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Unsere Künstlerportraits über Michel de Broin und Shary Boyle wurden am Reel Artists Film Festival Toronto 2012 sowie am Canadian Art Reel Artists Film Festival 2012 in Calgary gezeigt. Für alle, die nicht in Kanada sein können, gibt es die beiden Künstlerportraits auch bei uns zu sehen: Michel de Broin - Matters of Circulation und Shary Boyle - Manufaktur des Fragilen.

CastYourArt Video- und Audiobeiträge


Christian Eisenberger - Der Reiz künstlerischer Gebärde.

20. Januar 2010, 16:58:45 unter Ausstellungen, Deutsch, Englisch, Interviews, Portraits, Video, Wien, Österreich

Künstlerportrait Christian Eisenberger. Warum reizt das Unbesorgt-Sein an Menschen und Dingen? Weil es den Anschein von Verwahrlosung oder von Kindsein macht.


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Wenn ein Baum fällt, tief drinnen in einem Wald und niemand kann es bezeugen. Ist es dann wirklich geschehen? Und wenn jemand ein Kunstwerk macht, irgendwo am Fuße eines Berges und niemand anderer war dabei. Weiterlesen »



Douglas Henderson - Visible Sound

22. Juli 2009, 11:51:43 unter Audio, Berlin, Deutschland, Englisch, Portraits

Douglas Henderson nähert sich seiner Arbeit eher als abstrakter Maler, denn als Komponist. Ein Portrait des New Yorker Performers und Komponisten.

Teil 1. Visible Sound


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Teil 2. Playback


[23:11 min] herunterladen auf: Handy, Computer und iPod | Feedback senden

Studiert hat der amerikanische Klangkünstler Douglas Henderson Komposition und Theorie an der Princeton Universität bei Milton Babbitt, dem Synthesizer Pionier und Pulitzer Preisträger, bei Elie Yarden und J.K. Randall, Mitherausgeber des Magazins Perspectives of New Music. Weiterlesen »



Tomak - Es gibt keine pessimistische Kunst

29. April 2009, 09:04:50 unter Deutsch, Interviews, Podcast, Portraits, Video, Wien, Österreich

Öl auf Leinwand, Zeichnungen, Texte, Performances – die Techniken künstlerischen Ausdrucks, sagt der in Wien lebende Künstler Tomak, muss man sich erarbeiten, hart erarbeiten. Zufrieden geben sich die Bequemlichen. Aber wer anderen zupass sein will, der schafft keine Kunst, denn er scheut Antrieb und Gegenwind.

Vorantreiben wollen und bestehen können, wenn harscher Wind aufkommt, beides sind Fundamente seiner künstlerischen Selbstpositionierung. Kunst, die es verdient, Kunst genannt zu werden, entspringt der Stärke und der Sensibilität. Man muss hart sein und Auflehnungsbereit gegenüber Trägheit, nur indem man sich vom Schwachen trennen kann gibt man dem Starken Raum. Diese Haltung verlangt der Künstler sich selbst ab und er mutet sie anderen zu. Sich zu Frieden geben? “Warum nicht etwas Fragwürdiges, etwas Verstörendes erzeugen? Ich ziehe in den Krieg.”


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“Er widerspricht mit jedem Wort, dieser jasagendste aller Geister.” Das Bild das Nietzsche vom Künstler entwirft ist Tomak gedanklich nahe. Nietzsche habe das Theatralische, das ihm gefällt. Der städtische Bourgeois-Bohemian und der provinzielle Stammtischproletarier hingegen sind ihm verhasst. Zwar sind auch sie theatralisch, jedoch in negativstem Sinn: Sie tragen Intellekt und Revolte nur zur Schau, schaffen homöopathische Kunst, leben einen homöopathischen Kampf.

Als Künstler setzt man sich aus, das ist definitorisch gemeint. Man darf sich nicht ausnehmen, wenn man es ernst meint. Verletzungen muss man als Künstler in Kauf nehmen, sie sind als Teil der Forschung zu sehen. Die Abstraktion des Medizinischen verwende er, um psychologische Zustände zu fassen. “Im Gesicht zeichnet sich mein Leben ab, und so zeichne ich dem Leben ab”. In seine Bilder baut er sich selbst mit ein, entblößt bis aufs Fleisch. Wer sehen will, will nicht geschont werden, heißt es bei Nietzsche “Die furchtbaren und fragwürdigen Dinge darstellen, ist selbst schon ein Instinkt der Macht und Herrlichkeit am Künstler: er fürchtet sie nicht! Es gibt keine pessimistische Kunst. Die Kunst bejaht. Hiob bejaht.” (wh)



Ahmet Ögüt - Vor deinen Augen

12. November 2008, 11:20:38 unter Englisch, Istanbul, Podcast, Portraits, Türkei, Video

Zeitgenössische Kunst war in der Türkei lange Zeit ein nationales Geschehen und wurde nicht zuletzt deshalb international weitgehend ignoriert. Das hat sich geändert. In den siebziger und achtziger Jahren haben KünstlerInnen wie Füsun Onur, Ayse Erkmen, Gülsün Karamustafa, Hale Tenger u.a. begonnen, traditionsbedingte oder nationalstaatliche Festlegungen zu durchbrechen und internationale Einflüsse einzubringen. Mit der stärker werdenden internationalen Aufmerksamkeit der neunziger Jahre und den Istanbul Biennalen bot sich der progressiveren zeitgenössischen Kunst der Türkei Präsentationsfläche und Öffentlichkeit, was das Bewusstsein für den Wert dieser Kunst vor Ort, wie auch deren Entwicklung förderte.
Die jüngere Generation türkischer Künstler hat von diesen Veränderungen inhaltlich aber auch beruflich profitiert. Der Zugang zum internationalen Kunstbetrieb ist für Kunst aus der Türkei heute offener als noch vor wenigen Jahren.

Einer der international beachteten türkischen Künstler der nach 2000er Generation ist Ahmet Ögüt. Ausstellungsbeteiligungen in San Francisco, Berlin, Sydney, Athen, Eindhoven, Seoul, Helsinki, Santa Fe, Nimes, Malmö, Stockholm, Zagreb, London, Banja Luka, Stuttgart. Einzelausstellungen in Basel und Barcelona, drei Biennalen, zahlreiche Online- und Printbeiträge. Die vergangenen zwölf Monate des 27 jährigen Künstlers mit Arbeits- und Wohnort Istanbul und Amsterdam waren künstlerisch dicht gedrängt.


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Malerei, Performance, Video, Skulptur, Fotografie, Zeichnung, Installation. Ahmet Ögüt wendet verschiedene künstlerische Mittel an, um vielseitig Zugang zu seinen Ideen zu schaffen. In seinen Arbeiten greift er Gewohntes auf. Handlungen, Gegenstände, Situationen, die uns jeden Tag unterkommen, die für uns nicht weiter beachtenswert sind, weil wir sie schon längst erfasst haben. Die gewitzten Interventionen, mit denen Ahmet Ögüt am Gewohnten ansetzt, bringen jedoch Unerwartetes zum Vorschein: Einlagerungen staatlicher Macht, Festschreibungen gesellschaftlicher Unterschiede und soziale Kälte aber auch Idealismus, Hoffnung, individueller Widerstand und Ohnmacht werden in den Alltäglichkeiten sichtbar. Es setzt, sagt Ahmet Ögüt über die Wirkung seiner Kunst, eine Erinnerung ein an etwas, das wir schon wissen, aber zu sehen vergessen haben.

Statt dem oftmals hermetischen Weg der Theorie wählt der Künstler die Einstiegshilfe des Anektdotischen und Spielerisch-Absurden, um Menschen anzusprechen. Bei aller Leichtigkeit sind seine Arbeiten jedoch kritikvoll und weisen eine klare Schlagseite der Parteilichkeit für die entdeckerische, sich-öffnende, ausprobierende Seite im Menschen auf. Er wolle nicht belehren, sondern erinnern, und sei in seinem künstlerisch-politischen Selbstverständnis nicht an den großen Erzählungen interessiert, sondern an den Anekdoten. Diese könne man schnell erfassen. Sie verlangten nicht viel Zeit, um verstanden zu werden. So bleibe für jeden genug Zeit um darüber nachzudenken. (wh)



The Nature Theater of Oklahoma

22. Oktober 2008, 10:27:05 unter Englisch, Festivals, Podcast, Portraits, Tanzquartier Wien, Video

In “Amerika”, Kafkas unvollendet gebliebenem Roman, wird der sechzehnjährige Karl, nachdem ihn ein Dienstmädchen verführt und von ihm ein Kind erwartet, auf Wunsch seiner Eltern nach Amerika geschickt. In New York beginnt der soziale Abstieg des von seinen Eltern verstoßenen Jungen. Auf der Suche nach Zugehörigkeit macht er die Erfahrung, in eine Welt geraten zu sein, in der nur der eigene Vorteil zählt und mit emotionalen Bedürfnissen kalkuliert wird. Soziale Anerkennung und emotionale Nähe wird ihm nur um den Preis der Unterwerfung und Selbstausbeutung zugestanden. Im letzten Kapitel des nie vollendeten Romans stößt Karl in den Straßen New Yorks auf ein Plakat des Nature Theater of Oklahoma, das jedem eine Arbeit und Heimat verspricht. Karl schreibt sich ein und zieht mit dem Theater Richtung Westen. Folgt man Max Brod, der den Roman nach Kafkas Tod veröffentlichte, war das Theater als der Ort geplant, an dem Karl Teilhabe und damit heim und zu sich selbst findet.


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“All Welcome! Anyone who wants to be an artist, step forward! We are the theater that has a place for everyone, everyone in his place!” Es ist die auf dem Theaterplakat spürbare Großzügigkeit, vor dem Hintergrund der kalkulierenden und Menschen deformierenden Welt Karls, die den Geist der Theatergruppe Nature Theater of Oklahoma rund um Kelly Copper und Pavol Liska anspornt und zur Namensgebung beitrug. Ihr Theater ist ein Ort, der Teilhaben lässt, an dem sich die Szenerien vor dem Publikum entwickeln und eher gespielt wird, als ein Stück aufzuführen. In Kafkas Amerika ist es das einladende Moment des Theaters, das die Sinne für die soziale Kälte im Umgang der Menschen schärft. Auch im Spiel der aus New York kommenden Theatergruppe werden Alltäglichkeiten, die zu gewöhnlich sind, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden, zum Thema gemacht. Die Schauspieler spielen sie. Sie kreieren aus alltäglichen Bewegungen, die nach dem Zufallsprinzip des Würfelns oder Kartenlegens neu zusammengesetzt werden, Tanz und neuen Sinn und überführen wie in No Dice Telefongespräche in Theaterdialoge.

Die Vorgehensweisen der Theatergruppe resultieren in einem völlig ungewöhnlichen und humorvollen Theatererlebnis und sie öffnen darüber hinaus die Sinne und Neugier für Gesten, die wir täglich zu leben gewohnt sind, aber nur selten sehen. Bei den Salzburger Festspielen 2008 wurde das Nature Theater of Oklahoma dafür mit dem Young Directors Award ausgezeichnet. (wh)



SIGNA - Die Komplex-Nord Methode

8. Oktober 2008, 17:58:17 unter Deutsch, Festivals, Graz, Podcast, Portraits, Steirischer Herbst, Video, Österreich

Als Künstlerduo SIGNA versorgen die Dänin Signa Soerensen und der Österreicher Arthur Koestler unsere Welt mit ihresgleichen. Sie installieren Abzüge des Originals, dreidimensionale Parallelwelten, bewohnbare Kartographien: Eine heruntergekommene Absteige als die ausweglose Welt sechs osteuropäischer Prostituierter beherrscht vom Abstieg und der Brutalität ihrer Peiniger. Ein mystisches Albtraum Universum bestehend aus vierzig Räumen voll der religiösen, politischen und sozialen Rituale. Der Trakt einer geschlossenen psychiatrischen Station, geführt von der Ärztin Dr. Dorine Chaikin und ihrem Team, das amnesiekranke Patienten einem Verfahren aus Fürsorge und Disziplin unterwirft.


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Die Parallelwelten von SIGNA sind Abzüge, die ihre geschichtliche und geographische Haftung verloren haben. Die Farbgebungen, die Kostüme, die Möbel, die bis ins kleinste Detail bruchlosen Requisiten wecken zeitliche und regionale Assoziationen, das wo und wann bleibt unbestimmt. Wer diese Welten betritt, schreibt sich ein, für sechs, zwölf oder vierundzwanzig Stunden und führt seinen Part am Geschehen aus. Kraft seiner Phantasie, seiner Persönlichkeit und seiner Grenzen beginnt ein Spiel zwischen sich und sich fremd sein.

Im Rahmen des diesjährigen Steirischen Herbst hat das CastYourArt Team um einen Besuchstermin im Komplex-Nord des Dorine Chaikin Institutes gebeten und eine der seltenen Drehgenehmigungen erhalten.(wh)



Sweat – The Workshop

6. August 2008, 09:49:26 unter Englisch, Festivals, Impuls Tanzfestival, Podcast, Video, Wien, Österreich

Ein Laie und der erste Tänzer der städtischen Oper verwickeln sich in Heinrich Kleists Essay “Über das Marionettentheater” in ein Gespräch. Der Laie, völlig beeindruckt von der Vorstellung, fragt den Profi nach dem technischen Mechanismus, der es möglich macht, die Puppen so beeindruckend tanzen zu lassen, dass er den Eindruck habe, hier werde Tanz schlechthin dargeboten.

Die Antwort des Profis lautet: Für die Wahrnehmung tänzerischer Perfektion gilt, dass wir durch das Augenscheinliche, das uns nach den technischen Raffinessen vollkommener Bewegung fragen lasse, in die Irre geführt werden. Weder liegt es am Mechanismus der Bewegung, noch an der perfektionierten Technik, die die einzelnen Gliedmaßen der Puppen mit höchster Präzision zu handhaben erlaubt, dass der Besucher eine so vollkommene Tanzdarbietung erlebt. Will man verstehen, weshalb eine tänzerische Darbietung durch und durch perfekt erscheint, so muss man den Blick weg von der technischen Perfektion hin auf den Mechanismus der Repräsentation des Tanzes richten. Ist dieser Mechanismus der Repräsentation des Tanzes perfekt, so kann der Betrachter, wo immer er Bewegungen sehe, die den repräsentierten entsprechen, nicht anders, als das Gesehene mit dem Begriff “Tanz” zu versehen. Und umgekehrt, sieht er Bewegungen, die jenen der Repräsentation des Tanzes nicht nahe kommen, so wird er diese, seien sie auch noch so anmutig, nie als Tanz benennen. Kurzum: Als Tanz nehmen wir wahr, was seiner Repräsentation entspricht.

In ihrem Workshop “Sweat – The Movie” nehmen sich Tor Lindstrand und Marten Spangberg von International Festival sowie Workshopteilnehmer aus elf Ländern der Thematik der Repräsentation des Tanzes an. Zeitgenössischer Tanz ist mehr und auch anderes als das, was wir aufgeführt auf der Bühne sehen. Zeitgenössischer Tanz beschränkt sich nicht auf Bewegungsfragmente, die uns in Musikvideos oder Hollywoodfilmen vorgeführt werden. Aber zeitgenössischer Tanz ist von eben diesen Repräsentationen des Tanzes beeinflusst und kaum zu trennen. Was ist Tanz, wenn sich das Medium seiner Repräsentation verlagert? Was ist Tanz?


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Konzipiert haben Lindstrand und Spangberg ein Workshopsetting, bei dem die Teilnehmer, allesamt professionelle Tänzer, gängige Repräsentationen von Tanz nicht nur reflektieren – sich ihnen annähern oder sich von ihnen distanzieren – sondern selbst filmische Möglichkeiten der Repräsentation von Tanz ausprobieren und damit einen Beitrag zur Definition von Tanz leisten. “Sweat – The Movie”, so Tor Lindstrand, ist ein Workshop über die Produktion eines Tanzfilms und “Sweat – The Movie” ist ein Tanzfilm über eben diesen Workshop, der am Impulstanz Festival in Wien stattgefunden hat. Die Teilnehmer des Workshops haben abwechselnd sämtliche Aufgaben übernommen - Choreografie, Filmsets, Drehbuch, Kamera, Dialoge, Training, Regie. Produziert wurde binnen dreißig Tagen, gezeigt wird der Film am 31. Tag, dem 08.08.08 am Impulstanz Festival, im Kasino am Schwarzenbergplatz in Wien.



Fuckhead - Dieses schöne Lied

18. Juni 2008, 16:14:11 unter Deutsch, Donau Festival Krems, Festivals, Krems, Podcast, Video, Österreich

Dieses schöne Lied verstört, zumindest seit die Gruppe Fuckhead dessen fortschreitende Dekonstruktion mit großen Gesten zelebriert. Gefesselt schon in jungen Jahren vom Adrenalinkick in der Moshpit, waren die Musiker und Performer Aigner, Bruckmayr, Strohmann, Kern, Jöchtl und Pittermann ursprünglich als Noise-Rockband angetreten. Mit ihrer Musik und den zusehends in die Auftritte integrierten, Tableaux Vivants artigen Schlussbildern grenzte sich Fuckhead von den Authentizitäts-Attitüden der Nieten-Punk Generation Ende der achtziger Jahre ab. Der ironische Umgang mit Authentizitätsbildern in ihren politischen aber auch die Männlichkeit betreffenden Färbungen ist ihnen bis heute geblieben.

Ironie muss verstanden werden, um als solche wahrgenommen zu werden. Das hat nicht immer funktioniert. Zu Beginn ihrer Karriere stand Fuckhead bald als Projektionsfläche vieler in vielfach bösem Ruf. Den Linken war Fuckhead zu rechts, den Rechten zu schwul, dem Underground fehlte es an politischer Programmatik und für die Kunstwelt war Fuckhead zu unanpassbar, um sie in Kunsttheoriezirkel und -geschäft zu integrieren.


[6:01 min] herunterladen auf: Handy | Computer & iPod | Feedback senden

Musik und Performanceanteil halten sich bei Fuckhead die Waage. Legen die einen mehr Gewicht aufs Musikalische, finden sich die anderen vor allem im Visuellen wieder. Im Mittelpunkt der visuellen Szenerie stand lange Zeit die Erprobung des eigenen Körpers. Mit Bruckmayrs durch die Brust gezogene Stahlseilhängung war für die Band eine Grenze erreicht, die weitere Ausrichtung ihrer Performance stand in Frage. “Wir haben uns in letzter Zeit wieder etwas bunter aufgestellt”, kommentieren die Mitglieder von Fuckhead die Neupositionierung. Das Publikum hat diesen Wechsel angenommen, die Vibes sind positiv und die Adrenalindusche Fuckhead lebt. Insbesondere wenn, wie am Donaufestival in Krems, der kalifornische Body-Art Performer Ron Athey die falschen Perlen anal veräußert, mit denen die europäischen Eroberer die Ureinwohner Amerikas in bereichernder Absicht für sich eingenommen hatten. (wh)
Die Aufnahmen zur Episode entstanden am Donaufestival Krems.



Mankind at the Donau Festival

21. Mai 2008, 13:40:21 unter Donau Festival Krems, Englisch, Festivals, Interviews, Krems, Podcast, Video, Österreich

Im Fall von Mankind wird die Menschheit von zwei Künstlerinnen gestellt. Wie jede andere Menschheit hat auch diese ihre Vorgeschichte. Der eine Teil von Mankind, D. Kimm, ist eine aus Montréal stammende Dichterin und Musikerin. Bereits vor ihrer Zeit bei Mankind organisierte sie Literaturfestivals und verschrieb sich als Leiterin von “Les Filles électriques” der Aufführung von Poesie in ihren schriftlichen, gesprochenen und elektronischen Formen. Der andere Teil der Menschheit hat Wurzeln in Ottawa, heißt Alexis O`Hara und sammelte als Musikerin elektronischer Klangzunft, Onomatopoetin und Poetry Slammerin bereits Erfahrung in der Verdichtung menschlicher Belange.

Mankind performt life elektronisches Klanggut mit eigenen, zu Loops geschleuderten, Stimmlagen, poetischen Konversationen und on the go produzierten Geräuschkulissen zu einem Klangkino von besonderer visueller, akustischer und inhaltlicher Dichte. Ihren eigenen Worten zu Folge ist Mankind “Überschallkino mit visuellem Bonus”. Das Publikum erlebt filmische Qualität ohne Rewind-Knopf. Der improvisatorische Charakter ihrer Performances führt ständig Neues vor Augen und durchbricht die gläserne vierte Wand, die im herkömmlichen Theater die Kunst vom Zuschauerraum trennt.


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Mankind, der Name des Duos, ist inhaltlich-programmatischer Natur. Das menschliche Sein zieht sich als roter Faden durch ihre stets themenbezogenen Inszenierungen. Gelebte und gewünschte Alltäglichkeiten werden entworfen. Was dem Profanen zu Grunde liegt - verheimlicht oder geheiligt – kommt in den Blick. Mankind durchleuchten die Wunschmaschine Leben. Was sie uns vorfertigt an Schönem und Schwierigem wird audioszenisch gesichtet, improvisatorisch erweitert, gebrochen, mitunter auch zerstört. “We seek out Beauty as well as Trouble. We transcend the Palpable and the Impalpable. Our Weakness is our Strength.” heißt es im künstlerischen Manifest, ” We are Mankind.”. (wh)
Die Aufnahmen zur Episode entstanden am Donaufestival Krems.



Marten Spangberg - Slow Fall

30. April 2008, 10:51:38 unter Englisch, Kunstwerke, Podcast, Tanzquartier Wien, Video, Wien, Österreich

Sucht man nach einer Bezeichnungen für die Profession Marten Spangbergs, stößt man auf viele Begriffe. Er ist Performer, hat als Tanzkritiker begonnen, schreibt theoretische Arbeiten, ist als Tanzdramaturg, Kurator und Choreograf tätig und gilt als Inszenierer in durchaus positivem Sinne. Mit dem schwedischen Architekten Tor Lindstrand kooperiert Spangberg seit 2004 unter dem Namen International Festival. Ihre gemeinsame Arbeit gilt der Wahrnehmung von Körper- und Raumbegriffen und stößt international auf Interesse. Heuer und im letzten Jahr waren sie unter anderem in der European Kunsthalle in Köln, auf der PERFORMA 07 in New York, bei der VOLTA New York und beim Steirischen Herbst 07 eingeladen. Für das Festival in Graz entwerfen sie “The Theater”, ein Ort für Geschichten, Charaktere und Illusionen, eine Performance und eine in Container verfrachtbare, räumlich flexible Theaterarchitektur.

Neben seiner Kooperation mit Tor Lindstrand arbeitet Marten Spangberg auch als Solokünstler. Er experimentiert in Performances mit sich selbst und anderen. Die Werkzeuge seiner Arbeit sind der Körper in Bezug zur Welt und die Art und Weise wie sich der Körper zum Raum verhält. Es geht ihm um die Verhältnismäßigkeiten, die wir verkörpern: unser Selbst, unsere Wirklichkeiten, unser Soziales, unser Wollen …


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Das Interview mit dem Künstler haben wir im Rahmen der Veranstaltungsreihe “NICHTS ist aufregend. NICHTS ist sexy. NICHTS ist nicht peinlich.” im Museum Moderner Kunst und dem Tanzquartier Wien geführt. Seine hier gezeigte Performance “Slow Fall” ist eine Skizze, ein künstlerischer Entwurf einer Arbeit, die im November 2008 Premiere haben wird. Im Kontext dieser Performance geht es Spangberg darum, die Verhältnismäßigkeiten, die wir verkörpern, aufzuweichen, und eine Möglichkeit für ein neues Verständnis unserer Selbst zu schaffen.

Spangberg nimmt sich vor allem der Behauptung “NICHTS ist nicht peinlich” an und sucht nach einem Begriff des Peinlichen, der seinem künstlerischen Schwerpunkt der Arbeit an der Verhältnismäßigkeit von Körper zu Raum und Körper zu Welt entspricht. Die Peinlichkeit als eine Deplatziertheit, als ein Verlegen-Machen, als eine Levitation, die unsere Verkörperungen von Verhältnismäßigkeit frei schwebend macht um Möglichkeit zu bieten, selbstbestimmt zu erfassen, wie es sich mit uns verhält. Zur choreografischen Umsetzung dieses Programms greift Spangberg auf Elemente östlich-spiritueller Entkörperungstechniken zurück und verweigert seinen Zusehern die Schau einer Performance, für die sie bereits Worte bereit hätten. Sein Durchbrechen von Verhältnismäßigkeiten, die wir gewohnter Weise verkörpern, erwirkt eine Deplatzierung, die das Publikum während der Performance ob der Nacktheit des noch nicht in Worte – in neue Verhältnisse - Gekleideten im besten Sinne als ein ‘Uns verlegen machen’ erfährt. Es fehlen dem Publikum die Worte, es ist unverhältnismäßig, damit ist aber auch ein bisschen Raum geschaffen, selbst Maß seiner Verhältnisse zu werden und die erfahrene Verlegenheit zu nutzen, eigene Worte zu finden und Position zu beziehen. (wh)

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