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Esra Ersen - Kurzinterview anlässlich der tanzimat Ausstellung
5. Februar 2010, 21:01:10 unter Augarten Contemporary, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Kunsträume, Kunstwerke, Podcast, Video, Wien, Österreich
In ihrer Kunst interessiert sich Esra Ersen für Formen der Identität und ihrer Veränderung unter dem Einfluss unterschiedlicher politischer Machtstrukturen. Ihre Arbeit “Karussell”, die sie in der Ausstellung tanzimat im Augarten Contemporary (21.1.-16.5.2010) zeigt hat sie mit Studierenden der Hochschule Köln produziert. Diese wurden von der Künstlerin aufgefordert Modelle türkischer Köpfe aus Ton zu formen.
tanzimat - Gegenwart ist der Ort von Geschichte
27. Januar 2010, 09:06:57 unter Augarten Contemporary, Ausstellungen, Deutsch, Interviews, Kunsträume, Podcast, Video, Wien, ÖsterreichWo und wie wird eigentlich Geschichte gemacht und warum bleiben manche Bilder von dem was war so nachhaltig in unseren Köpfen haften? Ein Beitrag zur Ausstellung „tanzimat“ im Augarten Contemporary in Wien.

Der Fez, ein karminroter, kegelförmiger, oben abgeflachter Hut mit goldener Quaste – man kennt ihn beispielsweise vom Meinl Logo – verbinden wir in unserer Vorstellung meist mit einer längst vergangenen, orientalischen Welt. In Wirklichkeit wurde dieser Hut erst spät, im 19. Jahrhundert unter Sultan Mahmud II im Zuge der Modernisierung des türkischen Staatswesens zur charakteristischen Kopfbedeckung der Osmanen. Weiterlesen »
Irene Andessner - Selbstbildnisse
24. Dezember 2009, 10:46:22 unter Deutsch, Podcast, Portraits, Video, Wien, ÖsterreichIrene Andessners Selbstinszenierungen sind Wiederbelebungen historischer Persönlichkeiten im Sinne eines Andenkens ebenso wie einer Reaktivierung. Ein Portrait der Künstlerin.

Begonnen hat Irene Andessner mit Malerei. Sie studiert zunächst in Venedig an der Academia di Belli Arti bei Emilio Vedova, einem der wichtigsten italienischen Informel Maler, und anschließend bei Max Weiler und Arnulf Rainer, ebenfalls ein Vertreter des Informel, an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Anlässlich eines Ausstellungsbesuchs im Kunsthistorischen Museum in Wien begegnet Irene Andessner erstmals Bildern der italienischen Renaissancemalerin Sofonisba Anguissola. Deren Selbstportraits faszinieren sie Weiterlesen »
Warhol, Wool, Newman - ‘Barney ist nun auf einer anderen Party’
21. Oktober 2009, 08:58:51 unter Ausstellungen, Deutsch, Graz, Kunsthaus Graz, Museen, Podcast, Video, ÖsterreichDas Kunsthaus Graz fragt nach Parallelen zwischen Warhol, Wool und Newman und präsentiert Arbeiten, die den Einfluss des amerikanischen abstrakten Expressionismus auf die Pop Art untermauern. Ein Beitrag, verwirklicht mit freundlicher Unterstützung des UNIQA ArtCercles.

Wenn Ausstellungen künstlerische Entwicklungen in einem größeren Zusammenhang zeigen, ist dies für jeden Besucher ein Glücksfall. Weiterlesen »
Götz Valien - Verführen und Verführung offen legen
16. September 2009, 09:22:30 unter Berlin, Deutsch, Deutschland, Podcast, Portraits, VideoGötz Valien bezeichnet sich als Bildermacher. Das lässt mehr an Handwerk als an Kunstwerk denken. Indem man in seinen Arbeiten jedoch auf kollektives Bildgut trifft, verliert die Selbstbezeichnung Bildermacher die Einfachheit, zu der sie auf den ersten Blick einmal verführt.
Es ist nicht von vornherein dasselbe, ob einer Bilder malt oder sich malend mit der Machart des Phänomens Bild auseinandersetzt. Als Bildermacher interessiert sich Götz Valien für den Wirkungsgrad von Bildern, dafür, wie bildliche Sprache emotional, bewusst, unbewusst etwas auslöst, das tief im Menschen sitzt. In seinen Arbeiten nutzt er diese Effektivität und legt sie zugleich auch bloß. Das ist der programmatische Teil seiner Bildermacherkunst.

Die Wunschvorstellungen offerierenden Bildsprache der Unterhaltungs- und Werbeindustrie heutiger und früherer Zeiten, insbesondere des Art Déco, nutzt der Künstler. Er bedient sich ihrer Sujets, diese geplanten Wirklichkeitsträume bricht er durch surreale Überhöhung und die Einbindung typografischer Elemente. Der reale Kontext, den seine Bilder zitieren, wird zum virtuellen Bild, zum Wunschbild. Realität wird als virtueller Realismus offen gelegt.
“Egal ob Kitsch, Klischee, Werbung, Kalauer oder erhabene Kunst, es muss gleichermaßen verführen und trotzdem diese Verführung als Verführung offen legen können, um einen wirklichen ’spirituellen Mehrwert’ zu erzeugen.” sagt Valien. Um solcherart beim Betrachter Eindruck zu wecken und Bewusstsein für das Eindrückliche, greift er auf seine Erfahrungen als Zeitgenosse einer medialisierten und populistischen Welt zurück, aber auch auf die Klaviatur malerischer Mittel und ihrer Reflexion, die uns die Kunstgeschichte zur Verfügung stellt. Art Deco artige Innen- und Außenräume, Visionen des modernen Lebens gemalt in der Ikonographie der zwanziger Jahre, Begehrlichkeiten – Schönheit, Exklusivität, Reichtum, Leidenschaft, Sinnlichkeit, Sex, Fortschritt – die in die Bildsprache früherer Zeiten und in die Werbeikonographie von heute verweisen, auch die aktuelle Kunstwelt wird herbeizitiert: “No Buy Oshi” wächst in 20th Century Fox Intro Lettern (oder sind es doch die von Universal Picture) in den Abendhimmel, im Vordergrund eine entfesselte Frau.
Aufgewachsen ist der 1960 geborene Künstler in Salzburg, heute lebt Götz Valien in Berlin und arbeitet dort neben seiner Bildermachertätigkeit zugleich als der letzte Kinoplakatmaler der Stadt. Dieses Handwerk, sagt er, habe er eine Zeit lang für sich strikt von der Kunst getrennt. Bei genauerer Betrachtung aber überlagert es sich mit seinem Tun als Bildermacher virtueller Realität.
Plakatarbeiten Götz Valiens sind noch an den Fronten des Kino International oder auch des Zoo Palast zu sehen, seine Bilder finden sich inzwischen auf der Preview Berlin ebenso wie auf der Scope Miami, London oder New York. (wh)
Deborah Sengl - Vom Tarnen und Täuschen
7. September 2009, 12:26:02 unter Deutsch, Podcast, Portraits, Video, Wien, ÖsterreichZuerst wurde das Tier geschaffen, dann erst kam der Mensch. Das „Altersprivileg“ kompensierte er durch das „Bezeichnungsprivileg“, sein Spätkommen bedeutete: „das Frühergeschaffene beobachten und angemessen benennen können“. (Peter Sloterdijk) Ein notorisch Spätkommender wird der Mensch bleiben, darüber soll die biblische Überlieferung nicht hinwegtäuschen. Denn zu sich kommt er erst dann, wenn er zur Sprache gekommen ist, stets klafft im Individuum die ungeheuerliche Lücke des vorsprachlichen Lebens.
Wenn Deborah Sengl die mit der sprachlichen Begabung einhergehende metasprachliche Fähigkeit einsetzt, um ein neues Wort zu kreieren, verweist sie darauf, dass die Sprache, die man vorfindet, viele Phänomene eher verschleiert, als sie zu enthüllen. In der Wortschöpfung „ertarnen“, mit der die meisten ihrer Werke betitelt sind, bündeln sich die zentralen Themen ihres Schaffens: Mensch, Tier, Tarnung und Züchtung. Die Künstlerin zeigt in ihren Malereien, Zeichnungen und Skulpturen aus Tierpräparaten Zwitterwesen: Menschliche Körper, denen Tierköpfe aufgesetzt sind; Tiere, die sich als ihre Beute tarnen, oder auch als ihre Jäger; Frauenfiguren, deren Körper mit Mode-Logos bedeckt sind; maskierte Gesichter. Die mannigfalten Variationen der Täuschung, die die Natur – meist zum Selbstschutz – bereithält, werden in ihren Arbeiten leicht verrückt, Vorstellungen von Hierarchien, Machtverhältnissen, Opfer-Täter-Beziehungen dadurch irritiert. Es geht um den Kampf ums Dasein, der auch das Vorgeben-Müssen, um bestehen zu können, impliziert.

Durch Deborah Sengls Zusammenführung von Mensch und Tier, dem Spiel mit Täter- und Opferrolle wird aber vor allem eines sichtbar gemacht: Der Bruch, der das Innere des Menschen durchzieht. Die Löwin, die sich im Zebrafell ihre begehrte Beute, der Langläufer, der sich mit Bärenkopf seinen gefürchteten Verfolger, die Frau, die sich mit ihrer Logohaut den Luxus ertarnt, sind in erster Linie identitäts- bzw. sprachverwirrte Kreaturen.
Deborah Sengl studierte an der Hochschule für angewandte Kunst in der Abteilung für Visuelle Mediengestaltung und machte 1997 ihren Diplomabschluss in Malerei bei Christian Ludwig Attersee. Anfangs betrieb sie zusätzlich das Studium der Biologie, ihr Interesse galt dabei vor allem der Gentechnik. (sh)
Die neuesten Arbeiten von Deborah Sengl sind bis zum 7. November 2009 in der Galerie Steineck zu sehen. Am 29. Oktober um 18.00 Uhr findet dort die Buchpräsentation “Deborah Sengl 2008/09″ statt.
Wilhelm Scherübl - Transformieren
19. August 2009, 11:11:13 unter Admont, Ausstellungen, Deutsch, Museen, Podcast, Portraits, Radstadt, Stift Admont, Video, ÖsterreichEs haben sich gewichtige Gründe dafür gezeigt, so der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk, dass es für Menschen weit weniger wichtig sei, zu wissen, wer sie sind, als wo sie sind. Die hartnäckige Ignoranz gegen den Ort des Existierens sei eine der Ursachen für das, was die neuere Philosophie die Seinsvergessenheit genannt hat.
Die Erkundigung nach dem Wo und die spezifische Verortung seiner Person und seiner Werke stellen zentrale Aspekte in Wilhelm Scherübls Arbeit dar. Sein Schaffen realisiert sich in Auseinandersetzung mit seinen Lebens- und Aufenthaltsorten, unter Einbindung der jeweiligen Gegebenheit dieser Orte und der Ressourcen, die er dort vorfindet.

Scherübl lebt am Land, im Oberen Ennstal, er malt viel im Freien, verwendet für seine Installationen Bäume, Pflanzen, und spielt bei seinen Lichtinstallationen mit Spiegelungen natürlicher Wasserflächen. Seine Arbeiten sind Reflexionen über die Natur und der Versuch, Erkenntnisse über künstlerische und natürliche Entstehungsprozesse zu erlangen, über die Komplexität des Organismus Erde und unsere eigene Endlichkeit.
Der Künstler ist hier Initiator, er setzt einen Prozess in Gang, für den er Rahmenbedingungen formuliert, der sich im weiteren Verlauf jedoch weitgehend seiner Kontrolle entzieht. Die Ausführung wird der Natur überlassen, dem Wachstum, Licht, Kälte, Wind: Durch Gefrieren der Farbe im Freien entstehen die so genannten Minusaquarelle, Momente der Vollendung seiner Lichtinstallationen am Wasser stellen sich nur dann ein, wenn die Oberfläche glatt und nicht von Wind aufgeraut ist, Pflanzeninstallationen unterliegen dem natürlichen Kreislauf von Wachsen, Blühen und Verwelken.
Umgekehrt verweisen Installationen, bei denen Pflanzen in künstliche bzw. Kunstkontexte transplantiert werden, wo sie auf lebenserhaltende Maßnahmen angewiesen sind, auf das Konzept von Natur als etwas, das durch Herstellung prinzipiell möglich ist, sowie auf den Versuch des Menschen, sich von natürlichen Prozessen abzukoppeln.
Einhergegangen ist die Beschäftigung mit der anonymen lebendigen Skulptur in ihrer permanenten Veränderung mit der Reflexion über das Unvollkommene, Vorübergehende, nicht Ausformulierte. Ursprünglich von der Bildhauerei kommend – Scherübl erhielt seine Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste und machte seinen Abschluss bei Bruno Gironcoli – verlagerte sich sein Interesse zunehmend von der Form auf die Transformation. Was eine Arbeit ausmacht ist die Gesamtheit des Prozesses, die physischen Energie, die in diesen hineinfließt, aber auch die Dinge, die wegfallen, Steinsplitter etwa, die Scherübl in neue Entstehungskreisläufe von Werken einbindet. Maßgeblich ist hier der Zeitaspekt: Transformationen entstehen in der Zeit, haben ihren Rhythmus. In einem scheinbaren Paradox heißt Zeit effizient nutzen bei Scherübel etwa langwierige Techniken einzusetzen, mit Kugelschreiber oder Bleistift große Papierflächen zu füllen oder Fensterscheiben mit vielen kleinen Pinselstrichen nach und nach zu verdunkeln. Was beim Betrachten dieser Arbeiten erfahrbar wird, ist die Zeit und die Energie, die etwas braucht, damit es werden kann.
Werden und Vergehen, künstliches und natürliches Licht sind auch die Thema, denen sich Wilhelm Scherübl in einer Installation widmet, die aktuell im Rahmen der Ausstellung „Natur - Die Schöpfung ist nicht vollendet“ im Stift Admont zu sehen ist. Der „Raum für künstlerische Intervention“ wurde vom Künstler mit einer auf den Strom “Enns” Bezug nehmenden Lichtinstallation gestaltet, deren verästelte Stromverkabelung für die Transformation von Energie steht. Bücher aus dem Bestand der Stiftsbibliothek zeigen Abbildungen von Sonnenblumen: Inbegriff dessen, was nach dem Licht strebt. „Ich bin lichtsüchtig“, sagt Wilhelm Scherübl. (sh)
Maria Lassnig - Das neunte Jahrzehnt
8. Juni 2009, 18:25:35 unter Ausstellungen, Deutsch, MUMOK, Museen, Podcast, Video, Wien, Österreich„Windelweich, wie Marmelade, blutige Marmelade, bin ich geschlagen, als Verhinderte, Ausgesperrte von der Malerei“
„Es hat immer geheißen, wenn ein Bub auf die Welt kommt, trink’ ma an Schnaps, und bei den Mädchen ein Wasser oder gar nichts,“ erzählt Maria Lassnig in einem ihrer in letzter Zeit sehr zahlreichen Interviews. 1919 geboren, habe sie als Kind bereits Zeichnungen gekritzelt, in einer Ecke. Da sie ihre Hände dabei wie ein Narr, seltsam gekrümmt gehalten hat, habe ihre Mutter einmal eine Wahrsagerin aufgesucht. Diese habe ihr erklärt, dass man das Kind fördern sollte. Ihre Mutter wollte sie stattdessen später bloß gut verheiraten.
Daraus ist nichts geworden. Maria Lassnig hat sich für die Malerei entschieden. Von 1941-1943 studierte sie an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Später lebte sie in Paris und in New York. In Amerika, wo ihre Bilder nicht verstanden wurden, beginnt sie sich neben Malerei auch mit Trickfilm zu beschäftigen. 1980 erfolgte die Berufung an die Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Sie wurde die erste Professorin für Malerei an einer Akademie im deutschsprachigen Raum. 1982 und 1997 waren ihre Werke auf der documenta in Kassel zu sehen. Neben zahlreichen Preisen und Ehrungen erhält sie 1988 den österreichischen Staatspreis für Kunst, 2004 den Max-Beckmann Preis der Stadt Frankfurt.

Laut um sie herum ist es allerdings erst in den letzten Jahren geworden. Sie sei die Entdeckung des Jahrhunderts, die Grande Dame der europäischen Malerei, schwärmten die Kritiker, anlässlich einer von Hans Ulrich Obrist kuratierten Ausstellung in der Londoner Serpentine Gallery. Dieses Jahr zeigte das Museum Moderner Kunst in Wien die Ausstellung ‘Maria Lassnig. Das neunte Jahrzehnt’. „Das klingt ein bisschen so, als wäre sie eine alte Greisin“, zeigte sich die Künstlerin später leicht irritiert über den Titel, „Dabei würde sie sich immer gescheiter und schöner finden, je älter sie werde“. Daher sei der Tod auch „so ein grausamer, ungerechter Abschluss, weil er ein mühsam aufgebautes, auf der Spitze herrlich erstrahlendes Gebäude unnotwendig zerstört,“ schreibt sie einmal in ihren bei DuMont veröffentlichten Tagebüchern. Dies versteht man umso mehr, wenn man ihr Spätwerk betrachtet.
Maria Lassnig ist einer jener seltenen Glücksfälle in der Geschichte der Kunst, wo hart erarbeitetes Wissen und Erfahrung in seiner Vollendung leicht und spielerisch umgesetzt wird. Oft habe sie keine Idee, sagt sie, wenn sie zu arbeiten beginnt. Trotzdem, einige Themen durchziehen beständig ihre Arbeiten. Im Mittelpunkt steht dabei die Darstellung des menschlichen Körpers. In ihrer, wie sie es selbst nennt, „Körperbewusstseinsmalerei“ wird die physische Erscheinung des Körpers um die Dimension des Empfindens erweitert.
Obwohl sie keine feministischen Ansatzpunkte vertritt, wie sie betont, wird in ihren Bildern und Selbstporträts die weibliche Position in der Gesellschaft reflektiert, wobei eine Ironie dabei nicht zu übersehen ist. In ihrem Bild ‘Das Landmädchen’ zeigt sie eine alte Frau, die demonstrativ nackt mit hängenden Brüsten ein Moped Marke Puch Maxi hält. So als wollte sie sagen, den Schnaps könnt ihr haben, aber das Moped gehört mir.
Immer wieder versucht sie in ihren Arbeiten herkömmliche Positionen zu überdenken, neue Perspektiven zu entwickeln und Dinge in anderem Zusammenhang neu erscheinen zu lassen. So schreibt sie in ihren Tagebüchern: „Ach, die Künstler, die Gefangene ihres Stils sind, griesgrämig in die Welt sehen und verbissen den grünen Zweig des Supererfolgs wollen; verwerft den Stil, ändert ihn jede Woche, ändert eure Normen jede Woche, ändert eure Haarfarbe, eure Perücke jeden Tag, ändert euer Vokabularium, eure vorgefasste Meinung über den Nächsten und in der Politik jeden Tag.” (jk)
Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Unterstützung des UNIQA ArtCercle verwirklicht.
Tomak - Es gibt keine pessimistische Kunst
29. April 2009, 09:04:50 unter Deutsch, Interviews, Podcast, Portraits, Video, Wien, ÖsterreichÖl auf Leinwand, Zeichnungen, Texte, Performances – die Techniken künstlerischen Ausdrucks, sagt der in Wien lebende Künstler Tomak, muss man sich erarbeiten, hart erarbeiten. Zufrieden geben sich die Bequemlichen. Aber wer anderen zupass sein will, der schafft keine Kunst, denn er scheut Antrieb und Gegenwind.
Vorantreiben wollen und bestehen können, wenn harscher Wind aufkommt, beides sind Fundamente seiner künstlerischen Selbstpositionierung. Kunst, die es verdient, Kunst genannt zu werden, entspringt der Stärke und der Sensibilität. Man muss hart sein und Auflehnungsbereit gegenüber Trägheit, nur indem man sich vom Schwachen trennen kann gibt man dem Starken Raum. Diese Haltung verlangt der Künstler sich selbst ab und er mutet sie anderen zu. Sich zu Frieden geben? “Warum nicht etwas Fragwürdiges, etwas Verstörendes erzeugen? Ich ziehe in den Krieg.”

“Er widerspricht mit jedem Wort, dieser jasagendste aller Geister.” Das Bild das Nietzsche vom Künstler entwirft ist Tomak gedanklich nahe. Nietzsche habe das Theatralische, das ihm gefällt. Der städtische Bourgeois-Bohemian und der provinzielle Stammtischproletarier hingegen sind ihm verhasst. Zwar sind auch sie theatralisch, jedoch in negativstem Sinn: Sie tragen Intellekt und Revolte nur zur Schau, schaffen homöopathische Kunst, leben einen homöopathischen Kampf.
Als Künstler setzt man sich aus, das ist definitorisch gemeint. Man darf sich nicht ausnehmen, wenn man es ernst meint. Verletzungen muss man als Künstler in Kauf nehmen, sie sind als Teil der Forschung zu sehen. Die Abstraktion des Medizinischen verwende er, um psychologische Zustände zu fassen. “Im Gesicht zeichnet sich mein Leben ab, und so zeichne ich dem Leben ab”. In seine Bilder baut er sich selbst mit ein, entblößt bis aufs Fleisch. Wer sehen will, will nicht geschont werden, heißt es bei Nietzsche “Die furchtbaren und fragwürdigen Dinge darstellen, ist selbst schon ein Instinkt der Macht und Herrlichkeit am Künstler: er fürchtet sie nicht! Es gibt keine pessimistische Kunst. Die Kunst bejaht. Hiob bejaht.” (wh)
MUSA - Museum auf Abruf
27. März 2009, 11:23:50 unter Deutsch, Museen, Museum auf Abruf, Podcast, Video, Wien, ÖsterreichManche Dinge hat man abrufbereit, weil sie einem wichtig sind. Man speichert sie. Sie stehen zur Verfügung. Das ist beispielsweise mit Geburtstagen von Freunden so oder auch mit wichtigen Telefonnummern, manchmal auch mit Kunstwerken. In Wien gibt es dafür das Museum auf Abruf. In diesem Museum der Stadt Wien werden Arbeiten von in Wien lebenden Künstlern in einer Sammlung aufbewahrt und der Bevölkerung zur Verfügung gestellt.
Begonnen wurde die Sammlung mit einem Aquarell-Ankauf im Jahr 1945. Inzwischen ist der Kunstspeicher auf fast 20.000 Werke angewachsen. Sie dokumentieren über ein halbes Jahrhundert Arbeit von in Wien ansässigen Künstlerinnen und Künstlern. Ankauf, sagt der heutige Leiter des MUSA Berthold Ecker, ist die konsequenteste Förderung für Künstler. Das war am Beginn der Sammlung ein Eckpfeiler der Kunstpolitik und ist es geblieben. Jährlich kauft die Stadt Wien circa 130 neue Kunstwerke für die Sammlung an. Heute befinden sich darunter Arbeiten von Franz West, Maria Lassnig oder auch Erwin Wurm.

Lange Zeit war die Sammlung der Stadt zwar abrufbereit, aber kein Ort verfügbar, an dem hätte gezeigt werden können, was die Sammlung angefangen von Malerei, Skulptur und Zeichnungen, über Installationen bis hin zu Videos und Neue-Medien Arbeiten zu bieten hat. Gäbe es eine permanente Ausstellungsfläche, man könnte die Arbeiten ins Licht der Öffentlichkeit rücken. So aber wird mit jeder Schau ein “Museum auf Abruf” ins Licht gerückt, titelte 1991 der damalige Leiter der Sammlung Wolfgang Hilger, womit auch die Namensgebung geklärt wäre.
2007 wurde das Museum auf Abruf, kurz MUSA, dann tatsächlich verwirklicht. In einem Gebäude rechts vom Wiener Rathaus stehen in den ehemaligen Räumlichkeiten einer öffentlichen Küche sechshundert Quadratmeter modernster Ausstellungsraum inklusive Depot zur Verfügung.
Das MUSA beherbergt neben der Ausstellungshalle eine Startgalerie, reserviert für junge Künstlerinnen und Künstler, um diesen Einzelausstellungen zu ermöglichen. Darüber hinaus gibt es noch die Artothek, in der Bilder aus der Sammlung zu einem Leih- und Versicherungsbetrag unter drei Euro pro Monat ausgeborgt und mit nach Hause genommen werden können.
Das Ziel, Kunst aus der Wiener Bevölkerung an die Wiener Bevölkerung zu bringen und Zugangsschwellen zu senken ist ebenso Museumsprogramm wie die Förderung der Künstler. Das Museum bietet drei groß angelegte Ausstellungen pro Jahr und zehn Ausstellungen in der Startgalerie sowie ein ambitioniertes Vermittlungsprogramm, das auch Menschen mit besonderen Bedürfnissen als Kunstpublikum berücksichtigt. Der Zugang zu den Ausstellungen ist gratis. Es wäre sonderbar, so der Leiter des Museums Berthold Ecker, wenn die Wienerinnen und Wiener als Eigentümer der Sammlung und deren Gäste Eintritt zahlen müssten.
Über den Ankauf entscheidet ebenso wie über die Bespielung der Startgalerie eine unabhängige Jury. Bewerbungsunterlagen für einen Ankauf gibt es hier und wer sich für eine Ausstellung in der Startgalerie interessiert schreibt ein Mail begleitet von Biografie und Portfolio an die Startgalerie des MUSA. (wh)








