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CastYourArt Video- und Audiobeiträge


Gordan Savicic - Lat 54.136696 Lon 13.771362

11. September 2008, 21:43:04 unter Englisch, Podcast, Portraits, Video, Wien, Österreich

Gordan Savicic, Absolvent im Fach digitale Kunst der Universität für angewande Kunst Wien, Masterabschluss am Piet Zwart Institute in Rotterdam für Media Design Art, Design, Hacking und Leisure. Selbstbezeichnung: unabhängiger Elektronik Fachmann, Entwickler, Vortragender und RealGamer. In seinen Arbeiten setzt sich der Künstler mit auf Informations- und Kommunikationstechnologien basierenden virtuellen Welten und deren Einfluss auf den realen Raum auseinander, spielerisch und anspruchsvoll.

Das Virtuelle zeitigt Konsequenzen nicht nur im Virtuellen. Der Soziologe Manuell Castells beschreibt es in seiner Arbeit über “Das Informationszeitalter” in etwa so: Der Raumbegriff der virtuellen Welt ist einer der Ströme und Vernetzungen von Kapital. An seinen Knoten wirft der virtuelle Raum im Realen rasend Städte auf und verödet ganze Landstriche. In ihm wird Zukunft spekulativ vorverdaut und was nicht mundet kommt nicht an in unserer Gegenwart. In einer solchen Gesellschaft verliert, wer alten Raumvorstellungen verhaftet bleibt, entwickelt sich die Welt als ungreifbarer Zufall, ungerecht und launisch, gesteuert von einem Unsichtbaren, den zu bitten keinen Sinn macht, weil er ungreifbar bleibt, keine E-mail Adresse, kein Adressat.

Wenn Gordan Savicic in seinem Projekt Constraint City eine einengende Stadt durchstreift, visualisiert er eine ungreifbare Macht des Virtuellen im Realen, die sich unmittelbar auf unsere Körper, unsere Wege, unsere Möglichkeiten und Alternativen durchschlägt. Die Durchzogenheit der virtuellen Welt mit Kapital und Kommerz wird in ihren Beschränkungen ersichtlich, ganz nebenbei relativiert der Künstler durch seine Hacktivism Kunst auch die von Spielkonsolen bis zu Second Life vermittelte Mär von der realen Virtualität als eines Spielraums. Der virtuelle Raum ist real, er lebt von Besitz, Vermögensanhäufung, Ausschluss und der subtilen Einschränkung des Möglichen aufs wirtschaftlich Wünschenswerte.


[7:16 min] herunterladen auf: Handy | Computer & iPod | Feedback senden

Die Einnahme der virtuellen Welt nicht im Sinne der Anwendung dessen, was an Möglichem vorgegeben ist, sondern indem Bedingungen des Möglichen selbst geschaffen werden, ist ein politisches und technisches Experiment. Verwirklicht wird es vom Künstler mit ganzem körperlichen Einsatz – flesh gordo  (wh)



Franziska Maderthaner - geschüttet, ungerührt

13. August 2008, 14:05:36 unter Deutsch, Podcast, Portraits, Video, Wien, Österreich

Machen sie sich ein Bild von der Wirklichkeit, von der Realität. Ist Realität immediat, also unmittelbar und unvermittelt? Ist sie im Medium oder ist es das Medium selbst, dem hinsichtlich der Wirklichkeitsmacht der Vorzug zu geben ist? Wirklichkeit, realisiert als ausschließendes Verfahren, als Versuch der Reduktion, hat die wissenschaftliche und künstlerische Auseinandersetzung über Jahrhunderte für sich beansprucht. Im ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert ist dieser Zugang in der stetig steigenden Flut alltäglicher Bilderwelten versunken.

Der Einfluss dieses Umbruchs auf die Arbeiten der Malerin Franziska Maderthaner ist sichtbar. Statt Reduktion herrscht Konstruktion, De- und Rekonstruktion, Bricollage vor. Statt angestrengtem Ausschluss, Überschuss an Bedeutung. Statt Pathos des Einen, Spiel mit Verweisen, konstellieren und komponieren.


[8:56 min] herunterladen auf: Handy | Computer & iPod | Feedback senden

Die Arbeiten von Franziska Maderthaner sind hyperreal, sampelnd und konstellierend. Realisieren heißt für die Malerin zusammenfinden, malen, zueinander organisieren von Medien, Stilen, Inhalten und Techniken. Das ist wie im richtigen Leben. Wir Betrachter realisieren was uns an Eindrücken und Bilderwelten zustößt durch Zusammenstellung, durch Konstellation. Solche Zusammenschau ist Arbeit, Thema, Experiment und Angebot der Malerin. Stilvorschriften – Entweder figurative oder abstrakte Malerei! – interessieren sie nicht. Letztlich, umschreibt Franziska Maderthaner ihren Freiraum, ist alles Farbe auf Leinwand.

Und das Ich, das sich ein Bild von der Wirklichkeit macht? Es ist vielfach, eine Reihe von Kunstgeschichten, die, zusammengefügt, Namen tragen: Franziska Maderthaner, Lou Rosenblatt, … (wh)



Leo Peschta - Maschinoid

23. April 2008, 22:05:29 unter Deutsch, Kunstwerke, Podcast, Video, Wien, Österreich

Ian Fleming, der Erfinder der Romanfigur James Bond, veröffentlicht 1964 ein Buch, das er seinem Sohn Caspar widmet. Die Geschichte handelt vom mittellosen Erfinder Karaktakus Pott. Für seine Zwillinge kauft Karaktakus ein altes Gefährt, das er mit Einfallsreichtum und erfinderischem Geschick in ein wunderbares Ding verwandelt, um damit auf Reisen zu gehen. Das Vehikel der damit beginnenden abenteuerlichen Erfahrung der Familie Pott erhält einen onomatopoetischen, die Gratwanderung des Erfinders zwischen Scheitern und Erfolg widerspiegelnden Namen. Es heißt Chitty Chitty Bang Bang.

Fragt man den jungen Wiener Künstler Leo Peschta nach Anknüpfungspunkten für seine künstlerischen Arbeiten in der Kindheit, dann verweist er auf Karaktakus Pott. Erfindungsreichtum, Faszination für Technik, die funktionsentfremdende Zusammenstellung ursprünglich funktional entworfener Bausteine, die Bereitschaft zu scheitern und die Freude am Unbestimmten verbinden den Künstler mit der Romanfigur Flemings. Die Auseinandersetzung mit Raumwahrnehmung und Raumproduktion, der Entwurf maschineller Schnittstellen zwischen medialen Welten, aber auch die Objekthaftigkeit und besondere Ästhetik von Maschinen und Maschinenteilen bilden künstlerische Anliegen, die seine Arbeiten darüber hinaus verbinden. George Rickey und Theo Jansen, nennt Leo Peschta, geht es um Einflussgrößen aus der Kinetischen Kunst.

Zur Kunst ist Leo Peschta über Umwege gekommen. Zunächst steht eine Karriere als Werbegrafiker im Raum. Mit der Erfahrung monotoner Produktionsbedingungen steigt in ihm die Überzeugung, fortan künstlerisch tätig zu sein. Peschta besucht die Klasse für digitale Kunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien und die Willem de Kooning Academy in Rotterdam. Statt maschinenhaften Funktionierens widmet er sich nun dem Entwurf maschinell anmutender Objekte und er beginnt sich mit Physical Computing auseinanderzusetzen.

Wie Flemings Erfinder greift Leo Peschta für seine Objekte auf industriell gefertigte, funktionale Teile aus der Industrie zurück. In ihrer künstlerischen Zusammenfügung enthebt er diese Gebrauchsobjekte ihres ursprünglichen Funktionszusammenhangs und schafft zugleich Möglichkeitsraum für Erfahrung. Überraschendes, veränderte ästhetische Blicke auf die Dinge des Alltags, spielerische Aufforderung. Seine Arbeiten sind wie Vehikel, die Reise beginnt. (wh)


[5:53 min] herunterladen auf: Handy | Computer & iPod | Feedback senden

Noch bis Ende August ist “Der Zermesser” im Lentos, Kunstmuseum Linz zu sehen, anschließend wird er vom 19. - 21. September auf der ArtBots in Dublin zu sehen sein.



Mara Mattuschka - Du meines Herzens Vibrator

19. März 2008, 15:19:20 unter Deutsch, Podcast, Portraits, Video, Wien, Österreich

Sie produziert jährlich Filme. Sie steht vor der Kamera. Sie führt Regie, in den letzten Jahren zusammen mit dem Choreografen Chris Haring. Dass sie Chris Haring getroffen hat, ist ein Segen, erzählt Mara Mattuschka. Er ist großzügig. Er hat ein offenes, Menschen und ihre Sichtweisen integrierendes Arbeitssystem. Haring inszeniert in nackten Räumen. Sie macht daraus einen Film, der in Setting und Dramaturgie den Filmgesetzen entspricht. Ihren Umgang mit Perspektive als Malerin erstreckt sie ins Filmische. Blicke nah am Körper, von unten, von oben. Blicke, die perspektivisch verzerren. In digitaler Nachbearbeitung entwirft sie Orte, Architekturen und Räumlichkeit. “Legal Errorist”, “Part Time Heroes” und “Running Sushi” heißen die Filme ihrer Zusammenarbeit. Ein vierter folgt.

Frühere filmische Arbeiten nennt sie psychologische Dramolette. Ihre Inhalte bewegen sich an der Grenze zwischen Tragik und Komik. Sie tritt als Performance-Künstlerin auf. Sie ist Madame Ping Pong, sie ist Mimi Minus, Mahatma Gobi und Ramses die II. Identität ist irgendwie lax, im Spielen, in der Selbstdarstellung wird das klarer. Man entwickelt im Spielen eine gewisse Lockerheit zu sich selbst und zu den Problemen im Alltag. Das sei das, was Otto Mühl im Prinzip wohl angestrebt habe.


[8:13 min] herunterladen auf: Handy | Computer & iPod | Feedback senden

Mara Mattuschka macht Filme, spielt, singt, malt. Bulgaren, sagt sie, Bulgaren haben einen Hang dazu alles zu können. Mara Mattuschka stammt aus Bulgarien. Malerei und Animationsfilm hat sie bei Maria Lassnig gelernt. Ihre künstlerischen Ausdrucksformen sind vielfältig. Ihr Werk lebt von Fülle, ihre Charaktere sind meist nackt, psychologisch offenherzig. Wahrheit hat viele Seiten. Sie bezeichnet sich als post-postmodern – sie spielt und es geht ihr zugleich um Wahrheit.

Das 20. Jahrhundert, der Zwang zum Experiment und Brechen von Regeln ist für sie vorbei. Es gebe eine neue Renaissance, eine Rückwendung zum Menschen, die eigentlich schon mit der Diskussion um die Geschlechterrollen begonnen habe. Diese neue Renaissance sei wunderbar, das Wort Kreativität hasst sie. So vielseitig sie arbeitet, so viel Energie hat sie. Erholung zwischen ihren Arbeiten gibt’s im Cafe. Das ist wienerisch, dort atmet sie durch vom Kasachok des Lebens. (wh)



Andrea Kessler - Revolutions per Minute

20. Februar 2008, 17:50:37 unter Deutsch, Kunstwerke, Podcast, Video, Wien, Österreich

RPM, Revolutions per Minute, zeigt eine interaktive Installation der Wiener Architektur- und Medienkünstlerin Andrea Kessler. An dünnen Fäden schwebend, aufgespannt im Raum, reagieren übereinander liegende Flächen aus weißem, elastischem Stoff auf die Annäherungen der Betrachter. Sie driften auseinander und verengen sich, sie bilden Falten, sie werfen fließend Räume auf. Die Ästhetik des lebendigen Raumes zieht an. Dass sich bewegt, was wir als statisch antizipieren, und dabei auch noch kreischende Geräusche von sich gibt, weckt aber auch Grausen. Bewegter Raum hat etwas von der Unheimlichkeit jener Pflanzen, die sich von selbst bewegen, oder Geräusche von sich geben.


[4:02 min] herunterladen auf: Handy | Computer & iPod | Feedback senden

Mit Revolutions per Minute erprobt Andrea Kessler architektonische Herausforderungen. Die fließende Adaption von Räumen, deren Reaktion auf soziale Prozesse sind Visionen für eine Welt, die immer dichter, immer individueller, immer mobiler wird. Die Installation lädt zu spielerischem Umgang ein. Im Spiel erproben wir en miniatur mögliche Realitäten. Dabei gewöhnen wir uns nicht nur, wir stoßen auch auf Fragen - nach der Machbarkeit, nach der Sinnhaftigkeit, nach der Richtung unserer Dynamik. (wh)

    

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