junger chinesische Künstler in den Westen, setzt an dieser Selbstbestimmung im Alltäglichen an. Die Wiederbelebung kultureller Tradition, das selbstreflexive Spiel mit Symbolen vorangegangener Modernisierungsphasen, die künstlerische Zusammenschau von Gegenständen des täglichen Gebrauchs versuchen zwischen verblassendem Gestern und verändertem Morgen ein Heute zu erfassen oder doch wenigstens zu greifen. Als chinesische Innerlichkeit bringen die Kunstwerke den Verlust des Erzählerischen zum Vorschein, Zusammenhang erscheint zitiert, Selbstwahrnehmung ist Selbstexperiment.

Wir haben die Ausstellung Journey to the West im Kunstraum NOE für eine Nabelschau zur aktuellen Befindlichkeit junger chinesischer Kunst genutzt. Unsere Gesprächspartner waren Christiane Krejs, Direktorin des Kunstraum NOE, Chen Yuan, Executive Director der RCM Gallery in Nanjing sowie der Videokünstler Cao Kai. Die ausgestellten Arbeiten stammen von Han Dong, Xu Hong, Sun Jianchun, Jiang Jihui, Lin Jingjing, Li Jikai, Cao Kai, Liu Liyun, Luo Quanmu, Dong Wensheng, Wang Yabin, Yan Zhilin und Bao Zhong. (wh)







