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Fuckhead - Dieses schöne Lied
18. Juni 2008, 16:14:11 unter Deutsch, Festival, Podcast, VideoDieses schöne Lied verstört, zumindest seit die Gruppe Fuckhead dessen fortschreitende Dekonstruktion mit großen Gesten zelebriert. Gefesselt schon in jungen Jahren vom Adrenalinkick in der Moshpit, waren die Musiker und Performer Aigner, Bruckmayr, Strohmann, Kern, Jöchtl und Pittermann ursprünglich als Noise-Rockband angetreten. Mit ihrer Musik und den zusehends in die Auftritte integrierten, Tableaux Vivants artigen Schlussbildern grenzte sich Fuckhead von den Authentizitäts-Attitüden der Nieten-Punk Generation Ende der achtziger Jahre ab. Der ironische Umgang mit Authentizitätsbildern in ihren politischen aber auch die Männlichkeit betreffenden Färbungen ist ihnen bis heute geblieben.
Ironie muss verstanden werden, um als solche wahrgenommen zu werden. Das hat nicht immer funktioniert. Zu Beginn ihrer Karriere stand Fuckhead bald als Projektionsfläche vieler in vielfach bösem Ruf. Den Linken war Fuckhead zu rechts, den Rechten zu schwul, dem Underground fehlte es an politischer Programmatik und für die Kunstwelt war Fuckhead zu unanpassbar, um sie in Kunsttheoriezirkel und -geschäft zu integrieren.
Musik und Performanceanteil halten sich bei Fuckhead die Waage. Legen die einen mehr Gewicht aufs Musikalische, finden sich die anderen vor allem im Visuellen wieder. Im Mittelpunkt der visuellen Szenerie stand lange Zeit die Erprobung des eigenen Körpers. Mit Bruckmayrs durch die Brust gezogene Stahlseilhängung war für die Band eine Grenze erreicht, die weitere Ausrichtung ihrer Performance stand in Frage. “Wir haben uns in letzter Zeit wieder etwas bunter aufgestellt”, kommentieren die Mitglieder von Fuckhead die Neupositionierung. Das Publikum hat diesen Wechsel angenommen, die Vibes sind positiv und die Adrenalindusche Fuckhead lebt. Insbesondere wenn, wie am Donaufestival in Krems, der kalifornische Body-Art Performer Ron Athey die falschen Perlen anal veräußert, mit denen die europäischen Eroberer die Ureinwohner Amerikas in bereichernder Absicht für sich eingenommen hatten. (wh)
Die Aufnahmen zur Episode entstanden am Donaufestival Krems.
Rita Nowak - Tableaux vivants
28. Mai 2008, 15:20:14 unter Deutsch, Kunstwerk, Podcast, VideoDie Inszenierung von Bildern durch lebende Personen hat Tradition. Man fand sie bereits in den Triumph- und Prozessionszügen der Antike und sie kehren wieder in katholischen Prozessionen sowie Festumzügen der Renaissance und des Barock. Ein weiteres Mal tritt die Kunst der zur Bewegungslosigkeit erstarrten Szenerie Ende des 18. Jahrhunderts aufs Parkett. Ausgehend von Frankreich und fortan Tableaux Vivants genannt, finden die Verkörperungen historischer Gemälde und Skulpturen Eingang in die Unterhaltungskultur bürgerlicher Salons und in das Darstellungsrepertoir der Theater- und Revuewelt des 19. Jahrhunderts.
Mit ihren fotografisch festgehaltenen Szenerien steht die in Wien und London lebende Künstlerin Rita Nowak in der Tradition der Verkörperung lebendiger Bilder. Ausgehend von historischen Gemäldevorlagen werden mithilfe befreundeter Künstlerinnen und Künstler lebendige Bilder komponiert, die ihren Vorbildern eine zeitgemäße Sprache verleihen. Nicht um Nachbildung geht es dabei, erforscht werden die Möglichkeiten der Übertragung. So entstehen Bilder der Vergegenwärtigung des Vergangenen im Jetzt und des Aktuellen in der Bildsprache vergangener Jahrhunderte.
Begonnen hat Rita Nowak ihre künstlerischen Arbeiten mit Portraits von Statuen und Selbstportraits. Die Fähigkeit der Portraitierung, der Bildnisschaffung des Menschen, findet sich in ihren Tableaux Vivants Arbeiten wieder. Die Posen des Körpers und der Raum der Szenerie ihrer Tableaux sind deshalb nicht nur Interpretationen der klassischen Vorlagen. Es handelt sich zugleich um Persönlichkeitsbilder, in denen der Raum, das Licht, die Gegenstände mit der verkörpernden Person verfließen und Selbstvergegenwärtigung nicht nur in historischem, sondern auch individuell-persönlichem Sinn stattfindet. (wh)









