• Kunsthalle Krems – Direktor Florian Steininger über den Fotografen Axel Hütte

    Mai 24 • Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Kunsthalle Krems, Kunsträume, Podcast, Video, Wien, Österreich • 191 Views

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    Was liegt dort hinter dem Horizont? Wie geht es neben dem Bildausschnitt weiter? Was kommt da noch? Axel Hüttes Bilder wecken im Betrachter den unbestimmten Wunsch, mehr erkennen zu können.
    Axel Hütte (*1951, Essen) zählt zu den führenden Protagonisten der aktuellen Landschaftsfotografie und hat laut dem Kurator der Ausstellung, Florian Steininger, einen essentiellen Beitrag zum Selbstbewusstsein des Mediums Fotografie in der bildenden Kunst ab den späten 1970er-Jahren geleistet.
    Axel Hütte war Student von Bernd und Hilla Becher, den Begründern der Düsseldorfer Fotoschule an der Kunstakademie Düsseldorf. Diese prägte international die Fotografie, darunter neben Axel Hütte auch Studienkollegen wie Andreas Gursky, Candida Höfer, Thomas Ruff und Thomas Struth.
    Seit 1979 stellt Hütte in Galerien und Museen weltweit aus.
    Die Kunsthalle Krems zeigt nun die erste umfassende Ausstellung von Axel Hüttes fotografischem Werk in Österreich. In der Schau wird ein Dialog zwischen älteren Zyklen und neueren Werkblöcken präsentiert.
    Eigens für die Kunsthalle Krems entstand ein Werkzyklus von imperialen Bauten und Räumen, aufgenommen in Österreich: Stift Melk, Stift Admont, Stift Altenburg, Stift St. Florian, das Belvedere, Prinz Eugens Winterpalais oder das Hotel Sacher. Auch zwei neuere Videoarbeiten des Künstlers sind in der Ausstellung zu sehen, sowie Portraits, etwa von Künstlerkollegen wie Jeff Koons, Albert Oehlen oder Katharina Fritsch.
    Seit seinen ersten Landschaftsserien umkreist Hütte die Grundzüge einer eigenständigen Ästhetik. Die Landschaft ist dabei ein relativ ungewöhnliches Genre in der heutigen Zeit, die offenkundig malerische Ästhetik definiert sein Werk und wird zu seinem Markenzeichen.
    Wie die großen Landschaftsmaler löst Axel Hütte die Landschaften aus ihrem Kontext, strukturiert den Bildausschnitt in verschiedene Abstufungen, in klar strukturierte Felder. Das Gefühl der Nicht-Endlichkeit des Bildes und die Brüchigkeit der materiellen Grenzen sind charakteristisch für Hüttes Landschaftsbilder, die alle vordergründigen sinnlichen Reize vermeiden.
    Hütte versucht in seinen Fotografien das Unerreichbare der Natur einzufangen. Seine enormen Formate von formale Perfektion und außergewöhnlicher Detailliertheit verzichten auf menschliche Anwesenheit und dekonstruieren die Wirklichkeit bis hin zu einem fast abstrakten Blick.
    Die Züge der Natur in seinem Werk streifen am Abstrakten, in diesen bleiernen, menschenleeren, trostlosen Landschaften kann man immer noch so etwas wie eine nordische Romantik hineinlesen. Ein Romantiker ist Hütte nach eigenen Worten jedoch nicht, auch wenn er mit den Elementen der romantischen Malerei – Wolken und Nebel – arbeitet.
    Er will das einfangen, „was nie aufgenommen wurde, die Realität einfangen, die nur zwischen den Zeilen lesbar wird.“
    Hütte reist mitunter Tausende Kilometer, um mit seiner schweren Plattenkamera seine Motive einzufangen.
    Die Landschaften mit ihren dichten Atmosphären und ungewöhnlichen Perspektiven erinnern mitunter an fernöstliche Landschaftsmalerei.
    Wer möchte, kann sich beim Betrachten der Bilder Spekulationen über kunsthistorische Bezüge hingeben und Parallelen zu den Meistern der europäischen Kunstgeschichte finden, wie William Turner oder Caspar David Friedrich.
    In seinen bleiernen Landschaften, die keine Präsenz außer den diffusen Umrissen der Natur aufweisen, versucht Hütte nach eigenen Worten „das Abstrakte zu vermeiden“, obwohl er sich ihm annähert. Die Fotografie soll kein fertiges Dokument, sondern eine Erforschung des Unerreichbaren sein.
    Die Fotografie ist bei Axel Hütte wie eine Sprache, in der sich viele Dinge nicht sagen lassen, doch ihre Zwischenräume und Leerstellen werden von der Vorstellungskraft ausgefüllt. Sie schärft die Aufmerksamkeit des Betrachters. (Text: Cem Angeli)
    Die Ausstellung ist geöffnet bis 10. Juni 2018.

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  • Michaela Frühwirth: handeln, erdwärts

    Mai 3 • Ausstellungen, Bank Austria Kunstforum, Deutsch, Interviews, Kunsträume, Podcast, Video, Wien, Österreich • 261 Views

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    Michaela Frühwirth hat sich schon früh mit dem Material Grafit auseinandergesetzt. Dieses Material bestimmt ihre großformatigen Zeichnungen. Die Ausstellung “Michaela Frühwirth: handeln, erdwärts” im tresor des Kunstforum Wien zeigt Arbeiten, die sich einerseits mit dem Ort des Grafitstollens in Kaisersberg in der Steiermark beschäftigen und andererseits mit dem Höhleneingang von Chauvet in Südfrankreich.

    Die Ausstellung läuft noch bis zum 24. Juni 2018

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  • Martha Jungwirth – Retrospektive im Albertina Museum

    Apr 23 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 289 Views

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    Die Albertina widmet der Wiener Malerin Martha Jungwirth (geb. 1940) erstmals eine Personale, mit einzelnen Schlüsselwerken und thematisch geordneten Werkblöcken, von der Frühzeit der 60er Jahre bis zu neuesten, nun erstmals gezeigten Arbeiten.
    1968 war Jungwirth Teil der Secessions-Ausstellung Wirklichkeiten, 1977 stellte sie auf der Documenta aus, 2010 war ihr ein eigener Raum in einer von Albert Oehlen kuratierten Schau im Essl-Museum gewidmet, 2014 hatte sie eine Retrospektive in der Kunsthalle Krems. Dieses Jahr wurde ihr der mit 20.000 € dotierte Oskar-Kokoschka-Preis verliehen.
    Die von Antonia Hoerschelmann in Zusammenarbeit mit Jungwirth selbst kuratierte Schau zeigt “Seismogramme innerer Zustände“, Übersetzungen von Gefühlen, „an denen man das Bewusstsein und die Empfindungen, die ich während der Arbeit habe, ablesen kann”, so die Künstlerin.
    Die Ausstellung führt den Besucher anhand von rund 50 Arbeiten durch Jungwirths Werk, beginnend mit abstrakten Landschafts-Aquarellen aus den 1960er Jahren, über ihre berühmte zeichnerische Auseinandersetzung mit einem Geschirrspüler (“Indesit”, 1975), die nach ihrer documenta-Ausstellung von der Albertina angekauft wurde, bis hin zu neuesten Werken. Auch frühe Aquarelle aus dem Bestand der Albertina sind zu sehen, wie das eines Donauhafens.
    Die 50 Blätter, meist auf Papier und im Großformat auf Leinwand aufkaschiert, sind chronologisch in thematische Untergruppen geordnet. Jungwirth arbeitet vorzugsweise auf Papier, mit Bleistift, Ölfarben oder Aquarell.
    Eine noch nie gezeigte Werkserie sind Großformate aus den frühen 1980er Jahren, die lange eingerollt im Atelier gelagert waren.
    Der Zyklus “Spittelauer Lände” aus dem Jahr 1993 stammt aus der Sammlung Essl, es sind Bilder, in denen Gegenständliches aufblitzt, in denen auch die Leere ihren Raum hat.
    Gefühle, die Menschen, Landschaften oder Gegenstände in ihr auslösen, lässt sie in ihr Werk einfließen, ersichtlich an von Reisen inspirierten Werkblöcken: Istrien, Kambodscha, Griechenland, Mexiko.
    In der Schau befinden sich auch aktuelle Arbeiten, etwa die Serie Istanbul von 2017, großformatige Ölfarb-Bildtafeln in Rot, Rosa und Violett, inspiriert von Fotos vom Putschversuch in der Türkei 2016. In den jüngsten Arbeiten, darunter auch solche mit Vladimir Nabokov als Thema, wechselt Jungwirth sowohl den Untergrund (Karton statt Papier) als auch das Farbmaterial.
    In diesem Einblick in die Bandbreite ihres Schaffens, das sich über mehr als sechs Jahrzehnte erstreckt, zeigt sich Jungwirths sensible Wahrnehmung der Wirklichkeit, ihr spezielles Verhältnis zwischen Motiv und Abstraktion.
    Figurative Motive, wie Köpfe, Füsse oder Gebäude sind da manchmal zu erkennen, so vereint sie Abstraktion und Gegenständlichkeit, ebenso gelingt es ihr, starke Farben wie Hellrosa, Violett, Orange oder Rot auf ihre eigenständige Weise in ihren Farbkompositionen in Einklang zu bringen. Ihre Sinneseindrücke werden dabei spontan zu Papier gebracht.
    In ihrer Malerei ist die gestische Energie überall spürbar – starke Dynamik und ein rascher Farbauftrag lassen dem Zufall Raum, der seine Spuren als Tropfen, Spritzer und Flecken hinterlässt.
    Die Ausstellung ist ein Genuss für Kunstliebhaber und eine Schule des Sehens für Künstler. Jungwirth beherrscht das Akademische und setzt ihre Kenntnisse ein, um ihre ganz eigene Bildsprache mit ihren eigenen Regeln zu entwerfen.
    Ihre Fähigkeit zur Kombination von künstlerischer Emotion und intellektueller Kohärenz ermöglicht eine flüssige Lektüre dieser Farb-Texte, die den Leser-Betrachter einladen, diesem breiten und sehr eigenständigen Spektrum von verschiedenen Wahrnehmungs- und Gefühlszuständen nachzuspüren. (Text: Cem Angeli)
    Bis 3. Juni in der Albertina, 160seitiger Hardcover-Katalog um 24,90 €

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  • Johannes Heuer – Nur nicht malen

    Apr 10 • Ausstellungen, CA Contemporary, Deutsch, Galerien, Interviews, Podcast, Video, Wien, Österreich • 406 Views

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    “Nur nicht malen”: Unter diesem Titel stellt der Installationskünstler, Performer, Filmemacher, Objektkünstler, Aquarellist, Zeichner und – eben doch – Maler Johannes Heuer in der Wiener Galerie C.A. Contemporary neue und bisher nicht gezeigte Arbeiten aus.

    Neben Objektkunst und zweiseitigen Kleinformaten in Mischtechnik werden auch grossformatige Tafelbilder zu sehen sein, die trotz Heuers originellem Zugang mit Fug und Recht als wichtige und höchst eigenständige Positionen der zeitgenössischen Malerei gelten können.

    Wir haben ihn in seinem Atelier in der Wiener Ankerbrotfabrik besucht und dazu befragt.
    Die Ausstellung “Johannes Heuer – Nur nicht malen” bei CA Contemporary in Wien öffnet am 20. April und läuft bis zum 30. Mai 2018.

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  • VANGARDIST Herausgeber Julian Wiehl zu Keith Haring im Albertina Museum

    VANGARDIST Herausgeber Julian Wiehl zu Keith Haring im Albertina Museum

    Apr 6 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 467 Views

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    Keith Haring war nicht nur Künstler, er war auch Aktivist und hat sich zeitlebens für Humanität und die Rechte anderer eingesetzt. Haring der selbst an AIDS verstarb hat sich dem Kampf gegen die Immunschwächekrankheit verschrieben. Heute, knapp 30 Jahre nach seinem Tod, ist diese Krankheit medikamentös beherrschbar, was geblieben ist, ist die Stigmatisierung an AIDS erkrankter Menschen. Julian Wiehl, Herausgeber des VANGARDIST, nimmt deshalb die Keith Haring Ausstellung im Albertina Museum zum Anlass, nicht nur an den Künstler, sondern auch an unsere gesellschaftliche Verantwortung im Umgang mit AIDS erkrankten zu erinnern.

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  • Axel Hütte. Imperial – Majestic – Magical

    Mrz 28 • Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Krems, Kunsthalle Krems, Kunsträume, Podcast, Video, Österreich • 426 Views

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    Was liegt dort hinter dem Horizont? Wie geht es neben dem Bildausschnitt weiter? Was kommt da noch? Axel Hüttes Bilder wecken im Betrachter den unbestimmten Wunsch, mehr erkennen zu können.
    Axel Hütte (*1951, Essen) zählt zu den führenden Protagonisten der aktuellen Landschaftsfotografie und hat laut dem Kurator der Ausstellung, Florian Steininger, einen essentiellen Beitrag zum Selbstbewusstsein des Mediums Fotografie in der bildenden Kunst ab den späten 1970er-Jahren geleistet.
    Axel Hütte war Student von Bernd und Hilla Becher, den Begründern der Düsseldorfer Fotoschule an der Kunstakademie Düsseldorf. Diese prägte international die Fotografie, darunter neben Axel Hütte auch Studienkollegen wie Andreas Gursky, Candida Höfer, Thomas Ruff und Thomas Struth.
    Seit 1979 stellt Hütte in Galerien und Museen weltweit aus.

    Die Kunsthalle Krems zeigt nun die erste umfassende Ausstellung von Axel Hüttes fotografischem Werk in Österreich. In der Schau wird ein Dialog zwischen älteren Zyklen und neueren Werkblöcken präsentiert.
    Eigens für die Kunsthalle Krems entstand ein Werkzyklus von imperialen Bauten und Räumen, aufgenommen in Österreich: Stift Melk, Stift Admont, Stift Altenburg, Stift St. Florian, das Belvedere, Prinz Eugens Winterpalais oder das Hotel Sacher. Auch zwei neuere Videoarbeiten des Künstlers sind in der Ausstellung zu sehen, sowie Portraits, etwa von Künstlerkollegen wie Jeff Koons, Albert Oehlen oder Katharina Fritsch.

    Seit seinen ersten Landschaftsserien umkreist Hütte die Grundzüge einer eigenständigen Ästhetik. Die Landschaft ist dabei ein relativ ungewöhnliches Genre in der heutigen Zeit, die offenkundig malerische Ästhetik definiert sein Werk und wird zu seinem Markenzeichen.
    Wie die großen Landschaftsmaler löst Axel Hütte die Landschaften aus ihrem Kontext, strukturiert den Bildausschnitt in verschiedene Abstufungen, in klar strukturierte Felder. Das Gefühl der Nicht-Endlichkeit des Bildes und die Brüchigkeit der materiellen Grenzen sind charakteristisch für Hüttes Landschaftsbilder, die alle vordergründigen sinnlichen Reize vermeiden.
    Hütte versucht in seinen Fotografien das Unerreichbare der Natur einzufangen. Seine enormen Formate von formale Perfektion und außergewöhnlicher Detailliertheit verzichten auf menschliche Anwesenheit und dekonstruieren die Wirklichkeit bis hin zu einem fast abstrakten Blick.

    Die Züge der Natur in seinem Werk streifen am Abstrakten, in diesen bleiernen, menschenleeren, trostlosen Landschaften kann man immer noch so etwas wie eine nordische Romantik hineinlesen. Ein Romantiker ist Hütte nach eigenen Worten jedoch nicht, auch wenn er mit den Elementen der romantischen Malerei – Wolken und Nebel – arbeitet.
    Er will das einfangen, „was nie aufgenommen wurde, die Realität einfangen, die nur zwischen den Zeilen lesbar wird.“
    Hütte reist mitunter Tausende Kilometer, um mit seiner schweren Plattenkamera seine Motive einzufangen.
    Die Landschaften mit ihren dichten Atmosphären und ungewöhnlichen Perspektiven erinnern mitunter an fernöstliche Landschaftsmalerei.
    Wer möchte, kann sich beim Betrachten der Bilder Spekulationen über kunsthistorische Bezüge hingeben und Parallelen zu den Meistern der europäischen Kunstgeschichte finden, wie William Turner oder Caspar David Friedrich.

    In seinen bleiernen Landschaften, die keine Präsenz außer den diffusen Umrissen der Natur aufweisen, versucht Hütte nach eigenen Worten „das Abstrakte zu vermeiden“, obwohl er sich ihm annähert. Die Fotografie soll kein fertiges Dokument, sondern eine Erforschung des Unerreichbaren sein.
    Die Fotografie ist bei Axel Hütte wie eine Sprache, in der sich viele Dinge nicht sagen lassen, doch ihre Zwischenräume und Leerstellen werden von der Vorstellungskraft ausgefüllt. Sie schärft die Aufmerksamkeit des Betrachters. (Text: Cem Angeli)

    Die Ausstellung ist geöffnet bis 10. Juni 2018.

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  • The Director’s Choice – Fotografie aus dem Albertina Museum

    Mrz 14 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 603 Views

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    Blüte der Jugend und Verfall des Alters, Stadt und Land, Moderne und Tradition, Inszenierung und Authentizität, Pornografie und Mythologie – die Kontraste in der Hängung sind das Hauptmerkmal von „The Director’s Choice“ im Albertina Museum.
    In der neuen Fotoausstellung sind 120 Werke aus dem Bestand der Fotosammlung der Albertina zu sehen, die Direktor Klaus Albrecht Schröder nach eigenem Geschmack ausgewählt hat. Ihm ging es darum „die Fotos in einen Dialog zu bringen.“
    Die Ausstellung bringt einen neuen Einblick in die umfangreichen fotografischen Sammlungsbestände des Museums, die Arbeiten ermöglichen sowohl einen Überblick über verschiedene Genres wie Porträt-, Architektur- und Landschaftsfotografie, als auch einen Einblick in wichtige fotografische Strömungen.
    Aufbauend auf bedeutende fotohistorische Schätze, die sich bereits seit 1850 in der grafischen Sammlung der Albertina befanden, erhielt das Haus weitere zwei große Bestände: Als Dauerleihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung für Kunst und Wissenschaft übernahm sie das Archiv des deutschen Karl Robert Langewiesche Verlags, etwa 13.000 Fotografien.
    Die Sammlung der 1888 gegründeten höheren graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien kam im Jahr 2000 als Dauerleihgabe zur Albertina. Sie umfasst rund 70.000 Bilder, 15.000 Bücher, zahlreiche Kameras und fotografisches Zubehör. Wichtige Vertreter der österreichischen Fotografie wurden an der Anstalt ausgebildet, wie Rudolf Koppitz, Anton Josef T?cka, Karel Novák oder Trude Fleischmann, teilweise sind Werke von ihnen auch in dieser Schau sehen.
    Durch die intensive Sammlungstätigkeit in den Jahren nach der Gründung der Fotosammlung 1999  konnten weitere inhaltliche Schwerpunkte wie z.B. die Street Photography herausgebildet werden. Deren Vertreter Robert Frank war vor kurzem in der Albertina ausgestellt, hier kann man seine Arbeiten in einem neuen Kontext betrachten. Weiteres  Bekanntes wie die berühmten, an Gemälde erinnernden Tanzfotografien von Rudolf Koppitz oder die sinnlichen Schneelandschaften von Wilhelm Angerer sind hier unter dem Blickwinkel der „Direktorsauswahl“ neu zu entdecken.
    Neuzugänge zur Sammlung, wie von Lisette Model, Helen Levitt und Alfred Seiland ergänzen und erweitern die Präsentation. Die realistischen Darstellungen der Modelle von Erwin Blumenfeld oder die unscharfen Straßenarbeiten von William Klein stehen im Kontrast zu den aufwendig inszenierten Arbeiten von O. Winston Link.
    Der Dialog zwischen den Bildern zieht sich von den bekannten Wien-Aufnahmen der K.k. Hof-und Staatsdruckerei aus der Mitte des 19. Jahrhunderts bis hin zu den farbigen Straßenszenen aus Amerika, wie die von William Eggleston oder Stephen Shore.
    Die Chronologie steht hier nicht im Vordergrund, in den Kontrasten der Ausstellung zeigen sich Aspekte, die ebenso viel über die Aufnehmenden hinter der Kamera wie über das Aufgenommene vor der Kamera aussagen.
    Obwohl der Subjektivismus seiner Auswahl der Bandbreite der Sammlung nicht gerecht werde, könne man  laut Klaus Albrecht Schröder bei „Director’s Choice“ das vergleichende Sehen üben – was ebenso viel über die Ausstellung wie über ihn selbst aussage. (Text: Cem Angeli)

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  • Man Ray – Unbekümmert aber nicht gleichgültig

    Feb 27 • Allgemein, Ausstellungen, Bank Austria Kunstforum, Deutsch, Interviews, Kunsträume, Podcast, Video, Wien, Österreich • 745 Views

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    „Unconcerned but not indifferent“ (Unbekümmert aber nicht gleichgültig): Die Inschrift am Grab Man Rays am Friedhof von Montparnasse spiegelt seine vielschichtige künstlerische Haltung wider.

    Als das Kunstforum 2016 eine Besucherumfrage machte, welchen Künstler das Haus zeigen solle, fiel die Wahl auf Man Ray.
    Das Kunstforum Wien ermöglicht nun in dieser ersten großen Retrospektive in Österreich einen Blick auf das Gesamtwerk des Künstlers, anhand seiner Lebensstationen (von New York nach Paris, während der NS-Zeit zurück nach New York, danach bis zu seinem Tod wieder in Paris) und seiner mit Schlüsselwerken illustrierten künstlerischen Schwerpunkte.
    150 Werke von internationalen Leihgebern hat Kuratorin Lisa Ortner-Kreil zusammengestellt, darunter Gemälde, Fotografien, Objekte, Papier-Arbeiten, Collagen, Assemblagen und Filmarbeiten.
    1890 als Emmanuel Radnitzky in Philadelphia geboren (gest.in  Paris 1976), gilt Man Ray als eine Ikone der Kunst des 20. Jahrhunderts, nicht nur als Pionier der Fotografie, sondern als ein Universalkünstler. Spielerisch bediente er sich einer Unzahl an künstlerischen Medien und Techniken.
    Er wollte zwar zunächst als Maler anerkannt werden, trug jedoch maßgeblich zur Anerkennung der Fotografie als Kunst bei. Als wahrer Multimedialist setzte er sich über Genregrenzen hinweg und arbeitete zusätzlich zur Fotografie und Malerei auch an Skulpturen und Film. Als Surrealist und Avantgardist revolutionierte er die Mode, die Werbung und das Porträt.
    Zu sehen sind im Kunstforum nicht nur stark von Fauvismus und Kubismus beeinflusste Werke aus der Zeit um 1914, sondern auch wesentlich frühere Zeichnungen und auch das Gemälde “The Rope Dancer” aus 1916 mit einer dazugehörigen Studie.
    Das Interesse am Primitivismus übernahm er von Pablo Picasso und den Kubisten, in seiner Zeit in Paris traf er auch mit Surrealisten wie Louis Aragon oder Andre Breton zusammen. Mit Marcel Duchamp verband ihn eine lebenslange Freundschaft, aus der auch zahlreiche Kollaborationen entstanden.
    Viele Werke Man Rays gelten heute als Inkunabeln des Surrealismus, wie „Cadeau“ (1921), das mit Nägeln gespickte Bügeleisen -Man Rays „Geschenk“ für Erik Satie-, der Rosshaar-Cellokopf, das Metronom, auf dessen Zeiger ein Auge zu sehen ist, und natürlich die in Stoff verschnürte Nähmaschine von1920, eines der ersten Werke seiner Art überhaupt, das im Anschluss viele Künstler bis hin zu Christo beeinflusste.
    Berühmte Bilder, wie etwa “Le Violon d’Ingres” aus 1924, mit der nackten Rückansicht von Kiki de Montparnasse, sind zahlreich in der Ausstellung vertreten.

    Viele Fotografien der Schau zeigen berühmte Zeitgenossen wie Coco Chanel, Picasso oder Arnold Schönberg. Auch manche von Man Rays Musen und Geliebten finden sich auf seinen Schwarz-Weiß-Fotos, und später auch auf Solarisations-Fotografien. Das fotografische Verfahren der Solarisation erfand er 1927 gemeinsam mit seiner Assistentin  und Geliebten Lee Miller. Untrennbar mit dem Künstler verbunden sind auch seine “Rayographien”, die Fotografien ohne Kamera.
    Man Ray malte, zeichnete, designte, schrieb kunsttheoretisches, drehte Filme, gestaltete Bücher und Zeitschriften und hatte enormen Erfolg als Modefotograf, wovon Titelblätter von „Vogue“ oder „Harper´s Bazaar“ zeugen. Man Ray gelang es, Malerei und Fotografie, avantgardistisches Experiment und kommerzielle Fotografie miteinander zu vereinen, er befreite die Fotografie von ihrer Dokumentarfunktion und erhob sie zur Kunstform.
    Die eindrucksvolle Wandlungsfähigkeit Man Rays zeigt sich nicht zuletzt daran, wie er sein Bohemien-Leben mit dem als Fotograf der Oberen Zehntausend verband und an der Leichtigkeit, mit der er sich in verschiedenen sozialen Milieus bewegte. Gleichzeitig gelang es ihm bemerkenswerterweise, sich aus den Konflikten und Streitigkeiten innerhalb der Avantgarde weitgehend herauszuhalten. (Text: Cem Angeli)

    Die Ausstellung ist noch bis 24. Juni 2018 im Bank Austria Kunstforum zu sehen.

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  • Rudolf Rischer – Von Bühnen und Bildern

    Feb 23 • CA Contemporary, Deutsch, Galerien, Podcast, Portraits, Video, Wien, Österreich • 646 Views

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    Was ist hinter der Mauer und der Tür? Wer ist auf der Treppe, und was geschieht im Zimmer?
    Gebäude schweben, Perspektiven kippen, Treppen führen nach  oben und unten, ins Leere. Brücken verbinden Unverbindbares.  Die räumliche Gliederung durch markante Elemente wie Säulen, Galerien, Raumteiler, Stege und dominante, schräge Deckenkonstruktionen wird unterstützt durch expressive Beleuchtungseffekte – ob Lampen, der Mond oder unbekannte Lichtquellen.
    Mauern, Oberflächen, und Kanten sind akribisch ausgearbeitet und betonen die Geometrie der Räume. Die Szenerien wirken mehrdeutig, diese geordneten Traum-Labyrinthe sind Wandlungen ausgesetzt, immer wieder teilen sie sich in helle und dunkle Flächen, werden zu Dreiecken oder anderen geometrischen Formen oder Schraffuren.
    Die Formen tanzen vor uns in einem unbestimmten abstrakten Raum, hier schweben gegenübergestellte Realitäten. Die Konstruktionen von Rudolf Rischer sind ruhelose Aufenthaltsorte, wo auch die Leere eine existenziell dynamische Bewegung hat. Eine Auswahl neuester Arbeiten des Künstlers ist zur Zeit in der Galerie CA Contemporary in Wien zu sehen.
    Um diese Bilder zu verstehen muss man sich hineinlehnen, in sie eintreten, um zu ergründen, was hinter der Oberfläche des Papiers lauert.  Die Räume und Szenen in Rischers Bildern können ausdruckslos oder ergreifend sein, nüchtern und streng, sogar bedrohlich.
    Die Räume sind dynamisches Zusammenspiel immer neu interpretierter elementarer Formen: Dreieck, Kreis, Rechteck, Linie  von der Abstraktion in die Konkretion überführt.
    Aus den abstrakten Projektionen entstehen klar gegliederte, dramatische Räume, oft mit mehreren Ebenen verbunden.
    Linien geben aber hier mitunter ihre Funktion der Ordnung auf und führen uns in die Irre, ins Nichts der imaginären Räume. Rischers Konstruktionen transzendieren die Geometrie, gehen über sie hinaus, sie sind eher Manifestationen von sensorischen und mentalen Zuständen als konkrete Kompositionen aus Technik und Form.
    In diesem spannungsgeladenes Verhältnis von Abwesenheit und Anwesenheit kombiniert, verändert, entfernt, verdichtet und reduziert Rischer so entschlossen wie ein abstrakter Künstler, es gibt immer ein Wechselspiel zwischen dem Realen und dem Imaginären in seinen Arbeiten.
    Die Ausdrucksstärke der Interieurs ist nicht nur Resultat theatraler Einflüsse, die Dramaturgie der Räume nicht auf ihre ästhetischen, affektiven, psychologischen oder semiotischen Dimensionen beschränkt. Sie haben eine quasi operative Funktion, sie sind keine passiven Schauplätze – das Szenenbild wird selbst zum Akteur.
    Es ist kein statischer sondern ein dynamischer, performativer Raum, mit dem entweder die Figuren oder die Betrachter interagieren. Es entfalten sich latente Situationen, Dramen die existieren könnten.
    Rischer geht konstruktivistisch vor,  sein Verständnis für die operative Dimension räumlicher Anordnungen prägt die Ästhetik. Neuartige Perspektiven, souveräne  Beherrschung der Lichtwirkung und der Farbeinsatz unterstützen die suggestive Wirkung, die auf Vorstellungskraft und dem Spiel mit Volumen beruht.
    Die Zeit wird aufgehalten in dieser Bühne, es ist die Inszenierung für einen Akt, der gerade daran ist zu beginnen oder zu enden.
    Die traumartigen Szenen und nicht definierten Gestalten erschaffen auf Basis von Licht, Schatten und Hintergründen eine beunruhigende Welt.
    Die auf ihre essentiellen Formen reduzierte Bildarchitektur wird manchmal begleitet von einigen erkennbaren Figuren, dennoch wird in dem Raum keine Geschichte konstruiert, es gibt keine Erzählung, sondern Form. Auch die Figuren scheinen dort zu sein, um als reine Formen angesehen zu werden. Sie regen die Fantasie an, beim nächsten Betrachten kann alles wieder ganz anders sein. Je länger, je öfter man die Bilder betrachtet, desto mehr Widersprüche über diese verschobene Scheinwelt  geben sie preis.
    Sie führen mitunter zu Irritation, Störung und Verunsicherung, aber mit Sicherheit zu einer anderen, einer neuen Sicht.
    Rischer selbst bleibt bei seiner Darstellung des Unbekannten konsequent und benennt seine Werke stets: « Ohne Titel ». (Text: Cem Angeli)

     

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  • Das Wiener Aquarell

    Feb 20 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 687 Views

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    Sich selbst, seinen Besitz und seine Reisen zur Schau zu stellen: Im 18. Und 19. Jahrhundert erlebte das Wiener Aquarell seine Blütezeit, bevor es letztlich von der Fotografie verdrängt wurde.
    Vom französischen und englischen Aquarell mit ihrem Interesse für Lichtstimmungen unterschied sich das Wiener Pendant vor allem durch seinen Realismus. Für den heutigen Betrachter ergibt sich über die künstlerische Bedeutung hinaus noch eine dokumentarische und historische Perspektive – als mannigfaltiges Quellenmaterial.
    Maltechnische und kompositorische Virtuosität des Wiener Aquarells faszinieren, in der über 200 Arbeiten umfassenden Schau im Albertina Museum (davon 180 aus hauseigenen Beständen) lässt sich die Entwicklung dieser Kunstform über das ganze 19. Jahrhundert nachvollziehen.
    Eine Leihgabe steht am Anfang der Schau, ein Aquarell von Heinrich Friedrich Füger, das die Gründer der Albertina-Sammlung, Albert von Sachsen-Teschen und Erzherzogin Christine zusammen mit Kaiserin Maria Theresia zeigt.
    Am Ende steht der Blick von Rudolf von Alt aus seiner Wohnung im Jahr 1903 auf die Eisengießerei Kitschelt in der Wiener Skodagasse.
    Rudolf von Alt, der 93 Jahre alt wurde,  prägte in seiner langen Schaffenszeit das Wiener Aquarell wie kein anderer Künstler, er malte für Fürstenhäuser wie die Liechtensteins, Rasumofskys oder Harrachs ihre Innenräume, und hat die Stadt Wien mit seinen Bildern durch das ganze 19. Jahrhundert in ihren Veränderungen begleitet.
    Rudolf von Alts Vater Jakob, aber auch Thomas Ender, Carl Schütz, Moritz Michael Daffinger, Matthäus Loder, Thomas Ender, Anton Romako, Eduard Gurk oder August von Pettenkofen zählten zu den bedeutenden Künstlern dieser Zeit, die in der Ausstellung vertreten sind.
    Nicht nur das Bürgertum des Biedermeier war Auftraggeber, zunächst ließ der Adel seine Besitztümer und Lebensweise mit dieser schnellen Maltechnik dokumentieren. Die Materialien konnten rasch mitgeführt werden, als Kammermaler begleiteten die Aquarellisten Fürsten auf ihren Reisen und Wanderungen, porträtierten sie oder hielten ihre Interieurs bildlich fest.
    Mit seinen Techniken Wasserfarben, Deckfarben, Tempera und Gouache diente diese Kunst dem Dokumentieren des Augenblicks, einer Reise, des Besitzes. In Zeiten vor der Fotografie wurde das Bild in Auftrag gegeben, um die Welt in der man lebte, darzustellen.
    Das reichhaltige Repertoire an Motiven bietet Stadtansichten und Landschaften, Porträts, Interieurs und Blumen, aber auch Genrebilder mit Szenen „aus dem einfachen Volk“ etwa bei Peter Fendi oder „Zigeuner“ von Anton Romako.
    Vom Biedermeier bis zur Kunst um 1900, die Schau “Das Wiener Aquarell” ist ein Beleg für Bedeutung dieser spezifischen Ausprägung der Kunstgattung und ist ebenso ein Einblick in die Geschichte eines ganzes Jahrhunderts. Die von Marie Luise Sternath kuratierte Ausstellung ist von 16. Februar bis 13. Mai 2018 in der Albertina zu sehen. (Text: Cem Angeli)

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