• Architekturzentrum Wien – Assemble. Wie wir bauen

    Jun 12 • Architekturzentrum Wien, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Kunsträume, Podcast, Video, Wien, Österreich • 87 Views

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    Ihr revolutionäres Design repariert, anstatt zu zerstören, es ist eine Avantgarde, die statt zu erfinden, wiederverwertet. Ihre Projekte nehmen das, was sie vorfinden und verbessern es. Sie reparieren, was die Institutionen nicht schaffen zu reparieren.

    Diese „optimistische“ Schau, die zeigt, was Architektur für das Leben der Nutzer bewirken kann, hat Architekturzentrum Wien Direktorin Angelika Fitz zusammen mit Katharina Ritter kuratiert. Die erste Ausstellung ihrer Direktionszeit ist auch die weltweit erste Überblicksausstellung zum Werk von Assemble. Gleichzeitig wurde für das Kollektiv eine einjährige Gastprofessur an der Wiener TU organisiert.

    Unter dem Titel “Wie wir bauen” widmeten sie sich gemeinsam mit den Studenten dem traditionellen Baustoff Wiens, dem Ziegel. Im Hof des Museumsquartiers entsteht aus diesem Material ein im Selbstbau errichteter Pavillon als konkretes Forschungsergebnis. Er wird dort als Begegnungsort und Werkstätte dienen.

    In großem Maßstab sind im AzW sind zehn ihrer verwirklichten „Prototypen“ als Installationen zu besichtigen. Videos, Zeichnungen und weiteres Anschauungsmaterial zeigen, wie die Projekte in gemeinschaftlichen Prozessen entstehen. In der dazugehörigen Publikation der Reihe „Hintergrund“ werden die Projekte mit vertiefenden Informationen vorgestellt.

    Materialproben wie ein raumhohes Fassadenfragment von ihrem Coworking-Projekt „Yardhouse“, wo sie günstige Künstlerateliers errichtet haben, oder eine Nachbildung der Mauer ihres Londoner OTOProjects, einem Konzertraum, dessen Wände aus mit Schutt gefüllten Säcken sowie aus Schutt-Verputz bestehen, geben einen fühlbaren Eindruck von ihrer originellen Bauweise.

    Bei dem Kollektiv, das aus 18 gleichberechtigten Mitgliedern besteht, handelt es sich um die ersten Nicht-Künstler, die den von der Tate Gallery verliehenen Turner Prize 2005 gewannen, eine der wichtigsten Auszeichnungen in der zeitgenössischen bildenden Kunst.

    Assemble verbinden in ihren oft im Selbstbau verwirklichten Projekten gemeinschaftliches Handeln mit ökologischer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit.

    Die erste Intervention der damals frischgebackenen Uni-Absolventen, die sich in Cambridge kennenlernten, war „The Cineroleum“, ein im Kollektiv errichtetes pop-up Kino in einer verlassenen Tankstelle. Weg von den Multiplex-Kinos der Stadtränder wurde hier das Kino in die Innenstadt zurückgebracht. Am Ende jeder Vorstellung wurde der trennende Vorhang zur Umgebung gelüftet und so eine Art Straßentheater bzw. ein öffentlicher Raum geschaffen. Der Vorhang ist auch im AzW zu besichtigen.
    Ein weiteres ihrer Projekte in Liverpool brachte schließlich den Turner-Preis ein: Granby Four Streets ist eine um 1900 errichtete Arbeitersiedlung. Bei „Granby Four Streets“ kooperierte die Gruppe mit der örtlichen Nachbarschaftsinitiative und erstellte einen nachhaltigen Sanierungsplan für die Wiederbelebung des Viertels. Bis heute existieren dort von Bewohnern betriebene soziale Unternehmen weiter.
    Der Blackhorse Workshop in London ist ein weiteres Beispiel nutzergetriebener Architektur, wo nachhaltig Sozialunternehmen geschaffen wurden.

    Derzeit plant Assemble die neue Kunstgalerie des Goldsmith College in London.

    Seit dem ersten Projekt, Cineroleum, haben sie sich die Freude am Improvisieren und dem Temporären bewahrt. Das Interesse am Raum und seine Nutzung sind für sie gleich wichtig wie das Bauen, bei dem die Freude am Hand-Anlegen mit der Selbstermächtigung der Nutzer einhergeht.
    Ihr Architekturbegriff dreht sich weniger um das Designen von Großbauten, sondern vielmehr um eine prozesshafte Serie von partizipativen Kooperationen und Aktivitäten, von denen Bauen nur eine ist.
    In den kurzen sieben Jahren ihrer Existenz ist Assemble gelungen, ihre Arbeit von kleinen Initiativen wie dem pop-up Kino zu immer größeren und einflussreicheren Projekten weiterzuentwickeln. Es bleibt zu wünschen, dass die Gestaltung und Rückeroberung von Lebensräumen durch lokale Grassroots-Initiativen ein nachhaltiger Trend wird. (Text: Cem Angeli)

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  • James Welling – Metamorphosis

    Jun 9 • Ausstellungen, Bank Austria Kunstforum, Deutsch, Interviews, Kunsträume, Podcast, Video, Wien, Österreich • 100 Views

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    What you see isn’t what you really get.
    There is something else—the effect of photography.

    Laut Kuratorin Heike Eipeldauer könnte man hier Zweifel bekommen, ob es sich um das Werk eines einzigen Künstlers handeln kann, so vielseitig und verschiedenartig ist das Werk van James Welling. Eipeldauer hat die Ausstellung im Wiener Bank Austria Kunstforum in Zusammenarbeit mit dem Stedelijk Museum Gent konzipiert.

    James Welling (*1951, Hartford/Connecticut) gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Fotografen. Sein Weg zur Fotografie verlief über Umwege, er hat zunächst in Pittsburgh Malerei studiert, wo er dann auch, nach Begegnungen mit John Cage und dem Choreographen Merce Cunningham, Modern Dance studierte. Am CalArts Studio in Los Angeles widmete er sich dann verstärkt der Videokunst, später erst entdeckte er das Werk von Fotografen wie Walker Evans, Paul Strand und vor allem Laszlo Moholy-Nagy und begann, sich die Fotografie autodidaktisch anzueignen.

    Er zog dann 1978 nach New York, wo er in den frühen 1980er Jahren die ersten – vielbeachteten – Ausstellungen hatte, unter anderem mit seinen Serien Aluminium Foil und Drapes. Welling ging 1995 nach Kalifornien und lehrte dort Fotografie an der UCLA.
    Seine Arbeit hat viele jüngere Fotografen beeinflusst. Sein Werk wurde in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in den USA, Japan, und Europa gezeigt, u.a. der Documenta IX (1992), oder im Metropolitan Museum of Art in New York. In Europa wurde Welling vergleichsweise selten ausgestellt, dies ist seine erste großen Personale in Wien.
    Welling hinterfragt die Konventionen des Mediums Fotografie und seine ursprüngliche dokumentarische Funktion. Vor allem in den frühen Werkserien unterzieht er den Wiedererkennungswert von Alltagsgegenständen seinen verfremdenden formalen Abstraktionen mit Hilfe von Licht und Fragmentierung.
    In seinen Arbeiten bezieht Welling die subjektive Voreinstellung des Betrachters in die ästhetische Erfahrung mit ein. Stilvielfalt und Experimentierfreude prägen sein Genre-übergreifendes Werk zwischen Malerei, Fotografie, Tanz, Film, Architektur und Skulptur. Er lotet die Grenzen und Grundlagen des Mediums ständig aus und unterzieht seine Bildsprache ständiger Verwandlung, wie bei den „Fotogrammen“, bei denen Gegenstände beim Belichten auf des Fotopapier gelegt werden, oder den Degradés, (1986–2006), die sich mit der abstrakten Malerei Mark Rothkos beschäftigen.
    Die mannigfaltigen Bruchlinien und Entwicklungen in Wellings Werk kann der Besucher, beginnend in den 1970er Jahren, beim Rundgang im Kunstforum nachverfolgen. Auch Persönliches lässt der Künstler immer wieder in seine Arbeiten einfliessen, wie das Tagebuch seiner Ur-Urgroßmutter von 1840/41 oder Filmaufnahmen seines Großvaters, eines Malers, im Video Seascape (2015). (Text: Cem Angeli)

    James Welling, 5. Mai bis 16. Juli, Bank Austria Kunstforum, Freyung 8, Wien 1, tägl. 10–19h, Fr. 10–21h.

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  • Maria Lassnig – Zwiegespräche

    Mai 29 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 137 Views

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    Maria Lassnig : Unter dem Titel “Zwiegespräche” zeigt das Albertina Museum 80 Aquarelle und Zeichnungen der 2014 verstorbenen großen österreichischen Künstlerin. Kuratiert von Antonia Hoerschelmann, sind in dieser ersten posthumen Retrospektive ihrer Grafik zum Teil noch nie gezeigte Blätter zu sehen.
    Etwa die Hälfte der ausgestellten Werke kommt aus der Sammlung der Albertina, der Rest aus der Lassnig-Stiftung. Neben der Stiftung hat die Albertina den größten Bestand an Lassnig-Zeichnungen, dank einer Schenkung der Künstlerin im Umfang von 30 Arbeiten.
    Vor kurzem wurden mittels Fundraising weitere sechs Zeichnungen für das Museum erworben, darunter « Fettes Selbstporträt » sowie « Vati und Ich ».
    Chronologisch geordnet anhand von Lebensstationen in Paris, New York und Berlin folgt die Schau den Entwicklungen in Lassnings Werk.
    Es sind berührende Einblicke in tiefe Gefühlswelten, im Zentrum steht ihre Selbstwahrnehmung. Sie ist vielschichtig und trotz aller Tragik auch humorvoll, es dreht es sich in den Bildern vor allem um sie selbst, um ihre Gefühle und ihren Körper, ihre, wie sie es nannte, „Körperwahrnehmung“.
    Dieses sehr persönliches Konzept der « Body Awareness » erschließt sich dem Betrachter durch ihre unverwechselbare Bildsprache, das Nachspüren dieser Selbstwahrnehmung ihrer Körperlichkeit bildet den Mittelpunkt ihrer Body-Awareness-Arbeiten.

    Zeichnung und Aquarell waren wichtige Elemente, in Lassnigs Oeuvre hat die Grafik einen eigenständigen Platz.
    Ihre Grafik hat trotz allem Grotesken nichts Goya- oder Bacon-haftes Dunkles, Bedrohliches, sie ist im Gegenteil hell und pastellfarben, ihre Porträts können lebensbejahend sein und doch gleichzeitig satirisch und brutal, sie zeigt sich selbst mit direktem und herausforderndem Blick zum Betrachter.
    In einem ständigen Dialog mit ihrem Körper brachte sie ihre Selbstempfindungen, so wie sich selbst spürte, zu Papier, ließ sie zum Bild werden und stellte so Verbindungen zur Außenwelt her. Ihre Gedanken und Seelenqualen, ihre Verletzungen, Enttäuschungen und Ängste, ihre Hoffnungen und auch Trauer scheint sie durch diese bildlichen Konfrontationen geordnet zu haben.
    Manche der Arbeiten offenbaren biografische Bezüge – etwa das Aquarell “Das letzte Bild meiner Mutter”. Sie, die sich selbst ein « Muttikind » nannte, trauerte sehr über den Tod der geliebten Mutter, der sie in eine profunde Krise stürzte.
    In einem Jahr wird die Ausstellung “Zwiegespräche” im Kunstmuseum Basel ausgestellt, bis 27. August ist sie in Wien zu sehen. Zum 100. Geburtstag Lassnigs in zwei Jahren gibt es dann eine grosse Ausstellung über das Gesamtwerk, die zunächst im Stedelijk Museum Amsterdam, und danach in der Albertina zu sehen sein wird. (Text: Cem Angeli)

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  • Eduard Angeli – Stille

    Mai 18 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 175 Views

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    In einer großen Retrospektive im Albertina Museum in Wien ist die Kunst Eduard Angelis zu sehen. Seine Arbeiten weigern sich definiert zu werden, sich definieren zu lassen. Seine Arbeiten strukturieren sich durch entweder komplementäre oder gegensätzliche Konzepte. Die Gegensätze sind Absenz und Präsenz, Verschwinden und Erscheinen, das Immaterielle und das Materielle, das Unsichtbare und die Sichtbarkeit, die Aktion und die Kontemplation. Radikal gesagt, betrachten wir seine Arbeiten, so sehen wir das visuelle Phänomen selbst.

    Das Licht als Grundelement der Vision und Metapher einer Erkenntnis, die sie transzendiert, ist die Hauptachse vieler seiner oft hermetisch anmutenden Werke. Durch die Schatten, immaterielle Spuren des Körperlichen, führt er uns neuerlich zu der Essenz des Ausgangspunktes der Malerei.

    Er erschafft einen Raum der Intimität, eine unmittelbare Erfahrung. Die großformatigen Bilder ziehen uns in ihr Inneres, der Betrachter ist drinnen, zusammen mit dem Maler. Um das Bild zu erleben, muss man in das Panorama eintreten, das sich vor einem entfaltet. Er interpretiert die Landschaft in überhöhter Weise, im romantischen Sinne des Wortes.

    Es zeichnen sich künstliche Horizonte ab, Landschaften, die verwirren, uns in Trugbildern wiegen. Denn seine Wirklichkeit scheint nicht genau die zu sein die wir sehen, ist das wahre Leben anderswo?

    Angeli erforscht die Wahrnehmung, er malt die Welt, als ob sie eine Art Theater-Szenerie wäre, die man dank einer malerischen Vorrichtung entdecken oder wiederentdecken kann. “Der Mensch” heißt es schon bei José Ortega y Gasset “hat keine Natur, er hat Geschichte.” (Text: CA)

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  • Egon Schiele – Selbstbildnis mit Pfauenweste

    Mai 9 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 274 Views

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    In seiner kurzen, aber intensiven Schaffensphase hat Egon Schiele immer wieder den Menschen in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt. Dabei hat er Rollen, Inszenierungen des Seins, nicht nur hinterfragt, sondern auch zugeschrieben. Im Selbstbildnis mit Pfauenweste stellt er sich selbst – den Künstler – als Heilsbringer dar, als jemanden der der Welt Wahrheit bringt und dessen Erhabenheit sich in Blick, Haltung und Kleidung widerspiegelt. Dabei, so der Direktor der Albertina Klaus Albrecht Schröder, handelt es sich um eine Inszenierung, keinesfalls um eine Selbstdarstellung im Sinne eines Portraits. Nicht nur war Schiele zu jener Zeit als er das Bild gemalt hat bitter arm, und man kann annehmen, dass er sich die teure Kleidung – eine Pfauenweste – nicht hätte leisten können. Auch seine Handhaltung – eine Geste, die in byzantinischen Ikonendarstellungen des Christus Pantokrator, des “Allherschenden” zu finden ist – verweist darauf, dass Schiele hier dem Künstler oder noch allgemeiner der Kunst eine Rolle zuweist. In unserem Filmbeitrag führt uns der Direktor der Albertina, Klaus Albrecht Schröder, anlässlich der Ausstellung “Egon Schiele” ein in die Geheimnisse dieses Bildes. (Text: Wolfgang Haas)

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  • Eduard Angeli – Retrospektive

    Apr 21 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Englisch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 324 Views

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    Bei der Malerei des Eduard Angeli stehen Kunstfreunde vor einem großen Problem. Seine Arbeit kann nicht gebührend geschätzt werden, wenn sie nicht live betrachtet wird. Natürlich ist der Besuch einer Ausstellung dem Ansehen von Fotos der Bilder im Internet oder in Büchern stets vorzuziehen, wahrscheinlich ist der Unterschied sogar größer als der zwischen einem Konzertbesuch und einer Tonaufnahme. Im Fall eines Künstlers mit einer solch breiten Palette von Zwischentönen wird der Spalt jedoch schwindelerregend. So weit sie auch schon fortgeschritten ist, vermag die Fototechnik die feinen, fast unmerklichen Variationen der Farbtöne nicht wiederzugeben, die Angeli jedem seiner Pinselstriche individuell mitgibt.

    Nun sind die Arbeiten Eduard Angelis in der Basteihalle der Albertina ausgestellt und es gibt für den Kunstinteressierten die Möglichkeit sich selbst davon zu überzeugen. Kuratiert von Direktor Klaus Albrecht Schröder, ist die etwa 60 Werke umfassende Schau im Wesentlichen chronologisch angeordnet. Nach farbstarken Pastellen der 70er und 80er Jahre, gibt es Bilder, die ab den späten 90ern vor allem in Venedig entstehen, mit deutlich dunkleren Farbtönen. Ein eigener Raum ist seinem zeichnerischen Werk gewidmet.

    Mit einem Minimum an narrativen Elementen malt Angeli hauptsächlich aus seiner Erinnerung, vergangene Pracht dient als Inspirationsquelle für die Arbeiten in Öl, Kreide, Pastell oder Rötel auf Jute, Papier oder Segeltuch.

    Die Landschaften, Gebäude, die Atmosphären in Angelis Bildkompositionen sind Orte, wo das Leere eine existenziell dynamische Bewegung hat. Leere als Terminus allein trifft es natürlich nicht, es sind Manifestationen von Transzendenz, sie organisieren einen Bildraum, weil sie mit einem spirituellen Wert ausgestattet sind.

    Das ganze Werk ist durchzogen von der spirituellen Bemühung um eine metaphysische Erfahrung des Sehens. So bringt die Malerei Angelis nicht Reflexion, sondern Erfahrung hervor. Die Erfahrung der Einsamkeit, der Stille und der Leere sind Voraussetzungen für die Erkenntnis der Fülle. Die Leere ist für ihn, wie für östliche und westliche Mystiker auch, nicht eine Abwesenheit sondern Herstellung von Sinn. Die Leere stimuliert die Vorstellung von Fülle und bringt sie erst hervor.

    Eine moderne Strömung der Philosophie, die Schule von Kyoto, sagt etwas, was sein Werk gut definiert: „nicht die Wirklichkeit ist leer, die Leere ist die Wirklichkeit“. (Text: CA)

     

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  • Inszenierungen für die Kamera – Albertina Museum

    Apr 18 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 287 Views

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    Formen der Inszenierung stehen im Fokus dieser bereits dritten Präsentation aus der Fotosammlung des Albertina Museums. Mit 120 Werken aus ihrer eigenen Sammlung untersucht Acting for the Camera die vielfältigen Formen von Inszenierungen bzw. Selbstinszenierungen von Modellen für die Kamera.

    Kuratiert von Walter Moser, Anna Hanreich und Astrid Mahler demonstriert die Schau die Vielfalt der Sammlung der Albertina und bietet eine spannende Auswahl aus der Fotografiegeschichte. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in der Albertina Fotografien gesammelt, was erst bei der Gründung der Fotosammlung 1999 wiederentdeckt wurde.

    Sechs Kapitel umfasst die Schau, eines der frühesten historischen Fotodokumente dabei ist eine Daguerreotypie aus den 1850er Jahren, die den Bildhauer Hans Gasser bei der Arbeit zeigt. Hier zeigt sich die Notwendigkeit der Inszenierung aufgrund des langen Haltens der Pose für die Belichtung. Mit Fortschreiten der Technik wurden Fotografen und ihre Modelle zusehends unabhängiger von den Belichtungszeiten und begannen ihre Möglichkeiten kreativ zu nutzen.
    Anstatt die Persönlichkeit abzubilden, kann der Körper auch als reines Material in Szene gesetzt werden, wie in jener Studie, bei der Albert Londe 1890 das Stemmen einer Hantel dokumentierte, oder wie bei Ottomar Anschütz der zur selben Zeit mit anonymen Modellen Bewegungsabläufe wie den Speerwurf nachvollziehbar machte. Die wissenschaftlichen Fotostudien dienten der Analyse menschlicher Bewegungsprozesse, u.a. für medizinische Zwecke, oder auch als Vorlagen für Künstler.
    Vorlagen waren wohl auch jene Frauenakte, die von Otto Schmidt stammen und ebenfalls in der Albertina zu sehen sind.
    Anfang des 20. Jahrhunderts wandelte sich die Beziehung zwischen Fotografierten und Fotograf. Tänzer und Tänzerinnen arbeiteten mit Fotografen zusammen, um ihre Kunst in zu dokumentieren und bewerben, was wechselseitige Beeinflussungen zwischen Tanz und Fotografie bewirkte.
    Damals war die Bildsprache des Ausdruckstanzes einflussreich, wie am Beispiel der großflächig abgedruckten Fotografie von Anton Josef Tr?ka ersichtlich, in der Egon Schiele mit tänzerisch expressiver Gestik posiert, beeinflusst vom Pantomimen Erwin Osen.
    Rote Fäden in der Fotografiegeschichte werden sichtbar, u.a. am Wechselspiel zwischen Authentizität und Inszenierung. Die Übergänge zwischen den sechs Themenschwerpunkten sind fließend. Den Fotografien liegen vielschichtige Formen der Zusammenarbeit zwischen dem Modell und Fotograf zugrunde, als gemeinsamer kreativer Prozess, wie die Fotos von Tänzerinnen und Schauspielern aus unterschiedlichen Sammlungs- und Stilbereichen zeigen.

    Film- und Theaterschauspieler setzten das Medium Fotografie bewusst ein, um ihr Image zu konstruieren.
    In Wien gab es bis in die 1930er Jahre mit Madame d’Ora, Trude Fleischmann und Franz Xaver Setzer drei auf Schauspielerportraits spezialisierte Fotoateliers. Vor allem Theaterschauspieler ließen sich in ihrem jeweiligen Rollenkostüm fotografieren.
    Die Schauspielerporträts bilden einen eigenen Schwerpunkt der Schau, wie z.B. die ikonischen Aufnahmen von Romy Schneider, die sich damals von ihrem Sissy-Image zu lösen versuchte. 1964 wurde sie von Will McBride auf einem Sofa in Paris in Szene gesetzt, ihre Posen belegen die aktive Rolle des Modells.
    Das Thema der Inszenierung tritt unter dem Gesichtspunkt des Zusammenspiels von Modell und Fotograf unter verschiedenen Aspekten klar hervor. Inszenierte Fotos sind demnach oft Gemeinschaftsarbeiten zwischen Modell und Fotograf.
    Ein Kapitel ist dem Wiener Aktionismus und dem Künstler selbst als Sujet gewidmet. Ohne die Fotodokumente wären diese Performances von Rudolf Schwarzkogler oder Günter Brus für die Nachwelt nicht vorhanden. Die Fotografen kommen hier nun auch namentlich zu Ehren. Arnulf Rainer ließ sich fotografieren und übermalte dies Bilder dann, der Fotograf blieb dabei stets anonym.
    Die neuesten Werke der Ausstellung sind Erwin Wurms One Minute Sculptures mit ihren humorvollen Posen. (Text: Cem Angeli)

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  • Urbane Oasen – Bananen aus Graz

    Apr 5 • Deutsch, Graz, Interviews, Kunstwerke, Podcast, Video, Österreich • 359 Views

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    Architekt und Künstler Markus Jeschaunig ist Teil des interdisziplinären team.breathe.austria, das den österreichischen Pavillon „BREATHE AUSTRIA“ auf der Expo 2015 in Mailand entworfen hat.

    Seine Gewächshaus-Installation “Oase No. 8″ in der Grazer Altstadt speist sich aus der Abwärme einer Kühlanlage (einer Bäckerei und Pizzeria), schafft ein tropisches Klima zum Anbau exotischer Pflanzen und macht mit künstlerischen Mitteln Themen wie Entwicklung, Verteilung und Nutzung erlebbar.

    Das ungenutzte Energiepotenzial wird mittels Wärmerückgewinnung in eine transparente Blase (ETFE-Membranhülle) geleitet, wo Bananen, Ananas und Papayas gedeihen. Mit den ca. 5,2 W Energie wird über Winter eine Temperatur von 15° Celsius gehalten. Die mit Regenwasser versorgte Anlage wird von Freiwilligen der sogenannten Bananahood betreut, u.a. per Regeltechnik über Smartphone.

    Die 2015 installierte Blase mit ihrem tropischen Mikroklima ist von der „OASE Nr. 7“ (Haus-Rucker-Co) von der Documenta in Kassel 1972 inspiriert, sie entstand in Kooperation mit dem Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark und dem Botanischen Garten Graz.

    Das Projekt eines „synergetischen Urbanismus“ ist der Versuch, Energiepotenziale offenzulegen, Kritik am Umgang mit globalen Ressourcen zu üben und neue Konzepte für eine ökologische Zukunft aufzuzeigen.

    Fragen von Kunst, Wissenschaft und Forschung vernetzen sich so auf exemplarische Weise. 2016 wurde „Oase Nr. 8“ mit dem „KlimARS“ Preis, ausgeschrieben von der Karl-Franzens-Universität und der Kunstuni Graz, ausgezeichnet. (Text: Cem Angeli)

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  • Christian Doppler – Die Menschheit erfreuen und dieser zum Nutzen

    Mrz 29 • Deutsch, Interviews, Kunstwerke, Paris Louron Universität Salzburg, Podcast, Salzburg, Universitäten, Video, Österreich • 321 Views

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    Den Doppler Effekt, benannt nach dem Salzburger Physiker Christian Doppler, kennt man nicht nur aus dem Physikunterricht. Das Phänomen, für das Doppler eine physikalische Erklärung fand, lässt sich auch im Alltag hören, z.B. wenn ein lautes Fahrzeug in hoher Geschwindigkeit an uns vorbeifährt und in der Phase von Annäherung und Entfernung sich dessen Ton verzerrt.

    Der Wert von Dopplers Entdeckung für die Wissenschaft und die Menschheit kann, so der Physiker Christian Pruner von der Paris Lodron Universität Salzburg, nicht hoch genug eingeschätzt werden. Bis heute bauen sechzehn Nobelpreise auf auf der Erkenntnis des 1803 geborenen Forschers. Flugsicherung, Radarmessung, medizinische Diagnostik und einer Reihe weiterer Anwendungen machen sich seine Erkenntnis zu nutze.

    Die empirische Überprüfung jenes Phänomens, das Doppler beschrieb, konnte erst Jahre nachdem er es entdeckt hatte durchgeführt werden, denn Doppler hatte kein Fahrzeug zur Verfügung, das schnell genug war, um den Effekt hörbar zu machen. Im Jahr 1845 setzte der niederländische Forscher Christoph Buys Ballot mehrere Trompetenspieler auf eine Eisenbahn und ließ diese an Musikerkollegen vorbeifahren, die – dank ihres guten Gehörs – die Verschiebung des Tons wahrnehmen konnten. Im Bereich der Lichtwellen gelang der Nachweis des Doppler Effektes erst circa zwanzig Jahre später.

    Aus Anlass der Eröffnung des Laborgebäudes in der Science City Itzling der Paris Louron Universität Salzburg sowie des 157-Jahr Jubiläum des Doppler Effekts hat der Salzburger Künstler Alexander Steinwendtner eine Christian Doppler Skulptur entworfen, die nun vor dem Universitätsneubau steht, dem Künstler zu ehren und den Studierenden zum Vorbild, denn Doppler hat nicht nur in der Forschung Bahnbrechendes geleistet. Er, der am Prager Polytechnische Institut eine Professur inne hatte, war immer auch der Lehre verpflichtet und vertrat die Ansicht, dass jene Wissenschaft gut ist, die die Menschheit erfreut und den Menschen zum Nutzen sei.

    Die Skulptur von Alexander Steinwendtner nimmt in ihrer Konzeption und Formensprache Anleihe an Dopplers Berechnung der Eigenschaften von Wellen, und verbindet das Material mit den wenigen Fotografien, die heute von Doppler noch erhalten sind. Verwendung fand für die beiden, durch eine Wellenfläche getrennten Steinblöcke, Marmor vom Untersberg bei Salzburg. Denn nicht nur entstammt der Physiker einer Steinmetzfamilie, am Untersberg befindet sich auch der sogenannte Dopplersteig, ein Weg, den seine Cousins in den Berg geschlagen haben. (Text: Wolfgang Haas)
    Christian Doppler Fonds | www.christian-doppler.net

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  • Kunsthalle Krems – Vision & Mission

    Mrz 27 • Deutsch, Interviews, Krems, Kunsthalle Krems, Kunsträume, Podcast, Video, Österreich • 352 Views

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    Kein bloßer „Kunstbehälter“, sondern eine Plattform für Begegnungen. So beschreibt Florian Steininger, der neue Direktor der Kunsthalle Krems, die Zukunft der niederösterreichischen Kunststätte. Wir haben Florian Steininger noch während die Umbauarbeiten an der Kunsthalle im Gange sind besucht und mit ihm einen Blick in die Zukunft der Kunsthalle gemacht.

    Seit Juli 2016 ist Florian Steininger künstlerischer Direktor der Kunsthalle Krems. Der studierte Kunstgeschichtler, der vorher Kurator im Bank Austria Kunstforum in Wien war, ist auch Sammlungsleiter der Schweizer Privatsammlung Hubert Looser in Zürich.
    Die Kunsthalle als Teil der Kunstmeile Krems, die zwischen dem Stadtkern von Krems und der mittelalterlichen Altstadt von Stein angesiedelt ist, legt ihren Schwerpunkt nach Steiningers Konzeption auf die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.
    Seit ihrer Gründung 1995 hat die Kunsthalle mehrere Epochen der Kunstgeschichte inklusive der klassischen Moderne und dem 19. Jahrhundert thematisch behandelt. Jetzt wendet sich der Fokus wieder zur zeitgenössischen Kunst, mit durchaus internationaler Ausrichtung und einer großen Bandbreite an Angeboten.
    Die Kunsthalle wird so zu einem Instrument, das eine Vielfalt von Erfahrungen für die Besucher ermöglicht, und es auch den Künstlern ermöglicht, ihre Kunst auf eine andere Weise zu zeigen. Da keine Bindung an eine Sammlung besteht, ist die Ausstellungsgestaltung flexibel, wobei Kooperationen mit wichtigen Privatsammlungen, wie der oben erwähnten Sammlung Looser, Perspektiven für umfassende Ausstellungen bieten.
    Für Direktor Steininger ergibt sich hier die Chance, auch die österreichische aktuelle Kunst im internationalen Kontext zu präsentieren.

    Die erste Ausstellung nach dem derzeit vonstatten gehenden Umbau wird ab Juli „Abstract Painting Now“ sein, etwa ein Drittel der dort gezeigten Beiträge stammt von österreichischen Künstlern. (Text: Cem Angeli)

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