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026 Götz Bury - Illusions
25. Juni 2008, 17:18:19 unter Deutsch, Podcast, Portrait, VideoKunst kann Medienkritik sein und Medienkritik kann Spaß machen, das jedenfalls lehrt die Kunst des Traumfabrikanten Götz Bury. In seiner Traumfabrik produziert der Künstler Prototypisches aus den Bilderlandschaften der Medienwelten nach. Vom Truthahn servierenden Präsidenten im Kampfanzug über die Protagonisten der Achse des Bösen - mit und ohne Kalaschnikow. Vom Urlaub unter Palmen bis zur Dokumentation des Lebens im Neandertal oder sonst wo auf der Welt.
Die Requisiten medialer Wirklichkeitsstereotypie entstehen in der Werkstatt des Künstlers aus Blech, Pappe und Holz und werden von den Besuchern der Traumfabrik unter hohem gestischen und mimischen Eigeneinsatz reinszeniert. Erlebbar werden dadurch die Kompositionen der Wirklichkeitsbilder ebenso wie die Skurrilität der Übertreibung, der sich die einfache Entzifferbarkeit der medial dargebotenen Realität verdankt.
Was Anspruch auf Wirklichkeit oder gar Geschichte haben will muss mediengerecht ins Bild gerückt, d. h. grotesk überzogen werden. So wie uns Radiomoderatoren durch Anstieg der Stimme, beschleunigtes Sprechtempo und übermäßige Klangmelodie professionell simulieren, dass die Laune gut ist, wird Freude über den Bildschirm erst dann leicht fassbar, wenn in einem Ausmaß gesichtsverzerrend gelächelt wird, das bereits schmerzt.
Wer in der Traumfabrik zu Besuch war erhält vom Künstler ein Foto seiner Selbstinszenierung mit auf den Heimweg und ein Stück Gewissheit, dass Realität ein surrealer Traum ist und wer sich da Illusionen macht, naiv. (wh)
Zu sehen sind Arbeiten des Künstlers in der Werkstadt Graz.
025 Fuckhead - Dieses schöne Lied
18. Juni 2008, 16:14:11 unter Deutsch, Festival, Podcast, VideoDieses schöne Lied verstört, zumindest seit die Gruppe Fuckhead dessen fortschreitende Dekonstruktion mit großen Gesten zelebriert. Gefesselt schon in jungen Jahren vom Adrenalinkick in der Moshpit, waren die Musiker und Performer Aigner, Bruckmayr, Strohmann, Kern, Jöchtl und Pittermann ursprünglich als Noise-Rockband angetreten. Mit ihrer Musik und den zusehends in die Auftritte integrierten, Tableaux Vivants artigen Schlussbildern grenzte sich Fuckhead von den Authentizitäts-Attitüden der Nieten-Punk Generation Ende der achtziger Jahre ab. Der ironische Umgang mit Authentizitätsbildern in ihren politischen aber auch die Männlichkeit betreffenden Färbungen ist ihnen bis heute geblieben.
Ironie muss verstanden werden, um als solche wahrgenommen zu werden. Das hat nicht immer funktioniert. Zu Beginn ihrer Karriere stand Fuckhead bald als Projektionsfläche vieler in vielfach bösem Ruf. Den Linken war Fuckhead zu rechts, den Rechten zu schwul, dem Underground fehlte es an politischer Programmatik und für die Kunstwelt war Fuckhead zu unanpassbar, um sie in Kunsttheoriezirkel und -geschäft zu integrieren.
Musik und Performanceanteil halten sich bei Fuckhead die Waage. Legen die einen mehr Gewicht aufs Musikalische, finden sich die anderen vor allem im Visuellen wieder. Im Mittelpunkt der visuellen Szenerie stand lange Zeit die Erprobung des eigenen Körpers. Mit Bruckmayrs durch die Brust gezogene Stahlseilhängung war für die Band eine Grenze erreicht, die weitere Ausrichtung ihrer Performance stand in Frage. “Wir haben uns in letzter Zeit wieder etwas bunter aufgestellt”, kommentieren die Mitglieder von Fuckhead die Neupositionierung. Das Publikum hat diesen Wechsel angenommen, die Vibes sind positiv und die Adrenalindusche Fuckhead lebt. Insbesondere wenn, wie am Donaufestival in Krems, der kalifornische Body-Art Performer Ron Athey die falschen Perlen anal veräußert, mit denen die europäischen Eroberer die Ureinwohner Amerikas in bereichernder Absicht für sich eingenommen hatten. (wh)
Die Aufnahmen zur Episode entstanden am Donaufestival Krems.
021 Mankind at the Donau Festival
21. Mai 2008, 13:40:21 unter Englisch, Festival, Interview, Podcast, VideoIm Fall von Mankind wird die Menschheit von zwei Künstlerinnen gestellt. Wie jede andere Menschheit hat auch diese ihre Vorgeschichte. Der eine Teil von Mankind, D. Kimm, ist eine aus Montréal stammende Dichterin und Musikerin. Bereits vor ihrer Zeit bei Mankind organisierte sie Literaturfestivals und verschrieb sich als Leiterin von “Les Filles électriques” der Aufführung von Poesie in ihren schriftlichen, gesprochenen und elektronischen Formen. Der andere Teil der Menschheit hat Wurzeln in Ottawa, heißt Alexis O`Hara und sammelte als Musikerin elektronischer Klangzunft, Onomatopoetin und Poetry Slammerin bereits Erfahrung in der Verdichtung menschlicher Belange.
Mankind performt life elektronisches Klanggut mit eigenen, zu Loops geschleuderten, Stimmlagen, poetischen Konversationen und on the go produzierten Geräuschkulissen zu einem Klangkino von besonderer visueller, akustischer und inhaltlicher Dichte. Ihren eigenen Worten zu Folge ist Mankind “Überschallkino mit visuellem Bonus”. Das Publikum erlebt filmische Qualität ohne Rewind-Knopf. Der improvisatorische Charakter ihrer Performances führt ständig Neues vor Augen und durchbricht die gläserne vierte Wand, die im herkömmlichen Theater die Kunst vom Zuschauerraum trennt.
Mankind, der Name des Duos, ist inhaltlich-programmatischer Natur. Das menschliche Sein zieht sich als roter Faden durch ihre stets themenbezogenen Inszenierungen. Gelebte und gewünschte Alltäglichkeiten werden entworfen. Was dem Profanen zu Grunde liegt - verheimlicht oder geheiligt – kommt in den Blick. Mankind durchleuchten die Wunschmaschine Leben. Was sie uns vorfertigt an Schönem und Schwierigem wird audioszenisch gesichtet, improvisatorisch erweitert, gebrochen, mitunter auch zerstört. “We seek out Beauty as well as Trouble. We transcend the Palpable and the Impalpable. Our Weakness is our Strength.” heißt es im künstlerischen Manifest, ” We are Mankind.”. (wh)
Die Aufnahmen zur Episode entstanden am Donaufestival Krems.
018 Marten Spangberg - Slow Fall
30. April 2008, 10:51:38 unter Englisch, Kunstwerk, Podcast, VideoSucht man nach einer Bezeichnungen für die Profession Marten Spangbergs, stößt man auf viele Begriffe. Er ist Performer, hat als Tanzkritiker begonnen, schreibt theoretische Arbeiten, ist als Tanzdramaturg, Kurator und Choreograf tätig und gilt als Inszenierer in durchaus positivem Sinne. Mit dem schwedischen Architekten Tor Lindstrand kooperiert Spangberg seit 2004 unter dem Namen International Festival. Ihre gemeinsame Arbeit gilt der Wahrnehmung von Körper- und Raumbegriffen und stößt international auf Interesse. Heuer und im letzten Jahr waren sie unter anderem in der European Kunsthalle in Köln, auf der PERFORMA 07 in New York, bei der VOLTA New York und beim Steirischen Herbst 07 eingeladen. Für das Festival in Graz entwerfen sie “The Theater”, ein Ort für Geschichten, Charaktere und Illusionen, eine Performance und eine in Container verfrachtbare, räumlich flexible Theaterarchitektur.
Neben seiner Kooperation mit Tor Lindstrand arbeitet Marten Spangberg auch als Solokünstler. Er experimentiert in Performances mit sich selbst und anderen. Die Werkzeuge seiner Arbeit sind der Körper in Bezug zur Welt und die Art und Weise wie sich der Körper zum Raum verhält. Es geht ihm um die Verhältnismäßigkeiten, die wir verkörpern: unser Selbst, unsere Wirklichkeiten, unser Soziales, unser Wollen …
Das Interview mit dem Künstler haben wir im Rahmen der Veranstaltungsreihe “NICHTS ist aufregend. NICHTS ist sexy. NICHTS ist nicht peinlich.” im Museum Moderner Kunst und dem Tanzquartier Wien geführt. Seine hier gezeigte Performance “Slow Fall” ist eine Skizze, ein künstlerischer Entwurf einer Arbeit, die im November 2008 Premiere haben wird. Im Kontext dieser Performance geht es Spangberg darum, die Verhältnismäßigkeiten, die wir verkörpern, aufzuweichen, und eine Möglichkeit für ein neues Verständnis unserer Selbst zu schaffen.
Spangberg nimmt sich vor allem der Behauptung “NICHTS ist nicht peinlich” an und sucht nach einem Begriff des Peinlichen, der seinem künstlerischen Schwerpunkt der Arbeit an der Verhältnismäßigkeit von Körper zu Raum und Körper zu Welt entspricht. Die Peinlichkeit als eine Deplatziertheit, als ein Verlegen-Machen, als eine Levitation, die unsere Verkörperungen von Verhältnismäßigkeit frei schwebend macht um Möglichkeit zu bieten, selbstbestimmt zu erfassen, wie es sich mit uns verhält. Zur choreografischen Umsetzung dieses Programms greift Spangberg auf Elemente östlich-spiritueller Entkörperungstechniken zurück und verweigert seinen Zusehern die Schau einer Performance, für die sie bereits Worte bereit hätten. Sein Durchbrechen von Verhältnismäßigkeiten, die wir gewohnter Weise verkörpern, erwirkt eine Deplatzierung, die das Publikum während der Performance ob der Nacktheit des noch nicht in Worte – in neue Verhältnisse - Gekleideten im besten Sinne als ein ‘Uns verlegen machen’ erfährt. Es fehlen dem Publikum die Worte, es ist unverhältnismäßig, damit ist aber auch ein bisschen Raum geschaffen, selbst Maß seiner Verhältnisse zu werden und die erfahrene Verlegenheit zu nutzen, eigene Worte zu finden und Position zu beziehen. (wh)
012 Mara Mattuschka - Du meines Herzens Vibrator
19. März 2008, 15:19:20 unter Deutsch, Podcast, Portrait, VideoSie produziert jährlich Filme. Sie steht vor der Kamera. Sie führt Regie, in den letzten Jahren zusammen mit dem Choreografen Chris Haring. Dass sie Chris Haring getroffen hat, ist ein Segen, erzählt Mara Mattuschka. Er ist großzügig. Er hat ein offenes, Menschen und ihre Sichtweisen integrierendes Arbeitssystem. Haring inszeniert in nackten Räumen. Sie macht daraus einen Film, der in Setting und Dramaturgie den Filmgesetzen entspricht. Ihren Umgang mit Perspektive als Malerin erstreckt sie ins Filmische. Blicke nah am Körper, von unten, von oben. Blicke, die perspektivisch verzerren. In digitaler Nachbearbeitung entwirft sie Orte, Architekturen und Räumlichkeit. “Legal Errorist”, “Part Time Heroes” und “Running Sushi” heißen die Filme ihrer Zusammenarbeit. Ein vierter folgt.
Frühere filmische Arbeiten nennt sie psychologische Dramolette. Ihre Inhalte bewegen sich an der Grenze zwischen Tragik und Komik. Sie tritt als Performance-Künstlerin auf. Sie ist Madame Ping Pong, sie ist Mimi Minus, Mahatma Gobi und Ramses die II. Identität ist irgendwie lax, im Spielen, in der Selbstdarstellung wird das klarer. Man entwickelt im Spielen eine gewisse Lockerheit zu sich selbst und zu den Problemen im Alltag. Das sei das, was Otto Mühl im Prinzip wohl angestrebt habe.
Mara Mattuschka macht Filme, spielt, singt, malt. Bulgaren, sagt sie, Bulgaren haben einen Hang dazu alles zu können. Mara Mattuschka stammt aus Bulgarien. Malerei und Animationsfilm hat sie bei Maria Lassnig gelernt. Ihre künstlerischen Ausdrucksformen sind vielfältig. Ihr Werk lebt von Fülle, ihre Charaktere sind meist nackt, psychologisch offenherzig. Wahrheit hat viele Seiten. Sie bezeichnet sich als post-postmodern – sie spielt und es geht ihr zugleich um Wahrheit.
Das 20. Jahrhundert, der Zwang zum Experiment und Brechen von Regeln ist für sie vorbei. Es gebe eine neue Renaissance, eine Rückwendung zum Menschen, die eigentlich schon mit der Diskussion um die Geschlechterrollen begonnen habe. Diese neue Renaissance sei wunderbar, das Wort Kreativität hasst sie. So vielseitig sie arbeitet, so viel Energie hat sie. Erholung zwischen ihren Arbeiten gibt’s im Cafe. Das ist wienerisch, dort atmet sie durch vom Kasachok des Lebens. (wh)
007 Mission Re.Sonance - ein Kunstfestival im Zeichen der Vernetzung
13. Februar 2008, 13:59:54 unter Deutsch, Festival, Podcast, VideoAlle zwei Jahre ziehen Künstler, IT-Techniker und Wissenschaftler von sonance.artistic.network im Rahmen des Re.Sonance Festivals Spuren ihrer Vernetzung im realen Raum. CastYourArt hat Festivalorte und Veranstaltungen besucht und Eindrücke der Resonanz des Netzwerks eingefangen.
Das sonance.artistic.network verbindet derzeit rund dreihundert Mitglieder aus Bulgarien, Deutschland, Ecuador, Estland, Finnland, Kenia, Österreich und der Türkei. Gemeinsam verwirklichen sie künstlerische Projekte und regen Kooperationen an. Der 2006 von Simon Häfele, Ruth Haselmair und Michael Lampert gegründete Trägerverein stellt Infrastruktur in Form digitaler Dienstleistungen, experimenteller Ressourcen und Entwicklungsmöglichkeiten für Hacker, Aktivisten und Künstler zur Verfügung.
Zur Festivalzeit, werden Ateliers, Studios und Galerien der Netzwerkmitglieder zu Orten der Präsentation und Diskussion, Netzwerkpartner besucht und Mitglieder eingeladen. Der Festivalname Re.Sonance ist Programm. Widerhall, Anklang, Verständigung und Wirkung sowohl unter den Netzwerkmitgliedern als auch nach außen hin sind Ziele des neun Tage dauernden Zusammentreffens im Zeichen des Experiments, der Auseinandersetzung und der gemeinsamen visuellen und auditiven Produktion.
Das Sonance Netzwerk ist offen für kreative, innovative und experimentell interessierte Personen und Institutionen. Aktuell kommen die Mitglieder überwiegend aus den Bereichen Musik, darstellende und bildende Kunst, Medienforschung und –theorie sowie Internet- und Informationstechnologie. (wh)







