• Noah Fischer – Am Stand der Technik

    Nov 5 • Englisch, New York, Podcast, Portraits, USA, Video • 2004 Views

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    Wer sich unseren Podcast ansieht, auf dem Laptop, einem iPod oder dem Handy, blickt in einen Monitor. Menschen verbringen Stunden, um sich Inhalte am Bildschirm anzusehen. Der Blick fällt nur selten auf den Monitor selbst, die Anwesenheit dieses physikalischen Objekts ist selbstverständlich. Dass die greifbaren Objekte, durch die wir mit der Informationswelt verbunden bleiben, austauschbar sind, ist essentieller Bestandteil unserer mobilen Welt. Wir schaffen sie an. Sie sind Spielzeuge, die uns kurzfristig begeistern um anschließend in den toten Blickwinkeln unserer Aufmerksamkeit zu verstauben.

    Noah Fischers lenkt Aufmerksamkeit auf die verwaisten Objekte des Informationszeitalters, jener Ära, die erst vor dreißig Jahren begann. Aufmerksam wurde der Künstler auf die ausgedienten Computerbildschirme durch die häufiger werdenden Elektronikmüllberge in den Straßen New Yorks. Was gestern noch state of the art des Möglichen und für viele Grund genug war, sich vor Geschäften in Warteschlangen zu reihen, ist schon heute wertloser Elektronikschrott – die Halbwärtszeit der Wertschätzung sinkt beständig.

    Mit seiner Arbeit “Monitor” führt Noah Fischer die in immer hektischeren Erneuerungszyklen produzierten Warenauswürfe unserer Hi-Tech Gesellschaft auf Lo-Tech Wurzeln zurück. Bildschirme werden zu Relikten, Möbelstücken, Lampen umfunktioniert. Zu Stücken, die unsere Sinne erfreuen und uns einladen, ihre zu aktiven Zeiten unbeachtet gebliebene Form, Materialität und Farbe zu begreifen. Neben ihren superschlanken Nachfolgern erscheinen die dicklichen alten Stücke als Zeugen einer längst vergangenen Zeit. Einige von ihnen – man kann es kaum glauben – tragen die Namen ihrer stolzen Designer ins Plastik eingraviert.

    In einer Phase, in der Videoproduktionen den Puls der Zeit junger künstlerischer Medienproduktion darstellen, stellt Noah Fischer mit seinen Arbeiten die Monitorkunst buchstäblich auf den Kopf und bringt eine ausgesprochen moderne Duchamp-hafte Geste ein –die Unterschrift auf den ausgewählten Massenobjekten stammt von ihm. (jn/wh)

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  • Eugen Lendl – Galeristen sind sehr verschiedene Menschen

    Okt 29 • Audio, Deutsch, Galerie Eugen Lendl, Graz, Podcast, Portraits, Österreich • 2146 Views

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    Galeristen sind sehr verschiedene Menschen, antwortet Eugen Lendl auf die Frage nach dem besonderen Vermögen, das für den Beruf des Galeristen prädestiniert. Allerdings, “Die meisten von ihnen stammen aus reichem Elternhaus.”

    Über die Entwicklung der Galerie Lendl. Teil 1

    Über das Verhältnis von Künstlern und Galeristen im Zeichen der Zeit. Teil 2

    Als Galerist hat Eugen Lendl Höhen im Umgang mit der Kunst erlebt, Künstler von besonderer Begabung, beeindruckender Konsequenz und Ausdruckskraft, die sein Leben bereichern. Er kennt auch einige Tiefen des kommerziellen Umgangs mit Kunst und den Wert, den eine nachhaltige Beziehung zum Kunden bedeutet.

    Im Geschäft ist er seit vierzig Jahren und er vertritt zeitgenössische internationale und lokale Künstler in seinem Galerieprogramm: Thomas Baumann, Herbert Brandl, Helen Chadwick, Manfred Erjautz, Werner Reiterer, Hubert Schmalix, Markus Wilfling, Erwin Wurm sind einige davon. Manche der Künstler begleiten ihn seit seinen Anfängen. In den letzten Jahren liegt der Schwerpunkt seiner Kunst in der Skulptur, auch Malerei. Interessensgebiete verändern sich. Er sei, sagt der Galerist, von seinen Künstlern mitentwickelt worden.

    Unser Gespräch mit Eugen Lendl gab uns die Chance, einen jener Blicke auf die Galeristenkarriere zu werfen, in denen die Zeit mit ihren Veränderungen, das älter werden, das Wahrnehmen neuer Generationen, aber auch die Kraft, Geschehnisse distanzierter sehen zu können und sich trotzdem die Leidenschaft zu bewahren, zum Ausdruck kommt. Das Interview ist ein Rückblick mit Jetzt Faktor geworden: “Es gibt immer ein paar gute Wahnsinnige”, die das Kunstgeschehen in einer Stadt weiter tragen und ihm Lebenskraft verleihen. “Ich selbst”, sagt Eugen Lendl, “bin einer davon.” (wh)

    Für (angehende) Sammler! Am 11. November 2008 18.00 Uhr eröffnet der Galerist Eugen Lendl die Ausstellung  “Repertorium – Highlights für (angehende) Sammler”. Neben einem Streifzug durch das Galeriendepot, mit Kunstwerken aus 22 Jahren, werden auch zahlreiche Neuentdeckungen vorgestellt. Die Ausstellung läuft bis 10. Jänner 2009.

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  • The Nature Theater of Oklahoma

    Okt 22 • Englisch, Festivals, Podcast, Portraits, Tanzquartier Wien, Video • 2187 Views

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    In “Amerika”, Kafkas unvollendet gebliebenem Roman, wird der sechzehnjährige Karl, nachdem ihn ein Dienstmädchen verführt und von ihm ein Kind erwartet, auf Wunsch seiner Eltern nach Amerika geschickt. In New York beginnt der soziale Abstieg des von seinen Eltern verstoßenen Jungen. Auf der Suche nach Zugehörigkeit macht er die Erfahrung, in eine Welt geraten zu sein, in der nur der eigene Vorteil zählt und mit emotionalen Bedürfnissen kalkuliert wird. Soziale Anerkennung und emotionale Nähe wird ihm nur um den Preis der Unterwerfung und Selbstausbeutung zugestanden. Im letzten Kapitel des nie vollendeten Romans stößt Karl in den Straßen New Yorks auf ein Plakat des Nature Theater of Oklahoma, das jedem eine Arbeit und Heimat verspricht. Karl schreibt sich ein und zieht mit dem Theater Richtung Westen. Folgt man Max Brod, der den Roman nach Kafkas Tod veröffentlichte, war das Theater als der Ort geplant, an dem Karl Teilhabe und damit heim und zu sich selbst findet.

    “All Welcome! Anyone who wants to be an artist, step forward! We are the theater that has a place for everyone, everyone in his place!” Es ist die auf dem Theaterplakat spürbare Großzügigkeit, vor dem Hintergrund der kalkulierenden und Menschen deformierenden Welt Karls, die den Geist der Theatergruppe Nature Theater of Oklahoma rund um Kelly Copper und Pavol Liska anspornt und zur Namensgebung beitrug. Ihr Theater ist ein Ort, der Teilhaben lässt, an dem sich die Szenerien vor dem Publikum entwickeln und eher gespielt wird, als ein Stück aufzuführen. In Kafkas Amerika ist es das einladende Moment des Theaters, das die Sinne für die soziale Kälte im Umgang der Menschen schärft. Auch im Spiel der aus New York kommenden Theatergruppe werden Alltäglichkeiten, die zu gewöhnlich sind, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden, zum Thema gemacht. Die Schauspieler spielen sie. Sie kreieren aus alltäglichen Bewegungen, die nach dem Zufallsprinzip des Würfelns oder Kartenlegens neu zusammengesetzt werden, Tanz und neuen Sinn und überführen wie in No Dice Telefongespräche in Theaterdialoge.

    Die Vorgehensweisen der Theatergruppe resultieren in einem völlig ungewöhnlichen und humorvollen Theatererlebnis und sie öffnen darüber hinaus die Sinne und Neugier für Gesten, die wir täglich zu leben gewohnt sind, aber nur selten sehen. Bei den Salzburger Festspielen 2008 wurde das Nature Theater of Oklahoma dafür mit dem Young Directors Award ausgezeichnet. (wh)

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  • Thomas Baumann – Die Sprache der Bewegung

    Okt 15 • Englisch, Podcast, Portraits, Video, Wien, Österreich • 4044 Views

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    Skulpturen und Installationen des Künstlers Thomas Baumann, haben etwas von lebendigen Geschöpfen. Meist sind sie bewegt. Sie verformen sich, sie machen Geräusche, sie bewegen den Betrachter – emotional, auf der Ebene seiner Überzeugungen, durch Herausforderung zur Teilnahme auch körperlich. Bewegung, sagt der Künstler, ist eine Sprache unserer Zeit. Wir verstehen sie und fühlen uns von ihr auf unterschiedlichen Ebenen angesprochen.

    Thomas Baumann fertigt Arbeiten aus mechanischem, technologischem und elektronischem Material. Die Bauteile haben eine eigene Ästhetik, nichts wird hinter Designfassaden versteckt. So erhalten die Skulpturen etwas von Maschinenbaukunstwerken, die den Anschein machen, sie seien Geschwister jener Maschinen, die in den Fertigungsstraßen industrieller Fabrikation ihren Dienst leisten. Angesichts ihrer Nähe zu den auf Produktionsoptimierung und Vermeidung jeglicher Nebeneffekte rationalisierten Verwandtschaft, zeigen die aus dem Fertigungskontext herausgerissenen Maschinenbaukunstwerke Baumanns, für die Menschen, die sie umgeben, eine überraschend beseelte Dimension. Sie haben lyrische Seiten, Humor, sie ziehen an, sie verlangen Zeit, sie fordern gesellschaftskritisch heraus, sie machen nachdenklich, sie erfreuen, sie zeigen eine Seele, die der produktionsoptimierten Maschinerie und ihren Bedienern ausgetrieben wird und unter der Hand des Künstlers wieder zum Vorschein gelangt. Technik, sagt Thomas Baumann, hatte ihre ursprüngliche Funktion darin, den Menschen zu erfreuen und sein Dasein zu erweitern. Eine Bestimmung, an die er mit seinen künstlerischen Arbeiten anschließt. (wh)

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  • SIGNA – Die Komplex-Nord Methode

    Okt 8 • Deutsch, Festivals, Graz, Podcast, Portraits, Steirischer Herbst, Video, Österreich • 29793 Views

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    Als Künstlerduo SIGNA versorgen die Dänin Signa Soerensen und der Österreicher Arthur Koestler unsere Welt mit ihresgleichen. Sie installieren Abzüge des Originals, dreidimensionale Parallelwelten, bewohnbare Kartographien: Eine heruntergekommene Absteige als die ausweglose Welt sechs osteuropäischer Prostituierter beherrscht vom Abstieg und der Brutalität ihrer Peiniger. Ein mystisches Albtraum Universum bestehend aus vierzig Räumen voll der religiösen, politischen und sozialen Rituale. Der Trakt einer geschlossenen psychiatrischen Station, geführt von der Ärztin Dr. Dorine Chaikin und ihrem Team, das amnesiekranke Patienten einem Verfahren aus Fürsorge und Disziplin unterwirft.

    Die Parallelwelten von SIGNA sind Abzüge, die ihre geschichtliche und geographische Haftung verloren haben. Die Farbgebungen, die Kostüme, die Möbel, die bis ins kleinste Detail bruchlosen Requisiten wecken zeitliche und regionale Assoziationen, das wo und wann bleibt unbestimmt. Wer diese Welten betritt, schreibt sich ein, für sechs, zwölf oder vierundzwanzig Stunden und führt seinen Part am Geschehen aus. Kraft seiner Phantasie, seiner Persönlichkeit und seiner Grenzen beginnt ein Spiel zwischen sich und sich fremd sein.

    Im Rahmen des diesjährigen Steirischen Herbst hat das CastYourArt Team um einen Besuchstermin im Komplex-Nord des Dorine Chaikin Institutes gebeten und eine der seltenen Drehgenehmigungen erhalten.(wh)

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  • Petra Eibel – Über Kunstversicherung und den verletzbaren Wert der Kunst

    Okt 1 • Audio, Deutsch, Interviews, Podcast, Wien, Österreich • 3470 Views

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    Weshalb sind uns Kunstwerke auf einer persönlichen Ebene lieb und teuer? Manchmal liegt der Wert in ihrer Verknüpfung mit unserer Herkunft, handelt es sich beispielsweise um ein altes Bild, das sich seit Generationen im Besitz einer Familie befindet. Er kann auch symbolischer Natur sein, wenn die Anschaffung eines Kunstwerks an einen speziellen Moment im Leben gekoppelt ist. Manchmal sind es die Erinnerungen an eine Person, die ein Kunstwerk lebendig hält, oder das Kunstwerk spricht auf eine besondere Weise an, die
    glücklich, nachdenklich oder gelassen macht.
    Über die persönliche Ebene hinaus handelt es sich bei Kunstgegenständen um gesellschaftliche Kulturgüter. Sie sind einmalige und unwiederbringliche Ausdrucksformen. Sind im Umfeld bestimmter Ideenwelten oder Künstlergruppen entstanden. Sie dokumentieren das Lebensgefühl einer Generation, wirken als kollektive Gedächtnisspeicher und geben Zeugnis von der Vielheit menschlicher Ausdruckskraft.
    Ist der Wert von Kunstwerken im Finanziellen angesiedelt, sind sie Teil eines Berufs oder einer Zukunftsvorsorge. Sie bringen als ausgestellte Ertrag oder bieten die Chance, Geld gewinnbringend anzulegen.

    Entsprechend der Vielheit der Wertigkeiten ist Wertsicherung in der Welt der Kunst ein bedeutendes Thema und Anliegen aus unterschiedlichsten Gründen. CastYourArt hat sich für die Möglichkeiten der Sicherung des Wertes Kunst interessiert und Frau Dr. Petra Eibel vom Unternehmen UNIQA zu einem Gespräch eingeladen. Als Leiterin der Abteilung Kunstversicherung zählt sie Versicherungsaufgaben von kultureller Dimension zu ihrem Aufgabengebiet – so war sie im Fall des Diebstahls der Saliera aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien tätig. Zugleich hat sie langjährige Erfahrung, geht es um Schadensvermeidung im Ausstellungsgeschäft, Handel und privaten Bereich.

    Die Kunst der Versicherung in einer veränderten Kunstwelt. Teil 1

    Kunstversicherung für wen, wann und um welchen Preis. Teil 2

    Schritte zur Versicherung von Kunst und Möglichkeiten der Prävention. Teil 3

    Welche Schadensfälle im Kunstbereich sind häufig und wären leicht zu vermeiden? Für wen macht eine Kunstversicherung wann Sinn? Welche Schritte muss man setzen, um zu einer erfolgreichen Versicherung zu kommen? Wie viel Geld kostet die Versicherung von Kunst und mit welchen Leistungen kann man im Ernstfall rechnen? Darüber und über andere Fragen zur Kunst als verletzlichem Wert, geht es in unserem dreiteiligen Beitrag mit Dr. Petra Eibel vom Kunstversicherer UNIQA. (wh)

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  • Füsun Onur – Silent Music

    Sep 24 • Englisch, Istanbul, Podcast, Portraits, Türkei, Video • 2411 Views

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    Die Offenheit ihrer Eltern, sowohl für Positionen des traditionellen Islam als auch die Wertewelt der jungen laizistisch orientierten Republik, sei an die Kinder weitergegeben worden. Ihr Aufwachsen war Freiraum für eigenständiges Denken und Ansporn zu selbstbestimmtem Auftreten. Studiert hat Füsun Onur an der Akademie der bildenden Künste Istanbul bei Hadi Bara, die in den fünfziger Jahren mit ihrer Arbeit einen Weg abseits der Bildhauerei als offizieller Denkmalkunst einschlug. Im Anschluss folgt ein fünf Jahre dauernder Postgraduate-Studienaufenthalt in den USA und die Rückkehr nach Istanbul, wo sie in Kuzguncuk ihre künstlerischen Arbeiten fortsetzt.

    Mit der Kraft, sich ihre eigene Sicht der Dinge jenseits der Realität des Faktischen nicht nur zu ersinnen, sondern für diese auch Raum zu schaffen, hat die Künstlerin Füsun Onur eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der modernen türkischen Kunst gespielt. Dass Anfang der siebziger Jahre avantgardistische Strömungen Einzug in den vornehmlich traditionell orientierten Kunstbetrieb der Türkei nehmen, ist unter anderem dem künstlerischen Einsatz Füsun Onurs zu danken. Ihr unabhängiger Zugang hat nicht nur moderne Künstler dieser Zeit gestärkt, sondern auch die jüngere Generation türkischer Kunst beeinflusst und inspiriert.

    Entdeckt wird die nicht nur im eigenen Land, sondern auch international lange Zeit übersehene moderne türkische Kunst in den Istanbul Biennalen der neunziger Jahre. Mit dem internationalen Interesse rücken auch die Installationen der Künstlerin Füsun Onur ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Seit den neunziger Jahren hat sie in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Japan, Russland und weiteren Ländern ausgestellt.

    Ihre Arbeit ist Vergegenwärtigung. Herangehen an die Dinge ohne Rücksichtnahme, ohne Traditionslast, legt frei. Das Jetzt ist wichtig, das gilt auch für ihr eigenes künstlerisches Tun – “I never look back. When it’s done, it’s done.” Ihre Arbeiten entstehen in präziser gedanklicher Konzeption, erst wenn das Kunstwerk fertig ist, und das bedeutet für Füsun Onur fertig gedacht, werden Gedanken an die Umsetzbarkeit verschwendet. Gedankliche Ausgangspunkte ihrer künstlerischen Arbeit finden sich in der Materialität der Dinge, in alltäglichen oder zufällig gefundenen Gegenständen, in räumlichen Vorgaben. Ihr Skulpturbegriff ist weit gesteckt, in jüngster Zeit sucht sie nach Lösungen, ihre Kunst als musikalische Partitur zu gestalten. Ihre Skulpturen, sagt sie, sind so etwas wie stille Musik – Stück um Stück aufgeführt, nie das gleiche.

    Im Yapi Kredi Verlag ist jüngst die Publikation “For Careful Eyes” über das Werk der Künstlerin erschienen. Verfasst von Margrit Brehm in der von René Block herausgegebenen Reihe “Contemporary Art in Turkey”.  (wh)

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  • Die Sammlung Fotografis – Eine Geschichte der Fotografie.

    Sep 17 • Ausstellungen, Bank Austria Kunstforum, Channel, Deutsch, Podcast, Video, Wien, Österreich • 2767 Views

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    Wie findet Kunst Eingang in ein Medium, das noch Mitte des vorigen Jahrhunderts vielen als Ablichtung der Wirklichkeit ohne künstlerischen Wert galt?
    Der Schriftsteller und Maler Friedrich Dürrenmatt weist einen Weg: Auch die Wirklichkeit müsse geformt werden, will man sie zum Sprechen bringen. Indem sich die Kunst des Beobachtens des Werkzeugs Fotografie bediene, werde, was sonst bloß Ablichtung sei, zu einem dichterischen Vorgang, zu einem Fischzug ins Menschliche, dessen Beute zeitig und zeitlos zugleich sei.

    Die Ausstellung “FOTOGRAFIS – collection reloaded” im Bank Austria Kunstforum bietet solchen fotografischen Formungen der Wirklichkeit und ihren Spuren der Zeitlichkeit Raum. Arbeiten aus der hauseigenen Sammlung FOTOGRAFIS zeigen Entwicklungslinien des fotografischen Blicks. Die Erweiterung um Leihgaben ermöglicht Gegenüberstellungen mit fotografischen Positionen unserer Zeit – vom Piktorialismus des Fotografen Alfred Stieglitz zu Andreas Gursky, Axel Hütte oder Elgar Esser, von der Neuen Sachlichkeit eines Albert Renger-Patzsch, Edward Weston oder Paul Strand zu den jüngsten Arbeiten von James Welling, Günther Förg oder Candida Höfer.

    Mit der 1975 gegründeten Sammlung FOTOGRAFIS setzte die Bank Austria, vormals Österreichische Länderbank, einen für damalige Zeiten bemerkenswert weitsichtigen Schritt. Bemerkenswert einerseits, da in Österreich zu dieser Zeit Fotokunst als Sammelobjekt nur einen geringen Stellenwert hatte. Bemerkenswert auch, weil der damalige Weitblick uns heute eine Sammlung mit herausragenden Arbeiten aus der Geschichte der Fotografie beschert, die aktuell selbst mit hohem finanziellen Aufwand nicht mehr zusammenzutragen wären.

    Die Auswahl der angekauften Arbeiten folgte dem Ziel, die Geschichte der künstlerischen Fotografie anschaulich zu machen, ihrer Erforschung Mittel zur Hand zu geben und den künstlerischen Nachwuchs zu fördern. Der Aufbau der Sammlung FOTOGRAFIS wurde von Anna Auer und Werner Mraz konzipiert und begleitet. Beide hatten einige Jahre zuvor mit “Die Brücke” die erste ausschließlich auf Fotografie spezialisierte Galerie Europas gegründet. Während der Zeit ihrer Tätigkeit für die Sammlung wurden knapp dreihundert Werke angekauft. Die frühesten Arbeiten der Sammlung datieren aus den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts, neben internationalen Positionen umfasst die Sammlung auch Arbeiten österreichischer Künstler.

    CastYourArt hat Lisa Kreil und Florian Steininger – beide sind für Konzeption und Organisation der Ausstellung maßgeblich verantwortlich – um Einblick in Sammlung und Ausstellungskonzept gebeten. Wie es um die Fotografie als einem Fischzug ins Menschliche und dessen Ausbeute an Zeitig- und Zeitlosigkeit bestellt ist, kann noch bis zum 29. Oktober 2008 im Bank Austria Kunstforum an der Freyung erkundet werden. Im Anschluss wandert die Sammlung nach Prag bevor sie als Dauerleihgabe dem Museum der Moderne in Salzburg übergeben wird. (wh)

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  • Gordan Savicic – Lat 54.136696 Lon 13.771362

    Sep 11 • Englisch, Podcast, Portraits, Video, Wien, Österreich • 1946 Views

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    Gordan Savicic, Absolvent im Fach digitale Kunst der Universität für angewande Kunst Wien, Masterabschluss am Piet Zwart Institute in Rotterdam für Media Design Art, Design, Hacking und Leisure. Selbstbezeichnung: unabhängiger Elektronik Fachmann, Entwickler, Vortragender und RealGamer. In seinen Arbeiten setzt sich der Künstler mit auf Informations- und Kommunikationstechnologien basierenden virtuellen Welten und deren Einfluss auf den realen Raum auseinander, spielerisch und anspruchsvoll.

    Das Virtuelle zeitigt Konsequenzen nicht nur im Virtuellen. Der Soziologe Manuell Castells beschreibt es in seiner Arbeit über “Das Informationszeitalter” in etwa so: Der Raumbegriff der virtuellen Welt ist einer der Ströme und Vernetzungen von Kapital. An seinen Knoten wirft der virtuelle Raum im Realen rasend Städte auf und verödet ganze Landstriche. In ihm wird Zukunft spekulativ vorverdaut und was nicht mundet kommt nicht an in unserer Gegenwart. In einer solchen Gesellschaft verliert, wer alten Raumvorstellungen verhaftet bleibt, entwickelt sich die Welt als ungreifbarer Zufall, ungerecht und launisch, gesteuert von einem Unsichtbaren, den zu bitten keinen Sinn macht, weil er ungreifbar bleibt, keine E-mail Adresse, kein Adressat.

    Wenn Gordan Savicic in seinem Projekt Constraint City eine einengende Stadt durchstreift, visualisiert er eine ungreifbare Macht des Virtuellen im Realen, die sich unmittelbar auf unsere Körper, unsere Wege, unsere Möglichkeiten und Alternativen durchschlägt. Die Durchzogenheit der virtuellen Welt mit Kapital und Kommerz wird in ihren Beschränkungen ersichtlich, ganz nebenbei relativiert der Künstler durch seine Hacktivism Kunst auch die von Spielkonsolen bis zu Second Life vermittelte Mär von der realen Virtualität als eines Spielraums. Der virtuelle Raum ist real, er lebt von Besitz, Vermögensanhäufung, Ausschluss und der subtilen Einschränkung des Möglichen aufs wirtschaftlich Wünschenswerte.

    Die Einnahme der virtuellen Welt nicht im Sinne der Anwendung dessen, was an Möglichem vorgegeben ist, sondern indem Bedingungen des Möglichen selbst geschaffen werden, ist ein politisches und technisches Experiment. Verwirklicht wird es vom Künstler mit ganzem körperlichen Einsatz – flesh gordo  (wh)

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  • Stylianos Schicho – “… weil uns eigentlich kalt ist”

    Sep 3 • Deutsch, Podcast, Portraits, Video, Wien, Österreich • 3448 Views

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    Im Blick von oben erscheint die Erde als ein unbevölkertes Rund. Zoomt man hinein, fällt der Blick auf Landstriche und Städte, Häuser und Straßenzüge, Spielplätze und Parkanlagen, Cafes und Geschäfte, bevölkert von Menschen, klein wie Ameisen, mit sich beschäftigt, geschäftig in einer Vielzahl von Bewegungen. Der Blick von oben relativiert das Geschehen. Er nimmt den Einzelnen das Individuelle und löst sie auf in den Zügen der Masse. Solche Übersicht des Betrachters beruht wesentlich auf dem Moment seiner Unbeobachtetheit, seiner Unnahbarkeit und Distanz.

    Was aber, wenn die Neugier steigt? Wenn der Blick immer näher kommt, sich für das Leben im Ganzen im Detail interessiert? Er riskiert, dass Augenpaare sich plötzlich anstarren, seine Blicke sich mit jenen treffen.

    Die Bilder des Malers Stylianos Schicho öffnen solche Augenblicke des Erstarrens, in denen die Zeit zum Stillstand kommt und sich zugleich alles überstürzt. Der Beobachter verliert Überblick und wird hineingezogen in die Ameisenwelt. Und die Beobachteten, sie sehen sich plötzlich reflektiert. Sie nehmen sich wahr in einem fremden Blick, der ihre Unbekümmertheit und zugleich ihren Kummer relativiert.

    Wo überwachender Blick über Technologie verläuft, bleibt er selbst als entdeckter anonym. Der Blick ist da, der Betrachter fehlt. In solch panoptischer Situation, in der Blicke von Menschen auf Linsen treffen, bleibt direkte Auseinandersetzung aus. Eher setzen Bewegungen des Zurückziehens ein: Das Verhalten-Werden der Beobachteten unter dem beobachtenden Blick. Das immer versteckter werden der Überwacher. Das sich entblößen vor der Kamera. Der immer größere Hunger fürs Detail.

    Er selbst, sagt Stylianos Schicho, sehe diese Entwicklung eher pessimistisch. Loslassen dürfe man trotzdem nicht. Möglich sei, einen Moment des Aufwachens und des Gewahr-Werdens für uns zu fixieren. (Text: Wolfgang Haas)

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