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CastYourArt Video- und Audiobeiträge


Die Sammlung Fotografis - Eine Geschichte der Fotografie.

17. September 2008, 17:45:24 unter Ausstellungen, Bank Austria Kunstforum, Deutsch, Podcast, Video, Wien, Österreich

Wie findet Kunst Eingang in ein Medium, das noch Mitte des vorigen Jahrhunderts vielen als Ablichtung der Wirklichkeit ohne künstlerischen Wert galt?
Der Schriftsteller und Maler Friedrich Dürrenmatt weist einen Weg: Auch die Wirklichkeit müsse geformt werden, will man sie zum Sprechen bringen. Indem sich die Kunst des Beobachtens des Werkzeugs Fotografie bediene, werde, was sonst bloß Ablichtung sei, zu einem dichterischen Vorgang, zu einem Fischzug ins Menschliche, dessen Beute zeitig und zeitlos zugleich sei.

Die Ausstellung “FOTOGRAFIS – collection reloaded” im Bank Austria Kunstforum bietet solchen fotografischen Formungen der Wirklichkeit und ihren Spuren der Zeitlichkeit Raum. Arbeiten aus der hauseigenen Sammlung FOTOGRAFIS zeigen Entwicklungslinien des fotografischen Blicks. Die Erweiterung um Leihgaben ermöglicht Gegenüberstellungen mit fotografischen Positionen unserer Zeit – vom Piktorialismus des Fotografen Alfred Stieglitz zu Andreas Gursky, Axel Hütte oder Elgar Esser, von der Neuen Sachlichkeit eines Albert Renger-Patzsch, Edward Weston oder Paul Strand zu den jüngsten Arbeiten von James Welling, Günther Förg oder Candida Höfer.


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Mit der 1975 gegründeten Sammlung FOTOGRAFIS setzte die Bank Austria, vormals Österreichische Länderbank, einen für damalige Zeiten bemerkenswert weitsichtigen Schritt. Bemerkenswert einerseits, da in Österreich zu dieser Zeit Fotokunst als Sammelobjekt nur einen geringen Stellenwert hatte. Bemerkenswert auch, weil der damalige Weitblick uns heute eine Sammlung mit herausragenden Arbeiten aus der Geschichte der Fotografie beschert, die aktuell selbst mit hohem finanziellen Aufwand nicht mehr zusammenzutragen wären.

Die Auswahl der angekauften Arbeiten folgte dem Ziel, die Geschichte der künstlerischen Fotografie anschaulich zu machen, ihrer Erforschung Mittel zur Hand zu geben und den künstlerischen Nachwuchs zu fördern. Der Aufbau der Sammlung FOTOGRAFIS wurde von Anna Auer und Werner Mraz konzipiert und begleitet. Beide hatten einige Jahre zuvor mit “Die Brücke” die erste ausschließlich auf Fotografie spezialisierte Galerie Europas gegründet. Während der Zeit ihrer Tätigkeit für die Sammlung wurden knapp dreihundert Werke angekauft. Die frühesten Arbeiten der Sammlung datieren aus den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts, neben internationalen Positionen umfasst die Sammlung auch Arbeiten österreichischer Künstler.

CastYourArt hat Lisa Kreil und Florian Steininger – beide sind für Konzeption und Organisation der Ausstellung maßgeblich verantwortlich – um Einblick in Sammlung und Ausstellungskonzept gebeten. Wie es um die Fotografie als einem Fischzug ins Menschliche und dessen Ausbeute an Zeitig- und Zeitlosigkeit bestellt ist, kann noch bis zum 29. Oktober 2008 im Bank Austria Kunstforum an der Freyung erkundet werden. Im Anschluss wandert die Sammlung nach Prag bevor sie als Dauerleihgabe dem Museum der Moderne in Salzburg übergeben wird. (wh)



Bernhard Buhmann - Charaktere, Rollen, Räume

9. Juli 2008, 09:39:48 unter Deutsch, Podcast, Portraits, Video, Wien, Österreich

2007 gewinnt er den Kölner Art Award, ein Jahr darauf ist er Preisträger der Strabag Kunstsammlung in Wien. Bernhard Buhmann, 1979 in Vorarlberg geboren, ist jung und talentiert. Seine Arbeiten entstehen im Atelier, noch studiert er bei Johanna Kandl an der Universität für angewandte Kunst.

Künstlerisch gesehen befindet sich der Maler zur Zeit in einer Zwischenphase. Werde der eigenen Malerei Anerkennung entgegengebracht, verleite das, stehen zu bleiben, zu reproduzieren, was Erfolg verspricht. Die finanzielle Sicherheit entlaste, trotzdem habe er sich entschieden, seine vorige Phase zu beenden. Im Moment richtet er sich neu aus. Das ist eine unsichere Zeit. Nicht nur, dass das Können auf die Probe gestellt wird, und Bilder plötzlich den Erwartungen anderer nicht mehr von vornherein entsprechen. Es liegt auch an der Suche selbst, als die sich seine künstlerische Arbeit herausstellt. Sie ist nicht mit der Suche nach Antworten auf klare Fragen vergleichbar, vielmehr sei es eine Bewegung ins Vage, erst nach und nach zeichnen sich Motive und Interessenslinien ab.


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Was ändert sich? Zunächst waren Portraitarbeiten bestimmend. Der Maler zeigt Personen, die gegenüber dem Betrachter verhalten wirken, für sich sind, manchmal vertieft ins Spiel mit Rubiks Würfel, manchmal in Blicken verhalten, die Beziehungsräume andeuten. Das räumliche Element ist sozial. Verhältnisse interessieren, das kommt schon aus der Zeit vor der Malerei, Bernhard Buhmann hat Soziologie studiert.

In den neuen Arbeiten wird das räumliche Element erweitert, die Figuren treten als Individuen zurück. Sie entsprechen nun eher Idealtypen, sind formalisierter, die Gesichtszüge werden zurückgenommen, sie tragen Rollen, Idealtypen, Situationen zur Schau. Raum ist in den neuen Arbeiten nicht nur Beziehungsraum. Der Maler platziert seine Figuren in ein surrealistisch bühnenartiges Set, aus Räumen, Hinterräumen, temporär platzierten Stellwänden. Die Räume haben keine Vorlage im Gewohnten, die Dramaturgie, die Gestalten, sagt er, entstehen nicht nach Vorbildern, sondern entwickeln sich auf der Leinwand. Einflüsse beziehe er von überall, aus dem alltäglichen Leben ebenso wie aus Renaissance und Barock. Aber er bilde nicht nach. Es gehe ihm darum, den kreativen Prozess nicht in einem anderen Medium stattfinden zu lassen, erst so entwickeln Bilder eine dem Medium eigene Stärke. (wh)

    

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