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WILHELM LEIBL. Gut sehen ist alles!

Kategorie: Ausstellung 13. Februar 2020

Wilhelm Leibl (1844–1900) gilt als einer der bedeutendsten Maler des 19. Jahrhunderts und als einer der wichtigsten Vertreter des Realismus. Dennoch blieb er für die Nachwelt ein „artist’s artist“ und ist heute nur mehr einem kleinen Kreis von Künstlern, Kuratoren und Sammlern bekannt. Dem will die Albertina nun Abhilfe schaffen.

Seit 25 Jahren wurde Leibls Werk nicht ausgestellt, es ist das erste Mal außerhalb Deutschlands. Die in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich entstandene Retrospektive vereint malerische und zeichnerische Arbeiten, kuratiert von Marianne von Manstein und Bernhard von Waldkirch. Zu sehen sind Werke, aus eigenen Beständen, vor allem aber Leihgaben aus Ungarn, Tschechien, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA. Etwa 60 Zeichnungen sind den Gemälden gleichwertig zur Seite gestellt.

Leibl hat vor allem Porträts und Interieurs mit ländlichen Figuren gemalt. An diese Malerei stellte er rigorose Wahrheitsansprüche: Wahrheit und künstlerische Form waren ihm wichtiger als die Idealisierung der Wirklichkeit. „Gut sehen ist alles“ war seine Maxime.

In Köln geboren, studierte er an der Münchner Akademie und hatte früh Erfolge und Anerkennung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Wilhelm Leibl ein geschätzter Künstler, bei den Weltausstellungen in Paris und Wien wurde er mit Medaillen ausgezeichnet. Gustave Courbet lud ihn zum Pariser Salon 1869 ein, wo er auch ausgezeichnet wurde, er musste aber dann im Zuge des Krieges von 1870 das Land verlassen. In München scharte er ab 1870 den „Leibl-Kreis“ von gleichgesinnten Künstlern um sich. Auch van Gogh kannte und schätzte sein Werk, er erwähnte das Gemälde „Drei Frauen in der Kirche“ in Briefen.
Ab 1873 zog sich Leibl auf das bayerische Land zurück. Dort entwickelte er seine Malerei mit bäuerlichen Motiven. Allerdings ohne Felder oder blühende Pflanzen, sondern mit eher statischen Figuren, ohne Sozialkritik. Seine Vorbilder waren die Niederländer des Goldenen Zeitalters. Die Interieurs und Menschen des 19. Jahrhunderts malte er im Licht und Stil der alten Meister, etwa eines van Dyck, Rubens oder Rembrandt.

Künstler wie Max Liebermann, Lovis Corinth und Beckmann schätzten das Werk Leibls.
Seinem eigenen Werke gegenüber blieb der Künstler stets selbstkritisch, er hat einige seiner Werke zerschnitten, wie „Das Mädchen mit der Nelke“, in Öl auf Holz gemalt, das er zersägte. Übrig blieben, einzeln gerahmt, das Porträt sowie die Hände. Das Gemälde „Wildschützen“, an dem er zwischen 1882 und 1886 arbeitete, zerteilte er ebenfalls. So genau und kritisch in seinem Urteil, so minutiös und langsam arbeitete Wilhelm Leibl an seinen Bildern. Die drei Bäuerinnen aus dem berühmten "Drei Frauen in der Kirche" etwa mussten vier Jahre lang in den Kirchenbänken immer wieder Modell sitzen. Da dieses Werk nicht aus der Hamburger Kunsthalle nach Wien reisen durfte, wird in der Albertina eine erste Fassung des Gemäldes gezeigt.

Leibl schuf Bilder aus einer anderen Zeit, in seinen Interieurs, und in der Art und Weise, wie er die Personen im spärlich beleuchteten Räumen platziert. Ihm schien die Malerei seiner Zeit und die Moderne fremd geblieben zu sein und doch gilt seine Verweigerung der Erzählerischen durchaus als modern.

Seinen Idealen vom Wahren und Realen blieb er treu, ebenso seiner Hingabe an die ländlichen Sujets. Leibls Rückzug aufs Land war endgültig. Er baute sich ein Atelier in Bad Aibling und blieb dort bis zu seinem Lebensende.

Im Jahr 1900 starb Leibl erst 56-jährig an einem Herzleiden. Er hinterließ aufgrund seiner skrupulösen Arbeitsweise einen reichhaltigen Fundus an hervorragenden Zeichnungen und Vorstudien. Der malerische Werkkorpus ist zahlenmäßig nicht so groß, dennoch zeigt die Retrospektive Wilhelm Leibl als wichtigen Maler - manchmal unnachgiebig und spröde, aber immer ehrlich. (Text: Cem Angeli)

https://www.albertina.at/


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