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Noah Fischer – Am Stand der Technik
5. November 2008, 08:43:20 unter Englisch, New York, Podcast, Portraits, USA, VideoWer sich unseren Podcast ansieht, auf dem Laptop, einem iPod oder dem Handy, blickt in einen Monitor. Menschen verbringen Stunden, um sich Inhalte am Bildschirm anzusehen. Der Blick fällt nur selten auf den Monitor selbst, die Anwesenheit dieses physikalischen Objekts ist selbstverständlich. Dass die greifbaren Objekte, durch die wir mit der Informationswelt verbunden bleiben, austauschbar sind, ist essentieller Bestandteil unserer mobilen Welt. Wir schaffen sie an. Sie sind Spielzeuge, die uns kurzfristig begeistern um anschließend in den toten Blickwinkeln unserer Aufmerksamkeit zu verstauben.
Noah Fischers lenkt Aufmerksamkeit auf die verwaisten Objekte des Informationszeitalters, jener Ära, die erst vor dreißig Jahren begann. Aufmerksam wurde der Künstler auf die ausgedienten Computerbildschirme durch die häufiger werdenden Elektronikmüllberge in den Straßen New Yorks. Was gestern noch state of the art des Möglichen und für viele Grund genug war, sich vor Geschäften in Warteschlangen zu reihen, ist schon heute wertloser Elektronikschrott – die Halbwärtszeit der Wertschätzung sinkt beständig.
Mit seiner Arbeit “Monitor” führt Noah Fischer die in immer hektischeren Erneuerungszyklen produzierten Warenauswürfe unserer Hi-Tech Gesellschaft auf Lo-Tech Wurzeln zurück. Bildschirme werden zu Relikten, Möbelstücken, Lampen umfunktioniert. Zu Stücken, die unsere Sinne erfreuen und uns einladen, ihre zu aktiven Zeiten unbeachtet gebliebene Form, Materialität und Farbe zu begreifen. Neben ihren superschlanken Nachfolgern erscheinen die dicklichen alten Stücke als Zeugen einer längst vergangenen Zeit. Einige von ihnen – man kann es kaum glauben – tragen die Namen ihrer stolzen Designer ins Plastik eingraviert.
In einer Phase, in der Videoproduktionen den Puls der Zeit junger künstlerischer Medienproduktion darstellen, stellt Noah Fischer mit seinen Arbeiten die Monitorkunst buchstäblich auf den Kopf und bringt eine ausgesprochen moderne Duchamp-hafte Geste ein –die Unterschrift auf den ausgewählten Massenobjekten stammt von ihm. (jn/wh)
Markus Wilfling – A Sculpture Is Something That Is Here
30. Juli 2008, 17:16:25 unter Englisch, Graz, Podcast, Portraits, Video, ÖsterreichFlaches ins Räumliche rücken. Dreidimensionalität entwerfen, die unter unserem Blick verflacht. Die Übertragung von Räumlichem ins Bildliche und umgekehrt eröffnet Möglichkeiten des Skulpturalen, die den Künstler Markus Wilfling faszinieren.
Für ihn sind es die tagtäglichen Dinge und der Blick mit seinen Gewohnheiten, die ihn künstlerisch herausfordern. Mit seinen Arbeiten gib er einer auf Normalisierung abzielenden Wahrnehmung Aufregendes gerade da zur Hand, wo wir uns routinehaft nichts erwarten: In Handlungsabläufen, wie dem allmorgendlichen Blick in den Spiegel. Auf Wegen, die wir tagtäglich gehen. Im Umgang mit Objekten unseres täglichen Gebrauchs.
Markus Wilfling lebt in Graz, Österreichs zweitgrößter Stadt. 2003 hat er den Grazer Uhrturm, das Wahrzeichen der Stadt, mit einem Schatten seiner selbst – gebaut im Verhältnis 1:1 – dupliziert. Die Stadt wurde plötzlich comic-haft, wie eine riesige Fassade vor einer noch größeren gemalten Wand stehend, denn Schattenwurf, sagt uns die Wahrnehmung, wird erst sichtbar, wenn er auf eine greifbare Oberfläche trifft.
Eine Vielzahl Projekte sind auf dieses Kulturhauptstadt Projekt gefolgt: Spiegelräume, die sich unter unserer Wahrnehmung zu Flächen verbiegen, Raumspiegelungen, die sich bei genauer Betrachtung nicht als Spiegelungen, sondern als exakte Nachbauten erweisen, Badewannen, Sitzreihen, Tische und Parkbänke, die allmählich in einem Boden versinken, von dem wir wissen, das er dafür nicht weich genug ist, auch wenn uns unsere Wahrnehmung das Gegenteil nahe legt.
Die Irritation der Täuschung bereitet Freude, mehr noch, sie fasziniert. Aber das ist ein Nebeneffekt, betont der Künstler, wie es ihm mit seiner Kunst auch nicht um die Schattenseiten des Lebens oder andere psychologische Deutbarkeiten geht. Wohl aber betont er die politische Seite seiner Interventionen. Im öffentlichen Raum stoßen seine Skulpturen ans Gängige und reiben am Gewohnten – beides aber ist von Konsum und Macht, von Mehrheitsmeinung und Fraglosigkeit durchsetzt. (wh)








