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Helmut Grill - Sein oder Schein
14. Oktober 2009, 10:34:08 unter Deutsch, Englisch, Podcast, Portraits, Video, Wien, ÖsterreichAls Künstler reizt Helmut Grill die Komplizenschaft zwischen Bildermacher und Betrachter aus. Ein Portrait.

In unserer Hightech-Zeit ist das Verhältnis zwischen Künstler und Betrachter kompliziert. Die stille Übereinkunft, Misstrauen gegenüber dem Gesehenen und seiner etwaigen Manipulation aufzuschieben, da die künstlerische Intention ohnehin darin bestehe, eine Art Wahrheit aufzudecken, ist einer allgemeinen Lust am Manipulierten gewichen. Weiterlesen »
Gordan Savicic - Lat 54.136696 Lon 13.771362
11. September 2008, 21:43:04 unter Englisch, Podcast, Portraits, Video, Wien, ÖsterreichGordan Savicic, Absolvent im Fach digitale Kunst der Universität für angewande Kunst Wien, Masterabschluss am Piet Zwart Institute in Rotterdam für Media Design Art, Design, Hacking und Leisure. Selbstbezeichnung: unabhängiger Elektronik Fachmann, Entwickler, Vortragender und RealGamer. In seinen Arbeiten setzt sich der Künstler mit auf Informations- und Kommunikationstechnologien basierenden virtuellen Welten und deren Einfluss auf den realen Raum auseinander, spielerisch und anspruchsvoll.
Das Virtuelle zeitigt Konsequenzen nicht nur im Virtuellen. Der Soziologe Manuell Castells beschreibt es in seiner Arbeit über “Das Informationszeitalter” in etwa so: Der Raumbegriff der virtuellen Welt ist einer der Ströme und Vernetzungen von Kapital. An seinen Knoten wirft der virtuelle Raum im Realen rasend Städte auf und verödet ganze Landstriche. In ihm wird Zukunft spekulativ vorverdaut und was nicht mundet kommt nicht an in unserer Gegenwart. In einer solchen Gesellschaft verliert, wer alten Raumvorstellungen verhaftet bleibt, entwickelt sich die Welt als ungreifbarer Zufall, ungerecht und launisch, gesteuert von einem Unsichtbaren, den zu bitten keinen Sinn macht, weil er ungreifbar bleibt, keine E-mail Adresse, kein Adressat.
Wenn Gordan Savicic in seinem Projekt Constraint City eine einengende Stadt durchstreift, visualisiert er eine ungreifbare Macht des Virtuellen im Realen, die sich unmittelbar auf unsere Körper, unsere Wege, unsere Möglichkeiten und Alternativen durchschlägt. Die Durchzogenheit der virtuellen Welt mit Kapital und Kommerz wird in ihren Beschränkungen ersichtlich, ganz nebenbei relativiert der Künstler durch seine Hacktivism Kunst auch die von Spielkonsolen bis zu Second Life vermittelte Mär von der realen Virtualität als eines Spielraums. Der virtuelle Raum ist real, er lebt von Besitz, Vermögensanhäufung, Ausschluss und der subtilen Einschränkung des Möglichen aufs wirtschaftlich Wünschenswerte.

Die Einnahme der virtuellen Welt nicht im Sinne der Anwendung dessen, was an Möglichem vorgegeben ist, sondern indem Bedingungen des Möglichen selbst geschaffen werden, ist ein politisches und technisches Experiment. Verwirklicht wird es vom Künstler mit ganzem körperlichen Einsatz – flesh gordo (wh)
Franziska Maderthaner - geschüttet, ungerührt
13. August 2008, 14:05:36 unter Deutsch, Podcast, Portraits, Video, Wien, ÖsterreichMachen sie sich ein Bild von der Wirklichkeit, von der Realität. Ist Realität immediat, also unmittelbar und unvermittelt? Ist sie im Medium oder ist es das Medium selbst, dem hinsichtlich der Wirklichkeitsmacht der Vorzug zu geben ist? Wirklichkeit, realisiert als ausschließendes Verfahren, als Versuch der Reduktion, hat die wissenschaftliche und künstlerische Auseinandersetzung über Jahrhunderte für sich beansprucht. Im ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert ist dieser Zugang in der stetig steigenden Flut alltäglicher Bilderwelten versunken.
Der Einfluss dieses Umbruchs auf die Arbeiten der Malerin Franziska Maderthaner ist sichtbar. Statt Reduktion herrscht Konstruktion, De- und Rekonstruktion, Bricollage vor. Statt angestrengtem Ausschluss, Überschuss an Bedeutung. Statt Pathos des Einen, Spiel mit Verweisen, konstellieren und komponieren.

Die Arbeiten von Franziska Maderthaner sind hyperreal, sampelnd und konstellierend. Realisieren heißt für die Malerin zusammenfinden, malen, zueinander organisieren von Medien, Stilen, Inhalten und Techniken. Das ist wie im richtigen Leben. Wir Betrachter realisieren was uns an Eindrücken und Bilderwelten zustößt durch Zusammenstellung, durch Konstellation. Solche Zusammenschau ist Arbeit, Thema, Experiment und Angebot der Malerin. Stilvorschriften – Entweder figurative oder abstrakte Malerei! – interessieren sie nicht. Letztlich, umschreibt Franziska Maderthaner ihren Freiraum, ist alles Farbe auf Leinwand.
Und das Ich, das sich ein Bild von der Wirklichkeit macht? Es ist vielfach, eine Reihe von Kunstgeschichten, die, zusammengefügt, Namen tragen: Franziska Maderthaner, Lou Rosenblatt, … (wh)
Leo Peschta - Maschinoid
23. April 2008, 22:05:29 unter Deutsch, Kunstwerke, Podcast, Video, Wien, ÖsterreichIan Fleming, der Erfinder der Romanfigur James Bond, veröffentlicht 1964 ein Buch, das er seinem Sohn Caspar widmet. Die Geschichte handelt vom mittellosen Erfinder Karaktakus Pott. Für seine Zwillinge kauft Karaktakus ein altes Gefährt, das er mit Einfallsreichtum und erfinderischem Geschick in ein wunderbares Ding verwandelt, um damit auf Reisen zu gehen. Das Vehikel der damit beginnenden abenteuerlichen Erfahrung der Familie Pott erhält einen onomatopoetischen, die Gratwanderung des Erfinders zwischen Scheitern und Erfolg widerspiegelnden Namen. Es heißt Chitty Chitty Bang Bang.
Fragt man den jungen Wiener Künstler Leo Peschta nach Anknüpfungspunkten für seine künstlerischen Arbeiten in der Kindheit, dann verweist er auf Karaktakus Pott. Erfindungsreichtum, Faszination für Technik, die funktionsentfremdende Zusammenstellung ursprünglich funktional entworfener Bausteine, die Bereitschaft zu scheitern und die Freude am Unbestimmten verbinden den Künstler mit der Romanfigur Flemings. Die Auseinandersetzung mit Raumwahrnehmung und Raumproduktion, der Entwurf maschineller Schnittstellen zwischen medialen Welten, aber auch die Objekthaftigkeit und besondere Ästhetik von Maschinen und Maschinenteilen bilden künstlerische Anliegen, die seine Arbeiten darüber hinaus verbinden. George Rickey und Theo Jansen, nennt Leo Peschta, geht es um Einflussgrößen aus der Kinetischen Kunst.
Zur Kunst ist Leo Peschta über Umwege gekommen. Zunächst steht eine Karriere als Werbegrafiker im Raum. Mit der Erfahrung monotoner Produktionsbedingungen steigt in ihm die Überzeugung, fortan künstlerisch tätig zu sein. Peschta besucht die Klasse für digitale Kunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien und die Willem de Kooning Academy in Rotterdam. Statt maschinenhaften Funktionierens widmet er sich nun dem Entwurf maschinell anmutender Objekte und er beginnt sich mit Physical Computing auseinanderzusetzen.
Wie Flemings Erfinder greift Leo Peschta für seine Objekte auf industriell gefertigte, funktionale Teile aus der Industrie zurück. In ihrer künstlerischen Zusammenfügung enthebt er diese Gebrauchsobjekte ihres ursprünglichen Funktionszusammenhangs und schafft zugleich Möglichkeitsraum für Erfahrung. Überraschendes, veränderte ästhetische Blicke auf die Dinge des Alltags, spielerische Aufforderung. Seine Arbeiten sind wie Vehikel, die Reise beginnt. (wh)

Noch bis Ende August ist “Der Zermesser” im Lentos, Kunstmuseum Linz zu sehen, anschließend wird er vom 19. - 21. September auf der ArtBots in Dublin zu sehen sein.
4shrooms - Analog Synergy in a Digital World
2. April 2008, 20:03:56 unter Englisch, Podcast, Portraits, Video, Wien, ÖsterreichUnter sich drehenden Kuchentellern mit Sternenmotiven lagern Bildausschnitte vergangener Epochen. Schatten von Händen ordnen Buchstaben über Fotografien und Textilien werfen Falten über 16-Millimeter Filmschleifen, die allmählich in Flammen aufgehen. Umlaufpumpen aus Aquarien treiben bunte Öltropfen auf Wasseroberflächen im Kreis, Instrumentenklänge vermischen sich mit Stimmexperimenten.
Visueller und akustischer Widerhall geworfen an Wände, Fließen, Treppen, Decken und Säulen über Mikrofone, Dia-, Overhead- und ratternde Filmprojektoren. Gelingt die projizierte Zusammenschau, umflutet Vielfalt den Betrachter als ein gemeinsames audiovisuelles Bild, als audiovisuelle Synergie. 4shrooms nennen sich die Akteure so beschriebener audiovisueller Performance. Gemeinsam ist ihnen Erfindungsreichtum, Experiment und analoge Kooperation.

Die Gruppe rund um Doris Steinbichler, Anna Graf, Georg Eisnecker, Jan von Krieg, Andi Punz, Amadeus Kronheim, Ruth Haselmair und Asia Sumyk umhüllen den Zuseher nicht nur mit ungewöhnlichen Projektionen, sondern sie geben immer auch das Geheimnis ihres Entstehens preis. Ihre Visuals sind performativ. Produziert wird vor Ort, oftmals mitten im Raum, im Bild werden Hände und Gerätschaften sichtbar. Man kann hingehen und zusehen, und wenn das Gemeinsame überwiegt auch teilnehmen. Mit der Zahl der visualisierenden Akteure in der Gruppe steigt die Vielschichtigkeit der Projektionsarbeit, aber das gilt nicht nur in Hinblick auf das visuelle Ergebnis, sondern auch in Hinblick auf die soziale Dimension künstlerischer Zusammenarbeit. (wh)








