TABITA REZAIRE. Calabash Nebula. Cosmological Tales of Connection
Mit Calabash Nebula. Cosmological Tales of Connection eröffnet das Weltmuseum Wien einen Raum, in dem der Kosmos nicht als fernes Objekt der Eroberung erscheint, sondern als Beziehungsgeflecht, dem wir selbst angehören. In dem Ausstellungsfilm sprechen die Künstlerin Tabita Rezaire und Weltmuseum-Direktorin Claudia Banz über eine künstlerische Praxis, die kosmologisches Denken, Spiritualität und politische Verantwortung miteinander verbindet.
Ausgehend von ihrer Lebensrealität in Französisch-Guayana — einem Ort, an dem europäische Raumfahrt auf indigene Wissenssysteme trifft — hinterfragt Rezaire die Dominanz wissenschaftlicher Bildwelten, die unser Verständnis des Universums prägen. Fotografien aus Weltraumteleskopen haben viele andere Vorstellungen des Kosmos verdrängt. Rezaire setzt dem eine vielstimmige Erzählung entgegen: westliche Raumfahrttechnologien treffen auf schamanische Visionen, spirituelle Portale, Wasserwesen und überlieferte Praktiken der Maroon- und indigenen Gemeinschaften. Der Kosmos wird so nicht vermessen, sondern erfahren.
In Arbeiten wie Des/astre, Omo Elu und OMI: Yemoja Temple entfaltet sich ein kosmologischer Raum der Hingabe. Die Yoruba-Wasser- und Muttergöttin Yemoja steht dabei im Zentrum — als Quelle von Heilung, Schutz und Transformation. Die Ausstellung lädt dazu ein, sich dem Kosmos nicht als Beobachterin, sondern als Teilnehmender zu nähern: Besucherinnen und Besucher können innehalten, sich austauschen, Opfergaben darbringen und eigene innere Wege beschreiten.
Ein zentrales Anliegen von Rezaire ist die Infragestellung hierarchischer Wissensordnungen — insbesondere jener, die aus kolonialen Machtstrukturen hervorgegangen sind. Ihr Werk steht für ein verkörpertes, sensibles, spirituelles Wissen, das nicht trennt, sondern verbindet, und das menschliche, geografische und kosmische Beziehungen neu denkt.
Für Claudia Banz ist diese Ausstellung zugleich programmatisch für die neue Reihe WMW Contemporary. In einem Museum, dessen Sammlungen stark von kolonialen Kontexten geprägt sind, versteht sie zeitgenössische Kunst als Möglichkeit, eingefrorene Erzählungen zu öffnen und neu zu verhandeln. Nicht das einzelne Objekt steht im Mittelpunkt, sondern ein Erfahrungsraum, der Fragen stellt: Wer erzählt hier welche Geschichte? Und aus welcher Perspektive?
Der Film begleitet diese vielschichtige Ausstellung als Einladung zur eigenen Erfahrung — und als Annäherung an einen Kosmos, der nicht außerhalb von uns liegt, sondern durch uns hindurch verläuft.
https://www.weltmuseumwien.atDas könnte Sie auch interessieren
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