In der aktuelle Ausstellung PHANTOMAK präsentiert CastYourArt in Kooperation mit der TU Wien und der Galerie Heike Curtze die neue Skulpturenreihe des Künstlers Tomak. Darüber hinaus gibt es in der Ausstellung auch den neuen Werkkatalog des Künstlers zu sehen. Die Ausstellung hat vom 4.-14. Februar 2012 Mo-Sa von 11.00 - 17.00 Uhr geöffnet. Ort ist die TU Wien, Kuppelsaal (4. Stock), Karlsplatz 13, 1040 Wien. Wir haben für Sie vorab einen Filmbeitrag zum Projekt PHANTOMAK veröffentlicht.
Miguel Alvear - Tableaux popular
25. Februar 2009, 10:16:51 unter Ecuador, Englisch, Podcast, Portraits, Quito, Spanisch, VideoIn seinen Arbeiten greift der ecuadorianische Künstler Miguel Alvear Motive auf, die südamerikanischen Populärkulturwelten entspringen. Die Ikonen des populären mischt er mit historischen und mythologischen, auch mit kunsthistorischen Vorbildern. Manchmal führt er den Bilderschatz unterschiedlicher sozialer Milieus zusammen und vermengt, was sich im wirklichen Leben aus Gründen des guten Geschmacks um Distanz bemüht. Solche Kunst, die die Berührungsängste Voreingenommener missachtet, schafft Reibung. In seiner vom City Museum of Quito in Auftrag gegebenen Arbeit “Popular Mechanics” hat Miguel Alvear eine übersteigerte Wiederherstellung weiblichen Tecnocumbia-Stardoms in der Bildsprache der Busfahrer des örtlichen öffentlichen Verkehrs in Angriff genommen. Wo Reibung herrscht, herrscht auch Reibungsverlust. Die Annahme der Arbeit als einem Aushängeschild ecuadorianischer Kultur wurde vom Museum verweigert – Bild ist, was sich im Rahmen hält.

Miguel Alvear kommt aus dem Film- und Videogenre. Studiert hat er am Institut des Arts de Diffusion in Belgien und anschließend am San Francisco Art Institute in Kalifornien. In seinen Fotografien ist sein filmischer Background spürbar. Sie sind zum Stehen gekommene Bilder. Tableaux vivants, die das Sakrale ihrer Vorbilder mit Groteskem, das Fließende mit Statischem, Wahrzeichen mit Trash und – wie in den Tecnocumbia Songs – religiös verbrämtes, gesprochenes Wort mit einer visuellen Überdosis Sex mischen.
In seinem jüngsten Film Blak Mama folgt Miguel Alvear der hybriden Bildsprache religiös-heidnischer Festivals ausgehend vom alljährlich in Latacunga stattfindenden Fest zu Ehren von “Mama Negra”. Die Parade anlässlich der Feier referenziert nicht nur auf die Rettung der Stadt durch die Heilige. In ihrer Bildsprache gelangt auch die Unterdrückung der einheimischen Bevölkerung durch die spanischen Kolonialherren zum Ausdruck, eine nicht zur Gänze gelungene Christianisierung und die Vermischung dieses Glaubensgemisches mit religiösen Vorstellungen der aus Afrika verschleppten Sklaven, bolivianischen sowie guatemaltekischen Gastarbeitern und den Notwendigkeiten ausgelassenen Feierns.
In seinem Film geht der Künstler nicht dokumentierend vor. Er nutzt die Vorlage des Festivals, seine Figuren, ihre visuelle symbolische Kraft, und setzt sie in Handlungszusammenhänge, die eine Tiefenschicht des kollektiv Unbewussten oder Verdrängten zum Sprechen bringen, das in der Bildsprache der Parade zwar mitgeführt wird, aber nur unterschwellig zu Wort kommt. “Die Verwandlung der Menschen während der Parade rührt von Unzufriedenheit, Begehren und Fantasie. Um das andere zu werden, ist die Travestie ein erster Schritt. Kleide dich wie sie, kleide dich wie er. Dann tanze.” (wh)
Der Film Blak Mama hat am 6. März im Kino OchoMedio in Quito und Tumbaco Premiere.
Fuckhead - Dieses schöne Lied
18. Juni 2008, 16:14:11 unter Deutsch, Donau Festival Krems, Festivals, Krems, Podcast, Video, ÖsterreichDieses schöne Lied verstört, zumindest seit die Gruppe Fuckhead dessen fortschreitende Dekonstruktion mit großen Gesten zelebriert. Gefesselt schon in jungen Jahren vom Adrenalinkick in der Moshpit, waren die Musiker und Performer Aigner, Bruckmayr, Strohmann, Kern, Jöchtl und Pittermann ursprünglich als Noise-Rockband angetreten. Mit ihrer Musik und den zusehends in die Auftritte integrierten, Tableaux Vivants artigen Schlussbildern grenzte sich Fuckhead von den Authentizitäts-Attitüden der Nieten-Punk Generation Ende der achtziger Jahre ab. Der ironische Umgang mit Authentizitätsbildern in ihren politischen aber auch die Männlichkeit betreffenden Färbungen ist ihnen bis heute geblieben.
Ironie muss verstanden werden, um als solche wahrgenommen zu werden. Das hat nicht immer funktioniert. Zu Beginn ihrer Karriere stand Fuckhead bald als Projektionsfläche vieler in vielfach bösem Ruf. Den Linken war Fuckhead zu rechts, den Rechten zu schwul, dem Underground fehlte es an politischer Programmatik und für die Kunstwelt war Fuckhead zu unanpassbar, um sie in Kunsttheoriezirkel und -geschäft zu integrieren.

Musik und Performanceanteil halten sich bei Fuckhead die Waage. Legen die einen mehr Gewicht aufs Musikalische, finden sich die anderen vor allem im Visuellen wieder. Im Mittelpunkt der visuellen Szenerie stand lange Zeit die Erprobung des eigenen Körpers. Mit Bruckmayrs durch die Brust gezogene Stahlseilhängung war für die Band eine Grenze erreicht, die weitere Ausrichtung ihrer Performance stand in Frage. “Wir haben uns in letzter Zeit wieder etwas bunter aufgestellt”, kommentieren die Mitglieder von Fuckhead die Neupositionierung. Das Publikum hat diesen Wechsel angenommen, die Vibes sind positiv und die Adrenalindusche Fuckhead lebt. Insbesondere wenn, wie am Donaufestival in Krems, der kalifornische Body-Art Performer Ron Athey die falschen Perlen anal veräußert, mit denen die europäischen Eroberer die Ureinwohner Amerikas in bereichernder Absicht für sich eingenommen hatten. (wh)
Die Aufnahmen zur Episode entstanden am Donaufestival Krems.




