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Maria Teresa Ponce - Die anwesende Abwesenheit
27. Mai 2009, 08:45:16 unter Ecuador, Englisch, Podcast, Portraits, Quito, VideoMaria Teresa Ponce sagt, sie kennt das, wenn Menschen nostalgische Gefühle für ihr Land entwickeln, das sie verlassen haben und in dem Freunde, Familie, Orte, Erlebnisse und die eigene Geschichte zurückgeblieben sind. Mit neun hat sie Ecuador verlassen, ist in die USA gezogen, hat dort ihre Jugend verbracht, hat Architektur studiert. Dann, als fertige Architektin, ist sie zurückgezogen nach Ecuador. Im Land war Wirtschaftskrise, keine Arbeit für junge Architekten.
Diese Krise war für sie die Schwelle zur Kunst. Sie hat begonnen zu Fotografieren. Hat erlebt, dass sie sich mit Fotografie neue Welten erschließen kann, solche, die sie interessiert haben, aber zu denen sie kaum Zugang hatte. Angefangen von ihrer fotografischen Arbeit, die die Gefängnisinnenwelt samt ihrer Bewohner erforscht, und die sie anschließend digital in ein abbruchreifes Spitalsgebäude, in die Ruinen öffentlicher Gesundung montiert, bis hin zu ihren Landschaftsaufnahmen entlang einer Pipeline auf dem Weg vom Amazonas Regenwald an die Pazifikküste, die den Eindruck wecken, dass Reichtum und wirtschaftlicher Prosperität in einem hermetisch dichten Rohr durch und außer Landes geführt werden. Das Aufsuchen von Lebensräumen und die Bereitschaft sich diesen Räumen samt ihren Bewohnern auszusetzen ist für die Arbeiten der Künstlerin charakteristisch geblieben.

Dem dokumentierenden Moment ist das Bewusstsein für Inszenierung hinzugekommen, in manchen ihrer Projekte zeichnet sich ein intervenierender Zugang ab. Maria Teresa Ponce arbeitet mit dem Medium Fotografie, das heißt sie setzt es ein, nicht nur um Bilder zu produzieren, sondern um zu erfahren und ein Gefühl für Zusammenhänge zu wecken, die leicht übersehen werden. Manchmal sagt die Künstlerin, befinde sie sich an der Grenze zum Aktivismus, der Begriff Fotografin jedenfalls greift ihr zur künstlerischen Selbstverortung zu kurz. (wh)
Miguel Alvear - Tableaux popular
25. Februar 2009, 10:16:51 unter Ecuador, Englisch, Podcast, Portraits, Quito, Spanisch, VideoIn seinen Arbeiten greift der ecuadorianische Künstler Miguel Alvear Motive auf, die südamerikanischen Populärkulturwelten entspringen. Die Ikonen des populären mischt er mit historischen und mythologischen, auch mit kunsthistorischen Vorbildern. Manchmal führt er den Bilderschatz unterschiedlicher sozialer Milieus zusammen und vermengt, was sich im wirklichen Leben aus Gründen des guten Geschmacks um Distanz bemüht. Solche Kunst, die die Berührungsängste Voreingenommener missachtet, schafft Reibung. In seiner vom City Museum of Quito in Auftrag gegebenen Arbeit “Popular Mechanics” hat Miguel Alvear eine übersteigerte Wiederherstellung weiblichen Tecnocumbia-Stardoms in der Bildsprache der Busfahrer des örtlichen öffentlichen Verkehrs in Angriff genommen. Wo Reibung herrscht, herrscht auch Reibungsverlust. Die Annahme der Arbeit als einem Aushängeschild ecuadorianischer Kultur wurde vom Museum verweigert – Bild ist, was sich im Rahmen hält.

Miguel Alvear kommt aus dem Film- und Videogenre. Studiert hat er am Institut des Arts de Diffusion in Belgien und anschließend am San Francisco Art Institute in Kalifornien. In seinen Fotografien ist sein filmischer Background spürbar. Sie sind zum Stehen gekommene Bilder. Tableaux vivants, die das Sakrale ihrer Vorbilder mit Groteskem, das Fließende mit Statischem, Wahrzeichen mit Trash und – wie in den Tecnocumbia Songs – religiös verbrämtes, gesprochenes Wort mit einer visuellen Überdosis Sex mischen.
In seinem jüngsten Film Blak Mama folgt Miguel Alvear der hybriden Bildsprache religiös-heidnischer Festivals ausgehend vom alljährlich in Latacunga stattfindenden Fest zu Ehren von “Mama Negra”. Die Parade anlässlich der Feier referenziert nicht nur auf die Rettung der Stadt durch die Heilige. In ihrer Bildsprache gelangt auch die Unterdrückung der einheimischen Bevölkerung durch die spanischen Kolonialherren zum Ausdruck, eine nicht zur Gänze gelungene Christianisierung und die Vermischung dieses Glaubensgemisches mit religiösen Vorstellungen der aus Afrika verschleppten Sklaven, bolivianischen sowie guatemaltekischen Gastarbeitern und den Notwendigkeiten ausgelassenen Feierns.
In seinem Film geht der Künstler nicht dokumentierend vor. Er nutzt die Vorlage des Festivals, seine Figuren, ihre visuelle symbolische Kraft, und setzt sie in Handlungszusammenhänge, die eine Tiefenschicht des kollektiv Unbewussten oder Verdrängten zum Sprechen bringen, das in der Bildsprache der Parade zwar mitgeführt wird, aber nur unterschwellig zu Wort kommt. “Die Verwandlung der Menschen während der Parade rührt von Unzufriedenheit, Begehren und Fantasie. Um das andere zu werden, ist die Travestie ein erster Schritt. Kleide dich wie sie, kleide dich wie er. Dann tanze.” (wh)
Der Film Blak Mama hat am 6. März im Kino OchoMedio in Quito und Tumbaco Premiere.








