• Eduard Angeli – Retrospektive

    Apr 21 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Englisch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 65 Views

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    Bei der Malerei des Eduard Angeli stehen Kunstfreunde vor einem großen Problem. Seine Arbeit kann nicht gebührend geschätzt werden, wenn sie nicht live betrachtet wird. Natürlich ist der Besuch einer Ausstellung dem Ansehen von Fotos der Bilder im Internet oder in Büchern stets vorzuziehen, wahrscheinlich ist der Unterschied sogar größer als der zwischen einem Konzertbesuch und einer Tonaufnahme. Im Fall eines Künstlers mit einer solch breiten Palette von Zwischentönen wird der Spalt jedoch schwindelerregend. So weit sie auch schon fortgeschritten ist, vermag die Fototechnik die feinen, fast unmerklichen Variationen der Farbtöne nicht wiederzugeben, die Angeli jedem seiner Pinselstriche individuell mitgibt.

    Nun sind die Arbeiten Eduard Angelis in der Basteihalle der Albertina ausgestellt und es gibt für den Kunstinteressierten die Möglichkeit sich selbst davon zu überzeugen. Kuratiert von Direktor Klaus Albrecht Schröder, ist die etwa 60 Werke umfassende Schau im Wesentlichen chronologisch angeordnet. Nach farbstarken Pastellen der 70er und 80er Jahre, gibt es Bilder, die ab den späten 90ern vor allem in Venedig entstehen, mit deutlich dunkleren Farbtönen. Ein eigener Raum ist seinem zeichnerischen Werk gewidmet.

    Mit einem Minimum an narrativen Elementen malt Angeli hauptsächlich aus seiner Erinnerung, vergangene Pracht dient als Inspirationsquelle für die Arbeiten in Öl, Kreide, Pastell oder Rötel auf Jute, Papier oder Segeltuch.

    Die Landschaften, Gebäude, die Atmosphären in Angelis Bildkompositionen sind Orte, wo das Leere eine existenziell dynamische Bewegung hat. Leere als Terminus allein trifft es natürlich nicht, es sind Manifestationen von Transzendenz, sie organisieren einen Bildraum, weil sie mit einem spirituellen Wert ausgestattet sind.

    Das ganze Werk ist durchzogen von der spirituellen Bemühung um eine metaphysische Erfahrung des Sehens. So bringt die Malerei Angelis nicht Reflexion, sondern Erfahrung hervor. Die Erfahrung der Einsamkeit, der Stille und der Leere sind Voraussetzungen für die Erkenntnis der Fülle. Die Leere ist für ihn, wie für östliche und westliche Mystiker auch, nicht eine Abwesenheit sondern Herstellung von Sinn. Die Leere stimuliert die Vorstellung von Fülle und bringt sie erst hervor.

    Eine moderne Strömung der Philosophie, die Schule von Kyoto, sagt etwas, was sein Werk gut definiert: „nicht die Wirklichkeit ist leer, die Leere ist die Wirklichkeit“. (Text: CA)

     

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  • Inszenierungen für die Kamera – Albertina Museum

    Apr 18 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 91 Views

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    Formen der Inszenierung stehen im Fokus dieser bereits dritten Präsentation aus der Fotosammlung des Albertina Museums. Mit 120 Werken aus ihrer eigenen Sammlung untersucht Acting for the Camera die vielfältigen Formen von Inszenierungen bzw. Selbstinszenierungen von Modellen für die Kamera.

    Kuratiert von Walter Moser, Anna Hanreich und Astrid Mahler demonstriert die Schau die Vielfalt der Sammlung der Albertina und bietet eine spannende Auswahl aus der Fotografiegeschichte. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in der Albertina Fotografien gesammelt, was erst bei der Gründung der Fotosammlung 1999 wiederentdeckt wurde.

    Sechs Kapitel umfasst die Schau, eines der frühesten historischen Fotodokumente dabei ist eine Daguerreotypie aus den 1850er Jahren, die den Bildhauer Hans Gasser bei der Arbeit zeigt. Hier zeigt sich die Notwendigkeit der Inszenierung aufgrund des langen Haltens der Pose für die Belichtung. Mit Fortschreiten der Technik wurden Fotografen und ihre Modelle zusehends unabhängiger von den Belichtungszeiten und begannen ihre Möglichkeiten kreativ zu nutzen.
    Anstatt die Persönlichkeit abzubilden, kann der Körper auch als reines Material in Szene gesetzt werden, wie in jener Studie, bei der Albert Londe 1890 das Stemmen einer Hantel dokumentierte, oder wie bei Ottomar Anschütz der zur selben Zeit mit anonymen Modellen Bewegungsabläufe wie den Speerwurf nachvollziehbar machte. Die wissenschaftlichen Fotostudien dienten der Analyse menschlicher Bewegungsprozesse, u.a. für medizinische Zwecke, oder auch als Vorlagen für Künstler.
    Vorlagen waren wohl auch jene Frauenakte, die von Otto Schmidt stammen und ebenfalls in der Albertina zu sehen sind.
    Anfang des 20. Jahrhunderts wandelte sich die Beziehung zwischen Fotografierten und Fotograf. Tänzer und Tänzerinnen arbeiteten mit Fotografen zusammen, um ihre Kunst in zu dokumentieren und bewerben, was wechselseitige Beeinflussungen zwischen Tanz und Fotografie bewirkte.
    Damals war die Bildsprache des Ausdruckstanzes einflussreich, wie am Beispiel der großflächig abgedruckten Fotografie von Anton Josef Tr?ka ersichtlich, in der Egon Schiele mit tänzerisch expressiver Gestik posiert, beeinflusst vom Pantomimen Erwin Osen.
    Rote Fäden in der Fotografiegeschichte werden sichtbar, u.a. am Wechselspiel zwischen Authentizität und Inszenierung. Die Übergänge zwischen den sechs Themenschwerpunkten sind fließend. Den Fotografien liegen vielschichtige Formen der Zusammenarbeit zwischen dem Modell und Fotograf zugrunde, als gemeinsamer kreativer Prozess, wie die Fotos von Tänzerinnen und Schauspielern aus unterschiedlichen Sammlungs- und Stilbereichen zeigen.

    Film- und Theaterschauspieler setzten das Medium Fotografie bewusst ein, um ihr Image zu konstruieren.
    In Wien gab es bis in die 1930er Jahre mit Madame d’Ora, Trude Fleischmann und Franz Xaver Setzer drei auf Schauspielerportraits spezialisierte Fotoateliers. Vor allem Theaterschauspieler ließen sich in ihrem jeweiligen Rollenkostüm fotografieren.
    Die Schauspielerporträts bilden einen eigenen Schwerpunkt der Schau, wie z.B. die ikonischen Aufnahmen von Romy Schneider, die sich damals von ihrem Sissy-Image zu lösen versuchte. 1964 wurde sie von Will McBride auf einem Sofa in Paris in Szene gesetzt, ihre Posen belegen die aktive Rolle des Modells.
    Das Thema der Inszenierung tritt unter dem Gesichtspunkt des Zusammenspiels von Modell und Fotograf unter verschiedenen Aspekten klar hervor. Inszenierte Fotos sind demnach oft Gemeinschaftsarbeiten zwischen Modell und Fotograf.
    Ein Kapitel ist dem Wiener Aktionismus und dem Künstler selbst als Sujet gewidmet. Ohne die Fotodokumente wären diese Performances von Rudolf Schwarzkogler oder Günter Brus für die Nachwelt nicht vorhanden. Die Fotografen kommen hier nun auch namentlich zu Ehren. Arnulf Rainer ließ sich fotografieren und übermalte dies Bilder dann, der Fotograf blieb dabei stets anonym.
    Die neuesten Werke der Ausstellung sind Erwin Wurms One Minute Sculptures mit ihren humorvollen Posen. (Text: Cem Angeli)

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  • Urbane Oasen – Bananen aus Graz

    Apr 5 • Deutsch, Graz, Interviews, Kunstwerke, Podcast, Video, Österreich • 154 Views

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    Architekt und Künstler Markus Jeschaunig ist Teil des interdisziplinären team.breathe.austria, das den österreichischen Pavillon „BREATHE AUSTRIA“ auf der Expo 2015 in Mailand entworfen hat.

    Seine Gewächshaus-Installation “Oase No. 8″ in der Grazer Altstadt speist sich aus der Abwärme einer Kühlanlage (einer Bäckerei und Pizzeria), schafft ein tropisches Klima zum Anbau exotischer Pflanzen und macht mit künstlerischen Mitteln Themen wie Entwicklung, Verteilung und Nutzung erlebbar.

    Das ungenutzte Energiepotenzial wird mittels Wärmerückgewinnung in eine transparente Blase (ETFE-Membranhülle) geleitet, wo Bananen, Ananas und Papayas gedeihen. Mit den ca. 5,2 W Energie wird über Winter eine Temperatur von 15° Celsius gehalten. Die mit Regenwasser versorgte Anlage wird von Freiwilligen der sogenannten Bananahood betreut, u.a. per Regeltechnik über Smartphone.

    Die 2015 installierte Blase mit ihrem tropischen Mikroklima ist von der „OASE Nr. 7“ (Haus-Rucker-Co) von der Documenta in Kassel 1972 inspiriert, sie entstand in Kooperation mit dem Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark und dem Botanischen Garten Graz.

    Das Projekt eines „synergetischen Urbanismus“ ist der Versuch, Energiepotenziale offenzulegen, Kritik am Umgang mit globalen Ressourcen zu üben und neue Konzepte für eine ökologische Zukunft aufzuzeigen.

    Fragen von Kunst, Wissenschaft und Forschung vernetzen sich so auf exemplarische Weise. 2016 wurde „Oase Nr. 8“ mit dem „KlimARS“ Preis, ausgeschrieben von der Karl-Franzens-Universität und der Kunstuni Graz, ausgezeichnet. (Text: Cem Angeli)

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  • Christian Doppler – Die Menschheit erfreuen und dieser zum Nutzen

    Mrz 29 • Deutsch, Interviews, Kunstwerke, Paris Louron Universität Salzburg, Podcast, Salzburg, Universitäten, Video, Österreich • 121 Views

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    Den Doppler Effekt, benannt nach dem Salzburger Physiker Christian Doppler, kennt man nicht nur aus dem Physikunterricht. Das Phänomen, für das Doppler eine physikalische Erklärung fand, lässt sich auch im Alltag hören, z.B. wenn ein lautes Fahrzeug in hoher Geschwindigkeit an uns vorbeifährt und in der Phase von Annäherung und Entfernung sich dessen Ton verzerrt.

    Der Wert von Dopplers Entdeckung für die Wissenschaft und die Menschheit kann, so der Physiker Christian Pruner von der Paris Lodron Universität Salzburg, nicht hoch genug eingeschätzt werden. Bis heute bauen sechzehn Nobelpreise auf auf der Erkenntnis des 1803 geborenen Forschers. Flugsicherung, Radarmessung, medizinische Diagnostik und einer Reihe weiterer Anwendungen machen sich seine Erkenntnis zu nutze.

    Die empirische Überprüfung jenes Phänomens, das Doppler beschrieb, konnte erst Jahre nachdem er es entdeckt hatte durchgeführt werden, denn Doppler hatte kein Fahrzeug zur Verfügung, das schnell genug war, um den Effekt hörbar zu machen. Im Jahr 1845 setzte der niederländische Forscher Christoph Buys Ballot mehrere Trompetenspieler auf eine Eisenbahn und ließ diese an Musikerkollegen vorbeifahren, die – dank ihres guten Gehörs – die Verschiebung des Tons wahrnehmen konnten. Im Bereich der Lichtwellen gelang der Nachweis des Doppler Effektes erst circa zwanzig Jahre später.

    Aus Anlass der Eröffnung des Laborgebäudes in der Science City Itzling der Paris Louron Universität Salzburg sowie des 157-Jahr Jubiläum des Doppler Effekts hat der Salzburger Künstler Alexander Steinwendtner eine Christian Doppler Skulptur entworfen, die nun vor dem Universitätsneubau steht, dem Künstler zu ehren und den Studierenden zum Vorbild, denn Doppler hat nicht nur in der Forschung Bahnbrechendes geleistet. Er, der am Prager Polytechnische Institut eine Professur inne hatte, war immer auch der Lehre verpflichtet und vertrat die Ansicht, dass jene Wissenschaft gut ist, die die Menschheit erfreut und den Menschen zum Nutzen sei.

    Die Skulptur von Alexander Steinwendtner nimmt in ihrer Konzeption und Formensprache Anleihe an Dopplers Berechnung der Eigenschaften von Wellen, und verbindet das Material mit den wenigen Fotografien, die heute von Doppler noch erhalten sind. Verwendung fand für die beiden, durch eine Wellenfläche getrennten Steinblöcke, Marmor vom Untersberg bei Salzburg. Denn nicht nur entstammt der Physiker einer Steinmetzfamilie, am Untersberg befindet sich auch der sogenannte Dopplersteig, ein Weg, den seine Cousins in den Berg geschlagen haben. (Text: Wolfgang Haas)
    Christian Doppler Fonds | www.christian-doppler.net

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  • Kunsthalle Krems – Vision & Mission

    Mrz 27 • Deutsch, Interviews, Krems, Kunsthalle Krems, Kunsträume, Podcast, Video, Österreich • 142 Views

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    Kein bloßer „Kunstbehälter“, sondern eine Plattform für Begegnungen. So beschreibt Florian Steininger, der neue Direktor der Kunsthalle Krems, die Zukunft der niederösterreichischen Kunststätte. Wir haben Florian Steininger noch während die Umbauarbeiten an der Kunsthalle im Gange sind besucht und mit ihm einen Blick in die Zukunft der Kunsthalle gemacht.

    Seit Juli 2016 ist Florian Steininger künstlerischer Direktor der Kunsthalle Krems. Der studierte Kunstgeschichtler, der vorher Kurator im Bank Austria Kunstforum in Wien war, ist auch Sammlungsleiter der Schweizer Privatsammlung Hubert Looser in Zürich.
    Die Kunsthalle als Teil der Kunstmeile Krems, die zwischen dem Stadtkern von Krems und der mittelalterlichen Altstadt von Stein angesiedelt ist, legt ihren Schwerpunkt nach Steiningers Konzeption auf die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.
    Seit ihrer Gründung 1995 hat die Kunsthalle mehrere Epochen der Kunstgeschichte inklusive der klassischen Moderne und dem 19. Jahrhundert thematisch behandelt. Jetzt wendet sich der Fokus wieder zur zeitgenössischen Kunst, mit durchaus internationaler Ausrichtung und einer großen Bandbreite an Angeboten.
    Die Kunsthalle wird so zu einem Instrument, das eine Vielfalt von Erfahrungen für die Besucher ermöglicht, und es auch den Künstlern ermöglicht, ihre Kunst auf eine andere Weise zu zeigen. Da keine Bindung an eine Sammlung besteht, ist die Ausstellungsgestaltung flexibel, wobei Kooperationen mit wichtigen Privatsammlungen, wie der oben erwähnten Sammlung Looser, Perspektiven für umfassende Ausstellungen bieten.
    Für Direktor Steininger ergibt sich hier die Chance, auch die österreichische aktuelle Kunst im internationalen Kontext zu präsentieren.

    Die erste Ausstellung nach dem derzeit vonstatten gehenden Umbau wird ab Juli „Abstract Painting Now“ sein, etwa ein Drittel der dort gezeigten Beiträge stammt von österreichischen Künstlern. (Text: Cem Angeli)

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  • Ego Schiele – Zwischen Moderne und Tradition

    Mrz 20 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 152 Views

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    Egon Schieles Ausdrucksform war die Zeichnung mit ihrer Unmittelbarkeit, etwa 3000 hat er im Laufe seiner kurzen, gerade 10-jährigen Karriere geschaffen. Auch sein malerisches Werk offenbart eine Handschrift, die einige der Wesenszüge der Zeichnung weiterführt: Umrisse, Linie, graphische Zeichen.
    Mit ihrer neuartigen emotionalen und sinnlichen Direktheit stellten seine Portraits und Selbstportraits die Vitalität beide Genres wieder her. Die Verzerrung und Verfremdung der Figuren standen in Gegensatz zur Ästhetik des Jugendstils und der konventionellen Auffassung von Schönheit.
    Schiele hat zwar Gustav Klimt‘s Interesse an der erotischen Abbildung der weiblichen Form aufgenommen, löste sich aber von den gemusterten schillernden Oberflächen seines Mentors und beschäftigte sich intensiver mit dem Innenleben seiner Modelle.
    Typisch für den zunehmend expressiven Stil seiner Figurenzeichnungen war es, existentielle Angst durch Linie und Umriss auszudrücken und das Fleisch Deformierungen und Verfärbungen zu unterwerfen. Die psychologisch und erotisch aufgeladenen Bildnisse, in denen er selbst nackt oder in offenherzigen Posen auftritt, waren in der abendländischen Kunstgeschichte bis dahin beispiellos.
    Davon kann sich der Besucher nun bis 18. Juni selbst überzeugen: Noch vor dem Gedenkjahr 2018 zeigt die Albertina bereits jetzt eine umfassende Ausstellung von Egon Schieles Werk – zwölf Jahre nach ihrer letzten Schiele-Schau von 2005.
    Dabei wird ein neuer Blick auf Egon Schieles Werk gerichtet, der die existentielle, spirituelle und religiöse Dimension seines Werks hervorhebt.
    Anhand der Menschwahrnehmung Schieles als roter Faden der Ausstellung werden thematische Entwicklungslinien in seinem radikalen Oeuvre aufgezeigt und ein neuer Blickwinkel jenseits der Fixierung auf erotisch/pornographische Seite eingenommen.
    Insbesondere auf Basis der Forschungen des Kunsthistorikers Johann Thomas Ambrózy (publiziert 2009) zeigt sich Schieles Interesse an Franz von Assisi und seine Identifikation mit dem Heiligen.
    Eine Serie bislang unverstandener, allegorischer Zeichnungen, wie “Erlösung” oder “Die Wahrheit wurde enthüllt” kann anhand der Forschungsarbeit Ambrozys in neuem Licht interpretiert werden. Sowohl Arbeiten mit mönchisch anmutenden Figuren als auch nackte Darstellungen Schieles erweisen sich als Bezüge zum Armutsideal des Hl. Franz, mit dem sich der Künstler zu jener Zeit nachgewiesenermaßen intensiv beschäftigte. Die geheimnisvolle Handgeste im Selbstporträt wiederum, in der Schiele seine Finger zu einem „V“ formt, verweisen auf eine byzantinische Christus-Darstellung, ebenso wir die Aureole, die seine Figur umgibt. Hier wie auch auf anderen Darstellungen inszeniert sich Schiele als messianischer Künstler und Heilsbringer.
    Die andere, die spirituelle Seite von Schieles Motivwahl wird hier der üblichen Auslegung als Obsessionen eines Erotomanen entgegengesetzt.
    Ein weiterer Aspekt der in dieser Schau aufgegriffen wird, ist die Aneignung von verschiedenen Rollen und die gleichsam aktionistische Inszenierung seiner Arbeiten. In der kunsthistorischen Literatur wurde immer wieder der Einfluss des modernen Tanzes auf das Werk Schieles erwähnt, in diesem Licht erweist sich sein radikales Oeuvre als ein Vorläufer der Performance-Kunst.
    Eines der Merkmale großer Kunst ist, dass es -wie hier auch nach hundert Jahren- stets neue Seiten zu entdecken gibt.
    Fokussiert auf die Jahre zwischen 1910 und Schieles Todesjahr 1918, gibt es 160 Gouachen und Zeichnungen zu sehen, 20 davon sind Leihgaben. Die Schau ist chronologisch angeordnet, großformatige Fotografien mit Ansichten aus jenen Jahren konfrontieren die Arbeiten des Künstlers mit der Realität seiner damaligen Umwelt. (Text: Cem Angeli)

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  • Egon Schiele – Der Akt

    Mrz 9 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Kunstwerke, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 235 Views

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    Der Akt bei Egon Schiele steht zumeist im Fokus einer Diskussion, die ihn zwischen erotischer Darstellung und Pornographie verortet. Mit der Ausstellung “Egon Schiele” im Museum Albertina in Wien wird der Akt bei Egon Schiele unter einem neuen Blickwinkel betrachtet. Es sei, so Albertina Direktor Klaus Albrecht Schröder, insbesondere bei den Aktdarstellungen von Paaren eine existentielle Dimension auszumachen, die es gegenüber der Erotik ins Zentrum zu rücken gilt. Die dargestellten Liebenden erscheinen in den Darstellungen eigentlich mehr für sich selbst als mit dem anderen zusammen zu sein, die Unbeteiligtheit lässt an gescheiterte Beziehungen denken und an die Vereinsamung des Individuums in unserer modernen Zeit. (Text: Wolfgang Haas)

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  • Poussin bis David – Französische Zeichnungen der Albertina

    Mrz 1 • Albertina, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich • 209 Views

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    Mit seiner neuen Ausstellung “Poussin bis David” bietet das Albertina Museum Einblicke in seinen reichen Bestand an Zeichnungen des französischen Barock, Rokoko und Klassizismus.

    Diese Epochen werden sonst selten gezeigt, in diesem Maria Theresia – Gedenkjahr rückt nun jene Sammlung in den Mittelpunkt, die von der Tochter der Kaiserin, Maria Christina und deren Ehemann, Herzog Albert von Sachsen-Teschen, dem Namensgeber der Albertina, angelegt wurde.

    Das kunstsinnige Ehepaar war mit der französischen Kunst ihrer Zeit vertraut, etwa 2000 von insgesamt 2.800 Arbeiten dieser größten Graphiksammlung der Welt wurden noch zu Lebzeiten des Herzogs zusammengetragen.

    Kuratorin Christine Ekelhart-Reinwetter hat eine Auswahl von knapp 70 französischen Zeichnungen des 17. Und 18. Jahrhunderts getroffen, die den kulturellen Führungsanspruch Frankreichs und den Geschmack der Aristokratie in der Epoche das Ancien Régime zeigen, aber auch den Anspruch der Zeichnung auf Gleichwertigkeit mit der Malerei.

    Diese herausragenden Künstler jener Zeit haben hierzulande nicht die ihnen zustehende Beachtung gefunden, in dieser Schau wird nun die enorme Qualität der vielschichtigen französischen Zeichenkunst gewürdigt.

    Der Besucher entdeckt eine Welt von Hirtenidyllen, mythologischen Epen, Boudoirszenen und galanten Liebespaaren vor pittoresken Ruinen. Eine Welt der Hochblüte der Zeichenkunst, ohne jeglichen Bezug zur Lebensrealität oder sozialen Situation jener Zeit im Vorfeld der französischen Revolution.

    Arbeiten aus dem 17. Jahrhundert stehen am Beginn der Schau, Claude Lorrain mit seinen Naturstudien oder Hirtenbildern und Nicolas Poussin waren stilprägende Künstler jener Zeit, die italienische Einflüsse nach Paris brachten. Auch Künstler wie Fragonard arbeiteten in Italien, seine aquarellierte Rötel- und Kreidezeichnung „Mädchen mit Murmeltier“ ist auf einem Plakat zur Ausstellung abgebildet. In seinem „Römischen Park mit Brunnen ist der meisterhafte Einsatz von Braun- und Schwarztönen ersichtlich.
    Charles-Joseph Natoire verwendete Aquarellfarben, Kreide, Farbtinte und getöntes Papier, er und auch Hugo Robert arbeiteten vor Ort in Rom, von Natoire ist die „Ansicht der Tiberinsel“ zu sehen.
    In ihren idealisierten Welten kamen Begleitfiguren dazu: Hirten, Fischer, Wanderer oder Musiker waren häufige Figuren.

    Jean-Antoine Watteau war bekannt für seine “fêtes galantes”, mit kostümierten Liebespaaren in idyllischen Landschaften. Hyacinthe Rigaud porträtierte Aristokratie und Klerus zu Zeiten von Louis XIV, von ihm und auch dem Lieblingsmaler Madame Pompadours, François Boucher sind repräsentative Porträtzeichnungen ausgestellt. Es fällt auf, wie sehr die Kunst des Rokoko mit ihrer feudalen Motivwahl von aristokratischem Eskapismus geprägt war, erst an der Wende zum Klassizismus, mit der Zeit der Aufklärung, kommen moralische und soziale Themen zur Bild-Sprache. Jean-Baptiste Greuze brachte etwa moralisierende Gleichnisse, wie sein Diptychon „Der väterliche Fluch oder der undankbare Sohn“ Bibelszenen und Alltagsrealität („Knabe mit zerbrochenem Ei“) zu Papier.

    Der Klassizist Jacques-Louis David bildet schließlich den Schlusspunkt der Ausstellung, einer der wenigen politischen Künstler, Anhänger der französischen Revolution und Auftragnehmer Napoleons. Von ihm stammt die monumentale Papierarbeit, “Die Kämpfe des Diomedes”, die heroische Darstellung einer Massenschlacht aus dem trojanischen Krieg, entstanden 1776, dem Jahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. (Text: Cem Angeli)

    Die Ausstellung „Pousssin bis David ist noch bis 25. April in den Tietze Galleries zu sehen.

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  • Kunsthalle Krems – Architektur und Geschichte

    Feb 20 • Deutsch, Interviews, Krems, Kunsthalle Krems, Kunsträume, Podcast, Video, Österreich • 254 Views

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    Die Kunsthalle Krems ist Teil eines Kulturkomplexes, der Kunstmeile Krems, die jene Kulturgüter zusammenführt, die in dem Gebiet vorhanden sind, wie die Minoritenkirche, das Forum Frohner, das Krenek-Museum oder die neu entstehende Landesgalerie Niederösterreich.

    Gegenüber der Kunsthalle liegt das Karikaturmuseum, das einzige dieser Kunstgattung gewidmete Museum in Österreich, mit regelmäßigen Wechselausstellungen, aber auch der größten Sammlung des Werks von Manfred Deix.

    Die Kunsthalle Krems selbst ist in der 1852 erbauten ehemaligen Tabakfabrik Krems untergebracht. Sie wurde für den Ausstellungsbetrieb von Adolf Krischanitz umgestaltet, der 1992 den Architekturwettbewerb für sich entschied. Die Herausforderung bestand darin, das alte Industriegebäude auf die strengen Standards zu bringen, die ein internationaler Ausstellungsraum der ersten Kategorie erfüllen muss.

    Das architektonische Konzept bietet ein Wechselspiel zwischen der zeitgenössischen Einrichtung, den Zubauten, und dem alten Gebäude, hier erhält das gesamte Ensemble eine neue innere Ordnung. Der Innenraum erlangt eine eigene starke Persönlichkeit mit seinen neuen Elementen, wobei die Säulenhalle das Herz der Umgestaltung bildet.

    Von einem geschlossenen industriellen Raum zum offenen öffentlichen Raum – die Einfachheit und Klarheit des Konzepts überträgt sich auf die Konstruktion, es ergibt sich eine Ausstellungsfläche von ca. 1500 m².

    Die Eröffnung der neuen Kunsthalle Krems am 31. März 1995 erfolgte mit der Ausstellung “Wasser und Wein”. Diesmal wird nach der derzeit andauernden Sanierungsphase am 1. Juli 2017 wieder eröffnet, mit der groß angelegten Ausstellung über abstrakte Malerei „Abstract Painting Now“ und mit Tobias Pils in der zentralen Halle.

    Die künstlerische Leitung der Kunsthalle Krems hat seit Juli 2016 Florian Steininger übernommen, ehemaliger Kurator des Bank Austria Kunstforums in Wien. (Text: Cem Angeli)

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  • White Cube – Black Box

    Jan 27 • Ausstellungen, Bank Austria Kunstforum, Bank Austria Kunstsammlung, Deutsch, Interviews, Kunsträume, Podcast, Sammlungen, Video, Wien, Österreich • 699 Views

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    Zwei Raumkonzepte – jenes des weißen Würfels und jenes der schwarzen Box – galten lange Zeit als grundlegend für die fachgerechte – d.h. möglichst ablenkungsfreie – Präsentation von Kunst. Mit der Ausstellung “White Cube – Black Box” setzt sich das Bank Austria Kunstforum mit diesen Rahmenbedingungen der Kunstpräsentation auseinander. Dafür greift sie auf Werke aus der Sammlung der Bank Austria zurück, die sich mit der “adäquaten” Wahrnehmung und Schau von Kunst auseinandersetzen. Kuratiert hat die Ausstellung Lisa Ortner-Kreil, die teilnehmenden Künstler sind Carola Dertnig, Stephanie Klaura, Dorit Margreiter, Florian Pumhösl, Markus Schinwald und Nadim Vardag.
    Bank Austria Kunstforum | www.kunstforumwien.at
    Ein Ausstellungsportrait von CastYourArt | www.castyourart.com

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