Unsere Künstlerportraits über Michel de Broin und Shary Boyle werden am Reel Artists Film Festival Toronto 2012 sowie am Canadian Art Reel Artists Film Festival 2012 in Calgary gezeigt. Für alle, die nicht in Kanada sein können, gibt es die beiden Künstlerportraits auch bei uns zu sehen: Michel de Broin - Matters of Circulation und Shary Boyle - Manufaktur des Fragilen.
Michael Braunsteiner - “Absolut locker und irgendwie cooler …”
11. März 2009, 10:20:04 unter Admont, Audio, Deutsch, Interviews, Museen, Podcast, Stift Admont, ÖsterreichIn den österreichischen Alpen, zwischen Wien, Linz, Graz und Salzburg gelegen, wurde 2003 nach fünf Jahren Bauzeit ein modernes Privatmuseum errichtet. Innerhalb weniger Jahre erhielt es den Österreichischen Museumspreis, verliehen für die innovative Museumsgestaltung und als Auszeichnung für das außergewöhnliche Engagement eines Privatbesitzers in Sachen Bewahrung, Präsentation und Förderung von Kunst.
Den Eigentümern des Museums attestiert der Leiter der Sammlungen Michael Braunsteiner einen Stil zwischen “absolut locker und irgendwie cooler”. Das kommt unerwartet, denn es handelt sich bei den Besitzern nicht um kürzlich zu Geld gekommene, jugendliche Idealisten, sondern um die Mönche des Benediktinerstiftes Admont: Stiftsalter jenseits der 1000 Jahre, Durchschnittsalter der Mönche jenseits der Fünfzig.
Vom Entstehen eines Museums, Teil 1
Der Aufbau einer Sammlung zeitgenössischer Kunst, Teil 2
Seit dem Umbau beherbergt das Benediktinerstift nicht nur eine frisch renovierte, größte Klosterbibliothek der Welt, sondern einen sich über mehrere Etagen erstreckenden Museumskomplex, der ein kunsthistorisches und naturhistorisches Museum sowie die Präsentation der eigenen Sammlung zeitgenössischer Kunst und die zur Kunstpräsentation genutzten Stiftsaußenanlagen umfasst.
1998 wurde Michael Braunsteiner beauftragt, den Wandel des Museums Stift Admont und den Neuaufbau einer Sammlung zeitgenössischer Kunst kuratorisch zu leiten. CastYourArt hat mit ihm über die Entstehungsjahre des Museums gesprochen und sich dabei besonders für Ausrichtung und Aufbau der Sammlung zeitgenössischer Kunst interessiert. (wh)
Sam Auinger - Eine Hörperspektive
18. Februar 2009, 09:22:48 unter Audio, Berlin, Deutsch, Deutschland, Podcast, Portraits, UdK Berlin, UniversitätenMenschen gehen mit offenen Ohren durchs Leben, sie lassen sich vor den Geräuschen der Welt nicht wie Augen verschließen, außer man hält sie sich zu. Das Ohr ist ein gänzlich aufgesperrtes Sinnesorgan. Wir hören, selbst wenn wir schlafen. Nur selten sind wir hellhörig und nehmen differenziert wahr, was uns an Geräuschen umgibt und in uns eindringt. Horchen wir in uns hinein und zurück in der Zeit, halt nicht nur Geläut von Straßenbahn-, Kuh-, Haustür-, Pausen-, Feuerwehr-, Kirchenglocken oder Fahrradklingeln in uns nach, sondern ein erstaunlich umfangreicher Audiokosmus. Wir werden feststellen, Geräusche sind emotional konnotiert, wir sind gefühlsbetont.
Sam Auinger setzt sich mit der Welt der Klänge, Töne und Geräusche, ihrer geografisch-kulturellen aber auch geschichtlichen Unterschiede auseinander und schließt an eine Tradition künstlerischer Auseinandersetzung mit Ton an, in der Personen wie Erik Satie, Luigi Russolo, John Cage oder Murray Schäfer Geschichte schrieben. Ausgebildet am Bruckner Konservatorium Linz und Salzburger Mozarteum hat er sich einen Namen als Komponist und Klangkünstler, als Forscher und Architekt im Zeichen der Geräuschwelt und ihrer Wirkungen gemacht. Seine Geräuschkulturen ersichtlich machenden Arbeiten werden als Performances, Installationen, Experimente, Filme und Videos weltweit gezeigt und laden zu bewussterem Umgang mit dem je eigenen Geräuschhorizont ein. In seiner Arbeit “Sechse läuten” sammelt er beispielsweise Geräusche seiner Kindheit ein, horcht nach, welche Töne sein Aufwachsen begleiteten, ihm Grund zu Freude, Gehorsam, Ausgelassensein, Vertrautheit oder Angst waren.
Eine Hörperspektive
Nicht nur Geräusche, auch ihr Raum ist charakteristisch. Der Raum als Klangobjekt, ein vom amerikanischen Avantgarden John Cage hervorgehobener Klangaspekt, ist Teil der Forschung des zur Zeit als Gastprofessor für experimentelle Klanggestaltung an der Universität der Künste in Berlin tätigen Künstlers. Auf seiner Suche nach einer neuen Sprache des Hörens arbeitet Sam Auinger immer wieder in wechselnden Kooperationen und veröffentlicht unter den Namen “O+A”, “berliner theorie”, “tamtam” und “stadtmusik”. CastYourArt hat Sam Auinger in Berlin interviewt. (wh)
Neue Galerie New York - Erinnerung ist mein Kaffee
17. Dezember 2008, 17:53:10 unter Audio, Englisch, Interviews, Museen, Neue Galerie New York, New York, Podcast, USAIm kulturellen Schmelztiegel New York, der Stadt mit internationalem Flair, ist auch die Österreichische und Deutsche Kulturgeschichte vertreten. Ihr Stand befand sich angebotshalber jedoch in der zweiten marktwirtschaftlichen Reihe, das hat seine Gründe in kriegsbedingt schwierig zu klärenden Besitztumsverhältnissen und auch in über Jahre hinweg gelebter diesbezüglicher staatspolitischer Ignoranz. Kultur ist unweigerlich ein geschichtliches Produkt, das gilt auch für den österreichischen und deutschen Umgang mit den Produkten derselben, blickt man die Jahre zurück.
Österreichische und deutsche moderne Kunst der Vorkriegszeit, wie auch einige ihrer Besitzer, haben in den Vereinigten Staaten neuen Platz und auch ein Zuhause gefunden. Seit 2001 ist Exponaten dieser Kunstrichtung ein Museum an der Fifth Avenue gewidmet, einer Straße im vormals deutschen Bezirk New Yorks. Die Neue Galerie ist eine kleine aber reiche Institution, gegründet von zwei Enthusiasten dieser Kunstrichtung: Dem Geschäftsmann und Philantropen Ronald Lauder, sowie Serge Sabarsky, seines Zeichens Kunsthändler und Pionier österreichischer und deutscher expressionistischer Kunst in New York.
Die Gründung der Neuen Galerie New York.
Das Wiederauftauchen des Expressionismus in New York.
Über das derzeit zweitteuerste Gemälde der Welt.
Die Reputation der Neuen Galerie geht auf die sorgfältige Darbietung dieses in den USA bislang unterrepräsentierten Kunstgenres zurück, herauszuheben ist in diesem Zusammenhang der Ankauf des Klimt Gemäldes “Portrait von Adele Bloch-Bauer I”, das die Institution wohl zu Recht als die “Mona Lisa” ihrer Kollektion benennt. Fragen der Restitution und Provenienz wurden und wird im Museumsprogramm hoher Stellenwert beigemessen.
Kunst und Geschichte sind untrennbar miteinander verbunden, und die Neue Galerie hat in den USA einen eigenen Stellenwert, geht es um dieses Prinzip. Hat sich der Kreis deutscher und österreichischer Kunst hinsichtlich ihrer in die USA emigrierten Besitzer und deren Erben, aufgrund des Engagements der Neuen Galerie und ihrer Gründer geschlossen? Wie steht es um die Relation von marktwirtschaftlichem Wert von Arbeiten, ihrer Geschichte und ihrer künstlerischen Wichtigkeit. Im Sabarsky”, einem Wiener Kaffeehaus im Gebäude der Neuen Galerie, hat CastYourArt Scott Gutterman, den Vertreter der Direktion, getroffen und mit ihm ein Gespräch über die Institution und kunstgeschichtliche Verhältnismäßigkeiten geführt. (jn/wh)
Josef Kleindienst - Werden Sie Mitglied
3. Dezember 2008, 00:33:51 unter Audio, Deutsch, Kunstwerke, Podcast, Wien, ÖsterreichDer in Wien lebende Autor Josef Kleindienst schreibt Hörbilder, Theaterstücke, Romane und Drehbücher. 2010 ist er für den Bachmannpreis nominiert.

“Werden Sie Mitglied” ist das Hörbild einer Beziehung dreier Personen aufgrund eines schockartigen Ereignisses. Die Involvierten, in einer Schrecksekunde paralysiert und der Situation ausgeliefert, erstarren in der Dauer eines unfreiwilligen Zusammenseins und ringen mit Handlungen und Worten ihre Distanz nehmende Fassung zurück zu gewinnen. Wir präsentieren Ihnen einen Auszug des Hörbilds, bei Interesse an der Vollversion wenden Sie sich an castyourart.
Es sprechen Simona Sbaffi, Andreas Patton, Manfred Stella und Simon Hatzl. Die Musik zum Hörbild steuerte Hüseyin Evirgen bei. Johannes Kelz zeichnet für den Ton verantwortlich. Illustriert hat Elsa Mährenbach, Text und Regie stammen von Josef Kleindienst. (wh)
Eugen Lendl – Galeristen sind sehr verschiedene Menschen
29. Oktober 2008, 11:33:52 unter Audio, Deutsch, Galerie Eugen Lendl, Graz, Podcast, Portraits, ÖsterreichGaleristen sind sehr verschiedene Menschen, antwortet Eugen Lendl auf die Frage nach dem besonderen Vermögen, das für den Beruf des Galeristen prädestiniert. Allerdings, “Die meisten von ihnen stammen aus reichem Elternhaus.”
Über die Entwicklung der Galerie Lendl. Teil 1
Über das Verhältnis von Künstlern und Galeristen im Zeichen der Zeit. Teil 2
Als Galerist hat Eugen Lendl Höhen im Umgang mit der Kunst erlebt, Künstler von besonderer Begabung, beeindruckender Konsequenz und Ausdruckskraft, die sein Leben bereichern. Er kennt auch einige Tiefen des kommerziellen Umgangs mit Kunst und den Wert, den eine nachhaltige Beziehung zum Kunden bedeutet.
Im Geschäft ist er seit vierzig Jahren und er vertritt zeitgenössische internationale und lokale Künstler in seinem Galerieprogramm: Thomas Baumann, Herbert Brandl, Helen Chadwick, Manfred Erjautz, Werner Reiterer, Hubert Schmalix, Markus Wilfling, Erwin Wurm sind einige davon. Manche der Künstler begleiten ihn seit seinen Anfängen. In den letzten Jahren liegt der Schwerpunkt seiner Kunst in der Skulptur, auch Malerei. Interessensgebiete verändern sich. Er sei, sagt der Galerist, von seinen Künstlern mitentwickelt worden.
Unser Gespräch mit Eugen Lendl gab uns die Chance, einen jener Blicke auf die Galeristenkarriere zu werfen, in denen die Zeit mit ihren Veränderungen, das älter werden, das Wahrnehmen neuer Generationen, aber auch die Kraft, Geschehnisse distanzierter sehen zu können und sich trotzdem die Leidenschaft zu bewahren, zum Ausdruck kommt. Das Interview ist ein Rückblick mit Jetzt Faktor geworden: “Es gibt immer ein paar gute Wahnsinnige”, die das Kunstgeschehen in einer Stadt weiter tragen und ihm Lebenskraft verleihen. “Ich selbst”, sagt Eugen Lendl, “bin einer davon.” (wh)
Für (angehende) Sammler! Am 11. November 2008 18.00 Uhr eröffnet der Galerist Eugen Lendl die Ausstellung “Repertorium - Highlights für (angehende) Sammler”. Neben einem Streifzug durch das Galeriendepot, mit Kunstwerken aus 22 Jahren, werden auch zahlreiche Neuentdeckungen vorgestellt. Die Ausstellung läuft bis 10. Jänner 2009.
Petra Eibel - Über Kunstversicherung und den verletzbaren Wert der Kunst
1. Oktober 2008, 11:09:45 unter Audio, Channel, Deutsch, Interviews, Podcast, Wien, ÖsterreichWeshalb sind uns Kunstwerke auf einer persönlichen Ebene lieb und teuer? Manchmal liegt der Wert in ihrer Verknüpfung mit unserer Herkunft, handelt es sich beispielsweise um ein altes Bild, das sich seit Generationen im Besitz einer Familie befindet. Er kann auch symbolischer Natur sein, wenn die Anschaffung eines Kunstwerks an einen speziellen Moment im Leben gekoppelt ist. Manchmal sind es die Erinnerungen an eine Person, die ein Kunstwerk lebendig hält, oder das Kunstwerk spricht auf eine besondere Weise an, die
glücklich, nachdenklich oder gelassen macht.
Über die persönliche Ebene hinaus handelt es sich bei Kunstgegenständen um gesellschaftliche Kulturgüter. Sie sind einmalige und unwiederbringliche Ausdrucksformen. Sind im Umfeld bestimmter Ideenwelten oder Künstlergruppen entstanden. Sie dokumentieren das Lebensgefühl einer Generation, wirken als kollektive Gedächtnisspeicher und geben Zeugnis von der Vielheit menschlicher Ausdruckskraft.
Ist der Wert von Kunstwerken im Finanziellen angesiedelt, sind sie Teil eines Berufs oder einer Zukunftsvorsorge. Sie bringen als ausgestellte Ertrag oder bieten die Chance, Geld gewinnbringend anzulegen.
Entsprechend der Vielheit der Wertigkeiten ist Wertsicherung in der Welt der Kunst ein bedeutendes Thema und Anliegen aus unterschiedlichsten Gründen. CastYourArt hat sich für die Möglichkeiten der Sicherung des Wertes Kunst interessiert und Frau Dr. Petra Eibel vom Unternehmen UNIQA zu einem Gespräch eingeladen. Als Leiterin der Abteilung Kunstversicherung zählt sie Versicherungsaufgaben von kultureller Dimension zu ihrem Aufgabengebiet – so war sie im Fall des Diebstahls der Saliera aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien tätig. Zugleich hat sie langjährige Erfahrung, geht es um Schadensvermeidung im Ausstellungsgeschäft, Handel und privaten Bereich.
Die Kunst der Versicherung in einer veränderten Kunstwelt. Teil 1
Kunstversicherung für wen, wann und um welchen Preis. Teil 2
Schritte zur Versicherung von Kunst und Möglichkeiten der Prävention. Teil 3
Welche Schadensfälle im Kunstbereich sind häufig und wären leicht zu vermeiden? Für wen macht eine Kunstversicherung wann Sinn? Welche Schritte muss man setzen, um zu einer erfolgreichen Versicherung zu kommen? Wie viel Geld kostet die Versicherung von Kunst und mit welchen Leistungen kann man im Ernstfall rechnen? Darüber und über andere Fragen zur Kunst als verletzlichem Wert, geht es in unserem dreiteiligen Beitrag mit Dr. Petra Eibel vom Kunstversicherer UNIQA. (wh)
Steirischer Herbst - Ein Festival auf der Suche nach Strategien zur Unglücksvermeidung
20. August 2008, 16:37:13 unter Audio, Englisch, Festivals, Graz, Interviews, Podcast, Steirischer Herbst, ÖsterreichUnglück ist vielfältig, die Möglichkeiten Unglück zu vermeiden sind es auch. Sparen oder fernsehen, lieben oder doch lieber aufessen, vielleicht beischlafen. Maßhalten, auch erkennen kann helfen, manchmal täuschen, im Notfall flicken, dass das Zeug hält, ganz groß rauskommen oder dann doch die Welt retten? In seiner 41. Auflage macht sich der Steirische Herbst, das Festival neuer Kunst in Graz, auf die Suche nach Strategien zur Unglücksvermeidung.
Zwar lachen auf Gesicht und Slogan komprimierte Strategien der Unglücksvermeidung noch immer von Wahlplakaten und werden komplexe Probleme aufs Greifbarste verkürzt. Auch bringt jeder Griff ins Konsumrepertoire einen Zauber der Unglücksvermeidung hervor – weißere Zähne, kalorienärmere Würste, kürzere Bremswege. Aber es liegt eben auch, formulieren wir es vorsichtig, ein skeptischer Glaube an die Möglichkeiten des Handelns in der Luft.
Was hat es mit diesem Glauben auf sich? Lässt er sich berechtigt nähren und womit? Die Produktionen des Steirischen Herbsts stellen Beispiele der Unglücksvermeidung im Kleinen wie im Großen ins Licht. Sie bringen deren Fragen und Nuancen hervor, erforschen sie, oft unter Beteiligung des Publikums und wissenschaftlicher Forschung, immer unter Beteiligung lokaler und internationaler Künstler und Kunstinstitutionen.
In unserem dreiteiligen Beitrag werfen wir einen dramaturgischen Blick voraus auf das Festival. Geht es um Strategien der Unglücksvermeidung, sind sich die Dramaturgie eines Festivals und die Dramaturgie des Lebens durchaus ähnlich, versichert uns Florian Malzacher, der leitende Dramaturg des Steirischen Herbst.
Das Festival aus dramaturgischer Perspektive
Das Leitmotiv des Steirischen Herbst 2008
Die Kunst der Unglücksvermeidung im Steirischen Herbst 2008
Über hundert Veranstaltungen umfasst das dreiwöchige Programm des Steirischen Herbst, das am zweiten Oktober startet. Die Suche verteilt sich auf rund dreißig Orte und die Strategien der Unglücksvermeidung, wir hoffen, sie werden spürbar sein, in der ganzen Stadt und darüber hinaus. (wh)
Panta rhei - Vom Wandel und einem Museum im serbischen Novi Sad
16. Juli 2008, 11:05:37 unter Audio, Englisch, Museen, Museum für Zeitgenössische Kunst Vojvodina, Novi Sad, Podcast, Serbien“Zeitgenössische Kunst als ein Feld für menschliche Freiheit, als Chance, den Blick eines Individuums unserer Zeit auf die Gesellschaft zu verstehen.” Das Feld der Freiheit ist größer, wenn es zeitgenössische Kunst gibt, ist Slavko Bogdanovic gelernter Jurist und Vorsitzender des Direktorenboards des Museums zeitgenössischer Kunst der Vojvodina überzeugt. Schon deshalb sei es im Interesse aller, ihren Bestand zu pflegen.
Die Rahmenbedingungen für zeitgenössische Kunst sind in der Vojvodina, wie auch in anderen Teilen Serbiens und der südosteuropäischen Welt, im Umbruch. Alte, aus der Zeit vor dem Krieg stammende Strukturen der Produktion, Vermittlung, Theoriebildung und Vermarktung sind zerbrochen oder haben sich überholt. Fehlende Ressourcen haben den Aufbau neuer fördernder Bedingungen lange verhindert und erschweren sie noch heute. Geändert hat sich die Einstellung vieler Menschen im Kunstbetrieb. Statt sich ob bestehender Widrigkeiten zu bemitleiden, wird agiert.
Museum für Zeitgenössische Kunst, Vojvodina. Teil 1
Museum für Zeitgenössische Kunst, Vojvodina. Teil 2
Museum für Zeitgenössische Kunst, Vojvodina. Teil 3
Im Jänner 2007 wurde ein internationaler Wettbewerb zur Planung eines Museums der Zeitgenössischen Kunst der Vojvodina ausgeschrieben, im Juni entschied sich die Jury für den Entwurf des kanadisch-serbischen Teams rund um Robert Claiborne, Lia Ruccolo and Ivan Markov. Mit dem Plan für das neue Museum sollen neue Zeiten Einzug halten in das Gebäude der zeitgenössischen Kunst. Es wird sich verändern, in physischer aber auch konzeptueller Hinsicht, meint Ljubica Milovic. Sie steuert die Projektentwicklung und blickt den neuen Zeiten positiv entgegen. Vorbei die Angst um im Donauwasser untergehende Kunstwerke im Museumsarchiv. Vorbei auch die Zeit der für Restaurierung fehlenden Mittel und damit zusammenhängend andauerndem Raumschwund, der das Museum allmählich vom Ausstellungsort in ein Kunstlager verwandelt hat. Statt dessen Vertrauen auf wirtschaftliches Geschick, Hoffnung auf neue, vor allem auch private Sponsoren und eine – so Serbien sich öffnen lässt – geöffnete Welt. Die Gebäudevision hat Symbolwert. Sie steht für die offizielle Öffnung der Kunst des Landes und ihren Einlass in eine Welt, die auch den Menschen Serbiens nicht offen steht. Doch noch ist sie nicht verwirklicht, das Museum besteht nur am Plan.
Kleinere Organisationen der zweitgrößten Stadt Serbiens, beispielsweise das Zentrum für neue Medien kuda.org oder die Art Klinika, die sich künstlerisch einer an Krieg und Nationalismus erkrankten Gesellschaft widmet, sind aufgrund ihrer Struktur beweglicher und vielleicht auch in ihrer Öffnung weiter. Geht es um die Notwendigkeit, wandelnden Bedingungen mit neuen Konzepten zu begegnen, steckt jedoch auch der Direktor des Museums Zivko Grozdanic voller Ideen.
Wofür ein Museum moderner Kunst da sein soll und worin aktuell seine Leistungen im Kontext der Kunstwelt bestehen, dafür bietet unsere Podcastepisode Antworten aus serbischer Sicht, die Fragen hat Ewa Stern für CastYourArt in Novi Sad gestellt. (wh)
Sylvia Ferino - Birnen als Tränensäcke, ein Maiskolben das Ohr.
11. Juni 2008, 13:58:51 unter Audio, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Kunsthistorisches Museum Wien, Museen, Podcast, Wien, ÖsterreichGut fünfzig Jahre war es her, dass der Kartograf Waldseemüller Vespucci seinen Respekt erwiesen und die Mundus Novus in Anlehnung an dessen Vornamen als den Kontinent Amerika bezeichnet hatte. Das Interesse Europas an den Importwaren aus der neuen Welt war in dieser Zeit immens gestiegen. Mit dem Wirtschaftsraum hatte sich der Alte Welt auch einen neuen Wissensraum erschlossen, den es wissenschaftlich zu erobern galt.
Dass der Mailänder Maler Giuseppe Arcimboldo am Hof des Habsburgerkaisers Maximillian II mit der Portraitierung menschlicher Gesichter, zusammengestellt aus Meeresfrüchten, Obst und Gemüse, begann, muss vor dem Hintergrund dieser sich neu erstreckenden Wissenslandschaft des 16. Jahrhunderts gesehen werden. Natürlich, so die Kuratorin am kunsthistorischen Museum in Wien, Dr. Sylvia Ferino, zogen die Metamorphosen des menschlichen Gesichtes auch damals schon in Bann und konnten als Aufsehen erregender bildnerischer Kunstgriff Arcimboldos gelten. Zugleich aber zeugen Arcimboldos Bilder vom Erwachen der Naturwissenschaften und der humanistischen Reflexion des europäischen Selbst im Spiegel der neuen Welt.
Von Kaiser Ferdinand I noch als Kopist und Portraitist nach Wien geholt, erweiterte sich das Aufgabengebiet des Malers unter dessen Sohn Kaiser Maximillian II und Enkel Rudolf II. Arcimboldo dokumentierte für das künstlerisch und wissenschaftlich interessierte Herrscherhaus Flora und Fauna. Elemente dieser Tätigkeit fanden Eingang in seine Kompositköpfe, sie dienten aber auch als Anschauungs- und Studienmaterial in den gelehrten Schriften der Wissenschaftler seiner Zeit. Nebenher erfand Arcimboldo hydraulische Maschinen, entwarf Brücken, entwickelte synästhetische Theorien und stand als Hofkünstler ob seines universalen Könnens sowie als Ausrichter kaiserlicher Feste nicht nur bei seinen Arbeitgebern, sondern auch bei Gelehrten wie dem Begründer der modernen Zoologie Ulisse Aldrovandi in bestem Ruf. (wh)
Sylvia Ferino - Birnen als Tränensäcke. Über Arcimboldo, Teil 1
Sylvia Ferino - Birnen als Tränensäcke. Über Arcimboldo, Teil 2
Dr. Sylvia Ferino, mit der wir über die Verbindung seiner Arbeiten mit dem gesellschaftlichen Hintergrund seiner Zeit gesprochen haben, wurde für ihre Tätigkeit im Zeichen der italienischen Renaissancemalerei mehrfach ausgezeichnet. Sie hat unter anderem die Arcimboldo Ausstellung, die zunächst im Pariser Musée du Luxembourg und danach im Kunsthistorischen Museum in Wien gezeigt wurde, kuratiert.
Hans Knoll - Kunst im Zeichen der Vermittlung
16. April 2008, 10:56:13 unter Audio, Deutsch, Galerie Knoll, Galerien, Podcast, Portraits, Wien, ÖsterreichTüren öffnen zu Kunst und sich dabei selbst entwickeln - damit hat Hans Knoll begonnen und von diesem Anspruch ist seine Galerietätigkeit auch heute noch getragen. Anfang der achtziger Jahre startete er mit einem Raum, einem wöchentlichen Abendessen für Freunde, Künstler und Gäste und der Möglichkeit in dieser Runde seine Kunst in Form von Ausstellungen, Performances oder Musik anderen vorzustellen. Die Treffen waren mehr eine freundschaftliche Sache. Nach und nach entwickelte sich daraus jedoch eine ernsthafte Galerietätigkeit und auch der Eindruck, dass es notwendig ist aus Wien hinauszugehen, um sich künstlerisch weiter zu entwickeln.
Noch in der ersten Hälfte der achtziger Jahre engagiert sich der junge Galerist in Ungarn. Er gründet in Budapest eine Künstlerkooperative als kommunistisches Pendant zur Galerie und setzt sich intensiv mit Kunst aus den umliegenden Oststaaten Europas auseinander. Dass sich an der Schwelle zwischen Ost und West die Tür in beide Richtungen öffnen lässt und innen und außen relativ sind zur Seite auf der man steht, ist ihm dabei sehr bald klar geworden. Knoll kuratiert Ausstellungen, die Kunst in beide Richtungen vermitteln wollen und er lernt Anfang der neunziger Jahre, dass die Öffnung und das plötzlich massive Interesse des Westens für Kunst aus bislang unentdeckten Ländern den Entdeckten zumindest vorübergehend auch schaden kann.
Hans Knoll - Kunst im Zeichen der Vermittlung, Interview Teil 1
Hans Knoll - Kunst im Zeichen der Vermittlung, Interview Teil 2
Hans Knoll - Kunst im Zeichen der Vermittlung, Interview Teil 3
Hans Knoll - Kunst im Zeichen der Vermittlung, Interview Teil 4
Neben Begeisterungsfähigkeit brauchte es in dieser Umbruchszeit vor allem Durchhaltevermögen, reflektiert er. Er habe damals öfter daran gedacht seine Galerie in Ungarn zu schließen, letztlich aber habe ihn die Herausforderung gereizt und er habe begonnen sich auch in Moskau zu engagieren. Heute, sagt er, finde er auch St. Petersburg extrem spannend.
Knolls Lust, sich zu entwickeln, zu vermitteln, seine Standfestigkeit und seine Transparenz hinsichtlich der eigenen Möglichkeiten haben ihm Türen zu Künstlern geöffnet. Knoll arbeitet intensiv mit Blue Noses und AES+F aus Russland zusammen, Ákos Birkás und Csaba Nemes sind ungarische Künstler, die die Galerie vertritt, aus Österreich sind beispielsweise Mara Mattuschka und Wilhelm Scherübl bei der Galerie Hans Knoll im Programm. (wh)




