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DANIEL SPOERRI. Gespräch im Atelier und Ausstellungsschau im Bank Austria Kunstforum

Kategorie: Ausstellung, Gespräch 8. April 2021

Kuratorin Veronika Rudorfer, Kuratorin im Bank Austria Kunstforum, stellte in zweijähriger Vorbereitungszeit etwa 100 Arbeiten zusammen, in Kooperation mit der Schweizerischen Nationalbibliothek (der Spoerri sein Archiv schenkte) - und mit dem Künstler selbst, der seit 2007 in Wien lebt und 2009 in Hadersdorf am Kamp ein Ausstellungshaus mit Restaurant eröffnete.
In chronologischer Anordnung zeigt die Ausstellung die vielfältigen Interessen des als Daniel Isaac Feinstein in Galati, Rumänien geborenen Künstlers auf. Nachdem seine Mutter mit ihm und 6 Geschwistern 1942 in die Schweiz geflüchtet war, wuchs er bei seinem Onkel mütterlicherseits auf, von dem er den Nachnamen Spoerri annahm.
Nach seiner Ballettausbildung wurde er Erster Solotänzer des Berner Stadttheaters, 1957 ging als Regieassistent nach Darmstadt. Zu dieser Zeit kam er mit der konkreten Poesie in Berührung, er wurde Sprachkünstler, kam mit der Zero-Gruppe in Düsseldorf in Kontakt und wurde mit Robert Filliou Gründungsmitglied des Nouveau Réalisme in Paris. Mit Filliou und Roland Topor produzierte Spoerri in den 1960er Jahren Fluxus-Postkarten. Mit Künstlerfreunden wie Man Ray, Daniel Gerstner Jean Tinguely produzierte er Kunsteditionen wie auch die Edition MAT (Multiplication d’art transformable).
In diesem so vielfältigen Werk gibt es immer wieder Themen, die Konstanten bilden und sich durch die Ausstellung ziehen, vor allem der Gedanke einer demokratisierten Kunst.
Die Wechselwirkungen zwischen künstlerischer Praxis im Feld des Visuellen und des Konzeptuellen sind vielfältig und nicht nur auf die Darstellung beschränkt. jedes seiner Werke hat eine Geschichte, eine konzeptuelle und visuelle Aufladung, die für den Blick des Betrachters eine jeweils neue Konzeption oder Reinterpretation zulassen.
Mit seinen "Fallenbildern" ("Tableaux pièges") ging Spoerri in die Kunstgeschichte ein. Auf diesen hielt er ab den 1960er-Jahren reale Mahlzeiten mit Tischtüchern, Gläsern und Aschenbechern fest und hing sie an die Wand. Er eröffnete "Eat-Art" - Restaurants in Zürich, Paris, oder New York, kochte selbst so manches exotisches Getier, ließ Kritiker servieren und hielt dann die Überreste in der Vertikalen fest. Mit der Zeit rückte der soziale Akt des gemeinschaftlichen Mahls immer mehr ins Zentrum seiner Arbeit.
Anders als Duchamp erklärte er nicht einzelne Gegenstände zu Kunstwerken, sondern ganze Situationen in der Zeit. Er hielt die Mahlzeiten in bestimmten Momenten an, liess die "Falle zuschnappen", also den Zufall die Situation und damit die Szenerie bestimmen, die dann als Zeugnis des gelebten Moments in der Vertikalen gehängt wird. Ein Versuch, mittels der Kunst die Zeit einzufangen.
Neben seinen "Fallenbildern" entstanden Anfang der 1960er-Jahre auch "Détrompe-l’Œils", durch Objekte ins Dreidimensionale erweiterte Gemälde, zu Assemblagen arrangierte Flohmarktwaren: Puppenteile, Besteck, Lampen, Puppen. Die Faszination für die Gegenstände zeichnet das Werk des Objektkünstlers aus, der Zufall erlaubt ihm, Vorgefundenes zu Assemblagen zu verbinden, Hochsymbolisches wie Kruzifixe mit Artefakten aller Art sowie mit dem Alltäglichsten und Nahrungsresten.
In einem Seitenraum des der Ausstellung finden sich die auf der Symi entstandenen "Zimtzauberkonserven", fetischartige Objekte aus gefundenen Materialien, und auch sein Experimentalfilm "Resurrection."
Die Ausstellung endet schließlich mit seinem toskanischen Anwesen Il Giardino di Daniel Spoerri, seit 1997 ein öffentlicher Skulpturengarten mit Arbeiten bekannter Künstlerfreunde Spoerris wie Nam June Paik, Eva Aeppli, Meret Oppenheim und Niki de Saint Phalle.
Im letzten Raum werden schießlich in ironischer Umkehrung des Zufallsprinzips präzise komponierte Assemblagen aus Nudelrädern, Sonnenbrillen oder Eierbecher zu Kollektionen aufgereiht. (Text: Cem Angeli)


Die Ausstellung läuft noch bis 27.6.2021

https://www.kunstforumwien.at


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